Erntedankfest - 4. Oktober 2020

Gottesdienst mit Jürgen Eigenbrodt - Lektorin: Britta Hermes

Aller Augen warten auf dich,
und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.
(Wochenspruch aus Psalm 145)

Herzlich Willkommen zum Gottesdienst am Erntedankfest. Wie können, wie sollen wir dieses Fest feiern? Mit dieser Frage wird sich unser Predigttext heute beschäftigen.

Eröffnung

L: Im Namen des Vaters des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes

G: Amen

L: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn ...

G: .... der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 104

Lobe den Herrn, meine Seele!
Herr, mein Gott, du bist sehr herrlich;

du bist schön und prächtig geschmückt.
Licht ist dein Kleid, das du anhast.

Du breitest den Himmel aus wie einen Teppich; der du das Erdreich gegründet hast auf festen Boden, dass es bleibt immer und ewiglich.

Du feuchtest die Berge von oben her,
du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.

Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen,
dass du Brot aus der Erde hervorbringst,

dass der Wein erfreue ein Menschen Herz
und sein Antlitz schön werde vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke.

Herr, wie sind deine Werke so groß und viel!
Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.

Es warten alle auf dich,
dass du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit.

Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie;
wenn du  deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.

Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie;
nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.

Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen,
und du machst neu die Gestalt der Erde.

Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich,
der Herr freue sich seiner Werke!
Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja!

Wir beten:

Gott, du hast Himmel und Erde geschaffen
und uns Menschen das Werk deiner Hände anvertraut.

Gib uns deinen Geist, dass wir tun,
was deinem Willen entspricht,
und lassen, was ihm widerspricht,
damit wir bewahren, was du geschaffen hast.

Wir bitten dich durch Jesus Christus, deinen Sohn,
der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

Lesung aus dem Lukasevangelium [Lk 12, 15-21]

Dann sagte Jesus zu allen: »Gebt acht! Hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn auch wenn jemand im Überfluss lebt: Sein Leben hängt nicht von dem ab, was er besitzt.«

Dazu erzählte Jesus ihnen ein Gleichnis: »Die Felder eines reichen Grundbesitzers brachten eine besonders gute Ernte. Da überlegte er: ›Was soll ich tun? Ich habe nicht genug Platz, um meine Ernte zu lagern.‹
Schließlich sagte er sich: ›So will ich es machen:Ich reiße meine Scheunen ab und baue größere. Dort werde ich dann das ganze Getreide und alle meine Vorräte lagern. Und dann kann ich mir sagen: Nun hast du riesige Vorräte, die für viele Jahre reichen. Gönne dir Ruhe! Iss, trinkund genieße das Leben!‹

Aber Gott sagte zu ihm:›Wie dumm du bist! Noch in dieser Nacht werde ich dein Leben von dir zurückfordern. Wem gehört dann das, was du angesammelt hast?‹ So geht es dem, der für sich selbst Schätze anhäuft –aber bei Gott nichts besitzt.«

Predigt

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde, liebe Zuhörer!

Wie kann ich ein Erntedankfest feiern? Dieser Frage möchte ich heute nachgehen.

In wenigen Tagen wird die Erntebilanz für das Jahr 2020 veröffentlicht. Erste Prognosen für diese Erntebilanz liegen schon vor. Die Getreideernte soll insgesamt 5% hinter dem Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019 liegen.

Die Erntebilanz listet alles auf. Wie haben sich die Preise verändert. Wie haben sich die einzelnen Getreidesorten entwickelt. Vor welchen Herausforderungen steht die Landwirtschaft. Alles ist in Zahlen, Daten und Fakten exakt beschrieben und Grafiken und Schaubilder machen das Ganze verständlich. Die Landwirtschaft steht vor einem gewaltigen Umbau.

Die Klimaveränderungen schlagen durch. Viel zu trockene Sommer, tagelange Extremtemperaturen und dann heftige, sintflutartige Niederschläge. Dazu kommen neue Anforderungen an die Landwirtschaft. Welche Mittel darf sie beim Düngen einsetzen und für Landwirte, die nicht auf Getreideanbau, sondern auf Tierhaltung setzen, stehen Veränderungen in den Haltungsbedingungen an.

Unsere Versorgung funktioniert und manche Verbraucher achten darauf, dass wir beim Einkaufen Produkte aus der Nähe beziehen. Eine Erntebilanz ziehen nicht nur unsere Landwirte, auch weltweit steht die Landwirtschaft vor Umbrüchen durch Klima und Globalisierung.

In unserem Predigttext heute zieht ein Kornbauer ebenfalls eine Erntebilanz. Lukas hat davon erzählt. Der Kornbauer hat eine Rekordernte eingefahren und das Gleichnis lässt erahnen, dass Stolz und Anerkennung aufsteigen. Weil dieser Kornbauer offensichtlich auch eine betriebswirtschaftliche DNA hat, weiß er, was zu tun ist. Er plant, er will die Zukunft sicher machen. Deshalb denkt er in Investitionen. Neue Scheunen sollen gebaut werden. Der Predigttext und das ist schon eine große Überraschung, plaudert ein Selbstgespräch aus, welches der Kornbauer mit sich selbst führt. So etwas lesen wir selten in der Bibel, dass Jesus solche privaten Dinge erzählt. Ich bin froh, dass meine Selbstgespräche nicht abgedruckt werden und andere Menschen meine Gedankenspiele nachlesen können.

Der Kornbauer führt ein Selbstgespräch, was er tun will. Und wenn diese Angelegenheit heute nicht so ernst wäre, dann könnte hier eine Quizfrage stehen. Haben Sie mitgezählt oder wissen Sie, wie oft der Kornbauer das Wörtchen ICH in seinem Selbstgespräch gebraucht hat? 

Fünfmal gebraucht er das Wort ICH in seinem Selbstgespräch. Er plant sein eigenes Erntedankfest. Denn er weiß, was er sich zu verdanken hat. Nun sehe ich ihn vor mir in seinem Haus, wie er auf seinem Wohnzimmertisch alles vor sich präsentiert. Und er denkt: Meine Scheunen, meine Vorräte, mein Korn.  Er steht vor seiner Bilanz und andere werden im Dorf sagen: Hut ab. Tolle Leistung.

Doch wenn wir die Geschichte weiterlesen, dann folgt auf dieses Selbstgespräch ein Donnerwetter, eine Warnung, die es in sich hat. Gott meldet sich zu Wort und schaltet sich ein. Kurz nach seinen Überlegungen wird ihm ein Strich durch die Rechnung gemacht. Der Tod soll ihn ereilen! Ist das gerecht?

Hat er diese Strafe verdient?

Von der Biografie des Kornbauers wissen wir ja nichts. Wie hat er sich ansonsten verhalten, war er sozial engagiert oder ein Raffzahn, der auf Kosten anderer gelebt hat? Gönnte er anderen Menschen nichts oder war er ansonsten großzügig. Die deutliche Kritik wird nur an diesem einem Punkt (den wir gehört haben) festgemacht und mit Konsequenzen belegt, dass wir sagen könnten, das hat der Kornbauer ja nun auch nicht verdient. Der Knackpunkt in diesem Gleichnis gilt nicht nur dem Kornbauern, sondern allen, die dieses Gleichnis lesen.

Wie feiere ich mein Erntedankfest? Und da gibt es ein Kontrastprogramm, wie ich ein solches Fest begehen kann. In der früheren DDR wurde das Erntedankfest von dem Slogan begleitet: „Ohne Gott und Sonnenschein fahren wir die Ernte ein“. Und an anderen landwirtschaftlichen Betrieben sehe ich Bibelworte an Scheunen und Bauernhäusern. Da scheint es noch einen zu geben, der mitwirkt, Gott. Im letzten Jahr habe ich Verwandte in Niedersachsen besucht, die bis heute Landwirtschaft betreiben.

An einem Haus bin ich stehen geblieben. Während ich ansonsten kurze Bibelworte an Scheunen und Häusern sah, stand dort geschrieben: Nichts gehört dir! Und dann „Das Haus ist mein und doch nicht mein. Beim Nächsten wird es auch so sein. Dem Dritten wird es übergeben. Der Vierte wird nicht ewig leben. Den Fünften trägt man auch heraus. Nun frag ich, wem gehört das Haus.

So ähnlich klingt der Dialog, den Gott mit dem Kornbauern führt. Du Narr, so spricht er ihn an. Was gehört dir eigentlich? Ruft er ihm zu. Gott kommt in seinem Selbstgespräch nicht vor. Hätte er nicht Grund genug zur Dankbarkeit gehabt? Irgendwie kommt Gott nicht mehr in seiner Planung vor. Er will bauen und alles Einlagern und damit seine Zukunft verbringen. Sein Kopf ist jetzt voller Überlegungen. Wie groß baue ich meine Scheunen, mit wem setze ich das Projekt um, wie viel Budget stelle ich zur Verfügung.
Mit diesem Zukunftsplan, den er gedanklich durchspielt, will er seiner Seele Ruhe verschaffen. Die Seele, so sagt er zu sich, soll Ruhe finden und guten Mut. Im Moment ist das für ihn noch nicht möglich. Erst müssen die Projekte umgesetzt werden, dann findet er seinen Frieden. Vielleicht verkennt er eine große Gefahr dabei, die er übersieht und die wir immer wieder erleben. Meist findet auch dann die Seele keine Ruhe und keinen Frieden, obwohl nun alles eingelagert ist und die Scheune fertig gebaut wurde.
Neue Ziele müssen her und eine so große Ernte, die kann ja auch noch einmal übertroffen werden. Das muss ja nicht das Ende sein. Dann müssen halt noch größere Scheunen gebaut werden. Immer werden neue Ziele gesteckt und diese müssen erreicht werden, egal wie. Die Erntebilanz von heute wird zur Kenntnis genommen und es wird weiter geplant.
Jesus weiß um die Gefahren, wenn Menschen alles selbst in die Hand nehmen wollen. Er weiß um die Gefahren, dass Scheunen, die gebaut werden, plötzlich viel größer sind als Gott. Er weiß, dass viele Jäger auf der Suche nach Ruhe und Gelassenheit schon längst gejagte sind, die immer neue Ziele brauchen, weil das, was war, nicht mehr reicht. Der Reichtum kann zu einer Sucht werden, die einem die Ruhe raubt. Wie erschrocken muss der Kornbauer jetzt sein. Die ganze Energie und Lebenskraft wollte er einsetzen, um seinen Besitz zu mehren und zu schützen.

Jetzt tritt ein anderer auf den Plan. Gott spricht zu ihm und zu uns. Jesus erzählt uns, wie wir es nicht machen sollen. Wir sollen nichts vertagen oder verschieben auf die Zukunft. Ihr könnt jeden Tag leben. Hätte dem Kornbauern aus unserem Gleichnis etwas anders gutgetan? Vielleicht hätte er sein Selbstgespräch so geführt: Ich danke dir Gott, dass du mich so reich gesegnet hast. Hilf mir, mein Herz nicht daran zu hängen, sondern dich dahinter zu sehen, als den Geber aller Gaben. Da klingen andere Worte durch.

Ich bin froh, dass wir in unserer Gemeinde heute Erntedankfest feiern und ich diesen Text höre. Wir feiern dieses Fest in Dankbarkeit, dass Gott unser Leben beschenkt und wir geben etwas von dieser Dankbarkeit weiter, dass andere etwas davon bekommen. So wird Erntedank ein Fest!
Das kann meiner Seele guttun. Sie lebt nicht von den Gütern allein, die da sind oder die eingelagert werden sollen. Die Seele isst kein Korn und Goldmünzen kann sie nicht verdauen. Sie lebt von der Großzügigkeit, von der Freude mit anderen Menschen, von Güte und Barmherzigkeit. So kann eine Seele Ruhe finden. Und wenn ich das nächste Mal ein Selbstgespräch beginne und anfange, große Scheunen zu bauen, dann wünsche ich mir, dass Gott zu mir spricht und er mich an die Botschaft von heute erinnert und ich dann zu mir sage: Danke Gott. Jetzt möchte ich nicht nur an mich denken. Lass mich teilen mit anderen. Dass ich die Menschen sehe, denen ich etwas Gutes tun kann. Dass ich nicht nur für die Zukunft plane, sondern, dass ich auch heute für alles dankbar bin.

So klingt ein Selbstgespräch mit fünf Ichs dann plötzlich ganz anders. Amen!

Und der Friede Gottes, der größer ist als alle menschliche Vernunft, der behüte und bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.



Fürbitten

Jesus lehrt uns beten: „Unser tägliches Brot gib uns heute!“
Viele Menschen haben zu wenig oder gar nichts zu essen. Bei uns werden Lebensmittel noch immer vernichtet.
Guter Gott, hilf denen, die im Überfluss leben, mit den Hungernden zu teilen.

Viele Menschen verschmutzen oder missbrauchen die Natur. Sie werfen Müll einfach weg, leiten Abwässer in die Meere und beuten die Rohstoffe aus.
Guter Gott, hilf den Verantwortlichen in der Wirtschaft und Politik zu einem schonenden Umgang mit deiner Schöpfung.

Viele Menschen arbeiten, damit wir täglich unser Brot essen können: Die Landwirte, die Bäckereien und viele andere. Guter Gott, lass uns dankbar sein für die Arbeit, die andere für uns tun.
Viele Menschen geraten in Sünde und Schuld und wissen keinen Ausweg.
Guter Gott, erbarme dich aller, die sich zu dir wenden und bei dir ihre Zuflucht suchen.

Viele Menschen sind krank, auch in unserer Gemeinde.
Guter Gott tröste, stärke und heile sie.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.

Amen.