5. Passionsandacht - 17. März 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Prädikantin Barbara Terweiden - Lektor: Herbert Terweiden

Du bist ein Gott, der mich sieht.

Mit der Tageslosung für den heutigen Tag, aus dem Buch Mose, begrüße ich Sie ganz herzlich zu unserer 5. Passionsandacht.

Auch heute geht es in der Lesung und in der Ansprache um Teile der Passionsgeschichte, wie der Evangelist Lukas berichtet.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Aus Psalm 102

Herr, höre mein Gebet und lass mein Schreien zu dir kommen!

Verbirg dein Antlitz nicht vor mir in der Not,

neige deine Ohren zu mir; wenn ich dich anrufe, so erhöre mich bald!

Denn meine Tage sind vergangen wie ein Rauch, und meine Gebeine sind verbrannt wie von Feuer.

Ich bin wie die Eule in der Einöde,

wie das Käuzchen in den Trümmern.

Ich wache und klage wie ein einsamer Vogel auf dem Dache.

Meine Tage sind dahin wie ein Schatten, und ich verdorre wie Gras.

Du aber, Herr, bleibst ewiglich und dein Name für und für. 

Du wollest dich aufmachen und über Zion erbarmen;

denn es ist Zeit, dass du ihm gnädig seist, und die Stunde ist gekommen. 

Denn er schaut von seiner heiligen Höhe, der Herr sieht vom Himmel auf die Erde,

dass er das Seufzen der Gefangenen höre und losmache die Kinder des Todes, 

dass sie in Zion verkünden den Namen des Herrn

und sein Lob in Jerusalem,

wenn die Völker zusammenkommen und die Königreiche, dem Herrn zu dienen.

Amen.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung aus der Passionsgeschichte nach Lukas 22, 54-71

54Sie ergriffen ihn aber und führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters. Petrus aber folgte von ferne.

55Da zündeten sie ein Feuer an mitten im Hof und setzten sich zusammen; und Petrus setzte sich mitten unter sie.

56Da sah ihn eine Magd im Licht sitzen und sah ihn genau an und sprach: Dieser war auch mit ihm.

57Er aber leugnete und sprach: Frau, ich kenne ihn nicht.

58Und nach einer kleinen Weile sah ihn ein anderer und sprach: Du bist auch einer von denen. Petrus aber sprach: Mensch, ich bin’s nicht.

59Und nach einer Weile, etwa nach einer Stunde, bekräftigte es ein anderer und sprach: Wahrhaftig, dieser war auch mit ihm; denn er ist auch ein Galiläer.

60Petrus aber sprach: Mensch, ich weiß nicht, was du sagst. Und alsbald, während er noch redete, krähte der Hahn.

61Und der Herr wandte sich und sah Petrus an. Und Petrus gedachte an des Herrn Wort, wie er zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.

62Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.

63Die Männer aber, die Jesus gefangen hielten, verspotteten ihn und schlugen ihn,

64verdeckten sein Angesicht und fragten: Weissage, wer ist’s, der dich schlug?

65Und viele andere Lästerungen sagten sie gegen ihn.

66Und als es Tag wurde, versammelte sich der Rat der Ältesten des Volkes – Hohepriester und Schriftgelehrte –, und sie führten ihn vor ihren Hohen Rat

67und sprachen: Bist du der Christus, so sage es uns! Er sprach aber zu ihnen: Sage ich’s euch, so glaubt ihr’s nicht;

68frage ich aber, so antwortet ihr nicht.

69Aber von nun an wird der Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft Gottes.

70Da sprachen sie alle: Bist du denn Gottes Sohn? Er sprach zu ihnen: Ihr sagt es, ich bin es.

71Sie aber sprachen: Was bedürfen wir noch eines Zeugnisses? Wir haben’s selbst gehört aus seinem Munde.

Predigt

Liebe Gemeinde,

Von Petrus, dem Jünger Jesu, wird an einigen Stellen der Bibel erzählt. Er ist ein impulsiver, manchmal etwas hitzköpfiger Mensch, mit dem „Herz auf der Zunge“. Seine erste Begegnung mit Jesus hatte er, als er noch Fischer war.

Eine ganze Nacht waren sie vergeblich auf dem See Genezareth gewesen, sie hatten nichts gefangen. Umsonst gearbeitet, jetzt nur noch die Netze wieder richten….

„Fahrt noch mal raus ins tiefe Wasser und legt eure Netze aus“, sagt Jesus zu ihm. Der erfahrene Fischer Petrus widerspricht zunächst…..“Wir haben die ganze Nacht gefischt und nichts gefangen…….aber... auf dein Wort fahren wir noch mal raus……“

Wir wissen, dass es eine riesig große Menge von Fischen war, die sie daraufhin gefangen hatten und Jesus hatte Petrus in seinen Bann gezogen. Petrus wurde einer seiner Jünger.

In den folgenden Jahren hatte Petrus viel mit Jesus erlebt. Er hatte viel gehört von Gott und vom Himmelreich und er fühlte sich stark im Glauben und Vertrauen…….und jetzt, beim Haus des obersten Priesters……

„Ich kenne ihn nicht“…. „ich doch nicht“…..  „ich weiß nicht wovon du sprichst“…..

Dann kräht der Hahn…...und ich denke, der Hahnenschrei geht dem Petrus durch Mark und Bein.

Und Jesus dreht sich um und schaut ihn an.

Nicht mit einem „Siehste, hab ich ja gleich gesagt“ oder einem „Wenn Blicke töten könnten Blick“,  sondern mit einem Blick der weiß und der versteht.

Und Petrus, dem tut es im selben Moment leid, er läuft weg, er schämt sich und weint bitterlich!

Liebe Gemeinde,

kennen Sie so Situationen, wo man sich selbst, wie Petrus, überschätzt? Wo man sich vornimmt etwas zu sagen und sich dann im entscheidenden Moment nicht traut aus Angst vor den Folgen?

Das kann vielleicht sein im Kollegenkreis vom Gottesdienstbesuch zu erzählen, oder kirchenfernen Menschen Gottes Segen zu wünschen.

Das kann sein sich gegen rassistische Aussagen zu stellen oder für Flüchtlinge zu sprechen, oder einfach der „gängigen Meinung“ zu widersprechen.

Ich tu es manchmal nicht…...verrate ich damit Gott?

Ich hoffe, dass Gott mir verzeiht, er weiß wie schwach ich oft bin.

Und dann das Gegenteil; jemand verspricht, sich für mich einzusetzen, etwas für mich Unangenehmes zu klären und mir zu helfen. Ich verlasse mich darauf und er tut es dann doch nicht, aus welchem Grund auch immer. Oder ich vertraue einem Freund und er stellt sich gegen mich.

Wie reagiere ich? Fällt da die Klappe, „aus die Maus“, mit diesem Menschen will ich nichts mehr zu tun haben…?

Jesus ist anders, bei ihm fällt die Klappe nicht!  Er versteht, - er kennt den impulsiven Petrus, er kennt sein Herz.  Später, als Auferstandener, gibt Jesus ihm sogar den Auftrag ein Fels in seiner Kirche zu sein als er ihm sagt: „Weide meine Lämmer“.

Deshalb kann ich darauf vertrauen, dass er mich kennt, dass er uns kennt.

Er kennt meine Gedanken und meine Verfehlungen, aber ich denke, er sieht auch meine Bemühungen meine Mitmenschen mit liebevollen Augen anzusehen. Er sieht in mein Herz, dass manchmal viel will, und er sieht meinen Körper, der oft so schwach ist.

Der Mensch Petrus macht mir Mut und schenkt mir Hoffnung und Zuversicht.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, der bewahre unser Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn und Bruder.

Amen!

Fürbitten

Jesus Christus, unser Herr und Bruder, du hast dich erniedrigt bis zum Tod am Kreuz. Du hast Verachtung, Unrecht und Schmerzen auf dich genommen. So bist du uns nahe gekommen.

Auch wenn wir leiden, bist du gegenwärtig. Unsere Schuld scheidet uns nicht mehr von dir.

Stehe allen bei, die schwer tragen an der Last ihres Lebens, an Zerbrochenem, an Unrecht – dem eigenen und dem fremden, an Krankheit und am Sterben.

Tröste durch deine Nähe, heile und befreie durch die Kraft deines Todes und deiner Auferstehung.

Behüte uns bis ans Ende zu einem neuen Leben. Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und gebe dir Frieden. Amen.