Heiligabend - 24. Dezember 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrerin Elke Schwerdtfeger - Lektor: Friedrich-Wilhelm Kruse

Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird,

denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

 

Liebe Gemeinde, mit dem biblischen Wort zum Heiligen Abend begrüße ich Sie herzlich zum Gottesdienst.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Eingangsgebet

Gott, du kommst als Neugeborenes zu uns.

Wir können dieses Wunder nicht erfassen.

Öffne unsere Herzen für das Geheimnis von Weihnachten!

Amen.

Lesung Lukas 2, 1-20

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das judäische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über die Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Predigt

Liebe Gemeinde,

 

„Fürchtet euch nicht!“ hören die Hirten als erstes.

Wie gut!

Sicher waren sie erschrocken über das Licht und die Stimmen mitten in der Nacht.

 

„Fürchtet euch nicht!“, dieser Satz zeigt Wirkung:

Die Hirten machen sich auf den Weg.

Sie wollen sehen, was geschehen ist.

Vielleicht auch,

ob sie ihren Augen und Ohren trauen können.

Haben sie wirklich Engel gehört?

Oder haben sie geträumt?

Die Hirten sind die ersten Zeugen des Weihnachtswunders und breiten es aus. Bis zu uns!

 

Was eigentlich haben sie gesehen und gehört?

Was haben sie verstanden?

Was ist ihnen Gutes widerfahren?

 

Ihre Furcht ist kleiner geworden.

Ihre Furcht vor dem Leben.

Die spüren wir alle hin und wieder mal.

Sei es Furcht wegen Corona und der Omikron-Variante.

Sei es Furcht um die eigene Gesundheit oder die berufliche Zukunft.

Oder Furcht wegen des Klimawandels. Nach dem Hochwasser im Juli ist bei uns die Rathausgalerie immer noch geschlossen. Welch eine zerstörerische Macht hat das Wasser! Zum Fürchten.

 

Gründe, sich zu fürchten, gibt es viele.

Wie die Hirten sich fürchten,

als die Engel ihnen erscheinen.

 

Die Engel jubeln dann von der großen Freude.

Ich stelle mir vor,

dass die Hirten nicht gleich einstimmen können.

 

Sie machen sich auf den Weg zur Krippe, so wie wir uns auf den Weg zur Pauluskirche gemacht haben.

Was erwartet sie? Was uns?

 

Lassen wir uns helfen von Lorenzo Lotto.

Er hat von 1480 bis 1556 in Norditalien gelebt. Ein Zeitgenosse Martin Luthers also.

Er hat die Begegnung der Hirten mit dem neugeborenen Christuskind gemalt:

 

Wir sehen zwei Männer mittleren Alters, sie tragen dunkle Haare und Bärte.

Die Gesichter sind ernst. Sie schauen nach unten.

Da liegt das Baby auf weißen Windeln.

 

Dieses Baby freut sich. Es streckt beide Arme aus, umfasst den Kopf des Schafes und knuddelt es.

Vor Freude strampelt es mit den Beinen.

„Ich bin da! Wie schön, dass ihr auch da seid!“ drückt das aus.

 

Dieses Lamm wird von den beiden Hirten gemeinsam getragen. Sie strecken es dem Kind entgegen.

Es kommt mir vor, als würden sie das Lamm vorschieben, um nicht selber gleich so nah in die Begegnung zu müssen.

„Fürchtet euch nicht!“ haben die Engel gesagt,

aber das ist gar nicht so einfach.

Manchmal müssen wir uns vorsichtig an eine Begegnung herantasten.

 

Die beiden Hirten brauchen zusätzlich noch Rückenstärkung, um sich dem Kind in der Krippe zu nähern.

Zwei Engel stehen hinter ihnen.

Sie legen den Hirten die Hände beruhigend auf die Schultern und Arme.

Sie schieben sie geradezu in Richtung des Kindes:

„Fürchtet euch nicht!“

Ja, manchmal brauchen wir Rückenstärkung von Gottes Boten persönlich, um den nächsten Schritt im Leben zu machen.

Auch, um auf Gott zuzugehen.

 

Auf der anderen Seite des Kindes sehen wir Maria.

Jesus verbindet sich mit ihr dadurch, dass er einen Fuß an ihr Knie drückt.

Maria schaut ernst auf ihr Kind.

Sie hat die Hände zum Beten zusammengelegt.

„Fürchtet euch nicht!“ Diese Ermutigung braucht sie auch. Was wohl alles in ihr vorgeht, nach dieser Geburt in fremder Umgebung?

 

Hinter Maria ist Josef. Sein Körper ist vom Kind abgewandt, als wollte er am liebsten weg aus dieser Situation.

Aber den Kopf dreht er zu Jesus. Dabei lehnt er sich an Marias Rücken.

 

Und er lehnt sich an den Esel, der hinter Maria steht.

Dieser Esel steht am Übergang zwischen drinnen und draußen, zwischen der konkreten Welt des Stalles und der himmlischen Weite, wo die Engel gejubelt haben.

Seine Ohren haben die gleiche Form wie die Flügel des Engels.

Als wollte er sagen: „Es ist doch ganz leicht zu begreifen. Christus ist geboren! Gott ist Mensch geworden! Halleluja!

Ehre sei Gott in der Höhe!“

 

In der Mitte des Bildes unten ist das Christuskind.

Es verbindet alle miteinander:

Zur einen Seite Maria, Josef und den Esel.

Zur anderen Seite das Schaf, die beiden Hirten und die beiden Engel.

Mit der Geburt Jesu entsteht eine Kette von Berührungen, eine Kette von Beziehungen.

 

Einer der Engel schaut direkt uns ins Gesicht.

Mir kommt es vor, als wollte er fragen: „Wo bist du?

Fürchtest du dich oder traust du dich,

dich dem Christuskind zu nähern?

Lässt du zu, dass dieses Kind auch dein Leben verändert?“

 

Bei den Hirten hat das Neugeborene ganz viel verändert:

Äußerlich nicht, aber innerlich.

Sie haben die Nähe Gottes gespürt an Körper und Seele.

Sie werden in ihrem Alltag bei den Herden in Zukunft kein anderes Leben haben als vorher.

Aber innerlich haben sie ein Leben, das geborgen ist.

Das macht den Unterschied in dieser Heiligen Nacht.

Sie wissen, dass Gott sie gesehen hat.

Gott hat seine Engel zu ihnen geschickt.

Die haben ihnen den Rücken gestärkt,

haben ihnen Mut gemacht, sich dem Kind zu nähern.

Gott selber nimmt sich ihrer Furcht an.

Gott selber lässt sie nicht allein.

 

Welch Grund zur Freude!

Das müssen sie dann weitersagen.

 

Und darum kommen wir auch immer wieder zur Krippe:

Wir danken für unser Leben,

für das, was uns im Leben gelungen ist, für die Liebe.

Aber auch, weil wir uns fürchten vor dem Leben,

vor dem, was alles sein könnte.

Wir möchten heute wieder hören,

wie Gott zu uns sagt: „Fürchtet euch nicht!“

Gott selber kommt zu uns.

Gott nimmt zu uns Kontakt auf.

Wir werden von Gott wahrgenommen.

Und dadurch leben wir - trotz allem - ein geborgenes Leben.

 

Dass wir das wissen, verändert alles.

Wir haben seit der Heiligen Nacht kein leichteres Leben, aber wir können spüren,

dass wir bei Gott geborgen sind.

 

Und das zeigen wir einander:

Indem wir einander ernst nehmen, einander beistehen. Indem wir einander beschenken und auch einander berühren und in den Arm nehmen.

 

Und indem wir uns einsetzen für Menschen, die wenig Geborgenheit in ihrem Leben erfahren – hier in unserem Stadtteil und in fernen Ländern.

 

Denn allen gilt, was die Engel verkünden:

„Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird: Denn euch ist heute der Heiland geboren! … Ehre sei Gott in der Höhe!“

Amen.

Fürbitten

Gott, wir danken dir, dass du zu uns kommst.

Du lässt unser Leben geborgen sein.

Du nimmst uns Furcht und machst uns Mut.

 

Danke, für alle, die es gut mit uns meinen, die uns lieben und uns helfen.

Danke, dass du Beziehungen wachsen lässt

zwischen uns und Menschen, die uns fremd waren.

Alle Völker sollen diese Freude erleben!

 

Gott, wir bitten dich für alle Menschen,

die sich nicht geborgen fühlen:

Für die, die sich einsam fühlen,

für die, die unter Streit mit Angehörigen leiden,

für die, deren Familien unerreichbar weit weg leben.

 

Gott, wir bitten dich

für alle Menschen, die sich fürchten,

für Kranke und ihre Angehörigen,

für Menschen, die traurig sind,

für die, die Angst haben vor der Zukunft.

 

Gott, wir bitten dich für alle in Not:

Für Menschen in Krisengebieten, zum Beispiel in Syrien, im Libanon, im Iran und im Sudan,

für Opfer der Vulkanausbrüche in Indonesien und anderswo,

für Menschen an der Grenze zu Belarus und in anderen Flüchtlingslagern.

Gott, stärke alle durch deine Geborgenheit

und zeige uns, wie wir helfen können!

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn. – Gott sei ewiglich Dank.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und schenke dir Seinen Frieden.

Amen.