6. Passionsandacht - 24. März 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrer Martin Schwerdtfeger - Lektor: Helmut Gerisch

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Herzlich willkommen zu unserer Passionsandacht!

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Aus Psalm 130

Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir.

Herr, höre meine Stimme!

Lass deine Ohren merken

auf die Stimme meines Flehens!

Wenn du, Herr, Sünden anrechnen willst –

Herr, wer wird bestehen?

Denn bei dir ist die Vergebung,

dass man dich fürchte.

Ich harre des Herrn, meine Seele harret,

und ich hoffe auf sein Wort.

Meine Seele wartet auf den Herrn

mehr als die Wächter auf den Morgen;

mehr als die Wächter auf den Morgen

hoffe Israel auf den Herrn!

Denn bei dem Herrn ist die Gnade

und viel Erlösung bei ihm.

Und er wird Israel erlösen

aus allen seinen Sünden. Amen.

Lesung aus der Passionsgeschichte nach Lukas 23, 1-25

Die ganze Versammlung stand auf, und sie führten ihn vor Pilatus und fingen an, ihn zu verklagen, und sprachen:

„Wir haben gefunden, dass dieser unser Volk aufhetzt und verbietet, dem Kaiser Steuern zu geben, und spricht, er sei Christus, ein König.“

Pilatus aber fragte ihn und sprach: „Bist du der Juden König?“ Er antwortete ihm und sprach: „Du sagst es.“

Pilatus sprach zu den Hohenpriestern und zum Volk: „Ich finde keine Schuld an diesem Menschen.“ Sie aber beharrten darauf und sprachen: „Er wiegelt das Volk auf damit, dass er lehrt im ganzen jüdischen Land, angefangen von Galiläa bis hierher.“

Als aber Pilatus das hörte, fragte er, ob der Mensch aus Galiläa wäre. Und als er vernahm, dass er unter die Herrschaft des Herodes gehörte, sandte er ihn zu Herodes, der in diesen Tagen auch in Jerusalem war.

Als aber Herodes Jesus sah, freute er sich sehr; denn er hätte ihn längst gerne gesehen; denn er hatte von ihm gehört und hoffte, er würde ein Zeichen von ihm sehen. Und er fragte ihn mancherlei. Er antwortete ihm aber nichts.

Die Hohenpriester aber und die Schriftgelehrten standen dabei und verklagten ihn hart. Aber Herodes mit seinen Soldaten verachtete und verspottete ihn, legte ihm ein weißes Gewand an und sandte ihn zurück zu Pilatus. An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; denn vorher waren sie einander feind.

Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Oberen und das Volk zusammen und sprach zu ihnen: „Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht als einen, der das Volk aufwiegelt; und siehe, ich habe ihn vor euch verhört und habe an diesem Menschen keine Schuld gefunden, deretwegen ihr ihn anklagt; Herodes auch nicht, denn er hat ihn uns zurückgesandt. Und siehe, er hat nichts getan, was den Tod verdient. Darum will ich ihn züchtigen lassen und losgeben.“

Da schrien sie alle miteinander: „Hinweg mit diesem! Gib uns Barabbas los!“

Der war wegen eines Aufruhrs, der in der Stadt geschehen war, und wegen eines Mordes ins Gefängnis geworfen worden.

Da redete Pilatus abermals auf sie ein, weil er Jesus losgeben wollte. Sie riefen aber: „Kreuzige, kreuzige ihn!“

Er aber sprach zum dritten Mal zu ihnen: „Was hat denn dieser Böses getan? Ich habe keine Schuld an ihm gefunden, die den Tod verdient; darum will ich ihn züchtigen lassen und losgeben.“

Aber sie setzten ihm zu mit großem Geschrei und forderten, dass er gekreuzigt würde. Und ihr Geschrei nahm überhand. Und Pilatus urteilte, dass ihre Bitte erfüllt würde, und ließ den los, der wegen Aufruhr und Mord ins Gefängnis geworfen war, um welchen sie baten; aber Jesus übergab er ihrem Willen.

Predigt

„Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.“ Sturm und Wellen können auch ein gutes Schiff mit ausgebildeter Besatzung in Gefahr bringen und sogar sinken lassen. Und ob man vor Gericht Recht bekommt, ist auch nicht immer absehbar.

Ein guter Anwalt kann helfen. Manchmal nützt auch internationale Aufmerksamkeit, wenn jemand verurteilt werden soll, der sich nur für die Demokratie und die Menschenrechte eingesetzt hat. Aber oft ist das Diktatoren auch gleichgültig. Bei politischen Prozessen geht es nicht um das Recht.

Und bei Klagen gegen große Konzerne braucht es sehr viel Geld und Geduld, um durch viele Instanzen zu gehen.

Jesus wird angeklagt. Wegen Volksverhetzung und Hochverrat. Man bringt ihn zum römischen Statthalter Pontius Pilatus. Der sucht erst einmal das Gespräch mit dem Angeklagten, findet keine Schuld, aber lässt ihn nicht frei. Er überstellt ihn Herodes, der für Galiläa zuständig ist.

Herodes hat von Jesus gehört und stellt ihm viele Fragen, bekommt aber keine Antwort. Der Herrscher ist beleidigt und macht sich lustig. „Der will ein König sein? Legt ihm ein passendes Gewand an!“ Ein weißes Gewand, wie es vornehme Leute zum Fest tragen. – Ein Spott, wie die Dornenkrone später.

Und er schickt ihn zurück zu Pilatus. – Von Pontius zu Pilatus. – Es geht nicht um Recht. Es geht darum, Macht zu zeigen und zu sichern.

Pilatus findet immer noch keinen Grund zur Verurteilung, aber da die wütende Stimmung auf der Straße zunimmt, liefert er Jesus aus, als sein Angebot einer Begnadigung abgelehnt wird. Die Menge möchte lieber, dass Barabbas freikommt.

Um Schuld oder Unschuld geht es nicht.

Aus christlicher Sicht ist es ein unfaires Verfahren. Das Urteil steht vorher fest.

 

Und unser Umgang mit Schuld?

Wie oft sind wir empört, wenn ein Verantwortlicher, der Schaden angerichtet hat, nicht dazu steht und von seinem Amt zurücktritt. Wenn er sein Kleben an seiner Position noch rechtfertigt: „Ich bin keiner, der davonläuft, wenn es schwierig wird.“

Wie viele weichen der Trauer über einen Verlust aus und fragen erst einmal: „Wer ist schuld?“ Der behandelnde Arzt, das Krankenhaus, der Ehepartner, der Chef?

Die Frage nach der Verantwortung ist nicht unwichtig, manchmal aber nicht so leicht zu beantworten. Sie kann den Blick verstellen für das, was im Moment helfen würde: den eigenen Schmerz wahrnehmen, trauern, Abschied nehmen, den Verlust verarbeiten.

Kinder, die nach einem Unfug ertappt werden, reagieren häufig so: „Ich war’s nicht. Der andere ist schuld.“ Sie hoffen, noch einmal davonzukommen. Als Persönlichkeit reifen sie so nicht.

Erwachsene sollten etwas weiter sein. Sie sollten wahrnehmen, wenn einem anderen Leid widerfährt. Dann ist Einfühlungsvermögen gefragt, Solidarität, Schmerz mit aushalten, Trost. Und danach stellt sich die Frage, was zu tun ist.

„Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.“ Das wird als große Unsicherheit verstanden.

Für Jesus bedeutet es ganz anders: Ich bin bei Gott in guten Händen. Was auch geschehen mag, Gott liebt mich und gibt auf mich acht.

Damit kann er getrost leben und sterben. –

Und wir auch. Amen.

Fürbitten

Unsicher sind wir, Gott,

und bringen unsere Unsicherheit vor dich.

In Sorge um unsere Angehörigen sind wir,

und wir bringen unsere Sorge vor dich.

Bedrückt sind wir,

und wir bringen unsere Ängste vor dich.

Dankbar sind wir für alle Menschen,

die uns Mut machen,

und wir bringen unseren Dank für sie vor dich.

Mitten hinein in unsere Angst

schenkst du uns das Leben.

Du schenkst uns

Musik, Gemeinschaft und

die Fürsorge unserer Freunde und Nachbarn.

Du schenkst uns

Inspiration, Freundlichkeit und Mut.

Du schenkst uns

den Glauben, die Liebe und die Hoffnung.

Dir vertrauen wir uns an - heute und morgen

und an jedem neuen Tag. Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und gebe dir Frieden. Amen.