Okuli - 07. März 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrer Martin Schwerdtfeger - Lektorin: Stefanie Leosz

Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes … Lukas 9,62

… heißt es im Wochenspruch aus dem Lukasevangelium. Jesus richtet den Blick in die Zukunft. Sie ist wichtiger als das, was war. Mutig und entschlossen können wir sein. Denn er geht voraus.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Gott, manchmal wissen wir nicht genau, was du von uns möchtest. Oft vergessen wir, nach deinem Willen zu fragen. Dann ist es schwer, das Richtige zu tun. Wir kommen vom Weg ab und werden schuldig an dir, an einem Mitmenschen oder an uns selbst.

Wir bitten dich um dein Erbarmen. Amen.

 

Psalm 34, 16-23

Die Augen des Herrn schauen freundlich,

wenn sein Blick auf die Gerechten fällt.

Seine Ohren sind offen für ihren Hilfeschrei.

Das Angesicht des Herrn verfinstert sich,

wenn er auf das Treiben der Übeltäter blickt.

Die Erinnerung an sie schafft er aus der Welt.

Die Gerechten schrien und der Herr hörte es.

Er befreite sie aus aller Not.

Der Herr ist nahe bei den Menschen,

die im Herzen verzweifelt sind.

Er hilft denen, die ihren Lebensmut verloren.

Der Gerechte muss viel Böses erleiden.

Doch der Herr wird ihn von allem Übel befreien.

Er schützt alle Glieder seines Körpers.

Kein einziger Knochen wird ihm gebrochen.

Wer Böses tut, kommt durch seine Bosheit um,

und wer den Gerechten hasst, muss es büßen.

Doch der Herr spricht seine Knechte frei.

Wer bei ihm Zuflucht sucht,

muss für nichts büßen.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung Lukas 9, 57-62

 

 

Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.

Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!

Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Amen.

 

Predigt

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Gemeinde,

„Jesu, geh voran auf der Lebensbahn“. Dieses Lied hat Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf, der Bischof der Herrnhuter Brüdergemeinde, vor 300 Jahren geschrieben. Jedes Jahr gibt diese Gemeinschaft die Losungen heraus, biblische Worte für jeden Tag, um einen Moment über den christlichen Glauben nachzudenken und sich anregen zu lassen: Wie kann ich heute als Christ, als Christin leben?

Oft sind diese Worte für mich hilfreich, manchmal irritieren sie ich, ab und an ärgere ich mich auch. Aber auch dann stoßen sie mich an, meinen Glauben und mein Leben ins Gespräch zu bringen.

Wie möchte ich leben – als Christ?

Es geht heute um Nachfolge. Im Evangelium werden drei Menschen erwähnt, die buchstäblich Jesus folgen wollen oder darauf angesprochen werden. Einem wird gesagt: „Das ist kein leichter Weg.“ Die anderen beiden zögern aus verständlichen Gründen, möchten erst noch etwas erledigen und dann mitgehen.

Die Antworten von Jesus klingen nicht gerade einfühlsam. Wer sich mit ihm auf den Weg macht, erlebt nicht nur Harmonie und Sonnenschein. Der wird auch Grenzerfahrungen machen, Konflikte erleben und Enttäuschungen. Er wird auf manches Gewohnte verzichten müssen, muss bereit sein sich zu verändern, dazuzulernen. Aber er oder sie dürfen dabei wissen: Gott ist uns nah. Gott geht mit.

Nachfolge. – Wer den Weg Jesu mitgeht, wird irgendwann auch in die Passionsgeschichte eintauchen, wird Erfahrungen machen mit Ablehnung und Hass, mit Streit und Enttäuschung, mit Angst und Tränen, Verrat und Verleugnung – und mit dem Kreuz. Aber all das gehört zum Leben, auch zu unserem.

Manche schauen da lieber nicht hin, wollen lieber an Schönes denken und es sich schön machen. Aber unser Leben und unsere Welt ist voller Brüche. Und wer wegschaut, ist vor ihren Gefahren nicht gefeit. Wegschauen löst keine Probleme.

Andere nehmen wahr, dass sie etwas tun müssen, dass sie ihr Leben neu ausrichten sollten, aber vorher wollen sie erst noch dieses oder jenes erledigen. Und verpassen damit vielleicht eine Gelegenheit.

Dazu sagt Jesus: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Das bedeutet: Haltet euch nicht selbst auf! Verbaut euch nicht selbst euren Weg! Euer Leben lässt sich nicht aufschieben.

Der Epheserbrief, aus dem unser Predigttext für heute stammt, möchte Menschen, die sich taufen lassen, erklären, wie christliches Glauben und Leben aussieht.

Worauf können wir vertrauen? Wie können wir uns verhalten?

Und dann schreibt er im 5. Kapitel:

Epheser 5,1-2.8-9

Nehmt euch Gott zum Vorbild! Ihr seid doch seine geliebten Kinder. Und führt euer Leben so, dass es ganz von der Liebe bestimmt ist.

Genauso hat auch Christus uns geliebt und sein Leben für uns gegeben – als Opfer und als Duft, der Gott gnädig stimmt.

Früher habt ihr nämlich selbst zur Finsternis gehört. Aber jetzt seid ihr Licht, denn ihr gehört zum Herrn. Führt also euer Leben wie Kinder des Lichts!

Denn das Licht bringt als Ertrag lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.

 

So wie Christus euch liebt – und er hat sein Leben für uns gegeben – so führt euer Leben, dass es ganz von Liebe bestimmt ist.

Wenn in der Bibel von Liebe die Rede ist, dann geht es in der Regel nicht um Verliebtheit. Die ist wunderbar und im Hohelied Salomos intensiv beschrieben.

Es geht um die Beziehung zu Menschen, um eine Haltung Menschen gegenüber.

Wem das Wort Liebe leicht zu kitschig klingt, der mag dafür das Wort Achtung wählen. In der Liebe wandelt, wer Menschen achtet – unabhängig von ihrem Tun. Ich kann längst nicht alles billigen, was andere tun - oder ich selbst. Ich muss aber deswegen niemandem meine Achtung entziehen. Achtung ist das Licht, in dem wir leben, seit Jesus lebte. Er hielt nicht alles für gut, was Menschen taten – und sagte das auch deutlich. Aber er achtete das Menschsein des anderen. Selbst die Bösesten blieben seine Geschwister. Er mahnte sie und achtete sie. Das geht. Weil er im Namen Gottes überzeugt war davon: Achtung, also Liebe ist eine Haltung im Verhalten zu Menschen.

Diese Haltung ist mehr als ein zärtliches Gefühl. Sie führt dazu, dass ich für den anderen da bin – mit praktischer Hilfe und wenn nötig, auch mit Kritik. Lebendige Beziehungen brauchen die Offenheit, unterschiedliche Ansichten auszutauschen und auf Schwachpunkte hinzuweisen. Wie wollen wir sonst dazulernen? Und das geht, ohne sich über andere lustig zu machen oder sie zu verurteilen. Und diese Haltung der Liebe beinhaltet auch, sich unangenehme Wahrheiten sagen zu lassen.

„Okuli“ heißt dieser Sonntag in der Passionszeit. Das ist kein zufälliger Name. Denn die Sonntage vor Ostern wurden nach Versen aus den Psalmen benannt. Der für diesen Sonntag lautet: „Oculi nostri ad Dominum Deum.“ Auf Deutsch: „Unsere Augen sehen stets auf den Herren.“

Ich höre das als Angebot: Ich kann auf Gott schauen. Er kennt den Weg. Er ist größer als meine Widersprüche. Und er holt mich zurück, wenn ich mich verlaufen habe. Ihm will ich mich anvertrauen.

Gott kann uns leiden und er will mit uns auf dem Weg sein. Darum können wir gehen. Amen.

Fürbitten

Wir bringen vor Gott, was uns bewegt:

Herr, unser Gott, voller Vertrauen kommen wir zu dir und bitten dich:

Sei bei denen, die nicht wissen, wie es weitergehen soll, die in der Dunkelheit gefangen sind und sich nach Licht am Ende des Tunnels sehnen:

Mach du ihre Dunkelheit hell.

 

Wir bitten dich für die, die Kummer und Sorgen haben.

Hilf ihnen, die Last zu tragen. Trockne ihre Tränen:

Lass sie spüren, dass sie nicht allein sind.

 

Wir bitten dich für uns:

Öffne unsere Augen und unsere Herzen für die Menschen um uns herum.

Lass uns ihre Not erkennen und gerne bereit sein zu helfen.

Lass uns in deinem Namen zu Lichtbringern werden.

 

Guter Gott,

in der Stille bringen wir unsere eigenen Sorgen und unseren Kummer vor dich: […].

Lass uns darauf vertrauen, dass du es in allem gut mit uns meinst. Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und gebe dir Frieden. Amen.