Reminiszere - 28. Februar 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrerin Elke Schwerdtfeger - Lektorin: Britta Hermes

Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Römer 5,8

 

Liebe Gemeinde, willkommen zum Gottesdienst am Sonntag Reminiscere!  

An diesem Sonntag geht es um das Thema Gerechtigkeit. Und die Evangelische Kirche in Deutschland bittet darum, dass wir an diesem Sonntag für bedrängte und verfolgte Christen beten.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Aus Psalm 25

Zu dir, Herr, trage ich,

was mir auf der Seele brennt.

Mein Gott, auf dich vertraue ich!

Lass mich keine Enttäuschung erleben!

Sonst triumphieren meine Feinde über mich.

Es wird ja keiner enttäuscht, der auf dich hofft.

Enttäuscht wird nur, wer dich treulos verlässt.

Zeige mir die Wege, Herr, die du bestimmst!

Und lehre mich, deinen Pfaden zu folgen!

Bringe mir bei, nach deiner Wahrheit zu leben!

Denn du bist es, Gott, der mir hilft!

Und so will ich auf dich hoffen den ganzen Tag!

Denk an deine Barmherzigkeit und Güte, Herr!

Denn schon seit Urzeiten handelst du danach.

Aber an meine Vergehen sollst du nicht denken –

Auch nicht an die Sünden aus meinen Jugendtagen!

Denk so an mich, wie es deiner Güte entspricht!

Du meinst es doch gut mit mir, Herr.

Gut und gerecht ist der Herr.

Darum weist er den Sündern den Weg.

Er hilft den Unterdrückten dabei,

ihr Anliegen vor Gericht zu bringen.

Er lehr die Unterdrückten seinen Weg.

Amen.

 

Lesung Römer 5, 1-5

1Weil wir also aufgrund des Glaubens gerecht sind,

haben wir Frieden, der auch bei Gott gilt.

Das verdanken wir unserem Herrn Jesus Christus.

2Durch den Glauben hat er uns

den Zugang zur Gnade Gottes ermöglicht.

Sie ist der Grund,

auf dem wir stehen.

Und wir dürfen stolz sein auf die sichere Hoffnung,

zur Herrlichkeit Gottes zu gelangen.

3Aber nicht nur das.

Wir dürfen auch auf das stolz sein,

was wir gegenwärtig erleiden müssen.

Denn wir wissen:

Das Leid lehrt, standhaft zu bleiben.

4Die Standhaftigkeit lehrt,

sich zu bewähren.

Die Bewährung lehrt zu hoffen.

5Aber die Hoffnung macht uns nicht zum Gespött.

Denn Gott hat seine Liebe

in unsere Herzen hineingegossen.

Das ist durch den Heiligen Geist geschehen,

den Gott uns geschenkt hat.

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Bruder, Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Gemeinde,

wenn das Stichwort „Verfolgte Christen“ fiel, habe ich früher an Bilder aus opulenten Spielfilmen gedacht:

Das Kolosseum in Rom vor 2000 Jahren.

Christen wurden zur Freude des Publikums den Löwen vorgeworfen.

Das waren gruselige Bilder, aber das alles war auch lange her und weit weg.

 

Vor 35 Jahren habe ich mehr von der Lebenssituation von Christen unserer indonesischen Partnerkirche erfahren. Nein, niemand wird dort den Löwen vorgeworfen.

Aber Christen haben oft Schwierigkeiten, Arbeitsplätze im Öffentlichen Dienst zu bekommen.

Muslimischen Gemeinden wird rasch ein Bauplatz für eine neue Moschee genehmigt.

Bis christliche Gemeinden eine neue Kirche bauen dürfen, können Jahre vergehen.

Das ist auch abhängig davon, in welchem Teil von Indonesien die Gemeinde lebt. Die Situationen sind in dem riesigen Land sehr unterschiedlich.

 

Vor fünf Jahren kamen Flüchtlinge aus dem Iran in unsere Gemeinde.

Einige von ihnen hatten Interesse am christlichen Glauben entwickelt. Als das der Religionspolizei bekannt wurde, wurden sie verfolgt.

Sie mussten fliehen.

Im Iran wurden und werden Menschen deshalb getötet, weil sie vom Islam zum Christentum konvertieren möchten.

Ich weiß von Iranern, die im Gefängnis waren, weil sie eine Bibel besessen haben.

Ich habe Narben von Folterungen auf ihren Körpern gesehen und Narben auf ihren Seelen gespürt.

 

In diesem Jahr lenkt die Evangelische Kirche in Deutschland unsere Aufmerksamkeit auf die Situation von Christen in Indien.

In diesem riesigen Subkontinent gibt es Gegenden, in denen fast keine Christen leben.

Es gibt aber auch solche, in denen Christenmenschen mehr als die Hälfte der Bevölkerung bilden.

Genauso wie Muslime sind sie eine Minderheit in dem überwiegend hinduistischen Land.

In den letzten Jahren hat sich eine Bewegung mit dem Namen „Neuer Hinduismus“ gebildet. Sie kämpfen dafür, Indien wieder zu einem rein hinduistischen Land zu machen.

Christen und Muslime leiden darunter.

Sie werden oft benachteiligt, manchmal auch mit brutaler Gewalt bekämpft.

 

Was hat das alles mit dem Apostel Paulus zu tun?

 

Als Paulus seinen Brief an die Gemeinde in Rom schreibt, ist er selber im Gefängnis in Ephesus.

Vorher war er mehrfach geschlagen und gefoltert worden. Mehrere Male war er wegen seiner Predigten in Gefängnissen.

Was gibt ihm Kraft, weiter seinen Glauben zu leben?

 

Weil wir also aufgrund des Glaubens gerecht sind,

haben wir Frieden, der auch bei Gott gilt.

Das verdanken wir unserem Herrn Jesus Christus.

Wir dürfen stolz sein auf die sichere Hoffnung,

zur Herrlichkeit Gottes zu gelangen.

 

Die sichere Hoffnung, zur Herrlichkeit Gottes zu gelangen.

Diese Hoffnung trägt Paulus.

Sie gibt Kraft, dass er die schlimme Gegenwart aushalten kann.

Weil er weiß, dass Gott mit seiner Gnade bei ihm ist,

fühlt Paulus trotz allem

einen festen Grund unter seinem Leben.

Dieser Grund hält ihn, trotz aller schlimmen Erfahrungen.

 

 

Was hat das alles mit uns zu tun?

 

Zunächst:

Ich bin Gott dankbar, dass ich in einem Land leben und arbeiten darf, in dem Christen nicht verfolgt werden.

Unser Bundespräsident, Frank-Walter Steinmeier, ist evangelischer Christ.

Unsere Kanzlerin, Angela Merkel, ist evangelische Christin.

Selbstverständlich gibt es auch führende Politikerinnen und Politiker bei uns, die keinen Bezug zur Kirche haben.

Aber dennoch sind die beiden großen Kirchen immer noch wichtige Stimmen in unserer Gesellschaft.

 

Halleluja! Welch unverdientes Geschenk ist es, dass wir in diesem Land als Gemeinde leben können!

 

Zweitens:

Indonesien, der Iran und Indien sind weit weg von uns.

Räumlich stimmt das.

Innerlich nicht.

Menschen aus diesen Ländern leben hier bei uns, sind Teile unserer Gemeinde.

Damit ist auch die Erfahrung von Christenverfolgung ein Teil unserer Paulusgemeinde!

Das sollten wir uns bewusst machen!

 

Drittens:

Was können wir tun?

Ich danke der EKD, dass dieser Sonntag der Fürbitte für bedrängte und verfolgte Christen gewidmet ist.

Das können wir nämlich tun: Beten für die Betroffen.

 

Wünschen wir ihnen, dass sie im Glauben einen festen Grund unter ihren Füßen finden.

Dass sie aus dem Glauben Hoffnung schöpfen, die über die Erfahrungen der Gegenwart trägt.

 

Lassen Sie uns beten für die bedrängten und verfolgten Christen: In Indonesien, im Iran, in Indien, in allen Ländern!

Das Gebet hat Kraft.

Es stärkt die Menschen, für die wir beten.

Und manchmal bewegt es noch viel mehr.

Amen.

 

Und der Friede Gottes,

der höher ist als alle Vernunft,

bewahre unsere Herzen und Sinne

in Christus, unserem Bruder. Amen.

Fürbitten

Gott wir danken dir,

dass wir unseren Glauben ungehindert ausüben dürfen.

Danke, für die Freiheit, die wir hier erleben!

Hilf uns, dass wir unsere Stimme für Menschen erheben,

die nicht für sich selber kämpfen können.

 

Gott, wir möchten nicht nur für uns selber Gemeinde sein.

Lass uns offen sein

für Christinnen und Christen aus anderen Kulturen.

Hilf, dass unsere Gemeinde für die zur Heimat wird,

die ihre Heimat verlassen mussten.

 

Stellvertretend für alle,

die um ihres Glaubens willen leiden,

denken wir heute an unsere Geschwister

in Indonesien, im Iran und in Indien.

 

Wir bitten Dich, sei bei ihnen,

wenn sie angefeindet werden.

Lass sie Deine Gegenwart spüren,

wenn sie ausgegrenzt werden.

Steh ihnen bei,

wenn sie verfolgt werden.

Berge sie in Deiner grenzenlosen Liebe

auch im Gefängnis.

Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und gebe dir Frieden. Amen.