17. Mai 2020 - Sonntag Rogate

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrer Martin Schwerdtfeger - Lektorin: Kim Klinker

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Ps 66,20

 

„Rogate“ heißt der heutige Sonntag mit seinem lateinischen Namen – auf Deutsch: Betet! – Wie wir heute beten können, darum geht es, und im Mittelpunkt steht das Gebet, das Jesus uns selbst zu beten gelehrt hat.

Herzlich willkommen zum Gottesdienst aus der Pauluskirche!

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Der Psalm dieses Sonntages ist der 95. Psalm:

Wir beten mit Psalm 95 (Ps 95,1-7a)

Kommt herzu, lasst uns dem Herrn frohlocken

und jauchzen dem Hort unsres Heils!

Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen

und mit Psalmen ihm jauchzen!

Denn der Herr ist ein großer Gott

und ein großer König über alle Götter.

Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde,

und die Höhen der Berge sind auch sein.

Denn sein ist das Meer, und er hat's gemacht,

und seine Hände haben das Trockene bereitet.

Kommt, lasst uns anbeten und knien

und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat.

Denn er ist unser Gott

und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand. Amen.

Lied: Wie lieblich ist der Maien [EG 501]

Lesung

Ich lese aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 6, die Verse 5-15:

Wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. Darum sollt ihr so beten:

Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben. – Amen.

Ansprache

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Gemeinde,

manchmal fehlen mir die Worte. Dann bin ich sprachlos. Weil ich mich unglaublich freue und das gar nicht richtig ausdrücken kann. Oder weil ich entsetzlich erschrocken bin über ein Unglück oder einen Todesfall. Und vielleicht kennen Sie das auch: In einem heftigen Streitgespräch werde ich verletzt, dabei fühle ich mich im Recht, aber mir kommt einfach keine passende Antwort. Erst später fällt mir eine ein und dann denke ich: Hätte ich das doch vorhin gesagt!

Worte können helfen – zur Verständigung, zur Klärung, zum Finden von Lösungen. Sie schaffen Beziehung.

Das gilt zwischen Menschen genauso wie in unserer Beziehung zu Gott.

Besonders die Psalmen bieten da ein großes Repertoire, das wir gerne entleihen können. Sie geben uns Beispiele, wie wir trauern und klagen können, bitten und danken. Sie drücken Sehnsucht aus und grenzenlosen Jubel, Zweifel und Hoffnung, Ohnmacht und Gewissheit.

In Gottesdiensten hören wir immer wieder davon und beten die Psalmen gemeinsam. Und manche setzen das fort beim Essen oder am Abend eines Tages und gehen noch einmal durch, was sie erlebt haben, nehmen ihren Tag und die Welt ins Gebet.

Ein großer Teil der jungen Generation ist das nicht mehr gewohnt. Und auch bei den Älteren ist das Beten seltener geworden.

Wie kann ich mit Gott reden? Was will ich ihm sagen? Und wird er mich hören? Bekomme ich Antwort?

„Not lehrt beten“, heißt ein altes Sprichwort. Es nimmt auf, dass in Krisenzeiten die Kirchen voller werden – wie nach dem zweiten Weltkrieg mit seinen Grausamkeiten oder nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in den Alpen. Alle 150 Insassen kamen ums Leben, als der Co-Pilot das Flugzeug mit Absicht abstürzen ließ. – Diese Wirkung hält allerdings meist nicht lange an. Nach dem Schrecken kommt wieder Schweigen.

Wie leben wir unseren Glauben im Alltag?

Für Jesus hat der Glaube etwas Tröstliches und Befreiendes. Die Bergpredigt im Matthäusevangelium beginnt mit den Seligpreisungen und der Zusage: „Ihr seid das Salz der Erde und das Licht der Welt.“

Es folgt eine Absage an Vergeltung und Hass. Stattdessen sollen wir auch unsere Feinde lieben. Und dann geht es um Almosen, Beten und Fasten. Dabei kann der Glaube praktisch werden. Bei der Unterstützung der Armen. Im Gespräch mit Gott. Im Abstand gewinnen von alltäglichen Gewohnheiten. Das ermöglicht, sich auf Wichtiges zu konzentrieren.

Almosen-Geben, Beten, Fasten – drei Möglichkeiten, wie der Glaube Gestalt bekommt. Und bitte ohne Show. Kein Getue. Ihr tut es für euch, nicht für die Leute. Dreimal heißt es: „Dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dir‘s vergelten.“

Beten also. Im Alltag fehlen uns dafür auch oft die Worte – oder wir reden schnell zu viel und decken zu, worauf es eigentlich ankommt.

Und wenn ihr bittet, dann um das immer Nötige: Brot, Vergebung und Abkehr vom Bösen. Das war es schon mit dem Bitten. Ansonsten: Lobt Gott, betet ihn an.

Der Ursprung von allem, der Schöpfer des Himmels und der Erde kommt mir so nah, dass ich ihn Papa nennen kann. Und nicht nur ich, wir alle können uns so vertraut an ihn wenden. Gott ist nicht nur mein Vater, er ist unser Vater. Wir alle sind seine Kinder und darum eigentlich alle Brüder und Schwestern. Weil wir vor Gott alle gleich wertvoll sind, seine geliebten Kinder, darum bete ich: Vater unser im Himmel.

Gottes Namen, und das heißt: Gott selbst halten wir heilig, wenn wir ihn allein den Herrn sein lassen über unser Leben. Nichts und niemand anderes soll Herr sein in unserem Leben und über uns bestimmen. Das Smartphone nicht und auch nicht das Geld, kein Politiker und kein anderer Mensch. Gott allein Herr sein zu lassen, gibt uns Würde und Freiheit. Weil es mich frei macht von allen anderen Mächten, darum bete ich: Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme, diese Bitte macht deutlich, dass noch etwas aussteht. Solange die einen reich und die anderen arm sind, solange ist Gottes Reich noch fern. Weil ich mich mit dieser Welt nicht zufrieden gebe und auf Gottes Gerechtigkeit hoffe, darum bete ich: Dein Reich komme.

Weil ich wünsche, dass Gottes Wille in dieser Welt zum Tragen kommt, darum bete ich: Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Es gibt genug auf dieser Erde für alle Menschen, es kommt nur darauf an, dass wir gerecht teilen lernen. Weil ich wünsche, dass alle Menschen bekommen, was sie zum Leben brauchen, darum bete ich: Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Viele sagen, das sei die schwierigste Bitte im Vaterunser. Tatsächlich leben wir ja in einer Gesellschaft, die oft erbarmungslos ist. Ohne Gnade werden Fehler verfolgt, obwohl wir wissen könnten, dass keiner leben kann, ohne schuldig zu werden. So ist es im Großen wie im persönlichen Leben. Meist lässt sich nicht rückgängig machen, was wir einander antun; wir sind darauf angewiesen, dass wir Vergebung erfahren und lernen, zu vergeben. – Weil ich weiß, dass wir nur aus Vergebung leben können, darum bete ich: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Weil ich weiß, welche Macht das Böse haben kann, und dass ich aus eigener Kraft der Versuchung nicht widerstehen kann, darum bete ich: Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Den sieben Bitten des Vaterunsers ist im Laufe der Überlieferung der Bergpredigt noch ein Abschluss hinzugefügt worden. Die ersten drei Bitten waren direkt auf Gott bezogen: dein Name, dein Reich, dein Wille. In den anderen vier Bitten geht es um unsere Welt: Unser Brot, unsere Schuld, unsere Versuchungen, unser Böses. Mit dem Abschluss wird der Blick noch einmal auf Gott gelenkt, dem wir alles verdanken: dein Reich, deine Kraft, deine Herrlichkeit. Weil mein Leben reich wird, wenn ich mich darauf ausrichte, darum bete ich: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Damit ist schon alles Wichtige gesagt. Wir können es ergänzen mit einem Dank oder einer persönlichen Bitte. Aber die Worte des Vaterunser decken schon alles ab. Und Gott weiß, was wir brauchen. Amen.

Lied: Du bist der Weg und die Wahrheit und das Leben [EG 619]

Wir beten:

Jesus Christus, du hast uns gelehrt, wie wir beten können. Darum kommen wir zu dir und beten dich an zusammen mit dem Vater und dem Heiligen Geist und rufen:

VATER UNSER IM HIMMEL.

Erschrocken sind wir darüber, wie oft dein Name missbraucht wird. Menschen führen in deinem Namen Kriege, üben Hass und Gewalt. Wir bitten dich, dass wir und alle Verantwortlichen lernen, in Wort und Tat dich zu ehren und zu fürchten.

Darum beten wir:

GEHEILIGT WERDE DEIN NAME.

Wir sehen Leid und Unfrieden in vielen Ländern der Erde, aber auch bei uns und in unserer Umgebung. Wir bitten um Frieden und Gerechtigkeit und beten:

DEIN REICH KOMME.

Wir sehen, wie die ganze Schöpfung ächzt durch unsere Ausbeutung, wir sehen die Zerstörung der Regenwälder und die Gefährdung des Klimas. Wir bitten für deine ganze Schöpfung, Wasser, Erde und Luft, für die Pflanzen und Tiere und rufen zu dir:

DEIN WILLE GESCHEHE, WIE IM HIMMEL, SO AUF ERDEN.

So vielen Menschen fehlt es am Nötigsten zum Leben, Essen und Trinken, ein Dach über dem Kopf und die Zuwendung von anderen Menschen. Für sie alle und auch für uns bitten wir dich:

UNSER TÄGLICHES BROT GIB UNS HEUTE.

Immer wieder werden wir schuldig an dir und an unseren Mitmenschen. Manchmal gewollt, manchmal ohne Absicht verletzen wir uns. Wir bitten dich für uns alle, die wir schuldig werden, und die wir unbarmherzig sind im Umgang mit anderen:

VERGIB UNS UNSERE SCHULD, WIE AUCH WIR VERGEBEN UNSEREN SCHULDIGERN.

Macht, Geld und Reichtum, das sind die Versuchungen, die uns und so viele dazu treiben, zu tun, was nicht gut ist. Wir bitten dich für die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, aber auch für jede und jeden von uns:

FÜHRE UNS NICHT IN VERSUCHUNG, SONDERN ERLÖSE UNS VON DEM BÖSEN.

All das, was uns sonst bewegt, bringen wir nun in der Stille vor dich.

Stille –

So vertrauen wir uns miteinander dir an und preisen dich:

DEIN IST DAS REICH UND DIE KRAFT UND DIE HERRLICHKEIT IN EWIGKEIT. AMEN.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.

Amen.

Lied: Wie lieblich ist der Maien [EG 501]

1. Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt, des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht. Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid, die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.
2. Herr, dir sei Lob und Ehre für solche Gaben dein! Die Blüt zur Frucht vermehre, lass sie ersprießlich sein. Es steht in deinen Händen, dein Macht und Güt ist groß; drum wollst du von uns wenden Mehltau, Frost, Reif und Schloß’.
4. Mein Arbeit hilf vollbringen zu Lob dem Namen dein und lass mir wohl gelingen, im Geist fruchtbar zu sein; die Blümlein lass aufgehen von Tugend mancherlei, damit ich mög bestehen und nicht verwerflich sei.

Text: Martin Behm 1604, Melodie: Johannes Steuerlein 1575

Lied: Du bist der Weg und die Wahrheit und das Leben [EG 619]

Kehrvers
Du bist der Weg und die Wahrheit und das Leben. Wer dir Vertrauen schenkt, für den bist du das Licht. Du willst ihn leiten und ihm wahres Leben geben, ewiges Leben, wie dein Wort es verspricht.
1. Das Brot bist du für den, der Lebenshunger hat. Und wenn er zu dir kommt, machst du ihn wirklich satt.
Du bist der Weg…
2. Die Tür bist du für den, der an sich selbst verzagt. Du machst ihn frei, wenn er ein Leben mit dir wagt.
Du bist der Weg…
3. Der Hirte bist du dem, den Lebensangst verwirrt, begleitest ihn nach Haus, dass er sich nicht verirrt.
Du bist der Weg…
4. Der Weinstock bist du dem, der Kraft zum Leben sucht. Wenn er ganz bei dir bleibt, dann bringt er gute Frucht.
Du bist der Weg…

Text: Christoph Zehendner 1991 Melodie: Johannes Nitsch 1991