19. April 2020 - Sonntag Quasimodogeniti

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Jürgen Eigenbrodt - Lektor: Dirk Falke

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit
wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.


Mit dem Wochenspruch aus dem ersten Petrusbrief begrüße ich Sie aus der Pauluskirche.

Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Wir beten:

Ich möchte gerne stark sein, Gott, und bin doch oft so schwach. Ich habe große Ziele und bleibe immer wieder hinter ihnen zurück. Ich möchte meinen Mitmenschen begegnen und denke dann doch nur an mich. Ich möchte mein Leben sinnvoll verbringen, aber ich sehe, wie oft ich meine Tage vertue. Gott, schenke mir neuen Mut und neue Hoffnung.
Amen!

Lied EG117 1-3: Der schöne Ostertag

1. Der schöne Ostertag! Ihr Menschen, kommt ins Helle!
Christ, der begraben lag, brach heut aus seiner Zelle.
Wär vorm Gefängnis noch der schwere Stein vorhanden,
so glaubten wir umsonst.
Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden,
erstanden.

2. Was euch auch niederwirft, Schuld, Krankheit, Flut und Beben,
er, den ihr lieben dürft, trug euer Kreuz ins Leben.
Läg er noch immer, wo die Frauen ihn nicht fanden,
so kämpften wir umsonst.
Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden,
erstanden.

3. Muss ich von hier nach dort, er hat den Weg erlitten.
Der Fluss reißt mich nicht fort, seit Jesus ihn durchschritten.
Wär er geblieben, wo des Todes Wellen branden,
so hofften wir umsonst.
Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden,
erstanden.

Wir beten mit Worten aus Psalm 116:

Das ist mir lieb,
dass der Herr meine Stimme und mein Flehen hört
       Denn er neigte das Ohr zu mir,
       darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.
Stricke des Todes hatten mich umfangen, des
Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen,
ich kam in Jammer und Not.
       Aber ich rief an den Namen des Herrn:
       Ach, Herr, errette mich!
Der Herr ist gnädig und gerecht,
und unser Gott ist barmherzig.
       Der Herr behütet die Unmündigen,
       wenn ich schwach bin, so hilft er mir.
Sei nun wieder zufrieden, meine Seele,
denn der Herr tut dir Gutes.
       Denn du hast meine Seele vom Tode errettet,
       mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom
       Gleiten.
Ich werde wandeln vor dem Herrn im Lande der
Lebendigen.

Evangelium (Predigttext), Johannes 20

Am Abend des ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite.

Thomas aber, einer der Zwölf, der Zwilling genannt wird, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jüngern zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich´s nicht glauben.
Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen, und Thomas war bei ihnen.
Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch!

Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!

Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede, von dem der da ist, und der war und der da kommt!

Liebe Gemeinde,
ein Verhalten kennen wir von ganz kleinen Kindern: Alles muss grundsätzlich angefasst werden.

Und wenn die Kinder so gerne alles anfassen, müssen die Erwachsenen aufpassen, ob es erlaubt ist oder sogar gefährlich. Dann verbietet man es ihnen.
Dieses Verhalten endet wohl nicht im Kindesalter.

Wer heute Produkte verkauft, weiß, dass Kunden es lieben und mögen, dass Produkt einmal anzufassen oder in die Hand zu nehmen.

Als ich viele Jahre Reifen verkauft habe und den Kunden das Produkt im Verkaufsraum zeigte und erklärte, wurde das Profil gerne angefasst, manchen strichen auch mit der Hand über die Lauffläche des Reifens.

Auch heute werden Produkte gezeigt und der Kunde kommt mit ihnen in Berührung. Das neue I-Phone in der Hand, die ersten Funktionen getestet und alles einmal berührt, dass schafft Vertrauen.

Aber, es gibt Orte und Situationen, wo dieses Verhalten überhaupt nicht geschätzt wird.

Als ich vor einigen Jahren in New York war, habe ich dort das nationale Museum 11. September besucht. Dort finden sich einige Gegenstände aus dem
zusammengestürzten World Trade Center, die in diesem Museum gezeigt werden: Papiere und Aufzeichnungen, angebrannte und verkohlte Gegenstände, Reste von Stoffen.

Überall hängen in diesem Museum Verbotsschilder mit der Aufschrift: Bitte nicht anfassen oder: Bitte nicht berühren. Diese Schilder sind mehrsprachig verfasst und das Wachpersonal kontrolliert streng die Einhaltung.

Trotzdem gibt es immer wieder von Museumsbesuchern den Versuch, die Dinge doch anzufassen. Dann hört man einen lauten Ruf durch das Personal: Please do not touch!

Um einen solchen Versuch, des Anfassens, geht es auch im heutigen Predigttext. Wir haben den Text aus dem Johannes Evangelium gerade gehört. Es geht um den Jünger Thomas, der auch Zwilling genannt wird.

Jesus hat sich bereits den anderen Jüngern gezeigt. Thomas fehlte bei dieser Begegnung.  Später trifft er die anderen Jünger und strahlend berichten diese ihm, was sie mit Jesus erlebt haben.

Thomas hört sich alles an, ist aber nicht überzeugt und meldet Zweifel an. Er jubelt nicht drauf los, sondern hat Fragen.
Ich glaube dieser Thomas passt gut zu uns Menschen.

Was werden uns nicht alles an Geschichten und Bildern aufgetischt. Wie viele Meldungen haben sich als Fake-News erwiesen, wurden manipuliert.

Deshalb möchte Thomas lieber Geschichten aus erster Hand. Und das spricht er aus: Ich möchte glauben, aber ich möchte erst einmal den Finger in die Wunde legen.
Der Sache auf den Grund gehen.

Die Jünger Gemeinschaft schließt ihn nicht aus, sondern lässt seine Fragen und Aussagen so stehen.

Nach acht Tagen erscheint Jesus noch einmal bei den Jüngern. Jetzt wendet sich Jesus dem Jünger Thomas zu. Jesus nimmt den Zweifler so an, wie er ist. Er holt ihn dort ab, wo er gerade in seinem Glauben steht.

Und dann geht Jesus noch einen Schritt weiter. Er sagt zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig.

Thomas antwortete und sprach zu Jesus: Mein Herr und mein Gott.

In den Ostergeschichten hören wir davon, dass Jesus Maria und den Jüngern erscheint. Sie alle werden zu Glaubenszeugen. Im Johannes Evangelium hören wir am Ostertag, wie Jesus zu Maria sagt: Rühr mich nicht an. Also: Bitte nicht berühren, bitte nicht anfassen. Im heutigen Predigttext will ein Jünger
Jesus anfassen, ihn berühren. Dazu kommt es aber nicht. Thomas führt die geplante Glaubensüberprüfung nicht durch. Er muss nicht mehr die Finger in die
Wunde legen, um zu glauben.

Die Begegnung mit Jesus berührt ihn auf ganz andere Weise.

Und diese kontaktlose Berührung führt soweit, dass Thomas voller Überzeugung sagen kann: Mein Herr und mein Gott.
Thomas kann glauben, weil Jesus ihn anspricht.
Was zunächst wie eine Glaubensprüfung aussieht, ist bei Lichte betrachtet, eine schöne Ostererfahrung.

Glaube kann entstehen ohne sichtbare und ohne greifbare Beweise.
Menschen werden immer wieder von Jesus angesprochen, trotz aller Zweifel, die uns manchmal plagen und das Leben schwer machen.

Thomas wird der Zwilling genannt. Einen Bruder oder eine Schwester entdecken wir im neuen Testamentnicht. Vielleicht hat Thomas viele Geschwister, die mituns unterwegs sind und von Zweifeln geplagt werden.

Vielleicht sind wir von ihm der Zwillingsbruder oder die Zwillingsschwester? Das Johannes – Evangelium setzt diesem Zweifler, jedenfalls ein großartiges Denkmal. Da wo die Zweifel groß sind, der kann auch der Glaube ganz groß werden. Thomas hat gespürt, dass Glaubenserfahrungen auch anders möglich sind.  Ich wünsche uns viele Oster-Begegnungen und -Erfahrungen ohne, dass wir dabei ein Schild beachten  müssen: Bitte nicht anfassen, bitte nicht berühren, weil unser Glaube davon nicht abhängig ist.
Amen.

Und der Friede Gottes, der größer ist als alle menschliche Vernunft, der behüte und bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lied EG171 1-4: Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott

1. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns auf unsern Wegen.
Sei Quelle und Brot in Wüstennot,
sei um uns mit deinem Segen,

2. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns in allem Leiden.
Voll Wärme und Licht im Angesicht,
sei nahe in schweren Zeiten,

3. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns vor allem Bösen.
Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
sei in uns, uns zu erlösen,

4. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns durch deinen Segen.
Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,
sei um uns auf unsern Wegen.

Abkündigungen

Wir können Ihnen heute keinen Kollektenkasten reichen. Wenn Sie dennoch spenden möchten: Unsere Landeskirche hat die Möglichkeit eingerichtet, um die Kollekte zu überweisen. Unter www.kollekte-online.de finden Sie die Bankverbindung unserer westfälischen Landeskirche. Als Zweck geben Sie einfach an: Kollekte vom 19.4.2020.

Heute ist die Kollekte bestimmt für die Kinder- und Jugendhilfe.

Fürbittengebet

Du bist gestorben, Herr, um uns Frieden zu bringen.
Aber wir sind friedlos geblieben. Wir streiten um
Kleinigkeiten. Wir verteidigen unsere Meinung,
aber wir geben uns wenig Mühe, den Standpunkt
der anderen zu verstehen.

Du bist auferstanden, Herr, um uns Freiheit und
Freude zu schenken. Aber wir sind oft traurig und
können uns nicht richtig freuen. Unsere Angst ist
oft größer als unser Glaube. Wir fürchten uns vor
der Zukunft, vor der Meinung anderer Leute und
vor dem Urteil, das du über uns sprichst.

Wir bitten dich für alle, die verschlossen sind
in Ängsten und Sorgen. Lass sie erfahren, dass auch
ihr Leben dir gehört.

Wir bitten dich für alle, die gefangen sind im Vorurteil
ihrer Mitmenschen, im Vorurteil anderer Religionen,
im Vorurteil anderer Kulturen.
Lass sichtbar werden, wieviel auch sie dir bedeuten.

Wir bitten dich für alle, die gebunden sind durch
Selbstsucht und Gier. Lass sie erkennen, dass kein
Reichtum dieser Welt ihr Leben sichern kann.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir
und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich
und schenke dir Frieden.

Amen.

Lied EG117 1-3: Der schöne Ostertag

1. Der schöne Ostertag!
Ihr Menschen, kommt ins Helle!
Christ, der begraben lag,
brach heut aus seiner Zelle.
Wär vorm Gefängnis noch
der schwere Stein vorhanden,
so glaubten wir umsonst.
Doch nun ist er erstanden,
erstanden,
erstanden,
erstanden.

2. Was euch auch niederwirft,
Schuld, Krankheit, Flut und Beben,
er, den ihr lieben dürft,
trug euer Kreuz ins Leben.
Läg er noch immer,
wo die Frauen ihn nicht fanden,
so kämpften wir umsonst.
Doch nun ist er erstanden,
erstanden,
erstanden,
erstanden.

3. Muss ich von hier nach dort,
er hat den Weg erlitten.
Der Fluss reißt mich nicht fort,
seit Jesus ihn durchschritten.
Wär er geblieben,
wo des Todes Wellen branden,
so hofften wir umsonst.
Doch nun ist er erstanden,
erstanden,
erstanden,
erstanden.

Der schöne Ostertag

Lied EG171 1-4: Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott

1. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns auf unsern Wegen.
Sei Quelle und Brot in Wüstennot,
sei um uns mit deinem Segen,

2. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns in allem Leiden.
Voll Wärme und Licht im Angesicht,
sei nahe in schweren Zeiten,

3. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns vor allem Bösen.
Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
sei in uns, uns zu erlösen,

4. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns durch deinen Segen.
Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,
sei um uns auf unsern Wegen.

Bewahre uns, Gott