2. Passionsandacht - 24. Februar 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrer Martin Schwerdtfeger - Lektor: Helmut Gerisch

Jesus Christus hat sein Leben für uns eingesetzt. Daran haben wir erkannt, was Liebe ist. 1. Joh. 3,16

Herzlich willkommen zur Passionsandacht in der Pauluskirche! In diesem Jahr lesen wir Texte aus dem Lukasevangelium.

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Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Aus Psalm 32

Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind,

dem die Sünde bedeckt ist!

Wohl dem Menschen,

dem der Herr die Schuld nicht zurechnet,

in dessen Geist kein Trug ist!

Denn als ich es wollte verschweigen,

verschmachteten meine Gebeine

durch mein tägliches Klagen.

Denn deine Hand

lag Tag und Nacht schwer auf mir,

dass mein Saft vertrocknete,

wie es im Sommer dürre wird.

Darum bekannte ich dir meine Sünde,

und meine Schuld verhehlte ich nicht.

Ich sprach: Ich will dem Herrn

meine Übertretungen bekennen.

Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde.

Deshalb werden alle Heiligen zu dir beten

zur Zeit der Angst.

Darum, wenn große Wasserfluten kommen,

werden sie nicht an sie gelangen.

Du bist mein Schirm, du wirst mich vor Angst behüten,

dass ich errettet gar fröhlich rühmen kann.

Freuet euch des Herrn und seid fröhlich,

ihr Gerechten,

und jauchzet, alle ihr Frommen. Amen.

Lesung Lukas 22, 7-23

Es kam das Fest der ungesäuerten Brote. Am ersten Tag musste das Passalamm geschlachtet werden.

Jesus schickte Petrus und Johannes los. Er sagte: »Geht voraus und bereitet das Passamahl für uns vor, damit wir es essen können.«

Sie antworteten: »Wo sollen wir es vorbereiten?«

Da sagte er zu ihnen: »Wenn ihr in die Stadt kommt, werdet ihr einem Menschen begegnen, der einen Wasserkrug trägt. Folgt ihm bis zu dem Haus, in das er hineingeht. Sagt zu dem Eigentümer des Hauses: ›Der Lehrer lässt fragen: Wo ist der Raum, in dem ich mit meinen Jüngern das Passamahl feiern kann?‹

Er wird euch einen großen Raum im ersten Stock zeigen, der mit Polstern ausgestattet ist. Dort bereitet alles vor.«

Sie gingen los und fanden alles genauso, wie Jesus es ihnen gesagt hatte. Und sie bereiteten das Passamahl vor.

Als die Stunde für das Passamahl gekommen war, legte sich Jesus mit den Aposteln zu Tisch.

Jesus sagte zu ihnen: »Ich habe mich sehr danach gesehnt, dieses Passamahl mit euch zu essen, bevor mein Leiden beginnt.

Das sage ich euch: Ich werde das Passamahl so lange nicht mehr essen, bis es im Reich Gottes in Vollendung gefeiert wird.«

Dann nahm Jesus den Becher, dankte Gott und sagte: »Nehmt diesen Becher und teilt den Wein unter euch! Das sage ich euch: Ich werde von nun an keinen Wein mehr trinken – so lange, bis das Reich Gottes kommt.«

Anschließend nahm er das Brot. Er dankte Gott, brach das Brot in Stücke, gab es ihnen und sagte: »Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Tut das zur Erinnerung an mich.«

Ebenso nahm Jesus nach dem Essen den Becher und sagte: »Dieser Becher steht für den neuen Bund, den Gott mit den Menschen schließt – durch mein Blut, das für euch vergossen wird.«

»Aber seht euch vor: Einer wird mich verraten. Er sitzt hier mit mir am Tisch. Der Menschensohn muss den Weg gehen, den Gott für ihn bestimmt hat. Aber wehe dem Menschen, der ihn verrät!«

Da fingen die Jünger an, sich gegenseitig zu fragen: »Wer von uns könnte es sein?«

 

 

Predigt

Das Leiden Jesu beginnt mit einer Feier. Jesus und seine Jünger begehen das Passafest, die Erinnerung an den Schutz beim Auszug aus Ägypten. Gott hat sein Volk aus der Sklaverei befreit und in das Gelobte Land geführt. Das war ein Ereignis, dessen man immer gedenken muss, bis zum heutigen Tag. Also auch damals.

Mögen die Schrecken, die erwartet werden, noch so groß sein, das Passafest wird gefeiert – komme, was da wolle.

Und es kommt ja auch alles, was vorhergesagt wird. Die herrschenden Mächte in Religion und Politik betreiben die Verhaftung und Verurteilung Jesu. Aus Sicht einiger jüdischer Religionsführer maßt sich Jesus an, der Gottessohn zu sein. Das darf nicht unwidersprochen bleiben. Aus Sicht der römischen Verwaltung besteht zumindest die Sorge eines jüdischen Aufruhrs.

Und weil beide Seiten jeweils nicht über die alleinige Gerichtsbarkeit verfügen, kommt es in den nächsten Stunden zu einem ziemlichen Durcheinander in Fragen der Zuständigkeiten. Das alles ist für uns heute nur schwer zu überschauen. Allein Jesus ahnt oder weiß, wie das alles ausgehen wird.

Ihm tut es gut, dass die schlimmen Stunden mit einer festlichen Stunde beginnen. Die Erinnerung an Gottes gnädigen Schutz damals ist ja auch eine Hoffnung auf seinen Schutz heute.

Darum feiern wir Gott, hören auf ihn, beten zu ihm – weil wir seine Gnade erbitten auch in schweren Stunden.

Zugleich aber beginnt Jesus in dieser festlichen Stunde etwas ganz und gar Neues: Er macht sich sozusagen zu dem Lamm, dessen Blut vergossen wird. In Ägypten schütze es die Israeliten in der Nacht vor der Flucht. Nun steht das gebrochene Brot symbolisch für seinen Leib und der Wein für sein Blut, mit dem ein neuer Bund geschlossen wird. Gott versöhnt sich mit uns Menschen.

Indem Jesus das Passamahl isst, erinnert er an die Gnade Gottes. Und indem er sich selbst zu unserer Speise macht, wird uns das Abendmahl zur Nähe Gottes. –

„Aber seht euch vor!“ – Es ist nicht einfach alles gut in der Nähe Jesu. „Einer wird mich verraten. Er sitzt hier mit mir am Tisch.“ Judas wird den Kreis der Jünger verlassen. Er ist Jesus drei Jahre gefolgt, hat Verantwortung übernommen für die Finanzen der Gruppe und sich für die Armen eingesetzt. Jetzt wird er Jesus verraten. Und auch Petrus wird, wenn es drauf ankommt, leugnen Jesus zu kennen, statt dass er zu Jesus steht. Eine bittere Enttäuschung.

„Seht euch vor!“ Das mag auch uns ins Nachdenken bringen. Auch wir verlieren manchmal den Mut und werden unseres Glaubens und unserer Verantwortung nicht gerecht. Die Jahreslosung fordert uns auf, barmherzig zu sein. Und wie oft bekommen wir das nicht hin.

Gott weiß das und er schließt trotzdem den neuen Bund. Er rechnet unsere Fehler und Versäumnisse nicht auf. Lieber erinnert er an seine Barmherzigkeit.

Das ist Jesu Geschenk an uns aus seiner festlichen Stunde, der schwere Stunden folgen werden: Das Geschenk der Bewahrung. Wo immer wir Brot und Wein teilen, fühlen und schmecken wir die Nähe Gottes. Halten wir uns fest daran; mehr Schutz geht nicht. Das Brot, das wir teilen, ist die Nähe Gottes. Amen.

Fürbitten

Danke, liebevoller Gott, dass Du uns in unseren Ängsten und Sorgen ansiehst!

Danke für alle Kraft, die du uns schenkst!

Danke für alle Zeichen der Verbundenheit, die Menschen einander geben, und für die vielen guten Ideen!


Gott, schenke uns allen das Vertrauen und die Achtsamkeit, vernünftig zu handeln und einander im Blick zu behalten. Gib uns Ideen, wie wir jetzt anderen helfen können, ohne ihnen körperlich nahe zu kommen.


Gott, stärke alle Menschen, die in ihrem Beruf jetzt besonders gefordert sind und bis über die Grenzen ihrer Kräfte arbeiten. Hilf den Familien, dass sie das enge Zusammenleben mit Fantasie und Geduld meistern.


Und lass uns bei all dem nicht die anderen Aufgaben vergessen, die auch unsere Aufmerksamkeit brauchen.

Gott des Trostes, Dir legen wir all unsere Sorgen ans Herz.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich!

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Der Herr hebe sein Angesicht auf dich

und gebe dir Frieden. Amen.