Emmaus

Auf dem Weg nach Emmaus

„Brannte nicht unser Herz, als er auf dem Weg mit uns geredet hat?!“ Die beiden Männer begreifen jetzt erst, im Rückblick, was sie erlebt haben.

Ganz enttäuscht und traurig haben sie sich auf den Weg nach Hause gemacht. So hatten sie sich das nicht vorgestellt. Jesus sollte doch Israel erlösen! In seinem Reden und Tun war doch Gottes Kraft spürbar geworden! Aber dann er ließ er sich einfach so in Jerusalem hinrichten. Anderen hat er geholfen, sich selber nicht.

Mit gesenkten Köpfen sind sie auf dem Heimweg, zurück in ihr altes Leben. Ein dritter Wanderer geht mit ihnen. Er fragt, warum sie so traurig sind und sie erzählen ihm alles. „Und außerdem haben uns einige Frauen verwirrt. Sie wollten heute zum Grab, aber konnten seinen Leichnam nicht finden. Stattdessen erzählten sie, dass ein Engel gesagt habe, dass Jesus lebt. Aber andere Jünger haben den Engel nicht gesehen.“  Der Dritte hört ihnen zu, erklärt, dass doch schon die Propheten auf den Gottessohn hingewiesen haben.

Als sie in ihrem Heimatdorf, in Emmaus, ankommen, laden die beiden den Fremden ein: „Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt.“ Der Fremde kommt mit. Im Haus nimmt er Brot, dankt Gott dafür, bricht es in Stücke und gibt es ihnen.

In diesem Augenblick erkennen sie, dass Jesus sie begleitet hat! Der Auferstandene! Der aber ist sogleich verschwunden. „Brannte nicht unser Herz, als er auf dem Weg mit uns geredet hat?!“ Sofort laufen sie nach Jerusalem zurück, um den anderen zu erzählen, dass Jesus wirklich auferstanden ist.

„Brannte nicht unser Herz?!“ Manchmal erkennen wir im Rückblick, dass Gott uns ganz nahe war. Manchmal gerade in Zeiten, in denen es uns schlecht ging. Mögen wir auch jetzt, da unser Leben durch Corona eingeschränkt ist, den Auferstandenen an unserer Seite erfahren!

Ostern

Lukas 24,1-11

Verdutzt bleiben sie stehen. Was ist da los? Wer ist hier gewesen? Wer hat den schweren Stein von der Öffnung der Höhle weggewälzt? Und wo ist der Körper von Jesus, unserem Freund und Lehrer? Gestern ist er doch in dieser Grabhöhle beigesetzt worden!

Maria aus Magdala, Johanna und die andere Maria haben sich schon im Morgengrauen auf den Weg gemacht. Am Abend, nach dem Ende des Sabbats, hatten sie duftende Öle zubereitet. Sie wollten ihrem toten Freund einen letzten Liebesdienst erweisen. Aber in der Nacht war es zu dunkel, um zum Friedhof zu gehen, deshalb sind sie jetzt am frühen Morgen unterwegs.

Aber: Die Grabhöhle ist offen. Jesus ist weg. Stattdessen sind zwei Engel da mit glänzenden Kleidern. Die sagen ihnen: „Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“

Die drei Frauen laufen zu den anderen Jüngern und erzählen, was sie gehört und gesehen haben. Aber die Männer glauben ihnen das nicht.

Jesus ist auferstanden?! Das ist nicht zu fassen.




Karfreitag

Drei Kreuze. Die Umgebung ist karg. Der Platz wird „Schädelstätte“ genannt. Golgatha.
An einem der Kreuze eine Aufschrift in lateinischer Sprache: INRI
Das bedeutet: Jesus von Nazareth, König der Juden
Neben ihm werden zwei andere gekreuzigt, zwei Räuber. Namenlos.

Der Evangelist Markus erzählt von Menschen, die dabei sind:
Die Soldaten machen ihre Arbeit. Sie müssen funktionieren, machen sich keine Gedanken darüber, wen sie eigentlich hinrichten. Ihr Lohn sind die Kleidungsstücke der Getöteten. Darum losen sie.
Außerdem sind da Leute, die vorbei kommen, Schriftgelehrte und einige der obersten Priester. Sie machen sich lustig, verletzen Jesus auch jetzt noch mit Worten. Über ihn zu spotten, unterdrückt vielleicht auch das schlechte Gewissen über das Fehlurteil.
Einige der Frauen, die Jesus begleitet haben, stehen auch in einigem Abstand. Sie wollen ihren Freund jetzt nicht allein lassen.

Jesus ist ganz und gar Mensch. Er hat Schmerzen. Er leidet. Und er schreit seine Angst zu Gott: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Dann stirbt er.

Ein römischer Hauptmann steht gegenüber vom Kreuz. Als er sieht, wie Jesus stirbt, sagt er: „Dieser Mensch war wirklich Gottes Sohn.“

Und wo stehe ich bei diesem Geschehen?
Kann ich das Leiden eines Freundes mit aushalten wie die Frauen?
Muss ich mich mit spitzen Bemerkungen auf Abstand halten?
Oder ertrage ich teilnahmslos wie die Soldaten das Sterben anderer?
Das der Menschen, die im Mittelmeer ertrinken, zum Beispiel?

Möge Christus all denen nahe sein, die allein sterben müssen!


Jesus vor Pilatus

Markus 15,6-15

Da steht er, höher als die anderen: Pontius Pilatus, Statthalter des Kaisers in Rom. Seine aufrechte Haltung und sein rotes, kostbares Gewand zeigen, dass er Macht hat. Seine aristokratische Nase passt dazu. Neben ihm, unter ihm, stehen zwei Gefangene und zwei Soldaten, die diese bewachen.

Pilatus hat Macht, die Macht zum Passahfest einen Gefangenen zu begnadigen. „Soll ich euch den König der Juden freigeben?“ Als Antwort schreien die Menschen: „Barrabas!“  Das zaubert Barrabas ein Lächeln auf die Lippen. Es läuft gut für den, der bei einem Mord beteiligt war. „Was soll ich mit dem anderen machen, den ihr den ›König der Juden‹ nennt?“  Da schreien sie: „Ans Kreuz mit ihm!“

Pilatus fragt nach: „Was hat er denn verbrochen?“ Aber die Leute brüllen nur noch lauter: „Ans Kreuz mit ihm!“

Lautstärke statt Argumenten. Pilatus durchschaut, dass die Leute aus bestimmten Interessen heraus aufgestachelt worden sind. Aber er hat kein Interesse an einem Konflikt. Er will die Volksmenge zufrieden stellen, auch wenn die Gerechtigkeit dabei auf der Strecke bleibt. Diese Bequemlichkeit endet für Jesus mit Folter und Tod.

Möge Gott mir ein Rückgrat geben, nicht nur um aufrecht zu stehen, sondern auch um mich für Gerechtigkeit einzusetzen!


Jesus vor dem hohen Rat

Lukas 22,66-71


Die führenden Priester und Schriftgelehrten gehören zum Hohen Rat. Und sie sind sich ihrer Macht und Position bewusst. Buchstäblich von oben herab schauen sie auf den Angeklagten. Sie haben kein Interesse an einem fairen Prozess. Sie wollen ihn nur mundtot machen. Dass ein Mensch Gottes Sohn sein kann, der erhoffte Retter Israels, ist für sie undenkbar! Damit wird nach ihrem Gefühl Gott beleidigt. Und auf Gotteslästerung steht die Todesstrafe.
Aber Jesus lässt sich nicht einschüchtern. Er steht zu seiner Berufung. Gott sein Dank!


Petrus

Lukas 22,54-62


Petrus ist mutig. Der mutigste von allen. Er allein hat sich getraut, den Soldaten und Jesus hinterher zu schleichen. Er will wissen, was mit seinem Freund jetzt geschieht. Sogar bis in den Innenhof des Hauses vom Obersten Priesters traut er sich. Er mischt sich unter die Leute, wärmt sich mit ihnen am Feuer. Er versucht etwas von der Gerichtsverhandlung im Haus aufzuschnappen.
Da kommt ein Dienstmädchen, mustert ihn: „Der da war auch mit ihm zusammen!“ Das streitet Petrus vehement ab: „Ich kenne ihn gar nicht, Frau!“ Zweimal geschieht noch ähnliches. Da kräht der Hahn und Petrus erinnert sich an das, was Jesus ihm wenige Stunden vorher gesagt hat: „Jetzt versprichst du, für mich in den Tod zu gehen. Aber bevor der Hahn kräht, wirst du dreimal abstreiten, dass du mich kennst.“ Petrus schämt sich so. Er muss bitterlich weinen.
So schnell sinkt manchmal unser Mut. Angst lässt uns Dinge tun, die wir eigentlich gar nicht wollen. Gott sei Dank, dass Jesus uns das nicht übelnimmt. Er kennt uns. Petrus soll dennoch später Gottes Liebe weitersagen. Und wir auch.


Jesus wird verhaftet

Lukas 22, 47-53


Da steht er, Jesus. Seine Hände sind mit einem Strick zusammengebunden. Rechts und links von ihm je ein Soldat mit Schwert und Schild. Er wurde festgenommen. Jesus schaut direkt Judas ins Gesicht. Mit einem Kuss wollte der ihn an die Soldaten des Hohen Rates verraten. Ausgerechnet mit einem Kuss! Was bei diesem Blick wohl in Judas vorgeht? Ob er sich schon schämt?
Einige Schritte entfernt sind Petrus und Johannes. Hilflos sehen sie zu, was mit ihrem Freund Jesus passiert. Das hatten sie sich nicht vorstellen könne: Ihr Freund und Lehrer Jesus lässt sich einfach so festnehmen! „Herr, sollen wir mit dem Schwert zuschlagen?“  
Ich kann sie verstehen. Manchmal, wenn ich sehe, wie Menschen Gewalt angetan wird, dann wünsche ich, dass jemand Stärkeres dazwischen schlagen würde. Aber nein, das ist nicht der Weg Jesu. Sein Weg ist ein Weg ohne Gewalt. Dafür steht er mit seinem Leben ein. Von ihm sollten wir lernen.


Das Abendmahl

Lukas 22,7-20

Dicht sitzen sie beieinander. Jesus und seine zwölf Jünger. Alt gewordene und junge Männer. Einige sind ernst, einer schaut besorgt, ein anderer ganz entspannt. Fragen spiegeln sich auf manchen Gesichtern. Sie wissen nicht, was noch auf sie alle zukommen wird.

Jesus segnet Brot und Kelch: „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.“

Ich spüre, wie deutlich die Menschen in diesem Moment mit Jesus, mit Gott, und untereinander verbunden sind. Das gibt ihnen Kraft.

„Tut das zu meinem Gedächtnis.“ sagt Jesus. Ich freue mich darauf, irgendwann wieder mit Männern und Frauen, alt gewordenen und Kindern, in der Pauluskirche das Abendmahl zu feiern. Bis dahin stärken wir uns an Jesu Wort und seinem Segen.


Jesus wird gesalbt

Markus 14, 3-9

Jesus wird von einer unbekannten Frau gesalbt.
Ich finde die Frau in der Geschichte sehr mutig. Nach der Sitte der damaligen Zeit, waren nur die Männer zusammen. Dass diese unbekannte Frau in diese Männergesellschaft hineingegangen ist, galt schon als unhöflich oder unanständig. Ich male mir aus, wie die Männer sie entgeistert oder vorwurfsvoll angeschaut haben.
Dann hat sie auch noch einen fremden Mann berührt! Das war auch außerhalb dessen, was sich gehört hat. Sie macht es trotzdem und Jesus lässt es zu.
Die Jünger und die anderen Männer beklagen die Verschwendung. Sind sie vernünftig? Sind sie neidisch? Ich finde mich in den Männern wieder. Oft denke ich auch so vernünftig, praktisch, sparsam.
Jesus nimmt die Frau in Schutz. Sie hat etwas gespürt, was die anderen nicht sehen konnten oder wollten. Jesus hatte mehrfach von seinem Sterben gesprochen, aber das hat keiner begriffen.
Die Zuwendung, die die Frau Jesus schenkt, ist jetzt wichtiger als das, was zu anderen Zeiten wichtig ist.
Was bedeutet das für uns? Heute am 15.3.2020? Wir können uns wegen des Corona-Virus nicht persönlich treffen. Aber wir können einander schreiben, anrufen, Ideen geben. Diese Zuwendung ist eine wichtige Ergänzung zu dem vernünftigen Verhalten, das wir ansonsten praktizieren. Lasst Eurer Phantasie dazu freien Lauf!


Jesus zieht nach Jerusalem ein

Markus 11, 1-11

Mich beeindruckt, dass Jesus sich zwar feiern lässt wie ein König. Aber dadurch, dass er nicht auf einem Pferd, sondern auf einem Esel reitet, zeigt er: „Ich bin mit euch auf Augenhöhe. Ich bin ein König der einfachen Leute.“

Das verstehen die Menschen. Sie breiten einen „roten Teppich“ vor ihm aus, indem sie Tücher, in die sie sich eingehüllt haben, vor ihm auf den Weg legen und auch Grüne Zweige.

Und die Leute rufen Jesus zu: „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn“

Hosianna bedeutet: „Hilf doch!“ oder „Gib Heil!“ Sie spüren: Dieser Mensch ist ganz eng mit Gott verbunden, ist Gottes Sohn. Und er kommt, um uns nahe zu sein, um uns zu helfen, zu ermutigen, zu heilen.

Ich freue mich, dass Gott, auf den ich vertraue, mir so nah kommt. Er sitzt nicht nur weit weg im Himmel auf einem Thron.

Was ist "Passionsgeschichte - anders erzählt"?

Zu Geschichten aus Jesu Passion wurden im Kindergottesdienst der Paulusgemeinde Szenen aufgebaut. Die Puppen wurden von Mitarbeitenden gestaltet. Kinder haben weitere Elemente hinzugefügt. In diesem Jahr gestalten wir die Szenen erneut in der Pauluskirche. Hier finden Sie Fotos davon und Gedanken von Pfarrerin Elke Schwerdtfeger dazu.