03. Mai 2020 - Sonntag Jubilate

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrer Martin Schwerdtfeger - Lektorin: Stefanie Leosz

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 2. Kor 5,17

Mit dem Wochenspruch aus dem 2. Korintherbrief begrüße ich Sie herzlich zum Gottesdienst aus der Pauluskirche. Jubilate – Jubelt! Das ist der Name dieses Sonntags. Zu ihm gehören Jubel über die Auferstehung und Jauchzen über die neue Schöpfung, Hoffnung auf den verheißenen neuen Himmel und die neue Erde.

Abkündigung

Die Kollekte ist heute bestimmt für die Jugendarbeit in Westfalen. Unsere Landeskirche hat die Möglichkeit eingerichtet, um die Kollekte zu überweisen. Unter www.kollekte-online.de finden Sie die Bankverbindung unserer westfälischen Landeskirche. Als Zweck geben Sie einfach an: Kollekte vom 3.5.2020.

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Der Psalm dieses Sonntages ist der 66. Psalm:

Jauchzet Gott, alle Lande!

Lobsinget zur Ehre seines Namens;

rühmet ihn herrlich!

Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!

Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.

Alles Land bete dich an und lobsinge dir,

lobsinge deinem Namen.

Kommt her und sehet an die Werke Gottes,

der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.

Er verwandelte das Meer in trockenes Land,

sie gingen zu Fuß durch den Strom;

dort wollen wir uns seiner freuen.

Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich,

seine Augen schauen auf die Völker.

Die Abtrünnigen können sich nicht erheben.

Lobet, ihr Völker, unsern Gott,

lasst seinen Ruhm weit erschallen,

der unsre Seelen am Leben erhält

und lässt unsere Füße nicht gleiten. Amen.

Wochenlied:Gott gab uns Atem, damit wir leben [EG 432]

Lesung

Die Epistel für heute steht im Johannes Evangelium im 15. Kapitel.

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.

Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Ansprache

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Jubilate heißt dieser dritte Sonntag in der Osterzeit – jubelt! Und der 66. Psalm beginnt: „Jauchzet Gott alle Lande!“

Jubeln und Jauchzen – das klingt nach Begeisterung, nach großem Glück. So wie sich Babys und kleine Kinder freuen können, wenn sie eine Weile für sich sind, versonnen träumen oder ganz konzentriert spielen und plötzlich taucht ihre Mama auf – überschäumendes Glück! Und das drückt sich in hohen Tönen aus.

Erwachsene sind da meist etwas leiser. Dabei erwachen auch meine Lebensgeister, wenn im Garten der Flieder blüht und duftet, wenn Schmetterlinge und Bienen umherfliegen und die Vögel schon am Morgen singen. Daran kann ich mich freuen, nur eben nicht so ausgelassen.

Die Osterzeit zehrt noch von der Freude an Ostern, vom vielfachen „Halleluja! Christus ist auferstanden.“ Die Macht des Todes ist besiegt. Christus lebt und wir können mit ihm auch leben.

Der Predigttext aus dem Johannesevangelium malt das aus. So wie ein Weinstock seinen Reben Nahrung gibt und Trauben wachsen lässt, die wir essen können oder als Traubensaft und als Wein trinken können, so gibt uns der auferstandene Christus Mut und Kraft. Mit ihm können wir vertrauen, hoffen und lieben. Und weil wir mit ihm verbunden sind, können wir einander stärken, ermutigen und trösten.

Vielen ist in diesen Tagen nicht so zum Jauchzen zumute. Den ganzen Tag in seinem Zimmer im Pflegeheim zu sitzen oder zu liegen – ohne Besuch, ohne dass jemand kommt und sie in den Arm nimmt – das ist schwer. Wochenlang als Familie die Enge einer kleinen Wohnung zu spüren – ohne Spielplatz und Garten, ohne Kita und Schule, das zerrt an den Nerven. Zu erleben, dass vertraute Menschen sterben, und nicht Abschied nehmen zu können, das macht Mühe, macht einsam. Da liegt es nahe zu fragen: „Wie soll ich da zuversichtlich bleiben? Woher bekomme ich Kraft und Energie? Wie soll ich den Tag heute schaffen? Und morgen und übermorgen…?“

Dann fühlt es sich an, als hätte jemand den Stecker gezogen und der Akku ist leer. Im Bild aus dem Evangelium: Eine Rebe, die keine Frucht bringt, die zu nichts mehr taugt. Besser man wirft sie weg.

So ist es bei Jesus allerdings nicht gemeint. Er macht keinen Druck: Du musst, du sollst, stell dich nicht so an! Jesus lädt gerade die Mühseligen und Beladenen ein, er heilt Kranke und geht auf Menschen zu, die ihres Lebens nicht froh sind, weil sie nicht dazugehören zu den Reichen und Schönen, den Glücklichen und Erfolgreichen, den Frommen und denen, die alles richtig machen.

Jesus handelt so und erzählt davon, wie Gott den Menschen nachgeht, wie ihm daran liegt, dass wir menschlich leben und sterben können, weil wir aus seiner Liebe nicht herausfallen.

Wir sind es gewohnt, dass wir die Liebe Gottes in Gemeinschaft feiern und weitergeben. Dass wir dies im Gottesdienst stärkend und ermutigend erleben. Das beschränkt sich im Moment auf ein Zuschauen und Zuhören im Fernsehen und Internet. Umso mehr freue ich mich, dass es hoffentlich bald wieder möglich ist, gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Zunächst mit Abstand und behutsam, aber wenigstens als ein Anfang.

Ein Problem wird das Jauchzen, das kräftige Singen sein. Aber wir Erwachsenen haben ja gelernt, uns etwas leiser zu freuen.

Bleiben Sie behütet!

Amen.

Bei dir, Jesu, will ich bleiben [EG 406]

Wir beten:

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur;
das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“

Schöpfer Gott,
aus dem, was tot war, bricht das Leben,
Neugeburt,
wie du es willst.

Alles kommt aus dir.
Die Bäume und das helle Gras,
der Regen, Dunst im Sonnenlicht,
die Vögel künden von dir:
Alles wird neu.

Wir stehen vor dir, versammelt zum Lob
mit unseren brüchigen Stimmen,
mit unseren suchenden Worten:
Schenk uns deinen Geist, der für uns spricht und in uns wirkt
und singt mit allem, was lebt.

Das Alte, das uns gefangen nimmt,
bringen wir bittend vor dich,
Schöpfer Gott –
das Elend der geschundenen Kreatur,
die Tier- und Pflanzenarten, die durch uns Menschen aussterben,
brandgerodete Wälder,
ausgelaugte Äcker
und das Leid von Menschen, deren Lebensräume
schnellem Profit geopfert werden.

Schweigend stehen wir vor dir und bitten dich:
Erneuere uns und deine Schöpfung!

(Stille)

Das Alte, das uns gefangen nimmt,
bringen wir bittend vor dich,
Schöpfer Gott –
unsere Müdigkeit, wenn die Sorgen und unsere Verantwortung
uns über den Kopf wachsen,
wenn wir den Ansprüchen an uns selbst nicht gerecht werden,
wenn wir die Augen verschließen,
weil wir nicht sehen wollen,
unser schwankendes Vertrauen in deine Gegenwart.

Schweigend stehen wir vor dir und bitten dich:
Erneuere uns und deine Schöpfung!

(Stille)

Wir stehen vor dir,
versammelt zum Lob mit unseren brüchigen Stimmen,
unseren suchenden Worten,
und hoffen auf deinen Geist,
der für uns spricht und singt und uns auferstehen lässt
mit Christus und allem, was lebt.

Dir sei Ehre in Ewigkeit.
Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!

Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.

Amen.

Das Wochenlied ist: "Gott gab uns Atem, damit wir leben" [EG 432]

1. Gott gab uns Atem, damit wir leben.
Er gab uns Augen, dass wir uns sehn.
Gott hat uns diese Erde gegeben,
dass wir auf ihr die Zeit bestehn.
Gott hat uns diese Erde gegeben,
dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

2. Gott gab uns Ohren, damit wir hören.
Er gab uns Worte, dass wir verstehn.
Gott will nicht diese Erde zerstören.
Er schuf sie gut, er schuf sie schön.
Gott will nicht diese Erde zerstören.
Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

3. Gott gab uns Hände, damit wir handeln.
Er gab uns Füße, dass wir fest stehn.
Gott will mit uns die Erde verwandeln.
Wir können neu ins Leben gehn.
Gott will mit uns die Erde verwandeln.
Wir können neu ins Leben gehn.

Text: Eckart Bücken 1982, Melodie: Fritz Baltruweit 1982

Lied: "Bei dir, Jesu, will ich bleiben" [EG 406]

1. Bei dir, Jesu, will ich bleiben,
stets in deinem Dienste stehn;
nichts soll mich von dir vertreiben,
will auf deinen Wegen gehn.
Du bist meines Lebens Leben,
meiner Seele Trieb und Kraft,
wie der Weinstock seinen Reben
zuströmt Kraft und Lebenssaft.

2. Könnt ich’s irgend besser haben
als bei dir, der allezeit
so viel tausend Gnadengaben
für mich Armen hat bereit?
Könnt ich je getroster werden
als bei dir, Herr Jesu Christ,
dem im Himmel und auf Erden
alle Macht gegeben ist?

Text: Philipp Spitta (1829) 1833
Melodie: Herz und Herz vereint zusammen (Nr. 251)