Pfingsten - 23. Mai 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Laienprediger Jürgen Eigenbrodt - Lektorin: Britta Hermes

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth. Sacharja 4, 6

Frohe und gesegnete Pfingsten und herzlich willkommen aus der Pauluskirche.

In der Predigt heute, wird eine Geschichte von einem riesigen Bauvorhaben einer Gemeinde erzählt. So wird es nicht ausgesehen haben, mit diesem Stein hier, das ist jetzt eine moderne Fassung, aber die Menschen haben damals etwas großes vorgehabt. Und wir hören, wie Gott darüber denkt und schließlich beendet er dieses Bauvorhaben und verstreut die Gemeinde.

Was hat Gott an diesem Projekt nicht gefallen und welche Weisungen gibt Er uns mit auf dem Weg? Dieser Frage wollen wir nachgehen.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 118, 24-29

Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat. Lasst uns jubeln und uns freuen über ihn!

Ach, Herr, bring doch die Rettung! Ach, Herr, bring alles zum guten Ende!

Gesegnet sei, wer im Namen des Herrn kommt! Vom Haus des Herrn her segnen wir euch.

Gott ist der Herr, er ließ sein Licht für uns leuchten. Schmückt das Fest mit grünen Zweigen bis zu den Hörnern des Altars.

Du bist mein Gott, ich danke dir! Mein Gott, ich will dich hoch loben!

Dankt dem Herrn! Denn es ist gut. Für immer bleibt seine Güte bestehen.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Tagesgebet

Du, Gott, hast deinen Geist in die Welt gesandt und sendest ihn auch noch heute. Öffne unsre Herzen für sein Wirken, dass wir mit unserer Kraft und unserem Vermögen das Beste tun.

Lass uns aber auch unsere Grenzen erkennen und dankbar annehmen, was Andere besser können. Dein Geist stärke unsere Gemeinschaft, dass wir einander wahrnehmen und annehmen und miteinander an deinem Reich arbeiten.

Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

G: Amen.

Lesung Johannes 14, 15-19

Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote befolgen.

Und ich werde den Vater um etwas bitten:

Er wird euch an meiner Stelle einen anderen Beistand geben,

einen, der für immer bei euch bleibt.

Das ist der Geist der Wahrheit.

Diese Welt kann ihn nicht empfangen,

denn sie sieht ihn nicht und erkennt ihn nicht.

Aber ihr kennt ihn, denn er ist mit euch verbunden

und wird immer mit euch verbunden bleiben.

Ich lasse euch nicht wie Waisenkinder allein.

Ich komme wieder zu euch.

Es dauert noch eine kurze Zeit,

dann wird diese Welt mich nicht mehr sehen.

Aber ihr werdet mich sehen,

weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet.

Nicänisches Glaubensbekenntnis

Wir glauben an den einen Gott,

den Vater, den Allmächtigen,

der alles geschaffen hat,

Himmel und Erde,

die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Und an den einen Herrn Jesus Christus,

Gottes eingeborenen Sohn,

aus dem Vater geboren

vor aller Zeit:

Gott von Gott,

Licht vom Licht,

wahrer Gott vom wahren Gott,

gezeugt, nicht geschaffen,

eines Wesens mit dem Vater;

durch ihn ist alles geschaffen.

Für uns Menschen

und zu unserm Heil

ist er vom Himmel gekommen,

hat Fleisch angenommen

durch den Heiligen Geist

von der Jungfrau Maria

und ist Mensch geworden.

Er wurde für uns gekreuzigt

unter Pontius Pilatus,

hat gelitten und ist begraben worden,

ist am dritten Tage auferstanden

nach der Schrift

und aufgefahren in den Himmel.

Er sitzt zur Rechten

des Vaters und wird wiederkommen

in Herrlichkeit,

zu richten die Lebenden

und die Toten;

seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist,

der Herr ist und lebendig macht,

der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,

der mit dem Vater und dem Sohn

angebetet und verherrlicht wird,

der gesprochen hat

durch die Propheten,

und die eine, heilige, allgemeine

und apostolische Kirche.

Wir bekennen die eine Taufe

zur Vergebung der Sünden.

Wir erwarten die Auferstehung der Toten

und das Leben der kommenden Welt.

Amen

Predigt

Damals hatten alle Menschen nur eine einzige Sprache – mit ein und denselben Worten. Sie brachen von Osten her auf und kamen zu einer Ebene im Land Schinar. Dort ließen sie sich nieder. Sie sagten zueinander: „Kommt“ Lasst uns Lehmziegel formen und sie brennen!“ Die Lehmziegel wollten sie als Bausteine verwenden und Asphalt als Mörtel. Dann sagten sie: Los! Lasst uns eine Stadt mit einem Turm bauen! Seine Spitze soll in den Himmel ragen. Wir wollen uns einen Namen machen, damit wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen.

Da kam der Herr vom Himmel herab. Er wollte sich die Stadt und den Turm ansehen, die die Menschen bauten. Der Herr sagte: „Sie sind ein einziges Volk und sprechen alle dieselbe Sprache. Und das ist erst der Anfang! In Zukunft wird man sie nicht mehr aufhalten können. Sie werden tun, was sie wollen. Auf! Lasst uns hinabsteigen und ihre Sprache durcheinanderbringen! Dann wird keiner mehr den anderen verstehen. Der Herr zerstreute sie von dort über die ganze Erde. Da mussten sie es aufgeben, die Stadt weiterzubauen. Deswegen nennt man sie Babel, das heißt: Durcheinander. Denn dort hat der Herr die Sprache der Menschen durcheinandergebracht. Und von dort hat sie der Herr über die ganze Erde zerstreut.

Liebe Gemeinde,

so verwirrt und auch verwirrend erleben wir das bis heute.
All die vielen unterschiedlichen Sprachen, die es auf der
Welt gibt. Es ist faszinierend und macht mir auch
Spaß, andere Sprachen kennenzulernen und zu vergleichen.

Wir erleben, wie Sprache Menschen einer bestimmten Gruppe miteinander verbindet, Zusammengehörigkeitsgefühl und Heimat schafft. Anderseits grenzt Sprache aber auch aus. Es wird sofort deutlich, wer dazugehört und wer nicht.

Manchmal fühlen wir uns fremd und ausgeschlossen, wenn wir die Sprache in unserem Umfeld nicht verstehen. Selbst in unserem nächsten Umfeld, wo wir ja eigentlich alle
unsere Muttersprache sprechen, kann so etwas passieren. Denn auch da gibt es einige Hürden manchmal.

So bleibt mein Pfingstfest 1998 unvergessen. Wir waren in der Lüneburger Heide und besuchten einen Gottesdienst in einer kleinen Gemeinde auf dem Land. Alles begann sehr schön und war verständlich. Die Predigt hielt dann ein anderer Pfarrer, den wir nicht kannten. Und die Predigt begann mit den Worten: Miene leewen Frünnen, Pingsten is ne schöne Tied. So ging das dann ca. 15min auf Plattdeutsch weiter.

Wir lernten neue Vokabeln kennen, die wir zuvor niemals hörten, da war die Rede vom Stormbrusen und von den Füerflammen. Dr. Ernst Arfken, so hieß der Pfarrer, war fest überzeugt, datt de Heilige Geist bi uns an´t Wark is. Das verstanden auch wir und davon waren wir fest überzeugt.

Bis heute denke ich noch oft an diese Sprachverwirrung zu Pfingsten und ich war mittendrin. Kein Dolmetscher weit und breit, der die Worte übersetzte. So ist auch Pfingsten!

Vielleicht haben Sie Ähnliches auch schon erlebt, wenn auch nicht so krass wie ich, dass sie sich nicht verstanden fühlen, obwohl alles klar gesagt wurde. Meistens höre ich dann: „Spreche ich eigentlich Chinesisch“. Dann ist spätestens klar, dass man nicht verstanden werden will.

So erleben wir unser Alltagspfingsten: Menschen reden aneinander vorbei, können oder wollen sich nicht verstehen, streiten um Worte. Die biblische Geschichte von heute klingt da ganz anders. Die Menschen verstehen sich untereinander.

Sie planen etwas ganz Großes. Denn sie wollen einen Turm bauen, der bis in den Himmel reichen soll. Kein Wolkenkratzer mehr, sondern ein Himmelskratzer. Und das,
was damals beschlossen und begonnen wurde, geschieht auch heute noch. Menschen bauen immer höhere Gebäude. Zurzeit ragt der Burj Khalifa in Dubai mit knapp 830 Metern am höchsten. Die Saudis wollen diesen Rekord noch einmal deutlich übertreffen. Ein Turm in Jeddah (Kuwait City) soll über 1000 Meter hoch werden. So ahnen wir schon, worum es den Turmbauern oft geht: um Macht und Ruhm und Stolz und Größe. Und es geht um Konkurrenz und Rechthaberei, um Übertrumpfen und Größenwahn: Wer behält die Oberhand? Wer hat den größten Turm? Wer die erfolgreichste Ideologie?
Die Bibel erzählt uns, dass Gott vom Himmel herunterfahren musste, um sich dieses Türmchen in Babel anzuschauen. So klein war es wohl aus seiner Perspektive. Und schließlich
beendet er dieses Projekt friedlich. Die Leute verstehen sich plötzlich nicht mehr und gehen auseinander. Was bedeutet dieser Text für uns heute?

Höher, weiter, schneller. Die Leute damals und heute wollen sich einen Namen machen. Unsere globale Welt kommt nicht mehr zur Ruhe. Alles wächst und es soll weiterwachsen. Nicht nur Türme und Gebäude. Am besten alles. Der Reichtum, der Lebensstandard, der globale Transport von Gütern. Alles soll wachsen, aber damit wächst auch anderes: Die Erwärmung der Erde, der Ausstoß von Co2, die Umweltverschmutzung. Da leben die einen im Überfluss und die anderen haben nicht mehr genug zum Leben. Da sind die, die plötzlich feststellen, dass ihr Auto viel zu groß für die Garage geworden ist und dass sie mit dem nächsten Kleid, welches sie kaufen, auch gleich einen neuen Kleiderschrank brauchen und das neue Handy schon wieder alt ist. Wann ist es genug? Die biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel ist doch nur ein Beispiel eines grenzüberschreitenden Wachstums der Menschheit. Damals war es der Turm zu Babel und heute sind neue Megaprojekte, die Menschen in Angriff nehmen. So werden bereits jetzt schon Milliarden investiert, damit Menschen spätestens im Jahr 2037 den Nachbarplaneten Mars bereisen können. Die Amerikaner sprechen schon von einer Menschheit von morgen, die da entstehen soll. Der Mensch greift nach den Sternen, im wahrsten Sinne des Wortes.

So lesen und hören wir immer wieder von neuen Babel Geschichten in unserer Welt. Deshalb ist es gut, dass immer
wieder neue Stimmen sich zu Wort melden, wo Menschen
die Grenze zum Größenwahn überschreiten. Wo Menschen
sich nicht mehr als Geschöpfe verstehen, sondern selbst zum
Schöpfer aufsteigen wollen. Wie Gott sein wollen.

Jeder Blick in die Weltgeschichte zeigt, dass solche babylonischen Türme bis in unsere Gegenwart hinein immer von Neuem errichtet worden sind, und er zeigt zugleich, dass jedes Mal die Verständigung der Menschen untereinander verloren ging. Wer alles gewinnen will, verliert am Ende alles.

Der Kaiser Augustus wollte ein ewiges Friedensreich errichten und ließ sich deshalb als Gott verehren. Dazu unterdrückte er die Völker. Hitler und Stalin haben ihre Turmbauten errichtet, deren Spitze bis zum Himmel reichte, sodass niemand mehr höher war als sie. Sie wollten Reiche errichten und bis heute
verfolgt uns diese Katastrophe, die sie damit angerichtet haben. Auch sie verfolgten nicht nur Ziele, sondern pflegten
eine menschenverachtende Einheitssprache, die keine andere
Meinung duldete.

Gott sei Dank wurde dieser Größenwahnsinn gestoppt.

Es ist gut, dass der Heilige Geist immer wieder eingreift und durch Menschen spricht. Plötzlich werden Dinge neu hinterfragt. Plötzlich hören wir neue Stimmen, die Fragen: Was tun wie hier eigentlich?

Vielleicht ist auch so damals in Babel gewesen. Alles wird plötzlich infrage gestellt. Da kommt eine
neue Stimmung auf und ein Geist of Change beendet das
begonnene Wahnsinnsprojekt.

Die Geschichte von Babel klingt erst einmal gut. Menschen packen etwas an und verstehen sich, wollen zusammenbleiben. Gott durchschaut, dass dieses Babel – Turm - Projekt in die falsche Richtung geht. Die Menschen wollten sich einen Namen machen, ein Denkmal hinterlassen, dem Himmel so nahe sein, dass sie mit Gott auf Augenhöhe diskutieren können.

Gottes Baupläne scheinen anders zu sein.
Unsere Pauluskirche ist nicht unter den Top 500 größten Gebäuden dieser Welt zu finden. Sie ist 55m hoch. Sichtbar ist sie dennoch. Als unser Gemeindezentrum (StK) Anfang der 90er Jahre in Planung ging, stand damals nicht die Frage im Vordergrund, wie können wir die größten am Kuhlerkamp werden, sondern wie können Menschen hier Gottesdienst miteinander feiern, wie können Arbeits- und Bibelkreise arbeiten und sich begegnen. Gott will kein einziges Gebäude in dieser Welt für sich, kein Denkmal. Er baut seine Gemeinde mit uns und Gott baut auf uns.

Gott liebt nicht so sehr, dass immer höher, schneller weiter,
sondern das langsamer, bewusster, mit-menschlicher.

Gott liebt die Vielfalt der Menschen in unterschiedlichen Sprachen und Kulturen. Er liebt, wenn seine Botschaft verstanden und gelebt wird, auf dieser Welt.

Für eine Gesellschaft, wie der unseren, deren Zusammenhalt bedroht ist, kommt das Pfingstfest wie gerufen. Denn, ob sie es weiß oder nicht, – sie braucht den Geist Gottes. Er ist die Kraft, die das schweigende Nebeneinanderher-Leben aufbricht. Er führt uns zu einem Verstehen, das über die eigenen Grenzen hinausgeht und uns von dem Zwang befreien kann, den eigenen Namen immer noch größer machen zu müssen. Der Geist befähigt uns dazu, den Namen Gottes groß zu machen.

Und deshalb zum Abschluss und in Plattdeutsch: Goode Pingsten. Und der Friede Gottes, der größer ist als alle
menschliche Vernunft, der behüte und bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Fürbitten

Dich bitten wir für deine Kirche, Herr. Schenke ihr Offenheit, für das Wirken deines Geistes.
Zu dir rufen wir:
Herr, erbarme dich.

Dich bitten wir für jeden Einzelnen von uns.
Bleibe bei uns mit deinem Geist.
Zu dir rufen wir:
Herr, erbarme dich.

Sende du deinen Geist zu den Mächtigen
in Politik und Wirtschaft, dass die Sehnsucht
nach Liebe und Gerechtigkeit dort wächst.
Zu dir rufen wir:
Herr, erbarme dich.

Erneure deine Kirche, so dass sie immer wieder
die richtigen Antworten auf Fragen der Zeit
findet. Zu dir rufen wir:
Herr, erbarme dich.

Erneure uns, dass wir den Mut zu neuen Anfängen nie verlieren und bereit sind, anderen neue Chancen zu geben. Zu dir rufen wir:
Herr, erbarme dich.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn. – Gott sei ewiglich Dank.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und schenke dir Seinen Frieden.

Amen.