07. Juni 2020 - Sonntag Trinitatis

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrerin Elke Schwerdtfeger - Lektorin: Britta Hermes

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus

Und die Liebe Gottes

Und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes

Sei mit euch allen. 2. Kor 13,13

Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch zum Trinitatisfest.

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Der Psalm dieses Sonntages ist der 113. Psalm:

Halleluja! Lobet, ihr Knechte des HERRN,

lobet den Namen des HERRN!

           Gelobt sei der Name des HERRN

           von nun an bis in Ewigkeit!

Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang

sei gelobet der Name des HERRN!

           Der HERR ist hoch über alle Völker;

           seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.

Wer ist wie der HERR, unser Gott,

der oben thront in der Höhe,

           der niederschaut in die Tiefe,

           auf Himmel und Erde;

der den Geringen aufrichtet aus dem Staube

und erhöht den Armen aus dem Schmutz,

           dass er ihn setze neben die Fürsten,

           neben die Fürsten seines Volkes;

der die Unfruchtbare im Hause wohnen lässt,

dass sie eine fröhliche Kindermutter wird. Halleluja!

L/G:Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Lesung 4. Mose 6, 22-27

Und der Herr redete mit Mose und sprach:

Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich:

So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:

Der Herr segne dich und behüte dich;

der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig;

der Herr hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden.

So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen,

dass ich sie segne.

Amen.

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Bruder, Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Gemeinde,


heute ist das Trinitatisfest. Ein hoher Feiertag, an dem Gott besonders in den Blick genommen wird. Geheimnisvoll ist Gott. Und so groß, dass wir mit unserem Denken und unseren menschlichen Bildern ihn nicht erfassen können.


Trinitatis, drei in eins. Dreieinigkeit.

Trinitatis, Gott zeigt sich als der Schöpfer der Welt.

Gott zeigt sich in Jesus, dem Sohn von Maria und Joseph. Er ist der Christus Gottes.

Gott zeigt sich als die Kraft des Heiligen Geistes, die uns Schwung gibt, Ideen und Mut.


Trinitatis, drei in eins. Wir erfahren Gott auf ganz unterschiedliche Weise, aber es ist immer der EINE Gott.


Das ist nicht zu denken. Das ist nicht logisch. Das kritisieren zum Beispiel gläubige Muslime am Christentum, weil dieses Drei-in-Eins Gottes nicht logisch und nicht nachvollziehbar ist.

Aber für mich ist es dennoch so. Das ist eines der Geheimnisse unseres Glaubens. Gott ist größer als ich es mir vorstellen und denken kann.


Gott sei Dank!

Der Predigttext, den wir gerade gehört haben, umschreibt auch ein Geheimnis Gottes.


Sie alle haben diese Sätze schon ungezählte Male gehört:

Der Herr segne dich und behüte dich;

der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig;

der Herr hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden.


Es ist der Segen, den wir am Ende fast jedes Gottesdienstes empfangen. Der sogenannte Aaronitische Segen.


Segen, was ist das? Können Sie das beschreiben? Erklären?

Segnen heißt in der Lateinischen Sprache benedicere, wörtlich übersetzt: Gut sprechen.

Und darum geht es: Worte zu sprechen, die gut tun.


Erinnern Sie sich an Situationen, in denen Sie gesegnet worden sind oder jemand, der Ihnen nahe steht?


Ich erzähle einige Situationen:


Junge Eltern lassen ihr Kind taufen. Sie selber sind gar nicht so eng mit der Kirche verbunden, aber für ihr Kind wollen sie nur Gutes.

So stehen sie dann in der Kirche am Taufbecken: Stolze Eltern. Ein Pate hält die brennende Taufkerze. Eine Patin hat das Kind auf dem Arm. Es trägt ein langes Taufkleid in Weiß, der Farbe Jesu Christi.

Dann träufelt die Pfarrerin behutsam dreimal Wasser über den Kopf des Kindes, segnet es und zeichnet ihm ein Kreuz auf die Stirn.

Alle spüren in diesem Moment: Gott ist ganz nah. Gott ist bei diesem Kind.


Eine junge Frau erzählt: „Bei unserer Trauung war ich wirklich überrascht. Ich hatte mir das Ganze schön vorgestellt und wir hatten ja auch alles gut geplant und vorbereitet. Aber als ich zum Segen die Hände des Pfarrers auf den Kopf gefühlt habe, da habe ich wirklich eine andere Kraft in mir gespürt. Gottes Segen.

Dass mich das so berührt, hatte ich nicht erwartet. Das war wichtiger als alles drum herum.“


Vor 25 Jahren waren mein Mann, unsere drei Kinder und ich gemeinsam in Indonesien. Für mich war es die erste Reise dorthin. Wir waren in einem Dorf eingeladen. Die Mutter der großen Familie hatte abgearbeitete Hände. Ihre Haut war dunkel von der vielen Arbeit in der Sonne. Wir hatten keine gemeinsame Sprache, ich konnte kein Wort Simalungun und sie kein Deutsch. Aber dann hat sie uns fünfen einen Ulos um die Schultern gelegt und mir einige Körner Reis auf den Kopf gestreut und etwas gesagt. Ich habe gespürt, dass in diesem Moment Gottes Segen in mich fließt. Gottes Segen braucht keine verständlichen Worte.


Eine andere Situation: Ich werde ins Krankenhaus gerufen. Ein alt gewordener Mann liegt im Sterben. Er ist etwas unruhig. Seine Frau bittet mich um einen Besuch. Ich spreche mit ihr und rede zu ihrem Mann. Der kann nicht mehr antworten.

Ich bete Psalm 23 und das Vater unser.

Und dann lege ich ihm die Hand auf die Stirn: „Gott segne deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Amen.“

Ich zeichne mit dem Finger ein Kreuz auf seine Stirn.

Kurze Zeit später atmet er aus. Ganz entspannt ist er entschlafen. Getragen von Gott.


Gottes Segen. Er ist geheimnisvoll. Wir können nicht erfassen, was beim Segnen tatsächlich passiert.

Der Segen kommt auch nicht vom Pfarrer oder der Pfarrerin. Keinesfalls. Es ist Gottes Segen, der durch uns fließt und den wir weiterschenken können.


„Der Herr segne dich und behüte dich.“ Das ist ein Zuspruch, ein Wunsch. Aber Gott hat selber gesagt, dass er sich an diesen Zuspruch halten will: „So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne“, sagt Gott zu Mose.


Gott bindet sich an Mose und Aaron und seine Söhne. Gott bindet sich auch an alle, die in seinem Namen segnen.

Wir Pfarrerinnen und Pfarrer sind durch die Ordination damit beauftragt worden.


Aber Menschen zu segnen ist nicht an den Talar gebunden. Jede, jeder von Ihnen kann auch andere Menschen segnen. Vielleicht ergibt sich eine Situation:

Schreiben Sie einen Segenswunsch in einen Brief!

Geben Sie jemandem einen Segenswunsch zu einer Reise oder vor einer Prüfung mit auf den Weg!

Das wird dem anderen gut tun.


Dabei ist Gottes Segen kein Schutzschild, dass alles Böse fern hält. Aber Gottes Segen gibt Kraft auch in Ängsten und Schwierigkeiten. Gottes Segen wirkt. Geheimnisvoll.


Liebe Gemeinde,

welche Erinnerungen haben Sie an Situationen, in denen Sie gesegnet wurden?


Vielleicht geht es Ihnen, wie der Frau in folgender Geschichte:

Es ist Sonntagmittag. Sie geht nach dem Gottesdienst zur Familie ihres Sohnes. Da ist sie zum Mittagessen eingeladen. „Na Oma, was hat der Pfarrer denn gepredigt?“, fragt ihr Enkel sie. „Das weiß ich nicht mehr, Marvin“, antwortet die Oma wahrheitsgemäß. „Warum gehst Du denn dahin, wenn Du es Dir sowieso nicht merken kannst, Oma?“ – „Weißt Du Marvin, wenn ich den Segen am Schluss des Gottesdienstes bekomme, geht es mir wie einem Korb, den man unter dem Wasserhahn ausspült: Hinterher ist kein Wasser mehr im Korb. Aber der Korb ist sauber geworden.“


Amen.

 

Und der Friede Gottes, der größer ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus unserem Bruder. Amen.

Wir beten:

Drei in einem, Gott, du bleibst Geheimnis

und doch wendest du dich uns zu.

Aus deinem Segen leben wir,

deinen Segen sollen wir weitergeben.

 

Wir bitten dich für die Einsamen, dass du sie begleitest.

Für die, die zusammen durchs Leben gehen,

dass sie immer wieder ein Segen füreinander werden.

Gott, erbarme dich.

 

Wir bitten dich für die Eltern: gib deinen Segen.

Wir bitten dich für die Paare: Schenke immer neue Liebe.

Wir bitten dich für alle Trauernden und Ängstlichen:

Tröste sie.

Gott, erbarme dich.

 

Wir bitten für Menschen, die um ihr Recht kämpfen,

die dafür auf die Straßen dieser Welt gehen.

Schütze sie durch deine Kraft.

Gott, erbarme dich.

 

Wir bitten für uns alle: dass wir uns für andere einsetzen und helfen, wo das Gute einfach getan werden muss.

Hilf uns, dass wir deinen Segen weitergeben.

Gott, erbarme dich.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.

Amen.

Lied: Komm, Herr, segne uns

von Dieter Trautwein

1. Komm, Herr, segne uns,
dass wir uns nicht trennen,
sondern überall
uns zu dir bekennen.
Nie sind wir allein,
stets sind wir die Deinen.
Lachen oder Weinen
wird gesegnet sein.

2. Keiner kann allein
Segen sich bewahren.
Weil du reichlich gibst,
müssen wir nicht sparen.
Segen kann gedeihn,
wo wir alles teilen,
schlimmen Schaden heilen,
lieben und verzeihn.

3. Frieden gabst du schon,
Frieden muss noch werden,
wie du ihn versprichst
uns zum Wohl auf Erden.
Hilf, dass wir ihn tun,
wo wir ihn erspähen -
die mit Tränen säen,
werden in ihm ruhn.

4. Komm, Herr, segne uns,
dass wir uns nicht trennen,
sondern überall
uns zu dir bekennen.
Nie sind wir allein,
stets sind wir die Deinen.
Lachen oder Weinen
wird gesegnet sein.

Text und Melodie: Dieter Trautwein 1978

Lied - Den Segen Gottes sehn

von Fritz Baltruweit