26. April 2020 - Sonntag Misericordias Domini

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrerin Elke Schwerdtfeger - Lektor: Helmut Gerisch

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte.Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.

Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch zum Sonntag Misericordias Domini aus Johannes 10.

Abkündigung

Die Kollekte des heutigen Sonntags ist für unsere Pauluskirche bestimmt. Die Orgel braucht ein neues Posaunenregister.

Auf der Internetseite unserer Gemeinde unter „Kontakt“ finden Sie die Kontonummer.

Stichwort: Pauluskirche

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Der Psalm dieses Sonntages ist der 23. Psalm:

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir.
Dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Amen.

Wochenlied: Es kennt der Herr die Seinen [EG 358]

Lesung

Die Epistel ist heute auch der Predigttext. Er steht im 1. Brief des Petrus im 2. Kapitel.

21  Christus hat für euch gelitten. Er hat euch ein Beispiel gegeben, damit ihr ihm in seiner Fußspur nachfolgt.

22 Er hat keine Schuld auf sich geladen und aus seinem Mund kam nie ein unwahres Wort.

23 Wenn er beschimpft wurde, gab er es nicht zurück. Wenn er litt, drohte er nicht mit Vergeltung. Sondern er übergab seine Sache dem gerechten Richter.

24 Er selbst hat unsere Sünde mit seinem eigenen Leib hinaufgetragen an das Holz. Dadurch sind wir für die Sünde tot und können für die Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt.

25 Ihr wart wie Schafe, die sich verirrt hatten. Aber jetzt seid ihr zu eurem Hirten und Beschützer zurückgekehrt.

Amen.

Ansprache

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Bruder Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,
sind Sie eher ein „Herdentier“ oder ein Einzelgänger, eine Einzelgängerin? Wir Menschen sind sehr verschieden. Manche fühlen sich eher in Gruppen wohl, andere brauchen mehr Abstand.

Gerade in den letzten Wochen haben sich sehr viele Menschen in unserem Land in erstaunlich großem Maße als „Herdentiere“ an die Regeln unserer „Hirtinnen und Hirten“ gehalten. Dass wir uns mit so wenig Murren und Schimpfen auf die starken Einschränkungen eingelassen haben, die unsere Regierung verfügt hat, hat mich wirklich überrascht. Die Bilder von überfüllten Krankenhäusern in anderen Ländern waren ja auch schrecklich. Das will niemand selber erleben.

In der Bibel wird an mehreren Stellen das Bild von uns Menschen als Schafen und Gott, dem guten Hirten, benutzt. Der Psalm 23 ist dafür der bekannteste Text und vielen von uns ist er so vertraut, dass wir ihn auswendig können. Oft bete ich ihn auch mit Kranken oder für Sterbende. Manchmal entspannen sich dann die Gesichtszüge auch bei Menschen, die nicht mehr sprechen können.

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Wie gut, wenn ich in dieser Hoffnung gehalten bin. Da ist einer, der für mich sorgt und der gut auf mich aufpasst.

Dieses Lebensgefühl haben wir aber nicht durchgängig.  Und obwohl in den letzten Wochen in unserem Land die Maßnahmen der Verantwortlichen Erfolge gezeigt haben: Nicht alle von uns haben das Gefühl, geborgen zu sein.

„Ihr wart wie Schafe, die sich verirrt hatten“, weiß der Schreiber des 1. Petrusbriefes.

Schafe, die sich verirrt hatten? Ja, viele von uns fühlen sich wie „Schafe“, die von ihrer Herde getrennt wurden. Uns fehlen die Kontakte zu Kolleginnen und Kunden.

Menschen leiden darunter, wenn die Kinder und Enkel die Einkäufe nur vor die Wohnungstür stellen, statt reinzukommen, zu plaudern und die Oma mal in den Arm zu nehmen.
Manchen fehlen auch die vertrauten Gesichter aus der Frauenhilfsgruppe, beim Kirchencafé, im Seniorentreff, beim Offenen Gospelsingen oder beim Kindergottesdienst.

Trotz vieler Mails und Telefongespräche sind etliche von uns auch einsam. Das macht Angst. Manche fühlen sich wie Schafe, die sich verirrt haben.

„Aber jetzt seid ihr zu eurem Hirten und Beschützer zurückgekehrt“, freut sich der Schreiber unseres Predigttextes. Wir wissen nicht, was die Gemeinde erlebt hat, als dieser Text verfasst wurde. Wir können noch nicht zu „unseren Herden“ zurück.

Aber ich bin mir sicher, dass Gott, der gute Hirte, uns Einzelne dennoch im Blick hat. Wir sind nicht ohne Begleitung Gottes. Wir gehen durch ein „finsteres Tal“, aber wir sind auf diesem Wege nicht allein.
Andere sind mit uns unterwegs; ja, mit Abstand und vielleicht auch einsam und müde, aber sie sind da.

Das sind Menschen hier in der Nähe: aus unseren Familien oder Bekanntenkreisen und aus der Gemeinde.

Aber auch Menschen in der Ferne sind uns nah: Wir haben einen Ostergruß vom Generalsekretär unserer Indonesischen Partnerkirche bekommen. Er erzählt vom Gemeindeleben in Corona-Zeit bei ihnen: die Familien halten Andachten zu Hause. Und die GKPS hilft vielen Tagelöhnern, Markthändlerinnen und anderen, die jetzt völlig ohne Einkommen sind. Die Kirche verteilt jetzt Reis und Eier und Mund-Nasen-Schutze, damit Menschen überleben. Und Pfarrer Paul Munthe ermutigt uns auf Gott zu vertrauen. Christus ist auferstanden. Halleluja!

Menschen sind mit uns unterwegs und Gott, der gute Hirte, ist mit uns unterwegs. Vielleicht ist er auch traurig, dass Menschen so bedroht sind, aber Gott ist nicht müde.

Gott ist auch jetzt fürsorglich bei uns.

Gott, unser Hirte und Beschützer, ermutigt uns durch kleine Zeichen seiner Gegenwart. An seinem Hirtenstab können wir uns festhalten.

Ob Herdentier oder Einzelgängerin, ich wünsche Ihnen allen, dass Sie in den nächsten Tagen etwas von Gott, dem guten Hirten, erleben.

Amen.

Und der Friede Gottes, höher als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus unserem Bruder. Amen.   

Lasst uns beten:

Gott, danke, dass du wie ein guter Hirte für uns da sein willst. Du kennst uns. Du weißt, wie es in unseren Herzen aussieht.
Wir danken dir für alles Gute, das wir von dir erleben.

Wir bitten dich für alle Menschen, die mutlos und einsam sind: Gib ihnen Halt und Trost!

Wir bitte für die, sich Sorgen um ihre Existenz machen: Gib ihnen eine Perspektive für ihre Arbeit!

Wir bitten für alle Kranken, die allein im Krankenhaus oder zu Hause sind: Lass sie gesund werden!

Wir bitten dich für die Kinder und Jugendlichen: Lass sie Ideen finden, die Zeit zu nutzen und lass sie gut lernen trotz aller Schwierigkeiten!

Wir bitten dich für die Menschen in Ländern mit schlechterem Gesundheitssystem: Gib dass alle stärkeren Staaten den schwächeren helfen!

Wir bitten dich für uns und unsere Geschwister in der Simalungunkirche in Indonesien: Hilf, dass unsere Partnerschaft hilft, uns gegenseitig zu stützen!

Gott, du guter Hirte, wir alle brauchen deine Begleitung.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.

Amen.

Das Wochenlied ist EG 358: Es kennt der Herr die Seinen

1. Es kennt der Herr die Seinen
und hat sie stets gekannt,
die Großen und die Kleinen
in jedem Volk und Land;
er lässt sie nicht verderben,
er führt sie aus und ein,
im Leben und im Sterben
sind sie und bleiben sein.

2. Er kennet seine Scharen
am Glauben, der nicht schaut
und doch dem Unsichtbaren,
als säh er ihn, vertraut;
der aus dem Wort gezeuget
und durch das Wort sich nährt
und vor dem Wort sich beuget
und mit dem Wort sich wehrt.

3. Er kennt sie als die Seinen
an ihrer Hoffnung Mut,
die fröhlich auf dem einen,
dass er der Herr ist, ruht,
in seiner Wahrheit Glanze
sich sonnet frei und kühn,
die wunderbare Pflanze,
die immerdar ist grün.

4. Er kennt sie an der Liebe,
die seiner Liebe Frucht
und die mit lauterm Triebe
ihm zu gefallen sucht,
die andern so begegnet,
wie er das Herz bewegt,
die segnet, wie er segnet,
und trägt, wie er sie trägt.

5. So kennt der Herr die Seinen,
wie er sie stets gekannt,
die Großen und die Kleinen
in jedem Volk und Land
am Werk der Gnadentriebe
durch seines Geistes Stärk,
an Glauben, Hoffnung, Liebe
als seiner Gnade Werk.

6. So hilf uns, Herr, zum Glauben
und halt uns fest dabei;
lass nichts die Hoffnung rauben;
die Liebe herzlich sei!
Und wird der Tag erscheinen,
da dich die Welt wird sehn,
so lass uns als die Deinen
zu deiner Rechten stehn.
Text: Philipp Spitta 1843