Silvester - 31. Dezember 2020

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Prädikant Jürgen Eigenbrodt - Lektor: Friedrich-Wilhelm Kruse

Wochenspruch

Meine Zeit steht in deinen Händen.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 121, 1-8

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.

Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht.

Der Herr behütet dich; der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.

Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.

Der Herr behüte deinen Ausgang und deinen Eingang von nun an bis in Ewigkeit.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen

Tagesgebet

Gott im Himmel, wieder ist ein Jahr vergangen.

Es hat Freude und Schmerz gebracht , wir haben viel erlebt, in der Familie, in der Gemeinde, und jede und jeder von uns für sich.

Heute ziehen wir Bilanz und fragen uns zugleich, was das neue Jahr wohl für uns bereithalten mag.

Wir bitten dich, hilf uns dabei, nicht der Vergangenheit nachzutrauern, sondern die Gegenwart bewusst zu leben durch Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir in der Einheit des Heiligen Geistes uns begleitet von Jahr zu Jahr.

G: Amen

Lesung Römer 8, 31-39

Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?
Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen?
Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja noch mehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt. Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht: Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag: wie sind geachtet wie Schlachtschafe.
Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Halleluja
Unsre Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel
und Erde gemacht hat.
Halleluja

Predigt

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, die sei mit uns allen.

Amen.

Der Predigttext für diesen Gottesdienst steht im 2. Buch Mose, dort im 13. Kapitel, wir höre die Verse 20-22.

So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. 21 Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. 22 Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

Amen.


Liebe Gemeinde!


„Wann sind wir endlich da“?

Wann sind wir endlich am Ziel. Wenn ich früher mit meinen Eltern und meinen Geschwistern in den Urlaub gefahren bin, kam nach einiger Zeit diese Frage auf. Wann sind wir endlich da. Wie lange dauert das denn noch. Manchmal bekamen wir Zeitansagen (in zwei Stunden sind wir da), manchmal gab es einen anderen Hinweis für uns. Wenn wir den Rastplatz gleich erreicht haben, dann haben wir schon die Hälfte geschafft. Der Rastplatz lag an der Autobahn A1 in Höhe Cloppenburg und da wurde immer eine Pause eingelegt. So wurde dieser Rastplatz zum Zeichen unserer Halbzeit.

Da wir früher weder über ein Navigationssystem im Auto verfügten und der Verkehrsfunk auch nicht immer up to date war, führten Staus oder Umwege manchmal zu weiteren Verzögerungen. Ein Smartphone zum Spielen hatten wir als Kinder nicht und die bekannten Autospiele: Ich packe in meinen Koffer, wurden auch nach der Zeit langweilig und es kam ein Murren unter uns Geschwistern auf. Wann sind wir jetzt endlich da. Wir haben keine Lust mehr auf Autofahrt. Versprechungen und Zusagen unserer Eltern also, wenn wir da sind, dann bekommt ihr sorgten für Motivation und Ruhe im Auto.

Auch heute denke ich noch oft so und vielleicht geht es Ihnen auch so, liebe Gemeinde. Wann sind wir endlich da? Wann haben wir unser Ziel erreicht. Egal ob dieses Ziel beruflich oder privat ist, auf Reisen oder bei einer Krankheit. Irgendwann möchten wir das Ziel vor Augen haben dann sind wir Umwege und Endlosschleifen leid.

Unser Predigttext handelt von einer solchen Geschichte. Vor 40 Jahren war das Volk in Ägypten aufgebrochen. Geflohen von der Gewalt, den beständigen Anfeindung en im Alltag. Den meisten war vielleicht schon vorher klar, dass es vermutlich mehr als ein Nachmittagsausflug werden würde.
Aber mit 40 Jahren (!) damit hatte nun niemand gerechnet. Denn auch wenn man großzügig rechnet, die Wegstrecke zwischen Ägypten und dem gelobten Land beträgt bestenfalls 550 Kilometer. Und dafür braucht man selbst in einer großen Gruppe mit alten Menschen und kleinen Kindern einige Monate, ein halbes Jahr vielleicht.

40 Jahre, fast zwei Generationen. Das hatte sich niemand vorgestellt. Nur die Ältesten konnten sich noch an die Anfänge der Reise erinnern. Ihr Ziel: Ein „Land“, das von Milch und Honig fließt. Das ist das Bild, das Mose von dem Land zeichnet, in dem das Volk Israel zukünftig wohnen wird. Dort gibt es alles, was man zum Leben braucht. Dafür lohnt es aufzubrechen, liebe Gemeinde.

Nun liegt Ägypten hinter ihnen, aber das erträumte Land ist noch außer Sichtweite. Vor ihnen liegt die Wüste. Sie werden erfahren, dass es da kein schnelles „Hindurch“ geben wird. Sie müssen akzeptieren, dass nicht gleich Milch und Honig fließ en, sondern dass diese Wüste ein Teil ihres Weges ist. Die Bibel erzählt von all den Irrungen und Wirrungen auf dem Weg ins gelobte Land. Ständig ist das Volk am Murren , wie schwer der Weg ist. Immer wieder verlieren sie das Vertrauen, auch in Mose, dem Anführer. Manche wollen zurück in den alten Zustand. Zurück dorthin, wo sie einst losgezogen sind.

Ich kann das gut verstehen. Auch mir kommt bei großen Veränderungen der Gedanke , wie etwas einmal war. Wie oft wünschen wir uns nach einem Aufbruch, dass wir das Ziel endlich erreichen, sich eine Situation klären oder verbessern möge. Und dann leben wir in dem zwischendrin, so wie die Menschen damals jetzt in der Wüste angekommen sind. Ein Zurück zu den Fleischtöpfen aber wie und das gelobte Land, ja wann kommt es denn? Aber auf ihrem Weg durch die Wüste machen sie eine Erfahrung.

Die Bibel erzählt davon. „Und der Herr zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule , um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule und die Feuersäule von ihnen ab.
Wolkensäule und Feuersäule werden zum Zeichen dafür, dass Gott sie begleitet hat. Und welche Zeichen haben uns begleitet in diesem Jahr auf unserem Weg?

Seit nunmehr 40 Wochen erleben auch wir vieles anders als je zuvor. Seit 40 Wochen Einschränkungen und Verbote, Rücksicht und Vorsicht, Abstand und Distanz. Und viele von uns stellen sich die Frage: Wann sind wir endlich am Ziel.
Wann können wir wieder so leben, wie wir es gewohnt waren. Unser Aufbruch in diese Wüstenzeit geschah auch völlig unvorbereitet Im Februar erreichten uns die ersten Meldungen und Mitte März wurde dann unser Alltagsleben plötzlich ganz anders.
Gemeinschaft und persönliche Begegnungen wurden eingeschränkt und verboten und wir mussten dazulernen, wie wir in Kontakt bleiben können, welche neuen Formen von Gemeinschaft möglich sind. Viele Planungen und Überlegungen, die wir schon vorbereitet hatten, mussten ausfallen. Ich denke an ein Osterfest ohne den Gottesdienst hier in der Kirche, das Fest 25 Jahre Stephanuskirche das wir ganz anders gefeiert haben als gedacht und viele Konzerte und Veranstaltungen in der Gemeinde, die ausgefallen sind. Was für eine Wüstenerfahrung.

Und natürlich gab es auch das Murren im Volk und in den Gemeinden. In der Politik wurden manchmal die Zügel gelockert und manchmal wieder angezogen. Solche Sätze hören mündige Bürger gar nicht gerne und auf den Supermarkt Parkplätzen wurden nicht mehr neue Autos bewundert, sondern Stolz wurde der Einkauf von Küchenrollen, Mehl und Nudeln den anderen präsentiert. In den Gemeinden wurde an neuen Konzepten gearbeitet und heute kann ich diesen Gottesdienst zu allen Zeiten nachhören und online verfolgen. Weihnachtsgottesdienste im Autokino oder einer Fußball Arena haben stattgefunden.

Aber trotz all dem. Wir wüssten so gerne, wann wir das Ziel erreicht haben. Wann können wir wieder zurück in den Alltag. Wann können wir wieder in unser altes Leben zurück? Wir wissen um die Forschung der Impfstoffe, viele Warten sehnsüchtig darauf, dass es endlich los geht. Und andere haben Angst vor dem, was jetzt gerade ansteht. Sie haben Angst vor dem Verlust ihrer Existenz, sie haben Angst vor Krankheit und Einsamkeit.
Der Bibeltext zieht eine Parallele zu unserem Leben. Auch für uns gibt es heute kein Durchstarten zum Ziel. Wir müssen noch warten. Aber Gott sei Dank ist unser Zeithorizont überschaubarer wann es wohl wieder besser werden wird.

Für mich bedeutet der Bibeltext heute eine ganze Lebensreise von der erzählt wird. Und Gott ist auf dieser Lebensreise mit mir mit uns unterwegs. Wir haben andere Zeichen als Wolke und Feuersäule, die uns Gottes Gegenwart und Liebe zeigen Das Wasser der Taufe, Brot und Wein im Abendmahl, das Kreuz als Zeichen der Versöhnung.
Und im Alltag? Da sind es die vielen Begegnungen mit Menschen. Da war das Wort, das mir den Mut gab nicht aufzugeben, da war der Anruf, der mich traf, die Situation, die mich forderte, etwas zu tun, die Ermutigung, etwas Neues mit anzupacken und zu gestalten. Da waren so viele Zeichen der Gegenwart Gottes.

Und dann sind da noch die vielen Zeichen der Zeit, die uns als Christen immer wieder vor Augen geführt werden. Die Zeichen, wie Wälder abgebrannt und Umwelt und Natur zerstört werden. Die Zeichen der vielen SOS Notrufe von Menschen auf Meeren und auf der Flucht, die Zeichen der vielen Unzulänglichkeiten und Ungerechtigkeiten auf dieser Welt. Und die Zeichen, die wir in dieser Pandemie wie durch ein Brennglas gesehen haben, von katastrophalen Arbeitsbedingungen. Da brauchen wir keine tausend Kilometer mehr zu schauen. Manche Zeichen sind nahe.

Wann sind wir endlich am Ziel? Keiner kann diese Frage heute beantworten. Es gibt so viele Zeichen und Perspektiven, aber wir wissen es nicht. So wie sich da mals das Volk an den Zeichen der Gottesführung or ientiert, so dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott Tag und Nacht an unserer Seite ist und uns begleitet, auch auf allen Umwegen unseres Lebens und in allen Wüstenzeiten.

Nun stehen wir an der Schwelle des Jahres. Wir legen all das, was gewesen ist in Gottes Hand. Auch wenn manches unvollständig geblieben ist oder wie ein Fragment wirkt. Kein Augenblick war vergeblich. Manchmal sind Gottes Umwege und Wüstenzeiten sehr gute Wege. Manchmal helfen sie uns, sich vom Alten zu verabschieden, damit wir uns auf das Neue einlassen können. So hat der Virus viele tiefe Spuren hinterlassen und viele Planungen und Hoffnungen zerstört. Der Glaube bleibt bewahrt und die Zusage Jesus: Ich bin bei euch aller Tage, bis an der Welt Ende steht, egal wie lange wir noch warten müssen, bis wir am Ziel sind. Amen.

Fürbitten

Gott, wir danken für alles Gelungene im vergangenen Jahr, wir danken für alles, was du uns geschenkt hast. Wir bitten dich, für alles Misslungene, für all die Schuld, die wir auf uns geladen haben. Vergib du uns und führe uns zu einem neuen Leben.Darum rufen wir zu dir:
Herr, erbarme dich.

Wir bitten für alle Menschen, die mit großer Angst und Sorge in die Zukunft blicken. Hilf ihnen, im Vertrauen auf dich die Zukunft anzugehen. Lass sie erkennen, dass du die Menschen nicht im Stich lässt. Darum rufen wir zu dir:
Herr, erbarme dich.

Wir bitten für alle Menschen, die glücklich und zufrieden in das neue Jahr gehen. Lass sie dieses Gefühl bewahren und verstärken. Darum rufen wir zu dir:
Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für alle, die sich sehnen nach Frieden und Versöhnung, nach Heil und Zuversicht. Hilf uns, dass wir unseren Teil dazu beitragen, dass Menschen gut mit einander leben können. Darum rufen wir zu dir:
Herr, erbarme dich.

Gott, du kommst uns entgegen auf dem Weg in die Zukunft. Darum sei dir Lob und Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich!

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Der Herr hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.

Amen. Amen. Amen.