Reformationsfest - 31. Oktober 2020

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrerin Elke Schwerdtfeger - Lektor: Herbert Terweiden

Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. 1. Korinther 3,11

Liebe Gemeinde, mit diesem Satz aus dem 1. Korintherbrief begrüße ich Sie zum Gottesdienst am Reformationsfest.

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 46

Gott ist unsere Zuversicht und Stärke,

eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.

Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge

und die Berge mitten ins Meer sänken,

wenngleich das Meer wütete und wallte

und von seinem Ungestüm die Berge einfielen.

Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben

mit ihren Brünnlein,

da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind.

Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleiben;

Gott hilft ihr früh am Morgen.

Die Völker müssen verzagen

und die Königreiche fallen,

das Erdreich muss vergehen,

wenn er sich hören lässt.

Der HERR Zebaoth ist mit uns,

der Gott Jakobs ist unser Schutz.

Kommt her und schauet die Werke des HERRN,

der auf Erden solch ein Zerstören anrichtet,

der den Kriegen ein Ende macht in aller Welt,

der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt

und Wagen mit Feuer verbrennt.

Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin!

Ich will mich erheben unter den Völkern,

ich will mich erheben auf Erden.

Der HERR Zebaoth ist mit uns,

der Gott Jakobs ist unser Schutz.

Amen.

Lesung aus Matthäus 10

Jesus spricht zu seinen Jüngern:

»Habt keine Angst vor Menschen!

Es gibt nichts Verborgenes,

das nicht sichtbar wird.

Und es gibt nichts Geheimes,

das nicht bekannt wird.

Was ich euch im Dunkeln anvertraue,

das sagt am hellen Tag weiter!

Und was ich euch ins Ohr flüstere,

das ruft von den Dächern!

Kann man nicht zwei Spatzen

für eine Kupfermünze kaufen?

Und doch fällt keiner von ihnen auf die Erde,

ohne dass euer Vater es weiß.

Aber bei euch ist sogar jedes Haar

auf dem Kopf gezählt!

Habt also keine Angst!

Ihr seid mehr wert

als ein ganzer Schwarm Spatzen.

Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt,

zu dem werde auch ich mich bekennen

vor meinem Vater im Himmel.

Wer mich aber nicht kennen will vor den Menschen,

den will auch ich nicht kennen

vor meinem Vater im Himmel.«

Amen

Lied: Ein feste Burg (EG 362)

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Bruder, Jesus Christus. Amen.

 

„Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen.“ Martin Luther hat das auf dem Reichstag in Worms gesagt. Vor Kaiser und Kirche hat er bekannt: Was er gepredigt hat, was er gelehrt hat, das ist im Einklang mit der Botschaft der Bibel.

Dieses Bekenntnis hat Geschichte geschrieben.

 

Liebe Gemeinde,

niemand von uns ist Martin Luther. Niemand von uns hier in Deutschland muss den Scheiterhaufen fürchten, wenn er sich gegen die Kirche stellt. Die Religionsfreiheit und die Meinungsfreiheit sind wertvolle Güter unseres Grundgesetzes.

 

Aber: Jesus sagt zu seinen Freunden und Freundinnen, sagt zu uns: „Was ich euch ins Ohr flüstere, das ruft von den Dächern!“ Redet über das, was ihr von mir hört! Sagt anderen weiter, was ihr mit Gottes Sohn erlebt!

 

Wir alle sind getauft. Uns allen ist zugesagt: Gott ist dein Freund. Gott ist an deiner Seite, unverbrüchlich. Jedes Haar auf deinem Kopf hat er gezählt. So wichtig bist du ihm!

 

Bevor wir bekennen können, müssen wir erkennen. Mit Kopf und Herz. Erkennen: Dass ich lebe, ist ein Geschenk. Dass ich gesund bin, Menschen um mich habe, etwas tun kann, das ist alles nicht selbstverständlich. Das ist Gottes Liebe. Das ist Gnade, wie die Bibel es ausdrückt. Wunderbar! Und mit Blick in die Krankenhäuser, mit Blick auf Lebenssituationen von Menschen in vielen anderen Ländern kann ich nur sagen: Es ist ein Geschenk. Das habe ich mir nicht verdient, dass es mir so gut geht.

 

„Wes das Herz voll ist, dem geht der Mund über.“ Wenn ich dieses Geschenk Gottes im Herzen fühle, dann geht mir der Mund über. Dann erzähle ich davon. Dann bekenne ich.

 

Noch einmal: Niemand von uns ist Martin Luther. Dass ich predige, ist meine berufliche Aufgabe. Ich tue es, so gut ich kann. Und gerne. Aber Jesus hat nicht zu Pfarrerinnen gesprochen. Auch nicht zu evangelischen oder katholischen Menschen. Sein Auftrag geht an alle, die getauft sind: „Bekennt euch zu mir!“

 

Wie kann das im Alltag gehen?

Einige erzählen ganz bewusst von ihrem Glauben, z.B. im Kindergottesdienst, Erzieherinnen in der Kita. Vielleicht ja auch Großeltern ihren Enkeln, Patinnen und Paten den Kindern, für die sie das Patenamt übernommen haben. Lesen Sie Kindern Geschichten aus der Kinderbibel vor!

 

Oder erzählen Sie von Ihrem Glaubensleben.

„Ja, ich war am Wochenende wieder bei uns in der Gemeinde. Ich habe da geholfen.“

 

Sagen Sie der Nachbarin im Treppenhaus: „Ich schaue mir jeden Sonntag den Fernsehgottesdienst an. Das tut mir gut. Oder auch den Gottesdienst auf der Hompage der Paulusgemeinde.“

 

Tragen sie sichtbar Ihre Halskette mit dem Kreuz! Das ist ein Bekenntnis. Es hat mich vor einigen Jahren sehr getroffen, als ich erfahren habe, dass das in Frankreich z.B. Lehrerinnen während des Unterrichtes verboten ist. Sie müssen neutral sein. Wir in Deutschland dürfen so auf unseren Glauben hinweisen.

 

Und wünschen Sie jemandem nicht „Bleib gesund!“ sondern „Bleib behütet!“ oder „Gott behüte dich!“

 

Bekennen geht auch mit den Händen.

Helfen Sie ganz praktisch Leuten, die Hilfe brauchen. Nächstenliebe nennt man das in Christlicher Sprache. Liebe ist immer ein Bekenntnis.

 

Martin Luther schreibt: „Siehe, also fließet aus dem Glauben die Liebe und Lust zu Gott und aus der Liebe ein freies, williges, fröhliches Leben, dem Nächsten zu dienen umsonst. Denn gleichwie unser Nächster Not leidet und unseres Übrigen bedarf, also haben wir vor Gott Not gelitten und seiner Gnaden bedurft. Darum, wie uns Gott hat durch Christum umsonst geholfen, also sollen wir durch den Leib und seine Werke nichts anderes tun, als dem Nächsten zu helfen.“ (In: „Von der Freiheit eines Christenmenschen“)

 

Warum das alles? Warum sollen wir uns zu Christus, zu Gott bekennen? Das ist keine Mutprobe, jedenfalls nicht in unserer Gesellschaft.

Es geht darum, dass wir anderen gönnen, dass sie auch zu der Kraftquelle kommen, aus der wir die Kraft zum Leben bekommen. Sie sollen es so gut haben wie wir, die wir wissen: Gott liebt mich, so wie ich bin.

 

Also erzählen wir! Gott helfe uns.

Amen.

 

Und der Friede Gottes, der größer ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus unserem Bruder. Amen.

Lied: Ist Gott für mich, so trete (EG 351,1-3)

Fürbitten

Gott, Vater im Himmel, wir haben guten Grund von dir und deiner Liebe zu reden.

Danke, dass Menschen uns davon erzählt haben und wir deine Freundschaft zu uns spüren.

Hilf uns, dass wir selber uns immer wieder ein Herz fassen

und von unserem Glauben sprechen, von dem, was uns Mut macht. 

Wir bitten dich für alle Menschen in vielen Ländern, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Lass sie spüren, dass du sie begleitest!

Wir bitten dich für die Menschen, die aus ihrem Glauben heraus fanatisch werden. Bremse sie! 

Lass Respekt wachsen zwischen Menschen verschiedener Religionen.

Lass uns einstehen für Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit in unserem Land.

Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich!

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Der Herr hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden. Amen.

Lied: Ein feste Burg (EG 362)

Ein feste Burg ist unser Gott,

ein gute Wehr und Waffen.

Er hilft uns frei aus aller Not,

die uns jetzt hat betroffen.

Der alt böse Feind

mit Ernst er’s jetzt meint,

groß Macht und viel List

sein grausam Rüstung ist.

Auf Erd ist nicht seinsgleichen.

 

Mit unsrer Macht ist nichts getan,

wir sind gar bald verloren;

es streit für uns der rechte Mann,

den Gott hat selbst erkoren.

Fragst du, wer der ist?

Er heißt Jesus Christ,

der Herr Zebaoth,

und ist kein andrer Gott,

das Feld muss er behalten.

 

Und wenn die Welt voll Teufel wär

Und wollt uns gar verschlingen,

so fürchten wir uns nicht so sehr,

es soll uns doch gelingen.

Der Fürst dieser Welt,

wie sauer er sich stellt,

tut er uns doch nicht;

das macht, er ist gericht‘:

ein Wörtlein kann ihn fällen.

Lied: Ist Gott für mich, so trete (EG 351,1-3)

Ist Gott für mich, so trete

gleich alles wider mich;

so oft ich ruf und bete,

weicht alles hinter sich.

Hab ich das Haupt zum Freunde

und bin geliebt bei Gott,

was kann mir tun der Feinde

und Widersacher Rott?

 

Nun weiß und glaub ich feste,

ich rühm‘s auch ohne Scheu,

dass Gott, der Höchst und Beste,

mein Freund und Vater sei

und dass in allen Fällen

er mir zur Rechten steh

und dämpfe Sturm und Wellen

und was mir bringet Weh.

 

Der Grund, da ich mich gründe,

ist Christus und sein Blut;

das machet, dass ich finde

das ewge, wahre Gut.

An mir und meinem Leben

ist nichts auf dieser Erd;

was Christus mir gegeben,

das ist der Liebe wert.