Estomihi - 14. Februar 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Prädikantin Barbara Terweiden - Lektor: Friedrich-Wilhelm Kruse

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.

Mit dem Wochenspruch aus dem Lukasevangelium begrüße ich Sie ganz herzlich, zum Gottesdienst am Sonntag Estomihi, dem Sonntag vor der Passionszeit.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Wir beten:

Gott des Himmels und der Erde, wir sind bei dir mit allem, was uns bewegt.

Nachrichten über Menschenschicksale machen uns ratlos. Wir bringen unsere Sorgen mit aus der vergangenen Woche und unsere Ängste vor dem was vor uns liegt.

Wir bitten dich, wecke unseren Hunger und unseren Durst nach deinem Wort und deiner Nähe.

Erfülle uns mit dem Vertrauen auf dich, und deine Begleitung an allen Tagen unseres Lebens. Amen.

Psalm 31

HERR, auf dich traue ich, lass mich nimmermehr zu Schanden werden;errette mich durch deine Gerechtigkeit!

Neige deine Ohren zu mir, eilend hilf mir! Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest!

Denn du bist mein Fels und meine Burg, und um deines Namens willen wolltest du mich leiten und führen.

Du wollest mich aus dem Netze ziehen, das sie mir gestellt haben; denn du bist meine Stärke.

In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott.

Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, dass du mein Elend ansiehst und erkennst meine Seele in der Not

und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes; du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Meine Zeit steht in deinen Händen. Errette mich von der Hand meiner Feinde und von denen, die mich verfolgen.

Lass leuchten dein Antlitz über deinen Knecht; hilf mir durch deine Güte!

 

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang so auch immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit . Amen.

Lesung 1. Korinther 13

1Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.

2Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts.

3Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und meinen Leib dahingäbe, mich zu rühmen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.

4Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf,

5sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu,

6sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit;

7sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

8Die Liebe höret nimmer auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird.

9Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk.

10Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.

11Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war.

12Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.

13Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Predigt

Unser Predigttext von heute sind Worte des Propheten Jesaja. Sie stehen im 58. Kapitel.

1Rufe laut, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden!

2Sie suchen mich täglich und wollen gerne meine Wege wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei.

3»Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen?« Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter.

4Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll.

5Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der Herr Wohlgefallen hat?

6Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!

7Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

8Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und
deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen.

9Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Gemeinde,

 

das ist der Gott des Alten Testaments, der so spricht.

Jesaja sagt es zu den Menschen des Volkes Israel, die, nach 70 Jahren aus dem Exil in Babylon, in die zerstörte Stadt Jerusalem zurückkehren. Sie wünschen sich, dass alles so wie früher wäre.

Sie versuchen Gott gnädig zu stimmen mit Fasten und sich an Leib und Seele zu kasteien. Und Jesaja sagt dem Volk, dass Gott an diesem „formellen“ Fasten kein Gefallen hat.

Sie sollen nicht so weitermachen, wie vorher, sie sollen sich verändern.

Sie sollen sich den Menschen zuwenden, ihnen Gutes tun. Gib frei, die du unterdrückst. Die Armen sollen Nahrung und Kleidung und Obdach bekommen. Brich dem Hungrigen dein Brot. Wo das geschieht, sagt Gott, da wird Licht hervorbrechen und Gott wird sagen: Hier bin ich.

 

Liebe Gemeinde,

 

wir alle sehnen uns nach der Zeit „vor Corona“. Unser Leben hat sich gravierend verändert, alles ist so anders geworden. Wie gerne würden wir das Rad zurückdrehen.

Was würde Jesaja denn zu uns heute sagen?

Vielleicht: Gott hat die Welt einen Moment angehalten, damit ihr zur Besinnung kommt?

Ihr macht die Erde kaputt. Ihr müsst euch verändern!

Und wie damals manche Menschen durch die Netze fielen ist das auch noch heute so. Die vergessenen Menschen in den Lagern dieser Welt auf Lesbos, in Nordafrika und anders wo brauchen Solidarität und Hilfe.

Wir wissen um die Not der Menschen und was tun wir?

Und jetzt zu Coronazeiten hier bei uns gilt:

Bleibt nach Möglichkeit zuhause. Verzichtet auf Reisen und Ausflüge. Haltet Abstand zu den anderen Menschen. Schützt euch gegenseitig vor Ansteckung.

Vielen Menschen scheint das sehr schwer zu fallen. Und leider gibt es viele Uneinsichtige, die die Maßnahmen nicht anerkennen und beherzigen.

Wahrscheinlich irgendwie vergleichbar mit dem „halsstarrigen“ Volk Israel.

Gott sei Dank gibt es hier auch ganz viele Menschen, die sich kümmern. Die alles was möglich ist tun, um andere zu unterstützen und und ihnen zu helfen.

Es ist sehr schwer in diesen Zeiten alles richtig zu machen!

Politiker zu sein und Verantwortung zu übernehmen ist wahrlich kein leichtes Amt.

Die Menschen im Volk Israel wollten Gott gnädig stimmen, durch selbst auferlegtes Fasten. Sie wollten bestimmte Regeln, für Gott, erfüllen, aber ohne ihr Herz und Gewissen zu hinterfragen ob sie Unrecht tun und wie die Beziehung zu ihre Mitmenschen aussieht.

An solchem Fasten hat Gott kein Gefallen sagt Jesaja.

Am Mittwoch beginnt mit dem Aschermittwoch die Passionszeit, die auch sogenannte Fastenzeit.

Es gab in den vergangenen Jahren manche

Fastenaktionen, sieben Wochen anders, um mal neu hinzuschauen was wir tun und wie wir leben.

Es wurden verschiedene Möglichkeiten genannt um mal andere Wege zu gehen, anders zu handeln.

Ich erinnere an die Aktionen der bewussten Entscheidungen 7 Wochen so wenig wie möglich mit dem Auto zu fahren, um die Luft zu verbesser. Oder so wenig wie möglich Müll zu produzieren; mal auf das Fernsehen oder Internet zu verzichten.

In diesem Jahr hat die evangelische Kirche in Deutschland zum Klimafasten aufgerufen.

Das Motto: „So viel du brauchst….“ lädt ein in der Passionszeit sich besonders damit zu beschäftigen was für ein Leben im Einklang mit der Schöpfung wichtig ist.

So ein Heftchen, mit konkreten Tipps zur Umsetzung, wird in unserer Kirche ausliegen.

Ich weiß, dass manche Menschen auch ganz pragmatisch in dieser Zeit etwas verändern.

Sie verzichten auf Süßigkeiten oder Alkohol oder versuchen sich sieben Wochen überwiegend vegetarisch oder vegan zu ernähren.

Können wir mit solchen Aktionen „Gott gnädig stimmen“?

Natürlich nicht !!!!

Gott ist größer und mächtiger als alles was wir denken können und wir zu tun vermögen.

Gott hat uns aus unerklärlicher Liebe und Gnade seinen Sohn geschenkt.

Das war lange nach Jesaja‘s Zeit. Doch die Aufforderungen, die er an das Volk Israel weitergibt, sind auch heute noch aktuell. Lasst los. Gebt frei. Kümmert euch um die Armen.

In der Passionszeit, in diesen 40 Tagen zwischen Aschermittwoch und Ostern, denken wir an Jesu Geschichte, an sein Leben und Sterben, an das Leid und die Schmerzen, die er aushalten musste.

Gott kommt uns in Jesus ganz nah. Er wird ein verletzlicher Mensch, wie wir. Er gibt sein Leben für uns weil er seine Menschen liebt.

Wir können uns Gottes Gnade nicht verdienen oder erarbeiten, weder durch „Fasten“ noch durch gute Werke. Gottes Gnade kann uns nur durch seinen Heiligen Geist geschenkt werden!

Es kommt auf uns alle an, ob wir durch die Corona Pandemie etwas lernen und ob wir etwas verändern können zum Wohl der Menschen und zum Erhalt der Schöpfung.

Wir dürfen Gott aus tiefstem Herzen um seine Hilfe bitten!

Amen!

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unseren Herrn.

Amen.

Fürbitten

Gott, du kennst die Not eines jeden Menschen und willst auch in schweren Zeiten an unserer Seite sein. Stärke die Geduld und Hoffnung der Kranken. Sei ihnen nahe. Tröste sie. Gib ihnen neuen Mut. Schenke ihnen Menschen, die ihnen helfen und sie verstehen. Unsere Hoffnung richten wir auf dich.

Gott, deine Fürsorge gilt allen Menschen, denen, die Hilfe brauchen und denen, die helfen können. Wir bitten dich: Gib den Pflegenden Kraft und Mitgefühl. Halte ihre Belastungen in erträglichen Grenzen. Erfreue sie durch Zeichen der Anerkennung. Unsere Hoffnung richten wir auf dich.

Gott, du willst an allen Tagen unseres Lebens bei uns sein. Wir bitten dich: Bewahre den alten Menschen ein fröhliches Herz und ein verträgliches Wesen. Lass sie nicht bitter werden, wenn die Kräfte schwinden.Unsere Hoffnung richten wir auf dich.

Gott, du bist die Quelle des Lebens. Wir bitten dich: Bewahre die jungen Menschen vor irreführenden Einflüssen, zeige ihnen Weggefährten und Vorbilder, schenke ihnen Freude am Lernen, Forschen und Entdecken. Unsere Hoffnung richten wir auf dich.

Gott, du liebst Wahrheit und Versöhnung. Wir bitten Dich: Wehre aller Versuchung, Böses zu tun. Öffne denen, die schuldig geworden sind, die Tür zur Umkehr. Gib Tätern und Opfern die Kraft, einander offen zu begegnen. Unsere Hoffnung setzen wir auf dich.

Gott, du willst uns erkennen lassen, wie sehr wir dich brauchen und wozu du uns brauchst. Wir bitten dich: Stärke unsere Hoffnung, wenn Enttäuschung uns niederdrückt. Überwinde unsere Ängstlichkeit, wenn wir uns entscheiden müssen. Gib uns Mut einzuspringen, wo wir gefragt sind. Unsere Hoffnung setzen wir auf dich.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich!

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Der Herr hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden. Amen.