Exaudi - 16. Mai 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Prädikant Matthias Mladek - Lektor: Friedrich-Wilhelm Kruse

Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

Johannes 12, 32

Mit dem Wochenspruch aus Johannes 12 grüße ich Sie herzlich zum Gottesdienst hier in der Pauluskirche.

Dieser Sonntag trägt den Namen „Exaudi“ - „höre meine Stimme, Gott.“

Wie oft fehlen uns Worte und wir wissen nicht,

was wir sagen und wie wir reagieren sollen.

Unsere Zweifel und Fragen,

unsere Ängste und Unsicherheiten

bringen wir mit und wollen sie vor ihn ausbreiten,

im Vertrauen darauf, dass Gott uns hört und versteht,

selbst wo wir stumm bleiben.

Eröffnung

In solchem Vertrauen feiern wir diesen Gottesdienst:

im Namen Gottes, des Vaters, der uns so annimmt, wie wir sind,

im Namen Gottes des Sohnes, der uns zeigt,

wie wir in Liebe miteinander umgehen können,

im Namen Gottes, des Heiligen Geistes,

der uns stärkt, wenn unsere Kräfte schwinden.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 27

Der Herr ist mein Licht und mein Heil;

vor wem sollte ich mich fürchten?

Der Herr ist meines Lebens Kraft;

vor wem sollte mir grauen?

Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe;

sei mir gnädig und erhöre mich!

Mein Herz hält dir vor dein Wort:

"Ihr sollt mein Antlitz suchen."

Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.

Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,

verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!

Denn du bist meine Hilfe; verlaß mich nicht

und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil!

Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,

aber der Herr nimmt mich auf.

Ich glaube aber doch, daß ich sehen werde

die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen.

Harre des Herrn!

Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lasst uns beten:

Gott im Himmel und auf Erden.

Dein Licht erleuchtet uns und dein Wort will unser Herz verwandeln.

So sende deinen Heiligen Geist, dass er uns leitet in unserm Tun.

Sei du bei uns, damit wir bei dir sind in Christus, unserm Herrn,

heute und alle Tage

bis auf ewig.

Amen

Lesung Johannes 7, 37-39

Am letzten, dem höchsten Tag des Festes trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!

Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen.

Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.

Amen

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Gemeinde,


Wolken türmen sich auf,

dunkel und schwarz beherrschen sie den Himmel,

einen Himmel, an dem sonst die Sonne so unerbittlich

so heiß und sengend, ja fast tödlich regiert.

 

Gebannt starre ich auf den Fernseher,

sehe im Zeitraffer, wie es der Sonne immer wieder gelingt,

einzelne Wolken aufzulösen.

Doch ebenso schnell türmen sich neue auf,

schwarz und gewaltig.


Fast spürbar steigt die Spannung über dem heißen Wüstensand.

Das Sofakissen fest an mich gedrückt,

starre ich mit weit aufgerissenen Augen auf das flackernde Fernsehbild.


Ein Grummeln, ein Donnern,

ein erster Tropfen, dann ein zweiter.

Die vereinzelten Tropfen zerspringen förmlich auf dem glühend heißen Sand.

Doch es werden immer mehr, und dann gibt es kein Halten mehr.

Der Himmel öffnet seine Schleusen, der Regen strömt hernieder.


Der erste Regen, nach drei Jahren.

„Die Wüste lebt“, ein Disney-Dokumentarfilm von 1953.

Ich kann nicht mehr genau sagen,

wann ich ihn im Fernsehen gesehen habe,

aber ich erinnere mich noch an diese so außergewöhnliche Spannung.


Mehrere Stunden prasselt der Regen nieder,

dann setzt sich die Sonne wieder durch,

als sei nichts geschehen.

Die Wüste wirkt unverändert,

trocken, tot, trostlos.

Doch dann, nach ein paar Tagen,

führen die ausgetrockneten Bachläufe wieder Wasser,

sammeln sich zu einem See.

Pflanzen und frisches Grün wachsen,

ein buntes Farbenmeer an Blüten

wie aus dem Nichts erschienen.


Unzählige Tiere versammeln sich an der Wasserstelle,

trinken, baden,

ihr Toben wirkt ausgelassen.

Wo mögen die ganzen Tiere gewesen sein?

Wo haben sie sich verkrochen

und auf den erlösenden Regen gewartet?


Für einige Wochen wird aus der öden Wüste

ein bunter, freundlicher Lebensraum.

„Die Wüste lebt“


Liebe Gemeinde,


zwar kennen die Menschen zu denen Jesus

in unserem Predigttext spricht keine Sahara-Dünen,

was Trockenheit bedeutet wissen sie aber sehr wohl.

Auch sie leben in einem kargen Landstrich,

in dem jeder Tropfen Wasser kostbar ist.

Direkt am Jordan, ja, da gibt es sie, die fruchtbaren Auen.


Aber sobald wir weiter ins Landesinnere schauen

da kann die Ernte schon einmal mager ausfallen.

Das Fest, wie es im Predigttext genannt wird,

ist das Laubhüttenfest, das Sukkot.

Eines der jüdischen Erntefeste.


Ausgelassen und fröhlich geht es zu,

in Scharen machen sich die Menschen,

ganze Familien auf nach Jerusalem.

Es ist noch warm genug um draußen zu schlafen.


Einfache Hütten aus Zweigen und Laub

dienen als Ruheplatz und geben dem Fest seinen Namen.

Und zum Laubhüttenfest gehörte eine weitere Tradition,

das Wasserschöpfen.

Es geschah am letzten Tag des Festes.

An diesem Tag brachte ein Priester Wasser aus dem Teich Siloah

und goss es in den Altar, während er für reichen Regen betete.


Genau von diesem Tag lesen wir im Predigttext:

"An dem letzten, dem großen Tag des Festes aber

stand Jesus auf und rief und sprach:

Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke.

Wer an mich glaubt, aus dessen Leibe werden,

wie die Schrift gesagt hat, Ströme lebendigen Wassers fließen."

Dies geschah am letzten Tag von Sukkot.


Liebe Gemeinde,


Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke.

Diese Worte Jesu können wir nur übertragen verstehen.

Selbstverständlich erwartet und meint Jesus nicht,

dass sich seine Zuhörerinnen und Zuhörer

einen Krug schnappen sollen, um damit zu Jesus gehen,

um Wasser zu holen, so wie der Priester beim Fest zum See Siloah.


Nein.

Vielmehr gilt:

Wer auf Jesus hört, wer von dem trinkt

und in sich aufnimmt, was Jesus predigt und lehrt.

Der oder diejenige wird sich verändern,

wird auch ausstrahlen.


Aber nicht ganz so schnell.

Wenn jemand dürstet...

Da drängt sich eine Frage auf:

Wonach dürstet mich?

Wonach dürstet uns?

Und wonach dürstet Sie ganz persönlich?

Heute, am 16. Mai 2021.


Sind es Glaubensfragen, auf die wir Antworten suchen?

Ist es die Lebenssituation, die in uns Sehnsüchte weckt?

Ist es der Wunsch nach mehr Nähe, nach mehr Gemeinsamkeit?

 

Unser Durst kann sehr Vielschichtig sein:

Da ist die Trauer um einen geliebten Menschen, der Durst nach Trost.

Da ist ein Zweifel, eine Ungewissheit und der Durst nach Antworten,

der Wunsch nach einer Stärkung im Glauben.

Da ist eine gewisse Einsamkeit, das Gefühl fehlender Nähe und Begleitung,

und der Durst nach einer liebevollen, freundschaftlichen Umarmung,

nach Gemeinschaft mit unseren Mitmenschen.

Da ist das Gefühl versagt zu haben, den Anforderungen nicht gerecht zu werden,

Schuld auf sich geladen zu haben, und der Durst nach Vergebung.


Jede und jeder von uns, wird das Gefühl kennen.

Ein vermeintlich unstillbarer Durst,

eine scheinbar unstillbare Sehnsucht.


An dem letzten, dem großen Tag des Festes aber stand Jesus auf und rief und sprach:

Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke.


Liebe Gemeinde,


Jesus will es sein,

Mehr noch:

Jesus kann es sein, der unseren Durst stillt.

Er bietet uns die Gemeinschaft mit ihm,

aber auch untereinander immer wieder an.

Sein Zuspruch wird uns zur Stärkung auf dem Weg.


Durch ihn, durch sein Sterben am Kreuz, haben wir Vergebung erfahren.

Durch ihn erfahren wir Vergebung von Schuld.

Durch ihn ist uns Gottes Gnade gewiss.


Und dieses Versprechen dürfen wir schmecken,

diese Zusage in uns aufnehmen:


Wenn wir mit Konfirmandinnen und Konfirmanden

über das Abendmahl reden,

dann arbeiten wir genau diese Aspekte heraus:


Das Abendmahl bedeutet:


  1. Wir haben Gemeinschaft mit Jesus Christus

  2. Er schenkt uns Gemeinschaft untereinander

  3. Im Abendmahl erfahren wir Vergebung von Schuld


"Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke.

Wer an mich glaubt, aus dessen Leibe werden,

wie die Schrift gesagt hat, Ströme lebendigen Wassers fließen."


Ja, wer sich von Jesus ansprechen lässt,

wer von ihm lernt und wer an ihm seinen Durst stillt,

der strömt aus,

der strahlt aus,

auf seine Mitmenschen.

Der kann selbst ermutigen,

der kann selbst zum Tröster werden.

Der lernt zu teilen,

der lernt zuzuhören

der findet die richtigen Worte.


Ströme lebendigen Wassers.

Ein tolles Bild dafür, das von Menschen,

die an Gott Glauben, die als Christinnen und Christen leben,

viel Gutes ausgehen kann.

In unseren Herzen ist viel Platz,

Platz für die Wüste, aber eben auch Platz für die Oasen.


Im Vertrauen auf Gott, und im Vertrauen zu unseren Nächsten

werden wir zu Regenmachern.

Wo ein Mensch Vertrauen gibt, nicht nur an sich selber denkt,

da fällt ein Tropfen von dem Regen,

der aus Wüsten Gärten macht.


Amen

Fürbitten

Wie die Wüste dürstet nach dem Regen,

so hoffen wir auf Deinen Geist, Gott,

wir bitten Dich,

sei uns nah und erhöre unser Gebet.

Komm, du Geist der Wahrheit
und stärke die Schwachen.
Wir bitten dich
für alle, die in diesen Tagen ratlos sind -
sei ihr Ratgeber;
für alle, die in Angst sind –
sei ihnen Mut und Hoffnung;
für alle, die trauern –
sei du ihr Trost.
Komm und sprich,
damit die Schwachen aufatmen.

Komm, du Geist der Wahrheit
und rüttele die Starken auf.
Wir bitten dich
für alle, die Macht über andere haben –
sei ihr Gewissen;
für alle, die über andere entscheiden –
sei die Richtschnur;
für alle, die mit ihrem Tun und Lassen, Weichen stellen –
zeige ihnen den Grund der Welt.
Komm und sprich,
damit die Liebe in dieser Welt wirkt.

Komm, du Geist der Wahrheit
und feiere mit deiner weltweiten Kirche.
Wir bitten dich
für die Gemeinden, die bedroht werden
und die Menschen, mit denen sie leben;
für die Menschen, die uns zu Partnern, Freundinnen und Freunden wurden;
für uns und alle, die zu uns gehören.
Verwurzele uns immer tiefer in deiner Liebe.
Lass uns dich erkennen und nicht aufhören,
nach dir zu fragen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn. – Gott sei ewiglich Dank.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und gebe dir Frieden. Amen.