Jesus vor dem hohen Rat

Lukas 22,66-71


Die führenden Priester und Schriftgelehrten gehören zum Hohen Rat. Und sie sind sich ihrer Macht und Position bewusst. Buchstäblich von oben herab schauen sie auf den Angeklagten. Sie haben kein Interesse an einem fairen Prozess. Sie wollen ihn nur mundtot machen. Dass ein Mensch Gottes Sohn sein kann, der erhoffte Retter Israels, ist für sie undenkbar! Damit wird nach ihrem Gefühl Gott beleidigt. Und auf Gotteslästerung steht die Todesstrafe.
Aber Jesus lässt sich nicht einschüchtern. Er steht zu seiner Berufung. Gott sein Dank!


Petrus

Lukas 22,54-62


Petrus ist mutig. Der mutigste von allen. Er allein hat sich getraut, den Soldaten und Jesus hinterher zu schleichen. Er will wissen, was mit seinem Freund jetzt geschieht. Sogar bis in den Innenhof des Hauses vom Obersten Priesters traut er sich. Er mischt sich unter die Leute, wärmt sich mit ihnen am Feuer. Er versucht etwas von der Gerichtsverhandlung im Haus aufzuschnappen.
Da kommt ein Dienstmädchen, mustert ihn: „Der da war auch mit ihm zusammen!“ Das streitet Petrus vehement ab: „Ich kenne ihn gar nicht, Frau!“ Zweimal geschieht noch ähnliches. Da kräht der Hahn und Petrus erinnert sich an das, was Jesus ihm wenige Stunden vorher gesagt hat: „Jetzt versprichst du, für mich in den Tod zu gehen. Aber bevor der Hahn kräht, wirst du dreimal abstreiten, dass du mich kennst.“ Petrus schämt sich so. Er muss bitterlich weinen.
So schnell sinkt manchmal unser Mut. Angst lässt uns Dinge tun, die wir eigentlich gar nicht wollen. Gott sei Dank, dass Jesus uns das nicht übelnimmt. Er kennt uns. Petrus soll dennoch später Gottes Liebe weitersagen. Und wir auch.


Jesus wird verhaftet

Lukas 22, 47-53


Da steht er, Jesus. Seine Hände sind mit einem Strick zusammengebunden. Rechts und links von ihm je ein Soldat mit Schwert und Schild. Er wurde festgenommen. Jesus schaut direkt Judas ins Gesicht. Mit einem Kuss wollte der ihn an die Soldaten des Hohen Rates verraten. Ausgerechnet mit einem Kuss! Was bei diesem Blick wohl in Judas vorgeht? Ob er sich schon schämt?
Einige Schritte entfernt sind Petrus und Johannes. Hilflos sehen sie zu, was mit ihrem Freund Jesus passiert. Das hatten sie sich nicht vorstellen könne: Ihr Freund und Lehrer Jesus lässt sich einfach so festnehmen! „Herr, sollen wir mit dem Schwert zuschlagen?“  
Ich kann sie verstehen. Manchmal, wenn ich sehe, wie Menschen Gewalt angetan wird, dann wünsche ich, dass jemand Stärkeres dazwischen schlagen würde. Aber nein, das ist nicht der Weg Jesu. Sein Weg ist ein Weg ohne Gewalt. Dafür steht er mit seinem Leben ein. Von ihm sollten wir lernen.


Das Abendmahl

Lukas 22,7-20

Dicht sitzen sie beieinander. Jesus und seine zwölf Jünger. Alt gewordene und junge Männer. Einige sind ernst, einer schaut besorgt, ein anderer ganz entspannt. Fragen spiegeln sich auf manchen Gesichtern. Sie wissen nicht, was noch auf sie alle zukommen wird.

Jesus segnet Brot und Kelch: „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.“

Ich spüre, wie deutlich die Menschen in diesem Moment mit Jesus, mit Gott, und untereinander verbunden sind. Das gibt ihnen Kraft.

„Tut das zu meinem Gedächtnis.“ sagt Jesus. Ich freue mich darauf, irgendwann wieder mit Männern und Frauen, alt gewordenen und Kindern, in der Pauluskirche das Abendmahl zu feiern. Bis dahin stärken wir uns an Jesu Wort und seinem Segen.


Jesus wird gesalbt

Markus 14, 3-9

Jesus wird von einer unbekannten Frau gesalbt.
Ich finde die Frau in der Geschichte sehr mutig. Nach der Sitte der damaligen Zeit, waren nur die Männer zusammen. Dass diese unbekannte Frau in diese Männergesellschaft hineingegangen ist, galt schon als unhöflich oder unanständig. Ich male mir aus, wie die Männer sie entgeistert oder vorwurfsvoll angeschaut haben.
Dann hat sie auch noch einen fremden Mann berührt! Das war auch außerhalb dessen, was sich gehört hat. Sie macht es trotzdem und Jesus lässt es zu.
Die Jünger und die anderen Männer beklagen die Verschwendung. Sind sie vernünftig? Sind sie neidisch? Ich finde mich in den Männern wieder. Oft denke ich auch so vernünftig, praktisch, sparsam.
Jesus nimmt die Frau in Schutz. Sie hat etwas gespürt, was die anderen nicht sehen konnten oder wollten. Jesus hatte mehrfach von seinem Sterben gesprochen, aber das hat keiner begriffen.
Die Zuwendung, die die Frau Jesus schenkt, ist jetzt wichtiger als das, was zu anderen Zeiten wichtig ist.
Was bedeutet das für uns? Heute am 15.3.2020? Wir können uns wegen des Corona-Virus nicht persönlich treffen. Aber wir können einander schreiben, anrufen, Ideen geben. Diese Zuwendung ist eine wichtige Ergänzung zu dem vernünftigen Verhalten, das wir ansonsten praktizieren. Lasst Eurer Phantasie dazu freien Lauf!


Jesus zieht nach Jerusalem ein

Markus 11, 1-11

Mich beeindruckt, dass Jesus sich zwar feiern lässt wie ein König. Aber dadurch, dass er nicht auf einem Pferd, sondern auf einem Esel reitet, zeigt er: „Ich bin mit euch auf Augenhöhe. Ich bin ein König der einfachen Leute.“

Das verstehen die Menschen. Sie breiten einen „roten Teppich“ vor ihm aus, indem sie Tücher, in die sie sich eingehüllt haben, vor ihm auf den Weg legen und auch Grüne Zweige.

Und die Leute rufen Jesus zu: „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn“

Hosianna bedeutet: „Hilf doch!“ oder „Gib Heil!“ Sie spüren: Dieser Mensch ist ganz eng mit Gott verbunden, ist Gottes Sohn. Und er kommt, um uns nahe zu sein, um uns zu helfen, zu ermutigen, zu heilen.

Ich freue mich, dass Gott, auf den ich vertraue, mir so nah kommt. Er sitzt nicht nur weit weg im Himmel auf einem Thron.

Was ist "Passionsgeschichte - anders erzählt"?

Zu Geschichten aus Jesu Passion wurden im Kindergottesdienst der Paulusgemeinde Szenen aufgebaut. Die Puppen wurden von Mitarbeitenden gestaltet. Kinder haben weitere Elemente hinzugefügt. In diesem Jahr gestalten wir die Szenen erneut in der Pauluskirche. Hier finden Sie Fotos davon und Gedanken von Pfarrerin Elke Schwerdtfeger dazu.