Quasimodogeniti - 11. April 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Markus Wessel - Lektorin: Britta Hermes

"Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten." | 1. Petr 1,3

Gott liebt mich

Gott hat sein letztes, tiefstes, schönstes Wort
im menschgewordenen Wort
in unsere Welt gesagt.

Und dieses Wort heißt:
Ich liebe dich, du Welt, du Mensch.
Ich bin da. Ich bin bei dir.
Ich bin dein Leben.
Ich bin deine Zeit.
Ich weine deine Tränen.
Ich bin deine Freude.
Fürchte dich nicht!

Wo du nicht mehr weiter weißt,
bin ich bei dir.
Ich bin in deiner Angst,
denn ich habe sie mitgelitten.
Ich bin in deiner Not und in deinem Tod,
denn heute begann ich
mit dir zu leben und zu sterben.
Ich bin in deinem Leben und verspreche dir:
Dein Ziel heißt Leben.

(nach Karl Rahner)

(c) Michael F. Schroth / churchphoto.de


Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Aus Psalm 116

Das ist mir lieb,
dass der Herr meine Stimme und mein Flehen hört.

Denn er neigte sein Ohr zu mir ;
darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.

Stricke des Todes hatten mich umfangen,
des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen ;
ich kam in Jammer und Not.

Aber ich rief an den Namen des Herrn :
Ach, Herr, errette mich !

Der Herr ist gnädig und gerecht,
und unser Gott ist barmherzig.

Der Herr behütet die Unmündigen ;
wenn ich schwach bin, so hilft er mir.

Sei nun wieder zufrieden, meine Seele ;
denn der Herr tut dir Gutes.

Denn du hast meine Seele vom Tode errettet,
mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.

Ich werde wandeln vor dem Herrn
im Lande der Lebendigen.

Ich will den Kelch des Heils erheben
und des Herrn Namen anrufen.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung aus dem Johannesevangelium (Kap. 21)

Später zeigte sich Jesus seinen Jüngern noch einmal.
Das war am See von Tiberias und geschah so:

Es waren dort beieinander:
Simon Petrus,
Thomas, der Didymus genannt wird,
Natanael aus Kana in Galiläa,
die Söhne des Zebedäus
und zwei weitere Jünger.
Simon Petrus sagte zu den anderen: »Ich gehe fischen!«
Sie antworteten: »Wir kommen mit.«
Sie gingen zum See und stiegen ins Boot.
Aber in jener Nacht fingen sie nichts.

Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer.
Die Jünger wussten aber nicht, dass es Jesus war.

Jesus fragte sie:
»Meine Kinder, habt ihr nicht etwas Fisch zu essen?«
Sie antworteten: »Nein!«

Da sagte er zu ihnen:
»Werft das Netz an der rechten Bootsseite aus.
Dann werdet ihr etwas fangen!«
Sie warfen das Netz aus.
Aber dann konnten sie es nicht wieder einholen,
so voll war es mit Fischen.

Der Jünger, den Jesus besonders liebte,
sagte zu Petrus: »Es ist der Herr!«
Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr war,
zog er sich seinen Mantel über und band ihn hoch.
Er war nämlich nackt.
Dann warf er sich ins Wasser.

Die anderen Jünger folgten im Boot
und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
Sie waren nicht mehr weit vom Ufer entfernt,
nur etwa 100 Meter.

Als sie an Land kamen,
sahen sie dort ein Kohlenfeuer brennen.
Darauf brieten Fische, und Brot lag dabei.

Jesus sagte zu ihnen:
»Bringt ein paar von den Fischen,
die ihr gerade gefangen habt.«

Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land.
Es war voll mit großen Fischen – genau 153 Stück.
Und das Netz zerriss nicht, obwohl es so viele waren.

Da sagte Jesus zu ihnen: »Kommt und esst!«
Keiner der Jünger wagte es, ihn zu fragen: »Wer bist du?«
Sie wussten doch, dass es der Herr war.

Jesus trat zu ihnen, nahm das Brot
und gab ihnen davon.
Genauso machte er es mit dem Fisch.

Das war schon das dritte Mal,
dass Jesus sich den Jüngern zeigte,
nachdem er von den Toten auferstanden war.

Halleluja

Halleluja.

Der Herr hat Großes an uns getan;
des sind wir fröhlich.
Halleluja.

Der Herr ist auferstanden,
er ist wahrhaftig auferstanden.
Halleluja.

Predigt zum Johannesevangelium

von Markus Wessel

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Liebe Gemeinde,

damit haben die Jünger eine Woche nach Ostern gewiss nicht gerech­net. Längst sind sie wieder im Alltag versunken mit Frust und Lust. Längst sind sie wieder verstrickt in das Gewebe von Erfolg und Misslingen. Sie blicken auf ihre Hände und was die zuwege bringen. Dass da einer am Ufer ein Festmahl für sie vorbe­reitet, wie sollten sie damit rechnen?

Gerade war den Jüngern das allererste Ostern widerfahren. Der aufer­stan­dene Christus war ihnen begegnet, hatte sie ausgesandt und ihnen den Hei­ligen Geist zugesprochen. Aber schon ein paar Tage später ist der Zauber verflogen und der Alltag hat sie wieder. Jetzt geht es ums Überleben, um Essen und Trinken und das, was man halt braucht. Und Jesus, der hat sich ja verabschiedet. Den Auferstandenen haben sie zwar gesehen und der Auferstehung Jesu von den Toten haben sie ge­glaubt. Aber nun ist der Alltag wieder eingekehrt. Irgendwie muss das Leben ja weitergehen.

Und wir: Auch bei uns ist das Leben weitergegangen. Auch wir sind wie­der eingetaucht in unseren Alltag, manche mit Frust und andere mit Lust, verstrickt in das Gewebe von Erfolg und Misslingen.

Wie sollten wir eine Woche nach Ostern damit rechnen, dass uns noch einmal ein Festmahl bereitet wird und dass der Auferstandene selbst in unser Leben tritt?

Das Boot, in dem die Jünger zum Fischen unterwegs sind hat Gemeinsamkeiten mit unserem Alltag. Wer schon mal in ein Boot eingestiegen ist, kennt das Gefühl, dass es wahrscheinlich jeden Moment umkippen wird. Meistens geht es gut. Manchmal geschieht auch genau das: Das Boot kippt und man liegt im Wasser, also da wo man gar nicht hinwollte. Das Boot soll dafür sorgen, dass wir trockenen Fußes über die Wellen gleiten.

Die Jünger steigen erwartungsvoll in ihr Boot. Etwas Essbares soll her und gerne darfs auch etwas mehr sein, damit sie den Überschuss verkaufen können.

Ostern – weit weg. Es ist Alltag.

Für uns ist es kaum vorstellbar, dass die Nachfolger Jesu einfach wieder zum Alltag zurückgekehrt sind. Die hätten doch Tag und Nacht durchfeiern müssen. Sie hatten den Auferstandenen gesehen und erlebt. Und doch hat der Alltag sie schnell wieder eingeholt, kaum, dass das Halleluja verklungen ist.

Als ich die Geschichte vom See Tiberias gelesen habe, dachte ich: Die kenne ich. Als Jesus am Anfang seines Wirkens seine Gefährten gerufen hat, waren sie in einer ganz ähnlichen Situation: Fischen gewesen, nichts gefangen, von Jesus nochmal losgeschickt worden, die Netze voll.

Zwar handelt es sich um zwei verschiedene Evangelien, doch die Geschichten gleichen sich. Wie eine Klammer halten sie alles, was zwischendurch geschah, fest. Es ist, als wollte Johannes in seiner Erzählung sagen: Guckt noch einmal genau hin. Ihr seid nicht am Ende der Geschichte, sondern am Anfang.

Darauf deutet auch das Erlebnis, das die Frauen im Markusevangelium haben, als ihnen gesagt wird, dass sie den Jüngern sagen sollen: Er geht euch vor euch hin nach Galiläa.

In Galiläa hatte die gemeinsame Geschichte Jesu mit den Jüngern begonnen. Wie viel mehr von dem Erlebten würden sie verstehen, wenn sie das Wissen um die Auferstehung und die Befreiung vom Tod in das Geschehen einbezögen.

Doch zurück zu den Fischern die Jesus nach seiner Auferstehung am See Tiberias begegnen. Sie bekommen den Auftrag: Werft das Netz noch einmal auf der rechten Seite aus. Die rechte Seite, das bedeutet hier: die richtige, die gute Seite. Die Arbeit auf der guten Seite zu tun, auf Gottes Wort hören und danach handeln, das macht satt. Das lässt uns teilhaben am Reichtum und am Überfluss Gottes.

Dieser Überfluss Gottes findet im Alltag statt. In schwankenden Booten, in Lebenskrisen, in wundervollen Momenten.

Gottes Wort hören, lesen, sehen oder spüren – mit dem Wissen um Auferstehung und Leben – das ist alltagstauglich. Auch wenn der Alltag wieder einmal gehörig wackelt.

Aus ihrem Alltag heraus hat Jesus seine Begleiter mitgenommen in seine Nachfolge. Und wer es noch nicht versteht, kann getrost noch einmal an den Anfang gehen – mit Ostern im Gepäck.

Der Friede Gottes, der höher ist, als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

Fürbitten

Du Auferstandener, Christus,
lebendig in unserer Mitte.
Zu dir beten wir.

Du bist das Leben.
Du hast dem Tod die Macht genommen.
Doch wir erleben,
wie der Tod immer noch nach uns greift.

Wir bitten um
dein Leben für die, die gegen den Tod ankämpfen,
dein Leben für die, die dem Tod ausgeliefert werden,
dein Leben für die, deren Kräfte versiegen.
Nimm uns die Angst.
Schenk uns Glauben.

Christus, du Auferstandener.
Du bist das Leben.
Du schenkst den Frieden, der die Welt überwindet.
Doch wir erleben,
wie weiter Unfriede herrscht.

Wir bitten um
deinen Frieden für die Menschen in Kriegsgebieten,
deinen Frieden für alle, die eingesperrt und bedrängt werden,
deinen Frieden in unseren Häusern und Familien,
in unserer Nachbarschaft,
in unserem Land.
Nimm uns die Angst.
Schenk uns Frieden.

Christus, du Auferstandener.
Du bist das Leben.
Du gibst den Müden Kraft.
Du lässt uns aufatmen.

Wir danken dir
für den Atem,
für die Menschen an unserer Seite,
für den Glauben und dein Wort.

Dir vertrauen wir diese Welt an.
Dir vertrauen wir uns an.
Du bist das Leben. Halleluja.
Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und gebe dir Frieden. Amen.