Vorletzter Sonntag d. Kirchenjahres - 14. November 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Prädikantin Barbara Terweiden - Lektor: Herbert Terweiden

Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi. (2.Korinther, 5.Kapitel)

Mit diesem Wochenspruch begrüße ich Sie am heutigen vorletzten Sonntag im Kirchenjahr.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Tagesgebet

Nimm von uns, Herr, was uns von dir trennt. Gib, dass wir mit lauterem Herzen und reinen Lippen diesen Gottesdienst feiern und dich preisen. Durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen

Psalm 50

Gott, der Her, der Mächtige, redet und ruft der Welt zu vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.

Aus Zion bricht an der schönen Glanz Gottes. Unser Gott kommt und schweiget nicht.

Fressendes Feuer geht vor ihm her und um ihn her ein mächtiges Wetter.

Er ruft Himmel und Erde zu, dass er sein Volk richten wolle:

„Versammelt mir meine Heiligen, die den Bund mit mir schlossen beim Opfer.“

Und die Himmel werden seine Gerechtigkeit verkünden; denn Gott selbst ist Richter.

„Opfere Gott Dank und erfülle dem Höchsten deine Gelübde

und rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.

Wer Dank opfert, der preiset mich, und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes.“

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung Matthäus 25, 31-46

Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sich setzen auf den Thron seiner Herrlichkeit, 32und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, 33und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.

34Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! 35Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. 36Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.

37Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? Oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? 38Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen? Oder nackt und haben dich gekleidet? 39Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? 40Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

41Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! 42Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. 43Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht.

44Dann werden auch sie antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? 45Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. 46Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

unser Kirchenjahr neigt sich dem Ende entgegen, heute ist der vorletzte Sonntag im Kirchenjahr, der sogenannte Volkstrauertag.

Zum Ende eines Jahres blickt man meistens zurück, auf das was gewesen ist.

Unsere größten Feste im vergangenen Kirchenjahr konnten durch Corona nicht so gefeiert werden wie sonst. Um so dankbarer waren wir als endlich wieder Gottesdienste in Präsenz stattfinden konnten, wenn auch noch teilweise mit Masken und viel Abstand.

Wir machen Pläne und fragen uns was wohl

kommen wird.

Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht im 2. Korintherbrief im 5.Kapitel. Ich lese den Text in der Übersetzung der Basisbibel.

 

Wir wissen ja: Unser Zelt in dieser Welt wird abgebrochen werden. Dann erhalten wir von Gott ein neues Zuhause. Dieses Bauwerk ist nicht von Menschenhand gemacht und wird für immer im Himmel bleiben. Darum seufzen wir und sehnen uns danach, von dieser himmlischen Behausung gewissermaßen umhüllt zu werden. Wir werden nicht nackt dastehen, wenn wir einmal unser Zelt in dieser Welt verlassen müssen. Doch solange wir noch in dem alten Zelt leben, stöhnen wir wie unter einer schweren Last. Wir würden diese Hülle am liebsten gar nicht ausziehen, sondern die neue einfach darüberziehen. So könnte das, was an uns vergänglich ist, im neuen Leben aufgehen. Auf jeden Fall hat Gott selbst uns darauf vorbereitet. Er hat uns als Vorschuss auf das ewige Lebens einen Geist gegeben.

So sind wir in jeder Lage zuversichtlich. Wir sind uns zwar bewusst: Solange wir in unserem Körper wohnen, leben wir noch nicht beim Herrn. Unser Leben ist vom Glauben bestimmt, nicht vom Schauen dessen, was kommt. Trotzdem sind wir voller Zuversicht. Am liebsten würden wir unseren Körper verlassen und beim Herrn leben. Deswegen ist es für uns eine Ehrensache, ihm zu gefallen. Das gilt, ob wir schon zu Hause bei ihm sind oder noch hier in der Fremde leben. Denn wir alle müssen einmal vor dem Richterstuhl von Christus erscheinen. Dann bekommt jeder, was er verdient. Es hängt davon ab, ob er zu Lebzeiten Gutes oder Böses getan hat.

 

Liebe Gemeinde,

himmelhochjauchzend ist der Paulus gerade nicht!

Er schreibt diesen Brief an die Gemeinde in Korinth in einer schwierigen Situation.

Es waren Vorwürfe gegen ihn laut geworden, er war angegriffen und beleidigt worden. Eine Gruppe von judenchristlichen Missionaren sprachen sich gegen Paulus aus und kritisierten seine Schüchternheit und seinen angeblichen Mangel an Geistesgaben.

Die Vorwürfe machen ihm zu schaffen, doch er lebt in dem Vertrauen, von Gottes Willen geleitet zu sein und nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln.

Dennoch schreibt er: Wir wissen ja, dass „unser Zelt“, gemeint ist der menschliche Körper hier auf der Erde abgebrochen wird und wir bei Gott eine neue Bleibe bekommen.

Aber noch sind wir in unserem Leben hier und stöhnen wie unter einer schweren Last.

Trotzdem sind wir voller Zuversicht, dass wir einst in Gottes Reich leben.

Gottes Heiliger Geist hier auf Erden gibt uns sozusagen einen Vorschuss auf das neue Leben in seinem Reich.

 

Liebe Gemeinde,

die Worte des Paulus finde ich ungeheuer aktuell und sie könnten auch heute Menschen stärken.

Ich denke an Menschen, die verzweifelt sind, die mit ihrem Leben nicht zurecht kommen. Menschen, die in existenzieller Bedrängnis sind oder die sich vor Krankheiten fürchten.

Paulus sehnt sich nach dem Leben in Gottes Reich, dennoch fürchtet er sich vor dem Tod: „Wir würden lieber die menschliche Hülle nicht ausziehen und die neue einfach darüberziehen.“

Aber er resigniert nicht.

Er schreibt: „In diesem Leben können wir ja nur an Gott glauben, wir können ihn noch nicht sehen, aber wir sind voller Zuversicht. Und es ist für uns eine Ehrensache, ihm zu gefallen – ganz gleich, ob wir schon bei ihm leben oder noch nicht.“

Ich glaube das ist für mich jetzt gerade der wichtigste Satz in diesem Text; ich denke dieser Satz spricht zu mir.

Es ist für uns eine Ehrensache, ihm zu gefallen...doch wie können wir Gott , Martin Luther schreibt „wohlgefällig“ leben?

Eine Antwort gibt uns sicherlich das Evangelium des Matthäus, wir haben es vorhin gehört: „Was ihr für einen meiner Brüder oder eine meiner Schwestern getan habt – und wenn sie noch so unbedeutend sind - das habt ihr für mich getan.“

 

Liebe Gemeinde,

da sind wir alle gemeint, niemand ist außen vor.

Jeder von uns kann etwas tun!!!

Für uns alle gilt diese Aufforderung. Es gibt immer Menschen neben uns, denen wir etwas Gutes tun können.

Ich bin sicher jede und jeder von Ihnen hätte jetzt eine Idee. Ob ich für meinen Nachbarn die Blumen gieße oder mit meiner alten Tante zum Einkaufen fahre. Ob ich einem (vielleicht auch mal lästigem) Anrufer „mein Ohr schenke“ oder ob ich jemanden besuche oder anrufe, der einsam ist...oder...oder...

Es müssen gar keine großartigen Dinge sein.

Und sei es der Kassiererin im Supermarkt ein  freundliches Wort zu sagen oder einfach dem griesgrämigen Nachbarn mit positiven Gedanken begegnen.

Niemand ist für Gott unbedeutend oder unwichtig, jeder hat seinen Platz. Und jede und jeder kann in seinem Leben oder durch sein Leben Gott ehren. Und immer dann kann ein Stückchen von Gottes Welt aufblitzen.

In einer Predigt habe ich einen netten Vergleich gelesen:

Wenn die Plätzchen im Backofen duften, wenn man sie riechen kann,

dann weiß man: man kann sie auch bald schmecken.

Was jetzt schon in die Nase steigt,

das wird auch bald den Magen füllen.

Der Duft, er macht schon Appetit.

Man freut sich auf das Plätzchen essen.

Wer den Heiligen Geist hat, der hat jetzt schon etwas vom Duft des Himmels im Herzen

und er weiß deshalb ganz gewiss: das Eigentliche, der Himmel kommt!

Wobei es nicht nur um Duft geht, oder um Vorgeschmack. Paulus schreibt im Predigttext: „Gott hat uns „als Vorschuss“ seinen Geist gegeben.“

Durch den Heiligen Geist kann schon etwas von Gottes Reich in unserem Leben, in unserer täglichen Erfahrung wirklich werden!

Amen!

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, der bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen!

Fürbitten

Wir beten:

Gott, du schenkst uns die Freiheit, dir alles zu sagen, was uns bedrückt. Du schenkst uns die Zuversicht, dass du uns hörst und hilfst.

Wir bitten dich heute für alle Menschen in Krankenhäusern Heimen und zuhause, die unter körperlichen oder seelischen Nöten leiden; für alle, die in Einsamkeit alleingelassen sind.

Wir bitten dich für alle Menschen, die ohne Arbeit, ohne Wohnung sind; für alle, die als Fremde unterwegs sind, die Hunger und Durst leiden; für alle, die unter der ungerechten Verteilung der Güter leiden oder durch Vorherrschaft der Mächtigen unterdrückt sind.

Sei du ihnen nahe, schenke ihnen Aussicht und Hoffnung, sende Menschen zu ihnen, die ihnen Liebe bringen.

Wir bitten dich für alle, die in der Stille kleine wichtige Dinge tun, in der Nachbarschaftshilfe, als Freundschaftsdienst.

Segne du, Gott, allen guten Willen; rücke zurecht, was dennoch falsch gelaufen ist. Schenke allen Menschen das nötige Feingefühl im Umgang mit den Nächsten; lass unser Tun in Liebe und Freiheit geschehen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn. – Gott sei ewiglich Dank.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und schenke dir Seinen Frieden.

Amen.