4. Passionsandacht - 10. März 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrerin Elke Schwerdtfeger - Lektor: Friedrich-Wilhelm Kruse

Liebe Gemeinde, herzlich willkommen zur 4. Passionsandacht in der Pauluskirche.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Aus Psalm 51

Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte,

und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit.

            Wasche mich rein von meiner Missetat,

            und reinige mich von meiner Sünde.

Denn ich erkenne meine Missetat,

und meine Sünde ist immer vor mir.

            Siehe, dir gefällt Wahrheit, die im Verborgenen liegt,

            und im Geheimen tust du mir Weisheit kund.

Lass mich hören Freue und Wonne,

dass die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast.

            Verbirg dein Antlitz vor meinen Sünden,

            und tilge alle meine Missetat.

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz,

und gib mir einen neuen, beständigen Geist.

            Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht

            und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir.

Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe,

und mit einem willigen Geist rüste mich aus.

Amen.

Lesung aus der Passionsgeschichte nach Lukas 22, 39-53

39Jesus verließ die Stadt

Und ging wie gewohnt zum Ölberg.

Die Jünger folgten ihm.

40Als er dort ankam, sagte er zu ihnen:

»Betet, damit ihr die kommende Prüfung besteht!«

41Er selbst ging noch ein paar Schritte weiter

–etwa einen Steinwurf weit.

Dann kniete er nieder und betete.

42Er sagte: »Vater, wenn du willst,

nimm diesen Becher weg,

damit ich ihn nicht trinken muss!

Aber nicht, was ich will, soll geschehen,

sondern was du willst!«

43Da erschien ihm ein Engel vom Himmel

und stärkte ihn.

44Todesangst überfiel ihn,

und er betete noch angespannter.

Dabei tropfte sein Schweiß wie Blut auf den Boden.

45Dann stand er vom Gebet auf

und ging zurück zu den Jüngern.

Er sah, dass sie vor lauter Trauer

eingeschlafen waren.

46Er fragte sie:

»Wie könnt ihr nur schlafen?

Steht auf und betet,

damit ihr die kommende Prüfung besteht!«

47Noch während Jesus das sagte,

näherte sich eine Truppe.

Judas, einer der Zwölf,

ging an der Spitze.

Er kam auf Jesus zu,

um ihn zu küssen.

48Aber Jesus sagte zu ihm:

»Judas, willst du den Menschensohn

wirklich mit einem Kuss verraten?«

49Da verstanden seine Begleiter,

was geschehen sollte.

Sie fragten:

»Herr, sollen wir mit dem Schwert zuschlagen?«

50Und einer von ihnen schlug nach einem der Männer,

die dem Hohepriester unterstanden.

Er hieb ihm das rechte Ohr ab.

51Aber Jesus sagte:

»Hört auf damit!«

Er berührte das Ohr

und heilte den Mann.

52Dann wandte er sich an die Leute,

die ihn festnehmen wollten:

die führenden Priester,

die Hauptmänner der Tempelwache

und die Ratsältesten.

Er sagte:

»Mit Schwertern und Knüppeln seid ihr hier angerückt!

Bin ich denn ein Verbrecher?

53Ich war täglich bei euch im Tempel.

Aber dort habt ihr keine Hand gegen mich erhoben.

Doch jetzt ist eure Stunde gekommen,

und die Finsternis tritt ihre Herrschaft an.«

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Bruder, Jesus Christus. Amen.

 

»Hört auf damit!«

 

Liebe Gemeinde,

Jesus will nicht, dass seine Jünger mit Gewalt für ihn kämpfen.

Gewalt ist keine Lösung.

Gewalt passt nicht zur Haltung Jesu.

Im Gegenteil: Er heilt das Ohr des verletzten Mannes. 

Er heilt einen Mann, der ihn festnehmen will.

Jesu Botschaft ist die der Liebe Gottes.

Er begegnet allen Menschen mit Respekt,

selbst seinen Gegnern.

 

»Hört auf damit!«

Wie gut wäre es gewesen,

wenn Donald Trump das am 6. Januar 2021 seinen Anhängern zugerufen hätte,

als sie das Capitol gestürmt haben.

 

»Hört auf damit!«

Gewalt ist keine Lösung.

Gewalt gegenüber politischen Gegnern passt nicht zu einer Demokratie.

Gewalt zerstört eine Demokratie.

In den USA, aber auch bei uns in Deutschland.

 

»Hört auf damit!«

Das rufen Demonstrantinnen und Demonstranten in Myanmar den Soldaten und Militärs zu,

die mit Gewalt die demokratisch gewählte Regierung abgesetzt haben.

 

»Hört auf damit!«

Das rufen Demonstrantinnen und Demonstranten in Russland den Staatsorganen zu, die versuchen, den Oppositionspolitiker Nawalny mundtot zu machen.

 

»Hört auf damit!«

Wann müssen wir das zu Menschen in unserem Umfeld sagen?

Es ist leicht, Fehler bei anderen zu finden,

bei Menschen in anderen Ländern.

Aber: Wo sind wir gefordert?

Wo müssen wir Haltung zeigen?

Wo verletzen bei uns Leute

andere Menschen mit Worten oder Taten?

Das fängt an bei „dummen Witzen“ über Schwule,

über Ausländer, über Frauen.

 

»Hört auf damit!«

Das müssen wir sagen,

wenn abfällige Bemerkungen über Menschen mit dunkler Haut gemacht werden.

 

»Hört auf damit!«

Das müssen wir sagen,

wenn Eltern ihre Kinder anbrüllen oder schlagen.

Gewalt gegen Kinder ist aus guten Gründen verboten.

In jeder Form.

 

»Hört auf damit!«

Das müssen wir auch sagen,

wenn Leute nur über Politikerinnen und Politiker schimpfen.

Wenn pauschal gesagt wird,

dass die die Bewältigung der Corona-Pandemie „ja sowieso nicht hinkriegen und alle zu blöd seien“.

 

»Hört auf damit!«

Es hilft nicht, wenn wir dummes Gerede „überhören“.

Wir müssen Stellung beziehen, wie Jesus.

Und: Wir müssen versuchen zu heilen:

Die Risse in unserer Gesellschaft,

wie Jesus das Ohr des Verletzten.

 

Die, die lauter sind,

die, die mit Gewalt vorgehen,

dürfen nicht die Oberhand bekommen.

Dann leiden unschuldige Menschen,

wie Jesus gelitten hat.

 

Als Christinnen und Christen sind wir gefordert,

gegen jede Form von unrechtmäßiger Gewalt

Stellung zu beziehen,

Wir müssen Haltung zu zeigen,

auch in unserem Umfeld.

Und dann auch sagen:

»Hört auf damit!«

Amen.

 

Und der Friede, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus unserem Bruder. Amen.

Fürbitten

Gott, wir bitten dich für alle Menschen, die hier bei uns Gewalt erleben durch Worte und Taten.

 

Sei bei allen, die wegen ihrer dunklen Hautfarbe gemieden werden, geärgert werden, verletzt werden.

Und hilf uns, sie zu schützen!

 

Sei bei allen, über die schlecht geredet wird

oder die bedroht werden,

weil sie zum jüdischen Glauben gehören.

Und hilf uns, sie zu schützen!

 

Gott, wir bitten dich für alle,

die angefeindet werden

oder über die Menschen sich lustig machen,

weil sie eine andere sexuelle Orientierung haben,

als viele andere.

Und hilf uns, sie zu schützen!

 

Gott, wir bitten dich für alle Kinder,

die in ihren Familien Gewalt erleiden.

Und wir bitten dich für ihre Eltern,

die oft hilflos und überfordert sind.

Hilf uns, die Kinder zu schützen!

 

Gott, wir bitten dich auch für alle,

die sich in politischen Haltungen verrannt haben,

die demokratiefeindlich sind.

Hilf uns, ihren Blick zu weiten.

Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und gebe dir Frieden. Amen.