Laetare - 14. März 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrer Martin Schwerdtfeger - Lektorin: Cornelia Schmidt

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Johannes 12,24

Mit dem Wochenspruch aus dem Johannesevangelium begrüße ich Sie zum Gottesdienst! Laetare heißt dieser Sonntag, „Freut Euch!“. Das klingt seltsam mitten in der Passionszeit. Aber es soll ein Vorgeschmack sein auf das, was auf den Tod folgt, nämlich das Leben, gegen allen Augenschein, gegen alle Hoffnungslosigkeit.

Christus wird auferstehen, das ist ein Grund zum Feiern, wenn wir heute den lebendigen, den auferstandenen Herrn unserer Kirche und unseres Lebens suchen und seine Gegenwart und Nähe.

 

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Aus Psalm 84

Wie lieb sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaot.

Meine Seele sehnt sich danach und wünscht sich nur:

Ich möchte so gerne beim Herrn sein,

in den Höfen, die seinen Tempel umgeben.

Mit Leib und Seele schreie ich nach dir,

nach dem Gott meines Lebens.

Sogar der Sperling hat ein Zuhause gefunden

und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen.

So ist es auch bei deinen Altären, Herr Zebaot,

mein König und mein Gott:

Glücklich sind, die in deinem Haus wohnen

und dich dort für immer preisen!

Glücklich sind die Menschen,

die einen sicheren Platz bei dir finden.

Sie gehen schon in Gedanken

auf Pilgerreise zu deinem Haus.

Müssen sie durch ein dürres Tal,

stellen sie sich eine Quelle vor Augen.

Segensreich füllt der erste Regen den Teich.

So wandern sie dahin mit wachsender Kraft,

bis ihnen Gott auf dem Zion erscheint.

Herr, Gott Zebaot,

hör meine sehnsuchtsvolle Bitte!

Hab ein offenes Ohr, Gott Jakobs!

Bewahre den König, Gott, er ist unser Schild!

Begegne ihm freundlich, du hast ihn gesalbt!

Einen Tag in deinen Höfen zu verbringen

ist besser als tausend,

die ich selbst erwählt habe.

Im Haus meines Gottes auf der Schwelle zu stehen

ist besser, als in den Zelten der Frevler zu sitzen.

Ja, Gott, der Herr, ist Sonne und Schild.

Gnade und Würde verleiht uns der Herr.

Er verwehrt keinem das Glück,

der ein vorbildliches Leben führt.

Glücklich sind die Menschen, Herr Zebaot,

die sich ganz auf dich verlassen.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung Jesaja 54, 7-10

Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln.

Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser.

Ich halte es wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will.

Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer. Amen.

Predigt

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Johannes 12,20-24

Es befanden sich auch einige Griechen unter denen, die zum Fest nach Jerusalem gekommen waren, um Gott anzubeten.

Die gingen zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und baten ihn: »Herr, wir wollen Jesus sehen!«

Philippus ging zu Andreas und sagte es ihm. Dann gingen die beiden zu Jesus und berichteten es ihm.

Da sagte Jesus zu ihnen: »Die Stunde ist gekommen! Jetzt wird der Menschensohn in seiner Herrlichkeit sichtbar. Amen, amen, das sage ich euch: Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, sonst bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.

Liebe Gemeinde,

„wir wollen Jesus sehen.“ – In den letzten Monaten ist uns bewusst geworden, was es bedeutet einander sehen zu können – Familie, Freunde, Kolleginnen. Unmittelbare Begegnungen stärken unsere Beziehungen. Wir nehmen viel mehr voneinander wahr als am Telefon oder am Bildschirm. Die Körpersprache gibt Hinweise, wie es einem Menschen geht. Ohne sie fehlt etwas Wichtiges.

„Wir wollen Jesus sehen.“ – Griechen, also Ausländer, die nicht zum jüdischen Volk gehören, kommen nach Jerusalem, um dort zu beten. Der Glaube an den Gott Israels hat sie angesprochen und sie haben von Jesus von Nazareth gehört. Ihr Interesse ist erwacht und sie möchten sich ein Bild machen.

Was ist das für ein Lehrer, der so besonders von Gott redet, dass ihm viele Anhänger folgen? Was ist das für ein Mensch, der Kranke heilt und Menschen verändert? Es heißt, er gibt Mut und Zuversicht. Er versteht die heiligen Schriften ganz neu – einladend und befreiend.

Diesen Mann möchten sie kennenlernen.

Sie treffen auf Philippus, einen der Jünger, der gibt ihren Wunsch an Andreas weiter und der schließlich an Jesus. Es scheint nicht so leicht, zu Jesus vorzudringen.

Aber ihr Wunsch kommt an. Und Jesus sagt erst einmal zu den Jüngern: Die Stunde ist gekommen! Jetzt wird der Menschensohn in seiner Herrlichkeit sichtbar.

Das klingt, als sei gerade der richtige Moment für die interessierten Fremden. Jetzt wird deutlich, wer er ist.

Aber die nächsten Worte Jesu werden rätselhaft. Jesus benutzt ein Bild: ein Weizenkorn muss sterben, um Frucht zu bringen.

Das verstehen auch die Jünger nicht. Noch nicht.

Immer wieder benutzt Jesus Bilder. In Gleichnissen erzählt er vom Reich Gottes und dabei geht es häufig um Getreide. Gottes neue Welt breitet sich aus wie Weizen, der nach der Aussaat von selber wächst. Dazwischen wächst auch Unkraut. Aber das darf auch wachsen. Wenn man es ausreißt, könnte der Weizen mit ausgerissen werden. Erst nach der Ernte wird sortiert.

Bei der Aussaat fällt Samen auf unterschiedlichen Boden. Deshalb ist der Ertrag verschieden. Manches wird zertreten oder bekommt nicht genug Nahrung, die Vögel picken es auf oder Dornen überwuchern es. Und doch gibt das Wenige, das unter guten Bedingungen aufwächst, eine reiche Ernte.

Diesmal spricht Jesus von einem Weizenkorn. Wenn es in die Erde gelegt und zugedeckt wird wie ein Leichnam, der begraben wird, vergeht es nicht einfach. Es keimt und treibt aus. Ein Halm wächst. Er bildet eine Ähre, an der die Körner reifen. So entsteht viel Frucht.

Mit dem Bild ist gemeint, dass mit Jesu Tod nicht alles vorbei sein wird. Neues Leben wird beginnen. Er wird auferstehen und viele werden glauben können. Dann werden sie die Herrlichkeit von Kreuz und Auferstehung verstehen.

Die Jünger hören zu und verstehen erst einmal gar nichts. Und auch die Griechen bekommen nichts zu sehen. Im Evangelium folgen nun die Fußwaschung und Reden an die Jünger, bis die Leidensgeschichte ihren Lauf nimmt.

Selbst am Ostermorgen wird Jesus Maria Magdalena noch um Abstand bitten: „Halte mich nicht fest. Ich bin noch nicht hinaufgegangen zum Vater.“

Aber sie kann sagen: „Ich habe den Herrn gesehen.“

Im österlichen Licht bekommen Jesu Worte eine neue Klarheit, was zuvor rätselhaft (oder sogar scheinbar unsinnig) war, erschließt sich nun.

Das Weizenkorn, das in die Erde gelegt wird, damit etwas Neues daraus entsteht, ist ein gutes Bild für die christliche Auferstehungshoffnung. Es verdeutlicht, dass etwas aufhört, aber nicht vorbei ist, und dass eine Verwandlung geschieht.

Manches lässt sich erst dann angemessen verstehen, wenn man es durchgestanden hat. Weinend, klagend, ratlos. Manchmal brauchen wir diesen Raum, um Gott besser zu verstehen. Das Korn wird nur verwandelt, wenn es stirbt. Und die Tage des Sterbens sollten wir nicht kleinreden.

Wir brauchen Zeit für Trauer. So viele sind gestorben. So viele Lebensentwürfe sind zerbrochen. Wir haben all das zu verarbeiten. Die Auferstehung Jesu macht uns dabei Mut. Dieses Weizenkorn wird Frucht bringen. Genug für alle. Amen.

Fürbitten

Wir beten:

Jesu, unsere Freude, der du den Tod besiegt hast und auferstanden bist, höre unsere Bitten:

Jesu, unsere Freude, bleibe bei denen im Leid, bei denen, die sich verlassen fühlen, bei denen, an die keiner denkt, und bei denen, die uns am Herzen liegen.

Jesu, unsere Freude, gewähre denen Unterschlupf, die sich in den Stürmen des Lebens befinden und denen, die buchstäblich den Stürmen auf der Straße ausgesetzt sind, den Obdachlosen, den Verarmten.

Jesu, unsere Freude, steh denen bei, die dem Tod begegnen, den Sterbenden und denen, die sie loslassen müssen.

Dennoch bleibst du auch im Leide: Jesu, unsere Freude. Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und gebe dir Frieden. Amen.