Volkstrauertag - 15. November 2020

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Prädikantin Barbara Terweiden - Lektor: Herbert Terweiden

Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi. 2. Korinther 5,10

Mit dem Wochenspruch aus dem 2.Korintherbrief begrüße ich Sie ganz herzlich, zum Gottesdienst am Volkstrauertag, dem vorletzten Sonntag des Kirchenjahres

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Wir beten:

Christus, auferstanden von den Toten, nichts kann uns von dir trennen. Hilf uns in der Angst vor dem Leben, hilf uns aus der Angst vor dem Tode und gib uns Anteil an deinem unzerstörbaren Leben, der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und gerühmt wirst in Ewigkeit. Amen

nach Psalm 27

Gott ist uns Licht und Heil, vor wem sollten wir uns fürchten?

Gott gibt uns Kraft und Mut, wovor sollten

 wir Angst  haben?

Wenn etwas auf uns zukommt, drohend und gefährlich, dann verlieren wir nicht den Mut.

Wenn wir meinen, wir schaffen es nicht ann

denken wir daran, dass Gott uns hilft.

Gott, sei du immer bei uns, dann sind wir nicht allein.

Lass uns den Weg deiner Güte gehen, denn

wo Güte ist, da verschwindet die Angst,

und das Leben kehrt wieder, das wir suchen.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang so auch immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung Römer 14, 8-13

8Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.9Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei.10Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden. 11Denn es steht geschrieben (Jes 45,23): »So wahr ich lebe, spricht der Herr, mir sollen sich alle Knie beugen, und alle Zungen sollen Gott bekennen.« 12So wird nun jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben.13Darum lasst uns nicht mehr einer den andern richten; sondern richtet vielmehr darauf euren Sinn, dass niemand seinem Bruder einen Anstoß oder Ärgernis bereite.

 

 

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Gemeinde,

heute ist der vorletzte Sonntag im Kirchenjahr, und wir denken zurück.

Unser aller Leben ist in diesem Jahr 2020 so ganz anders verlaufen. Niemand von uns hat solch eine Corona Situation schon erlebt.

In der Woche nach meinem Geburtstag im März ging‘s los!

Lockdown. Das öffentliche Leben wurde eingestellt.

Schulen und Kindergärten wurden geschlossen und Menschen sollten sich möglichst nicht mit anderen treffen.

Keine Besuche im Altenheim und Krankenhaus.

Keine Konzerte, kein Sport, keine Gottesdienste, keine Urlaube.

Ganz anders sah von einem Tag zum anderen unser Leben aus.

Über das Leben handeln einige Verse im Predigttext.

Er steht im Römerbrief im 14. Kapitel.

Wir haben vorhin die Epistel mit dem Luthertext gehört.

 

Paulus schreibt an die Gemeinde in Rom.

Keiner von uns lebt nur für sich selbst, sondern.

Wofür leben denn wir ?

Was ist für uns das Wichtigste im Leben?

Die Familie, meine Gesundheit, das finanzielle Wohlergehen, mein schönes Haus, mein tolles Aussehen...

"Ich lebe für meine Musik“, sagt vielleicht ein Komponist oder Musiker" oder "ich lebe nur für meine Kinder, ich hoffe sie haben mal ein leichteres Leben als ich" oder "Ich lebe für die Kunst" oder "für die Mode".

Einige junge Leute leben für ihre Blogs im Internet. Es ist das Verlangen nach Anerkennung wenn möglichst viele Follower ein "toll", "Daumen nach oben" anklicken. Damit verdienen sie auch ihr Geld. Das Leben ist toll, wenn viele andere mich auch toll finden.

Und heute? Corona.

Unser Leben hat sich verändert, es macht uns Sorgen. Im Moment ist nichts mehr wie es war. Es tut uns weh, wir vermissen die Nähe zu anderen Menschen. Wir sind eingeschränkt, was Feste und Urlaube angeht. Und je nach Alter sind wir vielleicht auch mehr oder weniger oft einsam oder traurig, oder haben Angst vor Ansteckung. Und manchmal bin ich wütend und zornig über das Verhalten meiner Mitmenschen. Alles ist so schrecklich!!!

Paulus sagt:

Keiner von uns lebt nur für sich selbst,

denn wenn wir leben, leben wir für den Herrn.

Und keiner stirbt nur für sich selbst.

Und wenn wir sterben, sterben wir für den Herrn.

Ob wir also leben oder ob wir sterben – immer gehören wir dem Herrn.

 

Liebe Gemeinde,

wir gehören dem Herrn, unserm Gott!

Da kann ich Luft holen, das kann mir Mut machen, das kann mich trösten, wenn ich mir am liebsten die Decke über den Kopf ziehen möchte und nichts mehr hören und sehen will.

Wir kümmern uns natürlich um das was uns gehört, was zu uns gehört. Und Gott will sich um uns kümmern, weil wir ihm gehören, zu ihm gehören! Er verspricht für uns da zu sein, uns zu kennen und uns nicht allein zu lassen.

Wir gehören Gott und er hat seinen Sohn in unsere Welt gesandt, in ein paar Wochen feiern wir Jesu Geburt, wenn auch in diesem Jahr ganz anders als sonst.

Wenn ich daran denke kann ich etwas gelassener sein.

Es fällt mir leichter mich zu erinnern an so viel tolle und gelungene Dinge, an erfülltes Leben und ich darf darauf hoffen, dass es wieder besser wird.

Ich bin sehr dankbar für all die guten Jahre, die ich erlebt habe. Dankbar für meine Familie, dankbar für unsere Gemeinde, dankbar, dass wir in einem reichen Land leben dürfen. Wir leben in Freiheit und mit einem guten Gesundheitssystem.

Ich denke, durch Corona gibt es auch neue Erkenntnisse. Nichts, wirklich nichts von all den guten Erfahrungen, von schönen Erlebnissen in unserem Leben ist selbstverständlich.

Wie unglaublich wichtig sind uns die Kontakte zu anderen Menschen. Telefon und Internet bekommen eine ganz neue Bedeutung der „Kontaktpflege“. Wenn wir uns weder herzlich Umarmen, noch die Hand geben sollen, dann begrüßen wir uns vielleicht „per Ellenbogen“.

Wir sind fast am Ende des Kirchenjahres,

am nächsten Sonntag, dem Ewigkeitssonntag, oder auch Totensonntag erinnern wir besonders an die Menschen, die uns der Tod genommen hat, die nicht mehr bei uns sind.

Sterben wir, so sterben wir dem Herrn, schreibt Paulus. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.

Darauf will ich fest vertrauen, dass wir Gott gehören und er seine Kinder nicht im Tod lässt, dass alle bei Gott in einem anderen Leben sein können.

Heute am sogenannten Volkstrauertag, denken wir an all die Menschenleben, die durch die Kriege ausgelöscht wurden.

Wir dürfen seit 75 Jahren in unserem Land im Frieden leben. Das ist ein großes Geschenk, für das ich sehr sehr dankbar bin. In den letzten Wochen wurden im Fernsehprogramm vielfach Filme ausgestrahlt, die in der Kriegszeit spielen. Sehr authentisch.Ich persönlich verschließe meine Augen davor, ich kann das nicht ertragen. Diese Filme bedrücken mich zu sehr. Ich bin erschüttert, dass es auf unserer Erde unentwegt Kriege gibt.

Ich hoffe, dass Gott bei all denen ist, die leiden, die Unrecht und Schmerzen erleben müssen, obwohl sie daran keine Schuld tragen. Und ich hoffe, dass Gott bei uns ist, bei allen, die versuchen mit Corona zu leben. Wird das Leben nach Corona anders aussehen? Wird sich etwas verändern? Werden die Menschen lernen ihr Leben anders einzuschätzen und anders zu bewerten? Werden die Menschen dankbarer für ihr Leben sein? Ich weiss es nicht, aber ich hoffe es.

Ich bitte Gott, dass er allen Menschen seine Liebe ins Herz pflanzt und dass er uns allen Weisheit und Verstand gibt für das Leben mit ihm in unserer wunderschönen Welt.

Amen!

 

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unseren Herrn.

Amen!

Fürbitten

Gott, du lässt deine Sonne aufgehen über Böse und Gute auch über das Böse und Gute in uns.Über alle unsere Trennungen hinweg liebst du uns.

Nimm die Angst aus unseren Herzen, und wir werden auch jene lieben, die anders denken und leben als wir.

Und wenn wir selbst anderen das Leben schwer machen, dann lass sie doch erkennen, wie schwach und ängstlich wir in Wirklichkeit sind.

Lass uns den fremden Hunger ebenso wichtig nehmen wie das Bedürfnis nach eigener Sicherheit.

Lass uns glauben, dass wir Menschen einander Schwester und Bruder sein können, aber dass es uns so lange nicht gelingt, wie wir bewaffnet voreinander stehen.

Lass uns trennende Mauern einreißen, aber lass uns schützende Grenzen respektieren. Schenke Vertrauen, wo das Misstrauen alles vergiftet. Gib Liebe, wo Angst herrscht. Wecke Hoffnung, wo sich Resignation breit macht.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich!

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Der Herr hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden. Amen.