Judika - 21. März 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrerin Elke Schwerdtfeger - Sprecherinnen: Monika Dittmar, Petra Langenheim, Stefanie Leosz, Barbara Terweiden & Kerstin Zuber

Herzlich willkommen zum Gottesdienst am Sonntag Judika!

„Judika“ ist das erste Wort des Psalms 43 und bedeutet: „Schaffe mir Recht!“

 

Diesen Gottesdienst haben Frauen aus der Frauenhilfe unserer Gemeinde vorbereitet.

Anlass ist, dass an diesem Sonntag die Kollekte für die Arbeit der Frauenhilfe ist.

Als Thema für diesen Gottesdienst haben wir auf Anregung der Westfälische Frauenhilfe gewählt: Frauen.Macht

Ich bin Monika Dittmar, gehöre zur Paulusgemeinde und bin auch Vorsitzende des Bezirksverbandes der Frauenhilfe in Hagen.

Ich wünsche allen einen gesegneten Gottesdienst.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Nach Psalm 43

Gott, schaffe mir Recht!

Hilf mir, gegen Ungerechtigkeit und Leid zu kämpfen!

Rette mich vor falschen und bösen Menschen!

Du, Gott, bist meine Zuflucht!

Warum muss ich so traurig durchs Leben gehen,

bedrängt von meinen Feinden?

Sende dein Licht und deine Wahrheit!

Sie sollen mich sicher führen!

Dann will ich vor den Altar Gottes treten,

vor Gott, der mich mit Jubel und Freude erfüllt.

Amen.

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Bruder, Jesus Christus. Amen.


Liebe Gemeinde,

Frauen.Macht

Frauen und Macht.

Welche mächtigen Frauen fallen Ihnen ein?


Angela Merkel, unsere Bundeskanzlerin. Von ihr sagen manche, sie sei die mächtigste Frau der Welt.

Ursula von der Leyen, die Präsidentin der Europäischen Union. 2020 wurde sie zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt gezählt.


Auch in der Kirche haben wir Frauen mit Macht:

Annette Kurschus, die Präses unserer westfälischen Landeskirche,

Margot Käsmann, die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, gehört für mich dazu.

Aber auch Verena Schmidt, die Superintendentin unseres Kirchenkreises Hagen.

Und auch Monika Dittmar, als Vorsitzende des Bezirksverbandes der Frauenhilfe hat Leitungsverantwortung.


Macht und Verantwortung,

beides gehört für uns untrennbar zusammen,

selbstverständlich für Männer genauso wie für Frauen:

Wo immer jemand von uns Verantwortung auch für andere übernimmt, ist damit auch ein gewisser Einfluss und auch Macht verbunden.

Die Vorsitzende eines Vereins und die Vorsitzende der Schulpflegschaft haben auch Verantwortung und Macht.


Auch wenn ich Mutter von minderjährigen Kindern bin, habe ich Macht und Verantwortung.

Und wenn ich meine alt gewordenen Eltern pflege ebenso.

Allerdings ist es in manchen Familien immer noch so:

Nicht, wer die Verantwortung trägt,

hat die Macht zu entscheiden,

sondern wer am meisten Geld nach Hause bringt.

Und das sind bei uns im Land oft noch die Männer.


Schnell wurde uns aber auch deutlich:

Macht kann auch missbraucht werden.

Da nutzt jemand seine Macht für seine persönlichen Interessen. Das gibt es nicht nur in den USA.

Oder jemand nutzt seine Stellung aus, um sich beim Impfen gegen das Corona-Virus vorzudrängeln.


Solche Erfahrungen lassen Frauen leicht zurückschrecken, selber Verantwortung zu übernehmen.

Viele Frauen möchten ihrer Verantwortung in jedem Falle gerecht werden.

Deshalb scheuen sie sich teilweise,

eine größere Aufgabe zu übernehmen.

„Ich möchte niemanden enttäuschen“, denken sie.

Und wenn die Position in der Firma dann mit einem Mann besetzt wird, der auch Fehler macht,

ärgern sich die Frauen manchmal,

dass sie sich nicht beworben haben.


Warum sehen wir Frauen so oft auf das,

was nicht gut an uns ist?

Warum haben wir so große Ängste,

zu versagen

oder nicht den Erwartungen zu entsprechen?

Warum möchten wir vollkommen sein?


Auf diese Grundfragen von Menschen erzählt die Bibel in den ersten Kapiteln eine Antwortgeschichte:

Wir lesen aus dem 1. Buch Mose im 3. Kapitel:


1Die Schlange war schlauer

als alle anderen Tiere des Feldes,

die Gott, der Herr, gemacht hatte.

Sie sagte zu der Frau:

»Hat Gott wirklich gesagt,

dass ihr von keinem der Bäume im Garten essen dürft?«

2Die Frau erwiderte der Schlange:

»Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen.

3Nur die Früchte von dem Baum,

der in der Mitte des Gartens steht,

hat Gott uns verboten.

Er hat gesagt:

›Esst nicht davon,

sonst müsst ihr sterben!‹«


4Die Schlange entgegnete der Frau:

»Ihr werdet ganz bestimmt nicht sterben.

5Denn Gott weiß:

Sobald ihr davon esst,

gehen euch die Augen auf.

Ihr werdet wie Gott sein

und wissen, was Gut und Böse ist.«

 

6Da sah die Frau,

dass dieser Baum zum Essen einlud.

Er war eine Augenweide und verlockend,

weil er Klugheit versprach.

Sie nahm eine Frucht und biss hinein.

Dann gab sie ihrem Mann davon, und auch er aß.

7Da gingen den beiden die Augen auf,

und sie erkannten, dass sie nackt waren.

Sie banden Feigenblätter zusammen

und machten sich Lendenschurze.


8Als am Abend ein kühler Wind blies,

ging Gott der Herr im Garten umher.

Der Mann und seine Frau hörten ihn kommen.

Da versteckten sie sich vor Gott dem Herrn

zwischen den Bäumen im Garten.

9Gott rief den Menschen

und fragte: »Wo bist du?«

10Der Mensch antwortete:

»Ich habe dich im Garten gehört und Angst bekommen.

Ich habe mich versteckt, weil ich nackt bin.«

11Gott fragte:

»Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?

Hast du von dem verbotenen Baum gegessen?«

12Der Mensch entgegnete:

»Die Frau, die du mir zur Seite gestellt hast,

hat mir davon gegeben, und ich habe gegessen.«

13Da fragte Gott der Herr die Frau:

»Was hast du getan?«

Die Frau erwiderte:

»Die Schlange hat mich dazu verführt,

und ich habe gegessen.«


16Zur Frau sagte Gott:

»Jedes Mal, wenn du schwanger bist,

wirst du große Mühen haben.

Unter Schmerzen wirst du Kinder zur Welt bringen.

17Und zum Mann sagte er:

»Du hast auf deine Frau gehört

und von dem Baum gegessen.

Ich hatte dir aber verboten, davon zu essen.

Daher soll der Erdboden deinetwegen verflucht sein!

Dein Leben lang musst du dich abmühen,

um dich von ihm zu ernähren.

19Im Schweiße deines Angesichts wirst du Brot essen,

bis du zum Erdboden zurückkehrst.


21Gott der Herr machte für Adam und seine Frau

Kleider aus Fellen. Die zog er ihnen an.

23Dann schickte Gott der Herr die Menschen aus dem Garten Eden weg.

Amen.


Liebe Gemeinde,

das Leben ist oft mühsam:

Beim Kinder bekommen und Kinder erziehen,

beim Arbeiten

und auch in vielen anderen Situationen.


Warum das so ist?

Die Geschichte erzählt uns:

Das Leben ist mühsam,

weil Gott uns so geschaffen hat wie Eva,

weil wir Menschen in der Lage sind,

selbst zu entscheiden.

Wir wissen oft, was gut und böse ist,

was richtig und was falsch ist.


Zum Leben gehört, dass wir -

wie in der Geschichte Eva -

die Hand ausstrecken

und nach eigener Entscheidung

unbekannte Früchte probieren.

Zum Leben gehört,

dass wir handeln

und Verantwortung übernehmen

und Macht wahrnehmen.


Und dann müssen wir die Konsequenzen tragen.

Mit Familie zu leben ist anstrengend.

Und auch wunderbar.

Arbeit ist oft schwierig, aber lebensnotwendig.

Macht und Verantwortung

lastet manchmal schwer auf den Schultern.


Und wir machen Fehler.

„Sie erkannten, dass sie nackt waren.“

Wir stehen nicht immer gut da.

und manchmal kommen wir uns nackt vor.


Aber so ist das Leben:

Wir leben nicht im Paradies,

wo alles heil und harmonisch ist.

Wir leben mit unseren Grenzen

und unseren Unzulänglichkeiten.

Aber dabei schützt uns Gott.

Gott sei Dank!


Die Welt braucht Menschen wie Eva,

die von außen gesetzte Grenzen hinterfragt.

Die Welt braucht Frauen,

die ihr Leben selbst in die Hand nehmen.

Wir Frauen müssen Verantwortung

und Macht übernehmen:

In unseren Familien,

in unserer Stadt Hagen

und in unserer Kirche.

Verantwortung

für Gottes Schöpfung,

für Gottes Welt jenseits von Eden.

Amen.


Und der Friede Gottes,

der höher ist als alle Vernunft,

bewahre unsere Herzen und Sinne

in Christus, unserem Bruder. Amen.

Fürbitten

Lasst uns beten:

Du, Gott unserer Mütter und Väter,

wir bitten dich heute besonders für alle Frauen dieser Erde.

Ermutige sie, dass sie wie Eva

Verantwortung übernehmen

und unsere Erde gestalten.


Wir bitten dich,

dass Frauen trotz ihrer Zweifel an sich selbst

wie Moses Schwester Miriam aufbrechen

und Wege in die Freiheit suchen.


Wir bitten dich, dass Frauen sich

wie die Richterin Debora

ihre eigene Meinung bilden

und sie sich für Gerechtigkeit einsetzen.


Wir bitten dich,

dass Frauen wie Ruth und Noomi

Leid miteinander teilen

und sich gegenseitig helfen.


Wir bitten dich,

dass Frauen wie die Apostelinnen Thekla und Phoebe

in unseren Gemeinden an der Kirche mitbauen.


Gott, wir danken dir,

dass du uns Frauen so verschieden gemacht hast

und uns so viele Möglichkeiten gibst.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gott,

voller Liebe wie eine Mutter und gut wie ein Vater,

er segne dich

er lasse dein Leben gedeihen,

er lasse deine Hoffnung erblühen,

er lasse deine Früchte reifen.

Gott behüte dich

Er umarme dich in deiner Angst,

er stelle sich vor dich in deiner Not.

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

Wie ein zärtlicher Blick erwärmt,

so überwinde er bei dir, was erstarrt ist.

Gott sei dir gnädig.

Wenn Schuld dich drückt,

dann lasse Gott dich aufatmen

und mache dich frei.

Gott erhebe sein Angesicht über dich.

Er sehe dein Leid,

er tröste und heile dich.

Er gebe dir Frieden,

das Wohl des Leibes,

das Heil deiner Seele,

die Zukunft deinen Kindern.

Amen.