Totensonntag - 21. November 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrer Martin Schwerdtfeger - Lektorin: Britta Hermes

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Psalm 90,12

Freunde und Verwandte sind in diesem Jahr gestorben. Wir trauern um sie. Und wir fühlen mit anderen, die liebe Mitmenschen verloren haben – in unserer Gemeinde oder auch an vielen anderen Orten dieser Welt.

Herzlich willkommen zum Gottesdienst!

 

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 126

Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird,

so werden wir sein wie die Träumenden.

Dann wird unser Mund voll Lachens

und unsre Zunge voll Rühmens sein.

Dann wird man sagen unter den Heiden:

Der Herr hat Großes an ihnen getan!

Der Herr hat Großes an uns getan;

des sind wir fröhlich.

Herr, bringe zurück unsre Gefangenen,

wie du die Bäche wiederbringst im Südland.

Die mit Tränen säen,

werden mit Freuden ernten.

Sie gehen hin und weinen

und streuen ihren Samen

und kommen mit Freuden

und bringen ihre Garben.

Wir beten:

Gott, du bist das Geheimnis des Lebens. Lehre uns, was es heißt zu sterben, damit uns das Leben nicht entgleitet. Bewahre unsere Zeit in deiner Hand. Halte uns fest – auch im Tod – durch Jesus Christus, unseren Bruder. Amen.

Predigt

5. Mose 34,1-8

Und Mose stieg aus den Steppen Moabs auf den Berg Nebo, den Gipfel des Gebirges Pisga, gegenüber Jericho. Und der Herr zeigte ihm das ganze Land: Gilead bis nach Dan und das ganze Naftali und das Land Ephraim und Manasse und das ganze Land Juda bis an das Meer im Westen und das Südland und die Gegend am Jordan, die Ebene von Jericho, der Palmenstadt, bis nach Zoar. Und der Herr sprach zu ihm: Dies ist das Land, von dem ich Abraham, Isaak und Jakob geschworen habe: Ich will es deinen Nachkommen geben. – Du hast es mit deinen Augen gesehen, aber du sollst nicht hinübergehen.

So starb Mose, der Knecht des Herrn, daselbst im Lande Moab nach dem Wort des Herrn. Und er begrub ihn im Tal, im Lande Moab gegenüber Bet-Peor. Und niemand hat sein Grab erfahren bis auf den heutigen Tag. Und Mose war hundertzwanzig Jahre alt, als er starb. Seine Augen waren nicht schwach geworden, und seine Kraft war nicht verfallen. Und die Israeliten beweinten Mose in den Steppen Moabs dreißig Tage, bis die Zeit des Weinens und Klagens über Mose vollendet war.

So endet die Lebensgeschichte von Mose. Bis zum Jordan hat er sein Volk Israel geführt. Seit dem Aufbruch aus der Sklaverei in Ägypten sind 40 Jahre vergangen, 40 Jahre mit Wüstenerfahrungen, mit Hunger und Durst, mit der Verfolgung durch ägyptische Soldaten und der wunderbaren Rettung am Schilfmeer. Mose hat mit den Israeliten einen weiten Weg zurückgelegt. Manchmal wurde er den Menschen zu lang und sie wollten zurück. Sie hatten in Ägypten schwer schuften müssen, aber es gab wenigstens etwas zu essen und zu trinken. Mose war enttäuscht über die Unzufriedenheit. Schließlich hatte Gott doch immer wieder geholfen und ihnen eine Quelle gezeigt oder Wachteln geschickt. Sie hatten entdeckt, dass sie Manna essen konnten, und Gott hatte sie durch die Wüste geführt. Am Berg Sinai hatte er ihnen die Zehn Gebote gegeben, Wegweiser für ein gutes Zusammenleben. Und doch hatten sie immer wieder gemurrt, hatten Gott nicht verstanden, ihm nicht vertraut und Ersatz gesucht – wie das Goldene Kalb, etwas, an dem sie sich festhalten konnten.

Da war Mose der Kragen geplatzt. Wütend schimpfte er los und warf die beiden Steintafeln mit den Geboten auf den Boden, dass sie zerbrachen. „Wofür mache ich das alles? Ist dieses Volk das wert?“

Gott aber fing noch einmal von vorn an. Er gab Mose neue Tafeln und führte ihn mit den Israeliten weiter. Weiter auf dem Weg ins gelobte Land. Bis zum Jordan. Dort stieg Mose auf den Berg Nebo und er konnte das Ziel sehen, von Norden bis zum Süden und bis zum Mittelmeer.

Und Gott sagte zu ihm: „Weiter wirst du nicht gehen. Hier ist dein Weg zu Ende.“ Und Mose starb. Er war uralt geworden und immer noch klar und kräftig. Und dann wird ganz menschlich von Gott erzählt. Er begräbt allein seinen Freund. Niemand anders weiß, wo dieses Grab ist. Und die Israeliten trauern 30 Tage. So ist es Brauch. Und ziehen sie weiter, hinüber in das gelobte Land.

Dieses Ende zeigt noch einmal das besonderes Verhältnis zwischen Gott und Mose. Von seiner Geburt an ist Mose gesegnet. Als Säugling wird er bewahrt, als alle hebräischen Jungen getötet werden sollen. Nachdem er einen Aufseher, der die Sklaven quält, umgebracht hat, kann er fliehen. Aus dem Dornbusch spricht Gott mit Mose und wählt ihn aus, um Israel in die Freiheit zu führen. Mose darf Gott nahekommen auf dem Sinai. Er darf mit ihm sprechen und empfängt die Gebote. Er führt seine Leute in die Freiheit, zum Land, in dem Milch und Honig fließen.

Er erreicht das Ziel nicht selbst, aber er darf hinschauen. Ein Jüngerer wird seine Aufgabe fortführen.

Wenn Sie an Ihre Verstorbenen denken, empfinden Sie ihren Tod vielleicht als zu früh. Sie waren doch noch nicht am Ziel. Es stand doch noch etwas aus. Sie hätten sie gerne noch länger bei sich gehabt. Vielleicht können Sie aber auch den Segen Gottes entdecken auf dem Lebensweg. Lebenssinn, Bewahrung, Ermutigung in schwierigen Zeiten. Vielleicht können Sie sagen: Gut, dass wir einander erlebt haben. Und danke für die gemeinsame Zeit.

Nicht viele erleben ein hohes Alter wie Mose – klar bis zuletzt und selbständig. Und nicht viele sind so im Gespräch mit Gott, gesegnet und voll Vertrauen. Aber vielleicht können Sie Spuren davon entdecken.

Heute erwarten wir für die Jüngeren nicht nur Milch und Honig. Die Herausforderungen, vor denen die nächste Generation steht, sind gewaltig. Aber Gott will auch sie begleiten und ihnen helfen, klar und mutig ihre Wege zu gehen. Geschichten wie die von Mose können dabei helfen. Amen.

Fürbitten

Wir beten:

Du bist der Gott, der unsere Tränen abwischt.

Auf Dich setzen wir unsere Hoffnung,

dass Du Deine Verheißungen wahr machst

und unter uns wohnst.

Lass uns den Tod annehmen, wenn er kommt,

als Teil unseres Lebens auf unserem Weg zu Dir;

lass uns aufstehen gegen ihn,

wenn er über uns herfällt,

als Ausgeburt von Hass und Gewalt.

Dein Wille geschehe

im Himmel und auf der Erde. Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn. – Gott sei ewiglich Dank.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und schenke dir Seinen Frieden.

Amen.