Heiligabend - 24. Dezember 2020

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Prädikant Matthias Mladek - Lektorin: Elke Schwerdtfeger

Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;

denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

Mit dem biblischen Votum für das Christfest begrüße ich Sie ganz herzlich zum Gottesdienst hier in der Pauluskirche.

 

Eröffnung

Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;

denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

Wir feiern die unmittelbare Nähe Gottes, die dadurch deutlich wird, dass Gott selbst Mensch wurde; durch den Sohn Gottes haben wir erkannt, dass Gott alle Menschen retten will.

Und das tun wir

L: Im Namen des Vaters

und des Sohnes und des Heiligen Geistes

G: Amen

L: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn

G: Der Himmel und Erde gemacht hat

 

Wir hören das Weihnachtsevangelium nach Lukas:

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.

Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.

Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das judäische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.

Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. 7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.

Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.

Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.

Und alle, vor die es kam, wunderten sich über die Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Amen

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt.“ 

Amen.

 

Liebe Gemeinde,

 

ich erinnere mich an ein Foto,

dass ich auf den ersten Seiten meines Fotoalbums habe,

und das für mich so viel Vertrautheit,

so viel Weihnachtsfreude

und soviel Geborgenheit ausstrahlt,

das ich Ihnen davon erzählen möchte.

 

Weihnachten 1973 steht in der klaren,

ordentlichen Handschrift meiner Mutter

über dem Bild.

 

Nicht ganz zwei Jahre bin ich alt.

 

Mit einer roten Strickweste sitze ich

vor dem Wohnzimmerschrank,

der heute

– 47 Jahre später -

in meinem eigenen Wohnzimmer steht....

 

Ein kleines Telefon mit roten Hörer

und freundlichem Gesicht steht vor mir,

 

hallo, hallo....

fast kann ich meine Kinderstimme hören,

die immer wieder in den Hörer ruft....

 

Ich denke, dass jede und jeder von uns

solche Erinnerungen hat,

Situationen für sich beschreiben kann,

die Weihnachten zu etwas ganz Besonderem

für sie oder ihn macht.

 

Und ich bin davon überzeugt,

dass vieles von dem,

was Ihnen, was uns da einfällt

mit anderen Menschen,

mit Begegnung,

mit Nähe zu tun hat.

 

Das Plätzchenbacken mit Familie und Freunden,

 

Weihnachtsmarktbesuche mit Nachbarn,

Arbeitskollegen und Bekannten,

 

das dichte Drängen in Geschäften,

vor den Buden,

in der Fußgängerzone,

 

die vollbesetzte Kirche am Heiligen Abend,

 

die freudige Umarmung mit Menschen,

denen wir sonst seltener so nahe kommen.

 

Ja vielleicht auch der Streit,

ob der Weihnachtsbaum nun wirklich gerade ist.

 

Oder der Nagel der in die Wand geschlagen wird,

um das wacklige, windschiefe Bäumchen

doch noch irgendwie am Umfallen zu hindern.

Ich bilde mir ein,

Ihr Schmunzeln bei diesen Worten sehen zu können.

 

Wir könnten hier fast alle

die ein oder andere Anekdote beisteuern...

 

In diesem Jahr ist das etwas anders.

 

Vieles von dem,

was Weihnachten für uns so vertraut macht,

geht nur in eingeschränkter Form.

 

Weniger Besuche,

kleinere Gottesdienstgemeinden

und eben an vielen Stellen auch der Verzicht

auf die liebgewonnenen Gewohnheiten

in der Advents- und Weihnachtszeit.

 

In einem Pausenraum bei der Arbeit

habe ich einen Aushang entdeckt.

 

Darauf stand: Weihnachten fällt in diesem Jahr aus,

hoffe wir können im nächsten Jahr

einmal zusammen essen gehen,

liebe Grüße, der Chef!

 

Und spätestens jetzt läuft etwas schief,

habe ich gedacht.

 

Die Weihnachtsfeier der Kolleginnen und Kollegen,

ja die fällt aus,

aber doch nicht Weihnachten.

 

Und ich versuche mich noch einmal neu an der Frage,

was ist das Besondere an unserem Weihnachtsfest,

was macht es mir,

uns so vertraut und wichtig...

 

Da sind die Lieder, Melodien und Texte,

von Kindheit an vertraut.

 

„Oh du fröhliche“, „Stille Nacht“ und viele mehr.

 

Da sind die vertrauten biblischen Worte:

 

„Es begab sich aber zu der Zeit,

dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging,

dass alle Welt geschätzt würde.

Ein jeder in seiner Stadt...“

haben wir gerade bereits gehört...

 

Aber auch die prophetischen Texte aus dem Alten Testament aus denen soviel Hoffnung, Zuversicht und Trost spricht:

 

„Das Volk, das noch im Finstern wandelt,

sieht ein großes Licht und über denen,

die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell....

 

Und eben auch unser heutiger Predigttext

aus dem Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 11:

1 Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen.

 

2 Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Ehrfurcht vor dem HERRN.

 

3 Und Wohlgefallen wird er haben an der Ehrfurcht vor dem des HERRN. Er wird nicht richten nach dem, was seine Augen sehen, noch Urteil sprechen nach dem, was seine Ohren hören, 4 sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen

und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande, und er wird mit dem Stabe seines Mundes den Gewalttätigen schlagen und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen töten.

 

5 Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein und die Treue der Gurt seiner Hüften.

 

6 Da wird der Wolf beim Lamm wohnen und der Panther beim Böcklein lagern.

Kalb und Löwe werden miteinander grasen, und ein kleiner Knabe wird sie leiten.

 

7 Kuh und Bärin werden zusammen weiden, ihre Jungen beieinanderliegen, und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind.

8 Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein kleines Kind wird seine Hand ausstrecken zur Höhle der Natter.

 

9 Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das Land ist voll Erkenntnis des HERRN, wie Wasser das Meer bedeckt.

 

10 Und es wird geschehen zu der Zeit, dass die Wurzel Isais dasteht als Zeichen für die Völker. Nach ihm werden die Völker fragen, und die Stätte, da er wohnt, wird herrlich sein.

Amen

 

Liebe Gemeinde,

dieser Text, diese Worte des Propheten Jesaja,

richten sich an das Volk Israel in unruhigen,

in kriegerischen Zeiten.

 

Das assyrische Reich steht drohend

vor den Grenzen der Israeliten.

 

Immer wieder Kämpfe, immer wieder Streitigkeiten.

 

Die drohenden Gefahren wecken in den Menschen

das Gefühl der Gottesferne.

 

Die Menschen sind verunsichert,

voller Angst und Unsicherheit.

 

Wie soll das noch werden.

Damals, vor mehr als 2500 Jahren.

 

In meiner Vorstellung

saugen die Menschen der damaligen Zeit

diese tröstlichen Worte in sich auf

wie ein Schwamm jedes bisschen Wasser in sich aufsaugt.

 

Weisen die Worte doch auf das Kommen des Messias,

des Heilbringers

und damit auf die Rückkehr der Hoffnung hin.

 

„Es ist ein Ros' entsprungen, aus einer Wurzel zart“

gehört zu den vertrauteren Weihnachtsliedern.

 

Es bezieht sich genau

auf diesen Text aus dem Buch des Propheten Jesaja.

 

Wir Christinnen und Christen feiern

im Fest der Geburt Jesu Christi an Weihnachten,

dass sich für uns diese Hoffnung erfüllt hat.

 

Ich möchte Sie einladen,

den Predigttext so in sich aufzusaugen,

wie die Menschen zu Jesajas Zeiten das getan haben.

 

Ja, die Zeiten haben wohl etwas gemeinsam:

 

Ängste und Unsicherheiten

sind an Weihnachten 2020 gegenwärtiger und greifbarer,

als sie das in meinem Leben jemals waren.

 

Einige von Ihnen haben wohl auch

noch andere Zeiten erlebt,

in denen die Weihnachtsbotschaft wichtiger denn je erschien.

 

Ich denke an die Generation der Kriegskinder,

die Generation meiner Eltern.

1939 und 1941 sind sie geboren.

 

Mitten hinein geboren in Krieg und Gewalttätigkeit.

 

Wie tröstlich ist es da, wenn Jesaja

das Bild von einem friedfertigen Miteinander zeichnet.

 

Wo allein Gottes mächtiges Wort ausreicht,

die Gewalttätigen zu stoppen,

und selbst die natürlichen Feinde im Tierreich

vereint beieinander liegen können.

 

Weihnachten 2020 fällt nicht aus –

im Gegenteil.

Viel lauter,

viel kräftiger,

viel ermunternder soll Gottes Wort erklingen.

 

Viel stärker sollen die Worte der Propheten uns ansprechen

 

und viel lauter sollen die Engel Gott loben

und die Geburt des Kindes in der Krippe verkündigen.

 

Wie der Prophet Jesaja es

vor mehr als 2500 Jahren getan hat,

mitten hinein in die Angst der Menschen.

 

Haltet durch rufen seine Worte damals wie heute.

 

Lasst Euch nicht unterkriegen.

 

Das Kind in der Krippe,

als Mensch geboren wird alles menschliche Leid

am eigenen Leib erfahren.

 

Diese Kind wird ein echter Trost für diese Welt,

denn dieses Kind, Jesus Christus,

weiß wie und wann wir leiden.

 

Er kennt unsere Ängste und Sorgen,

hat sie selbst erfahren.

 

Er weiß auch wie es ist,

wenn uns Zweifel kommen,

 

wenn wir Zuspruch und Ermutigung besonders nötig haben, dann ist er da,

unser Heiland und Erlöser,

der Retter dieser Welt.

 

Nicht umsonst erklingt das Gloria der Engel,

das Gelobt sei Gott aus der Höhe über den Feldern.

 

Nicht umsonst rufen uns die himmlischen Heerscharen

auch oder gerade an Weihnachten 2020 wieder zu:

 

„Fürchtet euch nicht! siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der HERR, in der Stadt Davids.“

 

Von wegen 2020 fällt Weihnachten aus.

 

Weihnachten war, ist und bleibt –

in jeder noch so schweren Situation –

trotzdem tröstlich.

 

Und so wünsche ich uns allen gesegnete, tröstliche Weihnachten

 

Amen

Gottes Friede, höher als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Fürbitten

Christus ist geboren.

Lasst uns bitten für:

die Kinder überall auf der Welt,

dass ihre kleinen und großen Hoffnungen nicht enttäuscht werden,

dass sie in eine freundliche Welt hineinwachsen

und darin Wärme und Geborgenheit finden.

Wir rufen zu Dir Gott:

Erhöre uns

 

Christus ist geboren.

Lasst uns bitten für:

Ehepartner, Familien und andere Lebensgemeinschaften,

dass sie Freundlichkeit und Offenheit ausstrahlen, dass sie ihre Konflikte bewältigen mit Vergebung und Liebe, Wege zueinander und miteinander finden und lernen, Enttäuschungen zu verkraften

Wir rufen zu Dir Gott:

Erhöre uns

 

Christus ist geboren.

Lasst uns bitten für:

alle, die um ihres Glaubens,

um der Wahrheit und der Gerechtigkeit willen

verfolgt werden und leiden müssen,

dass sie ihre Hoffnung nicht verlieren auf eine Welt,

in der es gerecht zugeht.

Wir rufen zu Dir Gott:

Erhöre uns

 

Christus ist geboren.

Lasst uns bitten für:

die Schuldigen und die Unschuldigen in den Gefängnissen dieser Welt, dass sie sich nicht aufgegeben fühlen und verzweifeln, dass sie Menschen begegnen, die zu ihnen stehen und sie aufrichten.

Wir rufen zu Dir Gott:

Erhöre uns

 

Christus ist geboren.

Lasst uns bitten für:

die Einsamen und Kranken, dass sie Menschen finden, die sich ihnen zuwenden und die Mauern des Alleinseins überwinden, dass sie Wege der sicheren Gemeinschaft finden, gerade in diesen Zeiten.

Und für die Sterbenden, dass sie liebevolle Begleitung haben, Wärme und Zuneigung und Vertrauen auf Gottes Beistand spüren.

Wir rufen zu Dir Gott:

Erhöre uns

 

Dein Kommen, Gott, bringt der Welt Licht und Hoffnung. Nimm uns auf in Dein Licht, damit wir für andere zum Licht werden, leuchtend und wärmend.

Ehre sei Dir, Gott, in der Höhe und Frieden auf Erden den Menschen Deiner Gnade. 

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gesegnet sind wir –

den Hirtenfrauen und -männern gleich,

die wir das Alte hinter uns lassen

und uns aufmachen zum Licht!

 

Gesegnet sind wir –

den Hirtenfamilien gleich,

die wir den Ruf des Engels hören:

Fürchtet euch nicht!

 

Gesegnet sind wir –

dem Hirtenvolk gleich,

die wir Gottes große Liebe weitersagen

allen Menschen in unserem Land!

 

Gesegnet sind wir

durch Jesus Christus, unseren Heiland.

 

Und so segne dich Gott,

der allmächtige und barmherzige,

der Vater,

der Sohn

und der Heilige Geist.

Friede sei mit dir.

Amen.