Video-Passionsandacht aus der Pauluskirche

Mittwoch, 01. April 2020 - Passionsandacht nach Judika, Elke Schwerdtfeger

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.


Wir beten Psalm 130.


Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir. /

2 Herr, höre meine Stimme!

Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens!

3 Wenn du, Herr, Sünden anrechnen willst –

Herr, wer wird bestehen?

4 Denn bei dir ist die Vergebung,

dass man dich fürchte.

5 Ich harre des Herrn, meine Seele harret,

und ich hoffe auf sein Wort.

6 Meine Seele wartet auf den Herrn

mehr als die Wächter auf den Morgen; mehr als die Wächter auf den Morgen

7 hoffe Israel auf den Herrn! Denn bei dem Herrn ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm.

8 Und er wird Israel erlösen

aus allen seinen Sünden.

Amen.



Der Text für diese Passionsandacht steht bei Markus im 15. Kapitel.

6 Jedes Jahr zum Passafest

begnadigte Pilatus einen Gefangenen,

den das Volk bestimmen durfte.

7 Damals saß ein gewisser Barrabas im Gefängnis zusammen mit anderen,

die bei einem Aufstand einen Mord begangen hatten.

8 Die Volksmenge zog zu Pilatus hinauf

und bat ihn um die übliche Begnadigung.

9 Pilatus fragte sie:

»Soll ich euch den König der Juden freigeben?«

10 Denn ihm war klar,

dass die führenden Priester ihm Jesus

nur aus Neid übergeben hatten.

11 Aber die führenden Priester hetzten die Volksmenge auf.

Sie sollten von Pilatus fordern,

doch lieber Barrabas freizulassen.

12 Da wandte sich Pilatus noch einmal an die Volksmenge

und fragte sie:

»Was soll ich mit dem anderen machen,

den ihr den ›König der Juden‹ nennt?«

13 Da schrien sie:

»Ans Kreuz mit ihm!«

14 Pilatus fragte sie:

»Was hat er denn verbrochen?«

Aber sie schrien nur noch lauter:

»Ans Kreuz mit ihm!«

15 Pilatus wollte die Volksmenge zufriedenstellen.

Deshalb gab er ihnen Barrabas frei.

Jesus ließ er auspeitschen.

Dann übergab er ihn den Soldaten,

damit sie ihn kreuzigten.

16 Die Soldaten brachten Jesus in den Innenhof des Palastes,

das sogenannte Prätorium.

Dort versammelte sich die ganze Kohorte um ihn.

17 Dann hängten sie Jesus einen purpurfarbenen Mantel um.

Sie flochten ihm eine Krone aus Dornenzweigen

und setzen sie ihm auf.

18 Sie jubelten ihm zu

wie einem König:

»Hoch lebe der König der Juden

19 Dabei schlugen sie ihm mit einem Stock auf den Kopf

und spuckten ihn an.

Sie knieten nieder

und warfen sich vor ihm auf den Boden.



Ansprache

Liebe Gemeinde,

bestimmt kennen Sie solch eine Situation: Eine junge Frau steht mit ihren beiden kleinen Kindern in der Schlange vor der Kasse das Supermarktes. Die Kinder entdecken die dort einladend präsentierten Süßigkeiten. „Mama, ich will das .“ – „Und ich will das!“ – „Nein gibt es nicht. Wir haben Süßes zu Hause.“ – „Ich will aber!“ Eines der Kinder fängt laut an zu schreien. Das zweite stimmt ein. Der Mutter ist das peinlich. „Na gut. Jeder ein Teil. Das dürft Ihr aber erst zu Hause essen.“ Und die Leckereien wandern in den Einkaufskorb.

Eine Alltagssituation. Es ist nicht einfach, standhaft zu bleiben, wenn die anderen laut werden. Die Mutter dachte: „Was sollen die Leute denken, wenn meine Kinder hier so rumschreien.“ Und sie hat eingelenkt, entgegen besseren Wissens.


In der Politik geschieht das auch: Da schreien Leute laut: „Macht die Grenzen dicht, damit keine Flüchtlinge mehr reinkommen!“ Weitere werden aufgestachelt, mit zu schreien, im Netz zu hetzen. Einige Verantwortliche in demokratischen Parteien haben Sorge, dass sie bei der nächsten Wahl Stimmen verlieren. Sie machen sich schlichte Parolen zu eigen. Dabei wissen sie, dass die rechtliche und menschliche Situation nicht so einfach ist, wie die Parolen.


„Pilatus wollte die Volksmenge zufrieden stellen“, erzählt Markus.

Dabei wusste Pilatus, dass die führenden Priester ihm Jesus aus Neid übergeben haben. Und auf seine Frage, was Jesus denn verbrochen habe, bekommt er keine Antwort.


Es geht ihm wie der Mutter im Supermarkt, wie manchen Politikern bei uns: Sie wollen die zufrieden stellen, die laut schreien. Das erspart ihm Ärger, Diskussionen, Mühen.


Die Gerechtigkeit bleibt auf der Strecke. Jesus bezahlt die Bequemlichkeit des Pilatus mit Folter und Tod.


Ich finde mich in Pilatus wieder. Manchmal bin ich einfach zu bequem, um Menschen zu widersprechen, die grob vereinfachen. Manchmal mache ich mir nicht die Mühe, auf verletzende Sprüche zu antworten.

Aber das ist schlecht. Und gefährlich. Ich wünsche mir, dass Gott mich wach sein lässt und mutig und mir gute Ideen für Antworten gebe.


Jesus kämpft nicht um sein Überleben. Er geht schweigend den Leidensweg. Zunächst wird er gefoltert und erniedrigt. Soldaten machen sich über ihn lustig, verhöhnen ihn mit Mantel und Dornenkrone als König. Schlagen ihn.


Das erleiden auch bei uns erschreckend viele: Schülerinnen und Schüler werden mit verletzenden Fotos und Kommentaren im Netz niedergemacht. Politikerinnen und Politiker werden im Internet beschimpft und bedroht.


Das ist schlimm! Und ich wünsche mir, dass ich und wir alle eine andere Kultur pflegen.

Ich möchte, dass wir einander wieder deutlich mehr Respekt, Wertschätzung und Höflichkeit zeigen.


Auch jetzt in der Corona-Pandemie läuft nicht alles rund. Aber ich nehme allen Verantwortlichen in der Politik, den Verwaltungen und im Gesundheitsbereich unseres Landes ab, dass sie nach bestem Wissen und Gewissen handeln.


Ich wünsche mir, dass wir das anerkennen.

Lassen Sie uns positiv über die Arbeit dieser Menschen sprechen! Lassen Sie uns Leuten, die meckern, widersprechen! Lassen Sie uns heute Abend auch für die Verantwortlichen Kerzen in die Fenster stellen und beten!

Amen.


Lied „Holz auf Jesu Schulter“, EG 97

Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht,

ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen.

Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.


Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt,

Friede unsere Herzen und die Welt bewahrt.

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen.

Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.


Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht.

Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht!

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen.

Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.


Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht.

Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht.

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen.

Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.


Denn die Erde jagt uns auf den Abgrund zu.

Doch der Himmel fragt uns: Warum zweifelst du?

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen.

Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Hart auf deiner Schulter lag das Kreuz, o Herr,

ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer.

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen.

Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn!



Lasst uns beten!

Jesus Christus, du bist den Weg des Leidens gegangen!

Hast Dich einem Fehlurteil ausgesetzt.

Hast Beleidigungen, Schmähungen und Gewalt ertragen. Wir danken dir dafür.


Sei Du allen nahe, die von anderen so niedergemacht werden.

Lass sie erleben, dass du sie verstehst, an ihrer Seite bist und mit ihnen leidest.


Stärke alle, die in unserem Land verantwortlich sind und jetzt schwierige Entscheidungen treffen müssen.

Gib Weisheit und Weitsicht zum Wohle aller Menschen.


Gib uns Phantasie, einander mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen.


Segne und behüte uns!


Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen


Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

Und gebe dir Frieden.

Amen.

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