Karfreitagsgottesdienst aus der Pauluskirche

ERÖFFNUNG UND ANRUFUNG

Begrüßung und Hinweise

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Mit diesem Bibelwort aus dem Johannesevangelium grüße ich Sie zum Karfreitag aus der Pauluskirche.

Abkündigungen:

Die Kollekte des heutigen Gottesdienstes ist für die Begleitung besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge bestimmt. Ehrenamtliche kümmern sich im Rahmen unserer Landeskirche um sie. Ihre Kollekte macht den „Neustart im Team“ möglich.

Wir können Ihnen heute keinen Kollektenkasten reichen. Wenn Sie dennoch spenden möchten: Unsere Landeskirche hat die Möglichkeit eingerichtet, eine online-Kollekte  zu geben. Wenn Sie auf die Startseite der Homepage unserer Paulusgemeinde gehen, finden Sie ganz unten Meldungen aus der Landeskirche. Dort ist auch der Link zur Online-Kollekte. Herzlichen Dank Ihnen!

Der nächste Gottesdienst, den wir ins Internet stellen, ist ein Ostergottesdienst aus der Stephanuskirche. Im Rahmen dieses Gottesdienstes wird ein Ständer für eine Osterkerze in Stephanus in Gebrauch genommen.

 

Und noch eine Einladung: Am Ostersonntag können wir nicht in unseren Kirchen Gottesdienste feiern. Aber Sie haben die Möglichkeit, sich am Ostersonntag zwischen 6 Uhr und 12 Uhr eine Kerze an der brennenden Osterkerze anzuzünden. Das ist sowohl an der Pauluskirche als auch an der Stephanuskirche möglich. Herzlich willkommen dazu!

Eingangsvotum

Wir sind hier zusammen

im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Wir beten mit Worten aus Psalm 22

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,
und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.

Aber du bist heilig,
der du thronst über den Lobgesängen Israels.

Unsere Väter hofften auf dich;
und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.

Zu dir schrien sie und wurden errettet,
sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.

Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,
ein Spott der Leute und verachtet vom Volk.

Alle, die mich sehen, verspotten mich,
sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:

»Er klage es dem Herrn, der helfe ihm heraus
und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.«

Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;
denn es ist hier kein Helfer.

Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe,
und meine Zunge klebt mir am Gaumen,
und du legst mich in des Todes Staub.

Sie teilen meine Kleider unter sich
und werfen das Los um mein Gewand.

Aber du, Herr, sei nicht ferne;
meine Stärke, eile, mir zu helfen!

Amen

VERKÜNDIGUNG

Das Evangelium nach Johannes - 19. Kapitel

Als ihn die Hohenpriester und die Diener sahen, schrien sie: Kreuzige! Kreuzige! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmt ihr ihn hin und kreuzigt ihn, denn ich finde keine Schuld an ihm. Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz muss er sterben, denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht. Als Pilatus das hörte, fürchtete er sich noch mehr und ging wieder hinein in das Prätorium und spricht zu Jesus: Woher bist du? Aber Jesus gab ihm keine Antwort.

Da sprach Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich loszugeben, und Macht habe, dich zu kreuzigen? Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre. Darum hat, der mich dir überantwortet hat, größere Sünde.

Von da an trachtete Pilatus danach, ihn freizulassen. Die Juden aber schrien: Lässt du diesen frei, so bist du des Kaisers Freund nicht; wer sich zum König macht, der ist gegen den Kaiser. Da Pilatus diese Worte hörte, führte er Jesus heraus und setzte sich auf den Richterstuhl an der Stätte, die da heißt Steinpflaster, auf Hebräisch Gabbata. Es war aber der Rüsttag für das Passafest, um die sechste Stunde. Und er spricht zu den Juden: Sehet, euer König!

Sie schrien aber: Weg, weg mit dem! Kreuzige ihn! Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren König kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser.

Da überantwortete er ihnen Jesus, dass er gekreuzigt würde. Sie nahmen ihn aber, und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.

Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten.

Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund.

Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.

Lied: O Haupt voll Blut und Wunden

Predigttext

Der Predigttext steht im 2. Korinther-Brief im 5. Kapitel.

19 In Christus war Gott selbst am Werk, um die Welt mit sich zu versöhnen. Er hat den Menschen ihre Verfehlungen nicht angerechnet. Und uns hat er sein Wort anvertraut, das Versöhnung schenkt.

20 Wir treten also anstelle von Christus auf. Es ist, als ob Gott selbst die Menschen durch uns einlädt. So bitten wir anstelle von Christus: Lasst euch mit Gott versöhnen!

21 Gott hat Christus, der keine Sünde kannte, an unserer Stelle als Sünder verurteilt. Denn durch Christus sollten wir vor Gott als gerecht dastehen.

Predigt

Liebe Gemeinde,

In diesem Jahr ist der Karfreitag ein stiller Feiertag. Ich habe keine Beschwerden darüber wahrgenommen, dass es keine Sportveranstaltungen oder Feste geben darf. Alles ist ruhig. Viele Menschen bleiben zu Hause.

Karfreitag ist in unserem Land ein besonders geschützter Feiertag. Wir Christen sollen Gottesdienste feiern können angesichts des Todes Jesu. Wir sollen an unsere Beziehung zu  diesem Sterben und zu Gott denken können. Wir sollen Ruhe haben, um zu trauern.

In diesem Jahr zeigt sich der Tod in einer Gestalt, wie sie bisher eher als Stoff für Katastrophenfilme genommen wurde. Alle Menschen sind betroffen, gleich welche Religion sie haben oder zu welchem Volk sie gehören.

Angesichts des Todes Jesu schreibt Paulus an die Gemeinde in Korinth: „Lasst euch versöhnen mit Gott!“
Christus ist aus Liebe zu uns in den Tod gegangen.
Er will uns selbst bei unserem Sterben nicht allein lassen.

So ist er wie eine Brücke über dem riesigen Abgrund, der zwischen Gott und uns Menschen klafft:
Dadurch, dass der Sohn Gottes wie ein Mensch in den Tod gegangen ist, können wir wie er zu Gott kommen.

„Es ist vollbracht.“ Sind Jesu letzte Worte, schreibt Johannes. Es ist vollbracht. Jesus hat diese große Versöhnungstat zwischen Gott und uns Menschen vollbracht.

Darum: Lasst euch versöhnen mit Gott!
Versöhnen mit Gott? Was ist denn nicht versöhnt, nicht in Ordnung an meiner Beziehung zu Gott? Was ist daran abgebrochen oder verknotet? Wo passt unser Reden und Handeln nicht zu unserem Glauben, zu Gott?

Die durch das Corona-Virus erzwungene Pause verändert uns. Manche Menschen kommen zum Nachdenken. Auch im Blick auf den eigenen Glauben.
„Ich lese jetzt jeden Tag in der Bibel. Das habe ich sonst nie gemacht. Aber ich merke, es tut mir gut.“, hat eine Frau mir erzählt.
„Ich bete jeden Abend für alle Ärzte und Pflegekräfte. Nicht nur bei uns sondern auch in Italien, Spanien und Frankreich. Das ist ja schrecklich, was die Menschen dort erleiden!“, sagt jemand anderes.
Ich bekomme jetzt häufig Mails, die enden mit dem Wunsch: „Bleibt behütet!“

„Lasst euch versöhnen mit Gott!“
Nehmen wir die Einladung an! Gehen wir über die Brücke „Christus“, gehen wir mit unserem Tun auf Gott zu!
Leben wir aus der Kraft der Versöhnung mit Gott!

Das kann uns Kraft geben, auf andere Menschen zuzugehen.
Auch sie brauchen Liebe und Versöhnung!
Die erzwungene Pause des gesellschaftlichen Lebens hat schon manches Aufeinander-Zugehen entstehen lassen. Wir brauchen noch viel mehr Versöhnung mit Gott, mit anderen Menschen und mit der Schöpfung.

Vielleicht können wir als Menschheit jetzt sogar Schritte der Versöhnung zwischen verfeindeten Völkern machen. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, hat zu einem sofortigen globalen Waffenstillstand aufgerufen. Er schreibt: „Wir dürfen nicht vergessen, dass in den vom Krieg verwüsteten Ländern die Gesundheitssysteme zusammengebrochen sind.
Deshalb rufe ich heute zu einem sofortigen globalen Waffenstillstand in allen Teilen der Welt auf. Es ist an der Zeit, bewaffnete Konflikte zu beenden und sich gemeinsam auf den wahren Kampf unseres Lebens zu konzentrieren."

„Lasst euch versöhnen mit Gott!“
Nehmen wir voller Dankbarkeit ernst, dass wir mit Gott versöhnt sind! Das wirkt sich dann auf viele Bereiche unseres Lebens aus.

Dazu wünsche ich Ihnen einen stillen Karfreitag mit guten Gedanken, dankbaren Gebeten und konkreten Ideen, was wir zur Versöhnung mit anderen beitragen können!

Amen.

Lied „Holz auf Jesu Schulter“, EG 97

Gebet

Lasst uns beten!

Jesus Christus,
im Gebet sind wir in der weltweiten Christenheit vereint.
Wir danken dir, dass du uns mit Gott versöhnt hast, obwohl wir oft ganz anders reden und handeln, als du es dir wünschst.
Wir brauchen, dass du uns Brücken zu Gott baust.

Wir erheben unsere Stimme weltweit:
für alle, die mit dem Corona-Virus infiziert sind,
für ihre Familien,
für alle leidenden Menschen, die sich nach einer Umarmung sehnen und einsam sind,
für die Menschen, die sterben, gleich ob an Corona, durch Gewalt oder Armut,
für die, deren Waffen immer noch nicht schweigen.
Wir bitten dich: Kyrie eleison

Wir erheben unsere Stimme weltweit:
für die Menschen, die in Flüchtlings- und Sammelunterkünften leben,
für Menschen, die auf den Straßen und Plätzen unter freiem Himmel Hilfe brauchen,
für die Menschen, die in Armut ohne Gesundheitsfürsorge leben,
für Frauen und Kinder, die Missbrauch und Gewalt ausgesetzt sind.
Wir bitten dich: Kyrie eleison

Wir erheben unsere Stimme weltweit:
für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen,
für Menschen, die ihr Leben riskieren, um für Behandlung und eine Prävention sorgen,
für Einsatzkräfte und Mitarbeitende in Hilfsorganisationen,
für alle, die Verantwortung tragen.
Wir bitten dich: Kyrie eleison

Wir erheben unsere Stimme weltweit:
für alle, die sich um ihre Existenz sorgen,
für alle, die ihre Felder nicht bestellen und nicht ernten können,
für alle, die den Boden unter den Füßen verloren haben,
für die Regierungen in aller Welt,
für die Gläubigen in aller Welt, dass sie erleben, wie wir im Gebet mit dir vereint sind.
Wir bitten dich: Kyrie eleison.

Stärke uns durch dein Erbarmen und bewahre unsere Herzen und Sinne.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.

Amen.

Musik zum Ausklang

Intro zu. "O Haupt voll Blut und Wunden"

Lied: O Haupt voll Blut und Wunden, EG 85

1 O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn,
o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron,
o Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier,
jetzt aber hoch schimpfieret: Gegrüßet seist du mir!

2 Du edles Angesichte, davor sonst schrickt und scheut
das große Weltgewichte: Wie bist du so bespeit,
wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Augenlicht,
dem sonst kein Licht nicht gleichet, so schändlich zugericht?

9 Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir,
wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür;
wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein,
so reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein.

10 Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod,
und lass mich sehn dein Bilde in deiner Kreuzesnot.
Da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll
Dich fest an mein Herz drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl.

Paul Gerhardt 1656

Lied „Holz auf Jesu Schulter“, EG 97

Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht,
ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.
Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen.
Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt,
Friede unsere Herzen und die Welt bewahrt.
Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen.
Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht.
Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht!
Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen.
Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht.
Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht.
Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen.
Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

Denn die Erde jagt uns auf den Abgrund zu.
Doch der Himmel fragt uns: Warum zweifelst du?
Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen.
Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

Hart auf deiner Schulter lag das Kreuz, o Herr,
ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer.
Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen.
Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.