Jubilate - 25. April 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrer Martin Schwerdtfeger - Lektor: Helmut Gerisch

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

2. Korinther 5, 17

Mit dem Wochenspruch aus dem 2. Korintherbrief begrüße ich Sie zum Gottesdienst am Sonntag Jubilate – Freut euch! Das Ostergeschehen wirkt weiter.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 66

Jauchzet Gott, alle Lande!

Lobsinget zur Ehre seines Namens;

rühmet ihn herrlich!

Sprecht zu Gott:

Wie wunderbar sind deine Werke!

Deine Feinde müssen sich beugen

vor deiner großen Macht.

Alles Land bete dich an und lobsinge dir,

lobsinge deinem Namen.

Kommt her und sehet an die Werke Gottes,

der so wunderbar ist

in seinem Tun an den Menschenkindern.

Er verwandelte das Meer in trockenes Land,

sie gingen zu Fuß durch den Strom;

dort wollen wir uns seiner freuen.

Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich,

seine Augen schauen auf die Völker.

Die Abtrünnigen können sich nicht erheben.

Lobet, ihr Völker, unsern Gott,

lasst seinen Ruhm weit erschallen,

der unsre Seelen am Leben erhält

und lässt unsere Füße nicht gleiten.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Wir beten:

Gott, Schöpfer der Welt. So wie du jedes Jahr die Natur zu neuem Leben erweckst, so willst du seit Ostern auch uns Menschen erneuern und einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, in denen Gerechtigkeit wohnt. Wecke uns auf, dass wir Mut finden zu glauben und auferstehen zum Leben mit dir durch Jesus Christus, deinen auferweckten Sohn, unsern Bruder. Amen.

Lesung Apostelgeschichte 17, 22-34

Paulus stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.

Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.

Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht.

Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.

Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören. So ging Paulus weg aus ihrer Mitte. Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.

Predigt

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Gemeinde,

stellen sie sich bitte Athen vor, irgendwann um das Jahr 50 nach Christus. Ein Spaziergang durch die Stadt. Wie in jeder Großstadt zu allen Zeiten mischt sich auch hier das Volk. Die Religionszugehörigkeiten sind bunt und zahlreich vertreten. Entsprechend sieht man an jeder Ecke Götterstatuen, jede für einen anderen Gott. Sicherheitshalber sogar eine eigene Skulptur für den „unbekannten Gott“. Um dem vorzubeugen, dass ein Gott sich darüber erzürnen könnte, dass man ihn vergessen hat.

Daneben gibt es Anhänger einer verfeinerten spirituellen Frömmigkeit, Philosophen unterschiedlicher Schulen. Manche glauben an die völlige Selbstbestimmung des Menschen. Andere verstehen das Göttliche als geheimnisvolle Macht, die alles Lebende durchdringt.

Unter den Zuhörern sind einige, die an einem Streitgespräch mit Paulus Interesse haben, und sie schleppen ihn mit auf den Areopag, den Sitz der obersten Behörde in Athen. Sie ist zuständig für Gericht, Kult und Sitte. Und sie ist bekannt für ihr weites Herz gegenüber den zahllosen religiösen Lehren mit einer Fülle von Gottheiten.

Paulus steht auf dem Areshügel, vor ihm breitet sich die ganze Pracht griechischer Religiosität aus: Tempel, Altäre und Götterstatuen so weit das Auge reicht. Er tut, was Luther später als Handwerkszeug für alle, die predigen, nennen wird: Er schaut dem Volk aufs Maul. Versucht, ihre Herzen zu treffen, um sie für das zu öffnen, was sein Herz berührt hat.

Aus vollem Herzen bezeugt er seinen Gott als Schöpfer von Himmel und Erde, der die Menschen zu seinem Bild geschaffen hat. „Keinem von uns ist Gott fern“, ruft Paulus den Menschen zu. In einigen Herzen regt sich bei diesen Worten etwas. Wer begeistert ist, kann andere begeistern. „Wir sind von seiner Art“, führt Paulus eindringlich weiter.

Deswegen kann Gott sich gar nicht wiederfinden lassen in Kunstgebilden, von Menschenhand gefertigt, mögen sie noch so kostbar sein. Weder Gold noch Silber noch der edelste Stein kann Gottes Wesen auch nur im Entferntesten ins Bild fassen. Kein inneres Bild, keine menschliche Fantasie kann ihn ermessen, geschweige denn ausdrücken und in eine Form pressen. Der einzige Anknüpfungspunkt an sein göttliches Wesen sind – wir selbst. Seine geliebten Geschöpfe, die er nach seinem Bild geschaffen hat. – Was für ein Bekenntnis, was für ein Glaube, welch ein Gott!

Mucksmäuschenstill ist es in der Menge, während dieser kleine und wenig ansehnliche Mann mit dem Sprachfehler seine atemlose Liebeserklärung an seinen Gott abgibt. Umringt von beeindruckenden Götterbildern und einer kleinen Menschentraube, die spürt, dass hier gerade etwas Besonderes geschieht. Eine Stecknadel könnte man fallen hören, so still ist es.

Als jedoch die Rede auf die Auferstehung kommt, winken die meisten ab. Manche brechen in Hohngelächter aus. Kein Wunder, nach griechischer Philosophie ist der Körper das Gefängnis der Seele. Wie kann ihnen da die Auferstehung des Körpers als etwas Erstrebenswertes erscheinen?

„Darüber wollen wir ein andermal mehr von dir hören“, sagen sie. Die scheinbare Vertagung ist jedoch nichts weiter als ein höflicher Abbruch des Gesprächs. „So ging Paulus von ihnen weg.“

Der Gedanke der Auferstehung war zu viel für die Zuhörer. Do erreicht er sie nicht. Dennoch: Einige bleiben, einige wenige schließen sich Paulus nach seiner Rede an und kommen zum Glauben. Ein Mann und eine Frau, Dionys und Damaris, werden namentlich genannt.

Solche Verkündigung ist Christinnen und Christen allerorten aufgegeben! Dem Volk aufs Maul schauen sollen wir – und dann unser Herz in der Sprache des Volkes erzählen lassen. Sprudeln lassen, übersprudeln: „Keinem von uns ist Gott fern. In ihm leben, weben und sind wir, denn wir sind von seiner Art!“

Während in Asien, Afrika und Südamerika christliche Gemeinden wachsen, werden sie bei uns kleiner. Viele meinen: „Ich kann ganz gut ohne Gott leben.“ Andere sagen: „Wie soll ich an einen Gott glauben, der so viel Leid zulässt, Kriege und Seuchen, Hunger und Armut? Wenn es einen Gott gäbe, dann müsste er das doch verhindern.“

Doch die Vorstellung von einem allmächtigen Gott, der nur zuschaut, führt vermutlich in die Irre. Dietrich Bonhoeffer schreibt 1944 aus dem Gefängnis: „Wir müssen in der Welt leben, als ob es Gott nicht gäbe… Der Gott, der uns in der Welt leben lässt ohne die Arbeitshypothese Gott, ist der Gott, vor dem wir dauernd stehen. Vor und mit Gott leben wir ohne Gott. Gott lässt sich aus der Welt herausdrängen ans Kreuz, Gott ist ohnmächtig und schwach in der Welt und gerade und nur so ist er bei uns und hilft uns.“

Bei Jesaja heißt es: „Er hat unsere Schwachheit auf sich genommen und unsere Krankheiten hat er getragen.“ „Christus hilft nicht kraft seiner Allmacht, sondern kraft seiner Schwachheit, seines Leidens! Hier liegt der entscheidende Unterschied zu allen Religionen.“ Dietrich Bonhoeffer (1906–1945), aus: Widerstand und Ergebung, Brief v. 16.7.44

So ist der Gekreuzigte und Auferstandene bei uns. So können wir mit ihm leben und glauben und zum Glauben einladen. Amen.

Gottes Friede, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Fürbitten

Guter Gott, durch dein Wort hast du alles geschaffen und hast die Welt nach deinem Willen mit Leben erfüllt. Auch uns Menschen hast zu deinem Bild gemacht, hast uns deinen Atem eingehaucht. Deine Kraft belebt uns und deine ganze Schöpfung.

Wir bitten dich: Schenke uns Achtsamkeit und Gespür für uns selbst und die Menschen um uns herum. Lass uns das Gute entdecken, das du gibst und erwartest.

Wir bitten dich für Menschen, die niedergedrückt und mutlos sind. Zeige ihnen Wege, auf denen sie aufgerichtet gehen können und hilf ihnen zu dem Vertrauen, dass deine Erde sie trägt und nährt.

Wir bitten dich für Menschen, die sich selbst ihr Leben schwer machen, die sich nicht ertragen können oder sich nie genug sind. Öffne sie für deine Gnade, dass sie sich selber barmherzig anschauen können und mache sie guten Mutes. 

Wir bitten dich für Menschen, die immer gern und viel für andere tun. Gib, dass sie lernen auch an sich selber zu denken und bereit werden, etwas von anderen anzunehmen.

Wir bitten dich für Menschen, die nur sich selbst kennen und andere wenig schätzen. Befreie sie aus dem Enge ihrer eigenen Welt und zeige ihnen deine Weite und Vielfalt. 

Wir bitten dich für das Miteinander der Religionen: Dass wir Verbindendes schätzen und Unterschiede aushalten, dass wir den Frieden in der Welt fördern und uns gemeinsam für Gerechtigkeit einsetzen.

Lass deine Kirche ein Haus des Friedens sein, von der ein österliches Leuchten ausgeht. Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und gebe dir Frieden. Amen.