Rogate - 09. Mai 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Prädikantin Barbara Terweiden - Lektorin: Cornelia Schmidt

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.

Mit diesem Wochenspruch begrüße ich Sie am heutigen 5. Sonntag nach Ostern. Dieser Sonntag hat den Namen Rogate, das heißt betet.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Wir beten:

Erbarmender Gott, du hast uns verheißen, dass du hören willst, auf das, was wir im Namen deines Sohnes erbitten. Lehre uns, zu vertrauen,  dass wir mit deiner Hilfe, wie auch immer sie aussieht, rechnen dürfen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unsere Bruder.

AMEN 

 

Psalm 95

Kommt herzu, lasst uns dem Herrn frohlockenund jauchzen, dem Hort unseres Heils!

Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen!

Denn der Herr ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter.

Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde, und  die Höhen der Berge sind auch sein.

Denn sein ist das Meer, und er hat‘s gemacht, und seine Hände haben das Trockene bereitet.

Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat.

Denn er ist unser Gott und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung Daniel 9, 4-5 + 16-19

4 Ich betete aber zu dem HERRN, meinem Gott, und bekannte und sprach: Ach, Herr, du großer und schrecklicher Gott, der du Bund und Gnade bewahrst denen, die dich lieben und deine Gebote halten!

5 Wir haben gesündigt, Unrecht getan, sind gottlos gewesen und abtrünnig geworden; wir sind von deinen Geboten und Rechten abgewichen.

16 Ach, Herr, um aller deiner Gerechtigkeit willen wende ab deinen Zorn und Grimm von deiner Stadt Jerusalem und deinem heiligen Berg. Denn wegen unserer Sünden und wegen der Missetaten unserer Väter trägt Jerusalem und dein Volk Schmach bei allen, die um uns her wohnen.

17 Und nun, unser Gott, höre das Gebet deines Knechtes und sein Flehen. Lass leuchten dein Angesicht über dein zerstörtes Heiligtum um deinetwillen, Herr!

18 Neige deine Ohren, mein Gott, und höre, tu deine Augen auf und sieh an unsere Trümmer und die Stadt, die nach deinem Namen genannt ist. Denn wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.

19 Ach, Herr, höre! Ach, Herr, sei gnädig! Ach, Herr, merk auf und handle! Säume nicht – um deinetwillen, mein Gott! Denn deine Stadt und dein Volk ist nach deinem Namen genannt.

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Gemeinde,

 

der heutige Sonntag trägt den Namen Rogate, das heißt „Betet“.

Ich denke jede und jeder von uns hat mit dem Beten Erfahrungen.

Unser Predigttext für heute sind einige Verse aus dem Buch Daniel. Ich lese aus dem 9. Kapitel:

Das Buch Daniel gehört zu den sogenannten „kleinen Propheten“.

Es enthält Visionen, Traumdeutungen, Prophezeiungen und es geht um die Glaubensgeschichte zwischen Gott und seinem auserwählten Volk, dem Volk Israel. Es sind angstmachende Visionen, und teilweise hört der König die Mahnungen und ändert sich. Gott wird allein als Herr angebetet.

Beim nächsten König ändert sich wieder alles, Gott wird nicht anerkannt.

Daniel hält an Gott fest. Er vertraut ihm felsenfest.

Wir kennen die märchenhaft anmutenden Geschichten, Daniel wird in die Löwengrube geworfen, als Strafe des Königs, weil er zu Gott gebetet hat, doch die wilden hungrigen Löwen, tun ihm nichts an. Und die Geschichte und von den drei Männern im Feuerofen, die bestraft werden sollen, weil sie sich geweigert haben ein riesiges goldenes Bild, das der König hat aufstellen lassen, anzubeten. Aber sie verbrennen nicht, weil ein Engel mitgeht.

Unserer Predigttext aus dem Buch Daniel ist, zum Sonntag Rogate, ein Gebet. Daniel wendet sich direkt an Gott mit einem Sündenbekenntnis.

Er bekennt sich stellvertretend für das Volk zur Schuld.

„Wir haben gesündigt, Unrecht getan, sind gottlos gewesen, wir sind von deine Geboten und Rechten abgewichen...“

Und er bittet Gott um Hilfe, er fleht ihn an.

„Ach Herr, wende ab deinen Zorn und Grimm….wir vertrauen auf deine Barmherzigkeit….“

 

Liebe Gemeinde,

 

Heute soll das Gebet am Sonntag Rogate besonders bedacht werden.

Wann beten wir ? Wann beten wir besonders viel oder besonders oft ?

„Not lehrt beten“ sagt der Volksmund.

 Ich denke, ganz intensiv beten wir Menschen, wenn wir denken, dass nur Gott uns helfen kann.

Sei es wenn wir Angst haben, oder wenn ein geliebter Mensch sehr krank ist, sei es wenn eine schwierige Situation auf uns zukommt.

Ich vermute, dass im letzten Jahr Gott ganz oft um Hilfe angerufen wurde um uns in der Corona Pandemie beizustehen, uns zu befreien.

Ich hoffe und ich will darauf vertrauen, dass er uns hilft um den schrecklichen Virus zu besiegen. Mit Gottes Hilfe sind Impfstoffe erforscht und entwickelt worden, die hoffentlich viele Menschen retten.

Ich bitte Gott für all die, die schwer erkrankt sind, oder die einen geliebten Menschen verloren haben.

Wenn ich an Daniel aus unserem Predigttext denke, dann ist es richtig auch an die Menschen zu denken, die sich falsch verhalten. Die Corona leugnen oder die, die einfach die Regeln nicht befolgen, die gleichgültig sind. Gott wir vertrauen auf deine Barmherzigkeit.

In jedem Gottesdienst beten wir, für uns und   für andere Menschen. Wir beten mit Worten der Psalmen und mit eigenen.

Im Evangelium für heute lesen wir, dass Gott uns einlädt ihn zu bitten. Wir dürfen mit allen Sorgen und Ängsten, mit all unseren Gedanken zu ihm kommen; er wird uns hören!

Menschen machen zuweilen die Ohren zu...aber Gott hört und er antwortet, wenn auch manchmal ganz anders als wir es erwarten.

 

Liebe Gemeinde,

 

ich höre morgens beim Frühstück immer die Morgenandacht im Radio.

Vor ein paar Wochen, als ich mit dem Predigttext „schwanger ging“ sprach eine Pastorin über den Segen, über die Segensspuren im Alltag.

Segen ist eigentlich auch so etwas wie „Fürbitte“.

Unsere Gottesdienste enden stets mit dem Segen. Ich bitte um den Segen Gottes für jeden Menschen der den Gottesdienst mitfeiert.

Die Pastorin in der Morgenandacht erzählte:

Es gibt eine Geschichte, Pater Anselm Grün hat sie von einem Missionar erzählt bekommen. Ein afrikanischer Laienhelfer kommt immer schon eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst in die Kirche und betet still. Der Missionar fragt ihn, was er da macht. Und der Mann antwortet: „Ich gehe in der Vorstellung durch das Dorf, trete in jede Hütte ein und segne sie. Ich stelle mir vor, wie die Witwe um ihren Mann trauert, und spreche über sie den Segen. Ich gehe zur nächsten Hütte und überlege, wie es denen dort wohl ergehen wird. Und dann segne ich sie. So gehe ich durch das ganze Dorf und segne alle Hütten. 

 

Liebe Gemeinde,

 

wie betet Daniel? „Lass leuchten dein Angesicht über dein zerstörtes Heiligtum,Herr. Wir vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit sondern auf deine große Barmherzigkeit“

Und in diesem Vertrauen dürfen und können wir den Segen Gottes weitergeben.

Sei es im Stillen, wie der Mann aus dem afrikanischen Dorf, oder auch durch persönliche Worte, die wir einem Menschen zusprechen.

Vor mehr als 20 Jahren hatte ich ein kleines Erlebnis. Mein Mann und ich hatten ein paar Tage im Allgäu in einem kleinen Ort in einer sehr kleinen Pension verbracht. Nach katholischer Tradition hingen Kreuze in allen Zimmern und auch in der Küche der Wirtin ein kleines Gefäß mit geweihtem Wasser. Am Abreisetag verabschiedeten wir uns und völlig überraschend nahm sie etwas Weihwasser und besprenkelte uns damit. „ Damit ihr heile nach Hause kommt“ kommentierte sie lächelnd. Das war damals für uns „Evangelische“ etwas befremdlich, aber im Nachhinein war das ein wundervoller Segen.

Amen!  

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unseren Herrn.

Amen.

Fürbitten

Gott, du bist gütig, wir bitten dich

Segne uns, segne unser Tun und Lassen, unser Reden und unser Schweigen. Segne uns, wenn jemand uns braucht, und wenn wir jemanden brauchen.

Segne die, die niemand mehr anzusprechen wagt und die, die nichts mehr sagen. Segne die, die auf jeder Hochzeit tanzen und die, die sich fremd und vergessen fühlen.

Segne die Frauen und Männer weltweit, die Unterdrückung und Erniedrigung nicht länger hinnehmen wollen, die, die da hungern und dürsten nach Gerechtigkeit.

Segne die Männer und Frauen, die täglich ums Überleben kämpfen müssen für sich und ihre Kinder.

Segne die Frauen und Männer, die Verfolgungen, Folter und Todesängsten ausgesetzt sind, segne alle in den Krisengebieten dieser Welt.

Dein Segen komme zu ihnen und zu uns, stärkend und mutmachend, befreiend und schützend, und begleite uns alle auf unseren Wegen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und gebe dir Frieden. Amen.