Palmarum - 28. März 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrer Martin Schwerdtfeger - Lektor: Helmut Gerisch

Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. Johannes 3,14b.15

Heute stehen wir mit den Menschen im biblischen Jerusalem, die mit ihren Palmenwedeln winken und jubeln für den Mann auf dem Esel. Sei unser König, Hosianna! auf Deutsch: Rette uns! Aber Jesus bleibt nicht stehen, er geht seinen Weg ganz bis zu Ende, sein Thron sieht anders aus, als die Leute denken.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 69

Gott, hilf mir!

Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.

Ich versinke in tiefem Schlamm,

wo kein Grund ist;

ich bin in tiefe Wasser geraten,

und die Flut will mich ersäufen.

Ich habe mich müde geschrien,

mein Hals ist heiser.

Meine Augen sind trübe geworden,

weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.

Denn um deinetwillen trage ich Schmach,

mein Angesicht ist voller Schande.

Ich bin fremd geworden meinen Brüdern

und unbekannt den Kindern meiner Mutter;

denn der Eifer um dein Haus hat mich gefressen,

und die Schmähungen derer, die dich schmähen,

sind auf mich gefallen.

Ich aber bete, Herr, zu dir zur Zeit der Gnade;

Gott, nach deiner großen Güte

erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.

Ich warte, ob jemand Mitleid habe,

aber da ist niemand,

und auf Tröster, aber ich finde keine.

Sie geben mir Galle zu essen

und Essig zu trinken für meinen Durst.

Ich aber bin elend und voller Schmerzen.

Gott, deine Hilfe schütze mich! Amen.

Lesung Philipper 2, 5-11

Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht:

Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.

Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.

Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. Amen.

Predigt

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Gemeinde,

„bleiben Sie zuversichtlich!“ wünscht der Moderator am Ende der Tagesthemen. Bleiben Sie zuversichtlich – trotz aller Unsicherheiten, die sich auftun, trotz Ärger und Ungeduld. Zuversicht hilft, um Herausforderungen anzugehen und Lösungen voranzutreiben. Ohne sie fällt es schwer weiterzumachen.

Wer den Mut sinken lässt, verliert die Fähigkeit, seinen Tag selbst zu gestalten. Der wird bestimmt durch Angst und Resignation, durch das, was mit ihm geschieht.

Der Brief an die Hebräer richtet sich an Christen mit Wurzeln im Judentum, bei denen Fragen und Zweifel wachsen.

Christus hatte vom nahen Reich Gottes gesprochen. Bald schon hatte die neue Welt Gottes anbrechen sollen ohne Leid und Schmerz. Und nun warteten sie schon lange darauf. Im römischen Reich hatten Christenverfolgungen begonnen. Sie waren ihres Lebens – und ihres Glaubens – nicht mehr sicher.

Hebräer 11,1-2;12,1-3

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.

In diesem Glauben haben die Alten Gottes Zeugnis empfangen. Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.

Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.

Der Brief weist auf Vorbilder aus der Geschichte hin, die durch ihren Glauben viel erreicht haben.

Abraham und Sara, die sich auf den Weg gemacht haben in unbekanntes Land, weil sie Gott vertraut haben.

Mose, der zu seinem Volk hielt und es aus der Gefangenschaft geführt hat.

Samuel und David, durch die aus den zwölf Stämmen das Volk Israel wurde. Dazu die Propheten und christlichen Märtyrer, die mit ihrem Reden und Handeln den Glauben bezeugt haben.

Wir könnten die Reihe ergänzen mit Menschen aus unserer Zeit – Dietrich Bonhoeffer oder Martin Luther-King.

Sie alle haben viel bewegt, weil sie nicht nur auf ihre begrenzten Kräfte vertraut haben, sondern auf den lebendigen Gott.

Eine Wolke von Zeugen – im Haus der Vereinten Evangelischen Mission in Wuppertal gibt dazu eine Bildergalerie. Missionarinnen und Missionare sind dort zu sehen, die seit zweihundert Jahren aufgebrochen sind, um von Jesus Christus zu erzählen und den Glauben weiterzutragen.

Diese Galerie will zeigen: Es geht nicht bloß um unseren eigenen manchmal kleinen Mut, unseren oft unsicheren Glauben. Wir gehören zu einer großen Gemeinschaft in der Ökumene, die bis heute von diesem Glauben lebt, vom Vertrauen auf Gott.

Deshalb brauchen wir nicht zu verzweifeln.

Heute am Palmsonntag erinnern wir an den Einzug Jesu in Jerusalem. Mit Palmzweigen und großem Jubel ist Jesus in Jerusalem begrüßt worden. „Hosianna!“ haben die Menschen gerufen. „Rette uns!“ – Endlich kam der, der Israel erlösen würde.

Bei dieser Begeisterung ist es nicht geblieben. Jesus hat nicht alle Wünsche erfüllt und sehr schnell ist der Jubel umgeschlagen in Wut und Hass. Sein Weg hat ihn das Leben gekostet. Und er hat uns Leben gebracht.

Das ist nicht einfach zu verstehen. Immer wieder deuten die biblischen Schriften Situationen ganz anders als sie auf den ersten Blick wirken.

Das alte kinderlose Ehepaar Abraham und Sara wird zum Segen vieler Nachkommen. Der kleine David wird zum großen König. Und der Wochenspruch „Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben“ zielt auf die Kreuzigung. Da hängt Jesus gerade mal zwei Meter hoch, aber das weist schon hin auf seine Erhöhung zur Rechten Gottes und so zur Erlösung der Glaubenden.

Unsere Erfahrungen sind zweideutig. Leid und Enttäuschungen sind real und oft schwer zu verarbeiten. Aber sie können uns auch weiterführen, auch wenn wir das oft erst im Nachhinein verstehen.

„Wer weiß, wozu es gut ist?“, zitiert Hanns Dieter Hüsch seine Niederrheiner gerne. Mag sein, dass Schüler aus einer verhauenen Klassenarbeit lernen. Mag sein, dass aus einem verletzenden Streit eine Beziehung wieder lebendig wird. Mag sein, dass eine Erkrankung jemanden dazu führt, sein Leben neu zu orientieren.

Der Glaube kann uns helfen, unser Leben besser zu verstehen. Da sind wir vor Überraschungen nicht gefeit. Und manchmal werden wir dabei auch mit unangenehmen Wahrheiten konfrontiert.

Aber wenn wir gut hinhören, werden wir immer wieder entdecken, dass Gott mit uns redet. Im Glauben sind wir nicht allein.

Deshalb: Bleiben Sie zuversichtlich! Amen.

Fürbitten

Wir beten:

Guter Gott, du bist da. Hochgelobt. Und unten angekommen.

Wir bitten für alle Hochtrabenden.

Die in falschen Jubel einstimmen.

Die selbst verblendet sind und alle anderen für blind halten.

Für alle, die das große Ganze mit ihren eigenen Interessen verwechseln.

Für alle, die für andere Entscheidungen fällen müssen.

Für alle, die Angst haben zu handeln und deinen Beistand brauchen.

 

Menschgewordener, du bist da. Hochgelobt. Und unten angekommen.

Wir bitten für alle, die niedergedrückt sind.

Die sich ausgeliefert fühlen.

Die selbst bewegungslos geworden sind und alle anderen für ruhelos halten.

Für alle, die in Trauer gefangen sind und nach Lebensfreude fragen.

Für alle, die ihren weichen Kern mit harter Schale schützen.

Für alle, die nichts mehr verstehen können oder wollen.

 

Du Überwinder, du bist da. Hochgelobt. Und unten angekommen.

Schau uns an, wo du uns findest, oben oder unten,

in unserer Zerrissenheit und in unseren Abgründen,

in unserer Sehnsucht nach dir und in unserer Dankbarkeit,

in unserem Glauben und in unseren Zweifeln.

Hilf uns zum Leben um deiner Liebe willen. Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und gebe dir Frieden. Amen.