Epiphanias - 03. Januar 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrer Martin Schwerdtfeger - Lektor und Lektorin: Helmuth Gerisch und Negin Sabahi

„Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon.“

Mit diesen Worten zum Epiphaniasfest aus dem ersten Johannesbrief (2,8b) begrüße ich Sie zum Gottesdienst. Noch einmal erfüllt weihnachtlicher Glanz unser Zusammensein. Licht, das wir so nötig brauchen, wo doch vielerorts Dunkelheit um sich greift. Licht, das wir brauchen, um nicht in die Irre zu gehen. In unserem Miteinander und in seinem Wort schenkt uns Gott Licht und Segen, Hoffnung und Zuversicht: Wir sind nicht verloren, wir sind gerettet.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 72

Gott, gib dein Recht dem König

und deine Gerechtigkeit dem Königssohn,

dass er dein Volk richte in Gerechtigkeit

und deine Elenden nach dem Recht.

Lass die Berge Frieden bringen für das Volk

und die Hügel Gerechtigkeit.

Die Könige von Tarsis und auf den Inseln

sollen Geschenke bringen,

die Könige aus Saba und Seba sollen Gaben senden.

Alle Könige sollen vor ihm niederfallen

und alle Völker ihm dienen.

Denn er wird den Armen erretten, der um Hilfe schreit,

und den Elenden, der keinen Helfer hat.

Und durch ihn sollen gesegnet sein alle Völker,

und sie werden ihn preisen.

Gelobt sei Gott der Herr, der Gott Israels,

der allein Wunder tut!

Gelobt sei sein herrlicher Name ewiglich,

und alle Lande sollen seiner Ehre voll werden!

Amen! Amen!

Lesung Matthäus 2, 1-12

Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten.

Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten: »Und du, Bethlehem im Lande Juda, bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.«

Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr’s findet, so sagt mir’s wieder, dass auch ich komme und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Und da ihnen im Traum befohlen wurde, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem andern Weg wieder in ihr Land.

Wir beten:

Barmherziger Gott, durch deinen Sohn bringst du Licht auf unsere Wege. Du sendest uns Zeichen deiner Gegenwart; Sterne, die uns zu dir hinführen. Leuchte uns, wenn wir blind vor Sorgen zu stolpern drohen. Lass uns deine Zeichen richtig deuten, damit wir nicht in die Irre gehen, sondern hinfinden zu dir. Stärke uns durch deine Helligkeit und Wärme, wenn wir müde sind und nicht weiter wollen. Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Bruder. Amen.

Predigt

Epiphanias – drei Menschen sind auf der Suche. Drei Menschen mit einer Sehnsucht, die so groß ist, dass sie ins Unbekannte aufbrechen. Wir wissen nichts über ihr Leben, aber eins steht fest: Mag ihr Leben noch so prächtig gewesen sein – etwas fehlte, es war nicht komplett.

Diese Lücke, diese Sehnsucht war so spürbar, dass sie sich dafür auf einen weiten Weg gemacht haben – vom Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris durch die Wüste bis nah ans Mittelmeer.

Das, was sie suchten, war ihnen wichtiger als alles, was sie in ihrem Leben schon gefunden hatten. Und sie waren voller Hoffnung, das Gesuchte auch zu finden; die Hoffnung erstrahlte vor ihnen wie ein Stern und erhellte ihren Weg.

Sie kannten sich mit Astronomie aus und folgten dem Stern, den sie schon in der Heimat gesehen hatten. Dennoch gingen sie für einen Moment in die Irre. Ließen sich in die Irre führen von ihrer Vorstellung, ein König müsse in der Hauptstadt, in einem Palast geboren sein. Ein Irrtum, der König Herodes auf die Geburt Jesu aufmerksam machte – mit fatalen Folgen.

Die Schriftgelehrten brachten die Könige wieder auf den rechten Weg. Mit den heiligen Schriften hatten sie alles zur Orientierung in der Hand. Dieser Stelle im Evangelium haftet etwas Tragisches an: Die Schriftgelehrten wussten um den Messias, sie wussten um den Ort seiner Geburt, doch all ihr Wissen machte ihnen keine Beine, brachte sie nicht auf den Weg. Die Erzählung von den Weisen aus dem Morgenland ist eine Geschichte von Orientierung und Desorientierung.

 

Davor, die Orientierung zu verlieren, fürchten sich viele Menschen, gerade am Anfang dieses neuen Jahres. Was ist, wenn der Lebensrahmen nicht mehr reicht, wenn ich aus der gewohnten Lebensbahn geworfen werde? Durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit oder das Scheitern einer Beziehung? Was ist, wenn ich mich im Leben nicht mehr zurechtfinde – sei es durch mein Alter oder weil alles immer komplizierter wird und schneller?

Gerade im vergangenen Jahr haben viele Menschen ihren vertrauten Bezugsrahmen verloren: Weil sie oder geliebte Menschen krank wurden; weil der Arbeitsplatz verloren gegangen ist; weil eine Ausbildung nicht begonnen werden konnte. In Bezug auf Kinder und Jugendliche sprechen Kinderschutzexperten von einer „verlorenen Generation“. Ich glaube, wir fühlten (und fühlen) uns alle ein wenig verloren, weil vieles nicht mehr galt oder möglich war, was unser Leben ausmachte: körperliche Nähe, Gemeinschaft, Gottesdienst. In einer Krise kann ich schnell die Orientierung verlieren. Es stellt sich dann die Frage: Bei was – oder besser: bei wem – finde ich Orientierung?

Eine Antwort gibt die Erzählung von den drei Weisen, die einem Stern folgten. Eine andere Antwort gab rund fünfhundert Jahre früher der Prophet Jesaja dem Volk Israel, das – zurückgekehrt aus dem Babylonischen Exil – mit dem zerstörten Jerusalem und mit Streitigkeiten zwischen Daheimgebliebenen und Heimkehrern konfrontiert wird. In die aufbrechende Resignation und Mutlosigkeit schreibt der Prophet im 60. Kapitel:

 

Jesaja 60,1-6

Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir! Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und die Völker werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.

Hebe deine Augen auf und sieh umher: Diese alle sind versammelt, kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen und deine Töchter auf dem Arm hergetragen werden. Dann wirst du es sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird erbeben und weit werden, wenn sich die Schätze der Völker am Meer zu dir kehren und der Reichtum der Völker zu dir kommt. Denn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die jungen Kamele aus Midian und Efa. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen. Alle Herden von Kedar sollen zu dir gebracht werden, und die Widder Nebajots sollen dir dienen. Sie sollen als ein wohlgefälliges Opfer auf meinen Altar kommen; denn ich will das Haus meiner Herrlichkeit zieren.

 

Diese Verse stammen aus dem dritten Teil des Buches Jesaja. Es richtet sich um 520 vor Christus an die aus dem Exil heimgekehrten Juden. Für uns hört sich „Heimkehr“ positiv an, doch die Situation in der Heimat war alles andere als gut. Der Tempel in Jerusalem war zerstört, die Stadtmauern geschleift, es kam zu Auseinandersetzungen mit der im Land verbliebenen Bevölkerung – auch aufgrund von Versorgungsengpässen bei Nahrungsmitteln und Wohnraum. Also keine rosige Situation. Hier hinein spricht Jesaja die Worte über die zukünftige Herrlichkeit Zions.

Licht, Glanz, Strahlen – der Prophet weissagt mit starken, lebendigen Worten. Man kann sich das Leuchten vorstellen – auch auf seinem Gesicht. Zukünftiges Licht, das schon heute die Dunkelheit erhellt. Ein Strahlen, das ein Lächeln auf die Lippen zaubern kann. Denn das, was der Prophet großartig beschreibt, steht noch aus, darauf dürfen wir uns freuen. Wir leben im Advent der neuen Welt Gottes, seines kommenden Reiches, dessen Beginn die Weisen gesucht und im Stall von Bethlehem gefunden haben.

Dass dieses Licht auch über uns aufstrahlt, ist so wichtig, wenn um uns herum vieles im Dunkel ist. Es ist schon sichtbar geworden – mit der Menschwerdung Gottes in Jesus, mit seinem Reden und Handeln hier auf der Erde, auch mit seinem Leiden und Sterben, weil er in der Auferstehung den Tod überwunden hat. Wir sind mitten in der Heilsgeschichte, von der Jesaja spricht.

Und doch sind wir noch auf dem Weg. Wir leben hier und jetzt. Am Ende der Weihnachtszeit. Der Alltag wird wieder beginnen. Anders als in früheren Jahren sind wir unsicher, worauf wir uns in der nächsten Zeit einstellen können. Wie lange müssen wir warten, bis ein einigermaßen normales Leben wieder möglich wird?

Wir können nicht im Glanz von Weihnachten bleiben. Genauso wenig wie die Weisen an der Krippe bleiben konnten. Sie kehren heim. Zurück in ihren Alltag. Aber sie kehren anders heim, als sie aufgebrochen sind. Die Weisen werden erzählen von dem, was sie erlebt haben und wer ihnen wie begegnet ist: Gott in einem Kind. Aufgebrochen sind sie mit dem Stern vor Augen, einem großen kosmischen Zeichen; sie kehren heim mit dem Blick für das Kleine, das vermeintlich Unbedeutende; sie kehren heim mit einem Kind in ihrem Herzen.

 

Und wir? Kehren wir verändert zurück? Wird das Weihnachtsfest Spuren hinterlassen? Oder ist alles so wie vorher – oder sogar schwieriger?

Wir können von den Weisen lernen: Innerlich aufbrechen und uns auf das Unerwartete einlassen; Gottes Zeichen deuten, sein Wort zur Orientierung nehmen; im Kleinen das Große entdecken. Gott anbeten, ihm alles sagen, Klage und Dank, und ihm unsere Gaben anvertrauen: die Talente, die wir in die Gemeinschaft einbringen können, unsere Achtsamkeit und Fantasie und unsere Zeit.

Mache dich auf, werde licht! Lassen wir sein Licht leuchten!

Wir können etwas davon widerspiegeln im Vertrauen darauf, dass es Gott ist, der es in der Dunkelheit hell macht. Ohne ihn wären die Weisen nie zur Krippe gelangt, ohne ihn hätten sie in dem Kind nicht den Mensch gewordenen Gott entdeckt, ohne ihn müssen auch wir nicht in den Alltag zurück. Amen.

Fürbitten

Barmherziger Gott, du hast die Weisen aus dem Morgenland durch den Stern zur Krippe geführt und ihnen deinen Sohn offenbart. Sie haben ihm kostbare Geschenke gebracht.

Wir dürfen heute unsere Sorgen und Ängste mit zur Krippe bringen:

 

Wir bringen zur Krippe die Sorge um unsere Kirche. Nimm Kleinglauben und Verwirrungen von uns und stärke uns durch den Glauben, dass du der Herr der Kirche bist und sie nicht allein lässt.

 

Wir bringen zur Krippe die Not der Menschen in Armut und Hunger, auf der Flucht und in Obdachlosigkeit – und die Not aller, die unter Gewalt leiden.

 

Wir bringen zur Krippe die Menschen in unserer Nähe, die in Not geraten sind, die um ihren Arbeitsplatz fürchten oder keine Lehrstelle finden, die in der Schule nicht mitkommen, deren Beziehungen auseinander brechen.

 

Wir bringen zur Krippe die Menschen, die gestorben sind, die kranken und die alten Menschen, die Trauernden und die Einsamen und die, die Angst vor dem Leben haben.

 

Wir bringen zur Krippe die Menschen, die zweifeln. Die dich suchen und die dich nicht finden, weil sie das Vertrauen in dich und in die Kirche verloren haben. Wir bringen aber auch die, die dich nicht suchen, weil sie meinen, ohne dich durchs Leben gehen zu können.

 

Zuletzt bringen wir uns selbst zur Krippe. Wenn wir nicht weiterwissen, wenn wir Angst haben vor dem Weg in den Alltag.

 

Barmherziger Gott, an der Krippe deines Sohnes bitten wir dich, weil wir wissen: Du bist Mensch geworden in deinem Sohn Jesus Christus, unserem Bruder.

Amen.

 

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich!

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Der Herr hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden. Amen.