Agapefeier

Liebe Paulus-Leute,

heute ist Gründonnerstag. Üblicherweise würden wir um 18 Uhr einen Abendmahlsgottesdienst in der Pauluskirche feiern und uns anschließend mit Christinnen und Christen von St. Michael zur Agapefeier treffen.

„Agapefeier“ bedeutet wörtlich „Liebesmahl“. Schon in der Zeit der ersten Christen wurde nicht nur mit einem Stück Brot und einem Schluck Wein das Abendmahl gefeiert. Die Menschen trafen sich auch zu gemeinsamen Mahlzeiten. Bei denen kam es darauf an, dass alle satt wurden, weil aus Nächstenliebe geteilt wurde, was da war.

Heute können wir nicht gemeinsam am Tisch sitzen. Aber es ist dennoch Gründonnerstag. Auf der Internetseite unserer Gemeinde kann man eine Predigt und weitere Texte von Martin Schwerdtfeger nachlesen. Ein Lied zum Abendmahl kann man sogar hören.

Lasst uns dennoch miteinander Agape feiern, wenngleich mit mehr Abstand als sonst. Dazu setzt Euch doch bitte heute zwischen 18 Uhr und 22 Uhr bei Euch in die Wohnung, egal ob am Küchentisch oder auf dem Balkon. Esst bewusst ein Stück Brot und trinkt ein Glas Wein oder Wasser. Macht ein Foto von Eurem Agape-Tisch, falls das geht auch als Selfie mit Euch selber darauf. Und dann schickt mir das Bild per Mail oder Whats App. Dann sind wir miteinander verbunden.

Ich freue mich auf diese besondere Agapefeier mit Euch!

Elke Schwerdtfeger

Andacht an Gründonnerstag

Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige HERR. (Ps 111,4)

Psalm 111 (BasisBibel)

Halleluja!

Ich will dem HERRN von ganzem Herzen danken
im Kreis der Aufrechten und seiner Gemeinde.

Groß sind die Taten des HERRN.
Alle, die sie lieben, erkunden sie gern.

Glanz und Schönheit umgeben sein Tun,
und seine Gerechtigkeit steht fest für immer.

Er gab die Feste, die an seine Wunder erinnern.
Gnade und Barmherzigkeit schenkt der HERR.

Er gab denen zu essen, die ihn verehren.
Für alle Zeit denkt er an seinen Bund.

Er bewies seinem Volk, welche Macht er besitzt:
Er gab ihnen ihr Erbland unter den Völkern.

Was seine Hände tun, ist Wahrheit und Recht.
Auf alle seine Gebote kann man bauen.

Sie bleiben für immer und dauerhaft gültig.
Man befolgt sie in Treue und Geradlinigkeit.

Er sorgte für die Befreiung seines Volkes.
Er schloss mit ihnen einen dauerhaften Bund.

Heilig ist sein Name, man hat Ehrfurcht vor ihm.
Weisheit beginnt mit Ehrfurcht vor dem HERRN.

Viel Erfolg haben alle, die sich daran halten.
Das Lob seiner Taten bleibt für immer bestehen.

Amen.

Predigt/Impuls

Liebe Gemeinde,

wann habe ich ihn zum letzten Mal gesehen? Worüber haben wir gesprochen? War noch etwas zu klären, zu verzeihen?

Diese Fragen werden wichtig, wenn ein geliebter Mensch stirbt. Und wie gut, wenn es möglich ist, Abschied zu nehmen – vielleicht auch noch mit letzten Worten.

Jetzt ist das oft nicht möglich, wenn Menschen im Krankenhaus oder im Altenheim sterben, ohne dass Angehörige dabei sein können. Und Freunde können auch auf dem Friedhof nur in ganz kleiner Zahl Abschied nehmen, wenn überhaupt. Dabei ist es für das Trauern ganz wichtig, wenn man Abschied nehmen kann und dann loslassen. – Solch eine Erfahrung begleitet uns ein Leben lang.

Am Gründonnerstag verabschiedet sich Jesus von seinen Freunden. Am Abend nimmt er sich Zeit dafür. Er wäscht ihnen die Füße. Er gibt ihnen Worte und Zeichen für die Zeit ohne ihn.

Das wird bleiben. Bis heute erleben wir Jesus im Abendmahl ganz nah. Er gibt uns an seinem neuen Leben Anteil. Und wir werden zu einer Gemeinschaft, wenn wir das Brot brechen und den Wein teilen.

Leider können wir zur Zeit nicht zusammenkommen und Jesu Mahl feiern. Das tut weh. Christus will uns verbinden und wir suchen neue Wege, um einander spüren zu lassen, dass wir für einander da sind und dass auch die Kranken und die, die aus Vorsicht vor der Corona-Epidemie zu Hause bleiben müssen, nicht alleingelassen sind.

Ängste und Sorgen bewegen jetzt viele – hier bei uns in der Gemeinde und überall in der Welt. Die Zahl der Infizierten steigt – auch die der Toten. In Krankenhäusern und in der Pflege sind viele Mitarbeitende überlastet. In anderen Berufen sind Arbeitsplätze gefährdet. In vielen Ländern fehlt es am Nötigsten. Da ist es gut sich zu erinnern, wie Gott uns nah sein will. Und es ist gut, wenn wir einander daran erinnern.

Das Mahl, das Jesus mit seinen Freunden feiert, ist auch schon ein Erinnerungsmahl. Sie feiern Passa, die Erinnerung an die Befreiung aus Ägypten.

Nach vielen Jahren der Sklaverei soll das Elend endlich aufhören. Deshalb trägt Gott dem Mose auf, gemeinsam zu feiern. Ich lese aus 2. Mose 12:

2. Mose 12,1-4.6-8.10-14

Der Herr aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland: Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen. Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus. Wenn aber in einem Hause für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er's mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am nächsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen können. Und ihr sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Versammlung der Gemeinde Israel schlachten gegen Abend.

Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und den Türsturz damit bestreichen an den Häusern, in denen sie's essen, und sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und ungesäuertes Brot dazu und sollen es mit bitteren Kräutern essen. Und ihr sollt nichts davon übrig lassen bis zum Morgen; wenn aber etwas übrig bleibt bis zum Morgen, sollt ihr's mit Feuer verbrennen.

So sollt ihr's aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt es in Eile essen; es ist des Herrn Passa. Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter. Ich bin der Herr. Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den Häusern, in denen ihr seid: Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen, und die Plage soll euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich Ägyptenland schlage.

Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest für den Herrn, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung.

 

In der Nacht vor dem Auszug aus der Sklaverei, vor der Befreiung des Volkes Israel, wird das Passamahl zum ersten Mahl gefeiert. Und dann wird es jedes Jahr wiederholt. Zur Erinnerung: So hat unsere Geschichte angefangen. Als wir in großer Not waren, hat Gott uns gerettet.

Die Geschichte vom Auszug ist erzählt aus der Sicht der Geretteten. Für sie bedeutet das schreckliche Sterben der ägyptischen Kinder die Gelegenheit, endlich zu gehen. Und es knüpft an an die Tötung der Kinder der Israeliten, vor der Mose als Baby bewahrt wurde, als seine Mutter ihn in einem Weidenkorb aussetzte, den die Tochter des Pharao fand.

Am letzten gemeinsamen Abend feiert Jesus also mit seinen Jüngern dieses Erinnerungsmahl. Er spricht die Segensworte über Brot und Wein. Und er gibt ihnen eine neue Bedeutung: So wie ich das Brot breche, wird man meinen Leib brechen. Und so wie ich den Kelch mit euch teile, wird mein Blut vergossen werden. Das Blut des Lammes hat Israel gerettet. Und so wird mein Blut Menschen retten. Wenn ihr dies esst und trinkt, bekommt ihr Anteil an mir. Dann bin ich bei euch.

So erinnern wir an Jesu Leiden und Sterben. Wir vergewissern uns, er ist uns nah. Und wir werden Teil der Befreiungsgeschichte von Gott und seinem Volk. Deshalb können wir mit ihm neu leben.

Heute können wir das nicht gemeinsam schmecken und spüren. Wir können uns nur erinnern und darauf vertrauen, dass Gott uns bewahren will, bis wir wieder zusammen Abendmahl feiern können.

Gott behüte uns!

Amen.

Wir beten

Jesus Christus,
im Gebet sind wir in der weltweiten Christenheit vereint.

Wir erheben unsere Stimme weltweit:
für alle, die mit dem Corona-Virus infiziert sind,
für ihre Familien, für ältere Menschen, für Menschen, die unter Ausgrenzung leiden,
für alle leidenden Menschen,
die sich nach einer Umarmung sehnen und einsam sind,
für die Menschen, die sterben bitten wir dich:
Kyrie eleison

Wir erheben unsere Stimme weltweit:
für die Menschen,
die in Flüchtlings- und Sammelunterkünften leben,
für Menschen,
die auf den Straßen und Plätzen unter freiem Himmel Hilfe brauchen,
für die Menschen, die in Armut ohne Gesundheitsfürsorge leben,
für Menschen in den Gefängnissen,
für Frauen und Kinder,
die Missbrauch und Gewalt ausgesetzt sind,
für die Menschen,
die zuhause nicht sicher sind und die,
wenn die Belastung zunimmt,
noch mehr Missbrauch und Gewalt erfahren bitten wir dich:
Kyrie eleison

Wir erheben unsere Stimme weltweit:
für das medizinische Personal,
für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen,
für Menschen, die ihr Leben riskieren,
um für Behandlung und eine Prävention sorgen,
für Einsatzkräfte und Mitarbeitende in Hilfsorganisationen,
für Forschende in den Laboren,
für alle, die Verantwortung tragen bitten wir dich:
Kyrie eleison

Wir erheben unsere Stimme weltweit:
für alle, die sich um ihre Existenz sorgen,
da ihre Arbeit nicht bezahlt wird,
für alle, die ihre Felder nicht bestellen und nicht ernten können,
für alle, die den Boden unter den Füßen verloren haben,
für die Regierungen in aller Welt,
für die Gläubigen in aller Welt, dass sie erleben,
wie wir im Gebet mit dir vereint sind
auch ohne den Besuch an heiligen Plätzen,
für ehrenamtliche und hauptamtliche geistliche Persönlichkeiten bitten wir dich:
Kyrie eleison.

Stärke uns durch dein Erbarmen und bewahre unsere Herzen und Sinne.
Lass uns wie eine geschwisterliche Familie beten mit den Worten,
die du uns gelehrt hast:

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen.

Lied: Ich bin das Brot, lade euch ein

1) Ich bin das Brot, lade euch ein.
So soll es sein, so soll es sein!
Brot lindert Not, brecht es entzwei.
So soll es sein, so soll es sein!

Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison.

 

2) Ich bin die Quelle, schenk mich im Wein.
So soll es sein, so soll es sein!
Schöpft aus der Fülle, schenkt allen ein.
So soll es sein, so soll es sein!

Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison.

 

3) Nehmt hin das Brot, trinkt von dem Wein.
So soll es sein, so soll es sein!
Wenn ihr das tut, will ich bei euch sein.
So soll es sein, so soll es sein!

Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison.

Musik "Ich bin das Brot, lade euch ein"


Gründonnerstag und Karfreitag

Liebe Paulus-Leute,
unser Freund Ulrich Körtner, Theologieprofessor in Wien, hat uns ein Bild geschickt, das mich sehr anrührt. Er schreibt dazu:

„Der morgige Karfreitag, in dem wir nicht in unseren Kirchen gemeinsam Gottesdienst feiern können, konfrontiert uns wohl auf ganz eigentümliche Weise mit der Erfahrung der Abwesenheit oder Verborgenheit Gottes in unserer modernen Welt. Ein starkes Bild hat mir ein Freund zum heutigen Gründonnerstag geschickt (siehe Anhang). Es thematisiert ja nicht nur den erzwungenen Verzicht auf Abendmahlsfeiern und kann nicht nur als Kommentar zur laufenden Debatte über virtuelle Abendmahlsfeiern verstanden werden …. Es zeigt uns auch einen einsamen Christus, der – so verstehe ich es – nicht nur einsam ist wie im Garten Gethsemane, sondern der unseren Schmerz teilt, wenn wir als Gemeinde nicht zusammenkommen können, wenn Menschen ganz allein zu Hause sitzen oder ganz einsam sterben müssen.
Ich wünsche Euch einen gesegneten Karfreitag.“

Elke Schwerdtfeger