Drittletzter Sonntag d. Kirchenjahres - 08. November 2020

Gottesdienst aus der Stephanuskirche mit Prädikant Markus Wessel - Lektorin: Sabine Gördes

Wochenspruch

Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen. (Matthäus 5,9)

Musik zum Eingang

Aus meines Herzens Grunde - Bearb: Joh. Christoph Bach

Interpretin: Dr. Birgit Kordt

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters
und des Sohnes
und des Heiligen Geistes.

Gemeinde:             Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, ...
Gemeinde:             ... der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 85, 9-14

Könnte ich doch hören, was Gott der Herr redet,
dass er Frieden zusagte seinem Volk
und seinen Heiligen,
auf dass sie nicht in Torheit geraten.

Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten,
dass in unserm Lande Ehre wohne ;

dass Güte und Treue einander begegnen,
Gerechtigkeit und Friede sich küssen ;

dass Treue auf der Erde wachse
und Gerechtigkeit vom Himmel schaue ;

dass uns auch der Herr Gutes tue
und unser Land seine Frucht gebe ;

dass Gerechtigkeit vor ihm her gehe
und seinen Schritten folge

[gesprochen:] Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Kyriegebet

Wir schauen unsrer Vergänglichkeit
nicht gern in die Augen,
sondern halten uns für mächtig und groß.
Wir geben uns unverletzlich und stark
und spüren doch, dass wir es nicht sind.
Wir bitten um dein Erbarmen.

[Orgel] Kyrie eleison.

Gnadenzuspruch

Die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christus Jesus,
unserm Herrn (Röm 6,23b).

[Orgel] Ehre sei Gott in der Höhe

Tagesgebet

Du Gott in unsrer Mitte, fern und nah zugleich,
unser Leben ist von dir umfangen
und im Sterben fängst du uns auf.
Stell uns dein Reich vor Augen,
damit wir mit Freuden darauf zugehen.
Lass deine neue Welt unser Leben
und Handeln bestimmen.
Das bitten wir durch Jesus,
der uns den Weg zu dir öffnet,
heute und allezeit.

Lesung aus dem Lukasevangelium (17, 20-24)

Die Pharisäer fragten Jesus:
»Wann kommt das Reich Gottes?«

Jesus antwortete ihnen:
»Das Reich Gottes kommt nicht so,
dass man es an äußeren Anzeichen erkennen kann.
Man wird auch nicht sagen:
›Schau her, hier ist es!‹
Oder: ›Dort ist es!<
‹Denn seht doch: Das Reich Gottes ist schon da –mitten unter euch.«
Dann sagte Jesus zu den Jüngern:
»Es werden besondere Tage kommen:
Dann werdet ihr euch danach sehnen,
einen einzigen Tag
unter der Herrschaft des Menschensohns zu erleben –
aber ihr werdet ihn nicht erleben.
Die Leute werden zu euch sagen:
›Seht doch, dort!‹,
oder: ›Seht doch, hier!‹
Dann geht nicht hin, lauft ihnen nicht nach.
Denn wenn der Menschensohn an seinem Tag kommt,
wird es sein wie bei einem Blitz:
Unübersehbar leuchtet er auf
vom einen Ende des Himmels bis zum anderen.«

Predigt „Leben als Kinder des Lichts“

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

[Gemeinde: Amen.]

Paulus schreibt an die Gemeinde in Thessaloniki:

Nun zu der Frage nach den Zeiten und Fristen, wann das geschieht: Brüder und Schwestern, eigentlich brauche ich euch dazu nichts zu schreiben. Denn ihr wisst selbst ganz genau: Der Tag des Herrn kommt unerwartet wie ein Dieb in der Nacht. Gerade sagen die Leute noch: »Wir leben in Frieden und Sicherheit!« Da wird das Verderben ganz plötzlich über sie hereinbrechen –so wie bei einer schwangeren Frau plötzlich die Wehen einsetzen. Dann gibt es kein Entkommen.

Brüder und Schwestern!

Ihr lebt nicht im Dunkel. Deshalb wird der Tag des Herrn euch nicht überraschen wie ein Dieb. Denn ihr seid alle Kinder des Lichts und Kinder des Tages. Wir gehören nicht zum Bereich der Nacht oder der Dunkelheit. Wir wollen also nicht schlafen wie die anderen. Wir wollen vielmehr wach und nüchtern sein! Hellwach sein.

Ein Text, liebe Gemeinde, aus - wenn man so will - dem jüngsten überlieferten Brief, den wir haben. Ungefähr 50 nach Christi Geburt wurde dieser Brief an die Thessalonicher aufgeschrieben. Thessalonich, das war eine Gemeinde, die der Apostel Paulus mit seinem Freund Timotheus gegründet hatte. Am Anfang waren das nicht viele Menschen, aber sie waren begeistert bei der Geschichte dabei. Und da musste der Apostel schnell wieder zurück nach Athen, musste sie dort verlassen, hörte aber von einigen Dingen, die wohl noch nicht klar waren, und schrieb diesen Brief und gab ihn dann Timotheus wieder mit, der ihn dort ablieferte, und von da an wurden solche Schriften in den Gottesdiensten auch verlesen. Man sollte sich danach richten.

Der Apostel hat diese Gemeinde auf sein Herz genommen und betet für sie und hört, da geht einiges durcheinander. Und nun sorgt er sich. Und schreibt diesen Brief. Oder diese Zusammenfassung - wie, als wenn man noch dem lieben Menschen schnell beim Abschied ein paar Worte mit auf den Weg gibt. Es ist ja alles schon gesagt gewesen, aber während man sich verabschiedet, am Bahnsteig oder beim Auto, da ruft man schnell noch hinterher: "Aber denk an dich! Pass aber auf dich auf! Und lass mal bald wieder von dir hören." Und so weiter. "Wir sind doch interessiert daran, wie es dir geht."

„Lebt als Kinder des Lichts.“, sagt Paulus. Licht sein, leben im Licht Gottes, das ist das Pauluswort, das mich trifft.

Ich erinnere mich an ein Lied, das mich in meiner Jugend sehr bewegt hat. Im Refrain heißt es:

Lasst uns nicht länger schweigen,
Dort, wo die Hoffnung fehlt
Durch uns will Gott es zeigen:
Er allein ist das Licht dieser Welt

Ein Wort, das mich be-trifft. „Lebe als Kind des Lichts.“ Bin ich wirklich bereit dazu? Leben als Licht Gottes, sichtbar sein, das macht mich vielleicht besonders angreifbar.

Ich lese in den Zeilen des Paulus vielmehr, dass wir unsere Fähigkeit entdecken sollen, etwas von Gottes Licht auszustrahlen. Hier und jetzt sollen wir die Welt heller machen. Licht ist ein Bild für Hoffnung. Hoffnung darauf, dass nichts verloren ist. Es ermutigt, in allem Gottes Wirken zu suchen. Es hilft, in trostloser Zeit zu trösten, schwere Zeiten leichter zu machen, in liebloser Zeit zu lieben.

Licht sein. Gerade in dieser immer dunkler werdenden Jahreszeit und in der dunkler scheinenden Zukunft.

Als Kinder des Lichts sind wir gewissermaßen als Spiegelbild Gottes unterwegs. Als Kraftspender*innen, als Helfer*innen. Als Aussprecher*innen dessen, was aus Liebe gesagt werden muss.

Lasst uns nicht länger schweigen
Dort, wo die Hoffnung fehlt
Durch uns will Gott es zeigen:
Er allein ist das Licht dieser Welt.

Als Ausstrahler und Ausstrahlerinnen von Gottes Liebe als seine Spiegelbilder sind wir Licht für Andere. Gerade in trostlosen Zeiten können wir Gott in die Gegenwart bringen.

Auf diese Gegenwart verpflichtet Paulus die Gemeinde. Nicht nur auf das Jenseits hoffen, sondern das Hier und Jetzt annehmen. Die Begegnung mit Gott nicht in die Ewigkeit verschieben.

Gleichgültig, ob Gottes Tag heute, morgen oder irgendwann kommt – wir sollen und wollen heute so leben, dass wir ihm jederzeit begegnen können.

Hanns Dieter Hüsch hat oft davon erzählt, wie er Gott getroffen hat – am liebsten in Dinslaken. Einmal habe ihn dort der liebe Gott mit in den Himmel genommen – und zwar auf dem Fahrrad.

„Als der liebe Gott mich aus dem Himmel wieder nach Dinslaken mit dem Fahrrad zurück gebracht hatte – ich durfte vorne auf der Lenkstange sitzen – nicht wahr. Auf der Hälfte der Tour  fragte er mich ganz plötzlich: Sag mal, willst du einen Heiligenschein? Also, ich war so verdutzt, dass ich überhaupt keine Antwort raus bekam. Und dann sagte er noch: Ja, ich habe neulich im Himmel ein bisschen aufgeräumt und bei der Gelegenheit auch eine Menge Heiligenscheine ausgemistet. Die zum Teil, ja zum Teil schon verrostet waren oder einfach zu klein oder eingegangen waren. Oder auch völlig verbogen. Mindestens tausend Stück habe ich weggeworfen. Tausend Stück ich allein schon. Ich weiß nicht, wie viele der Petrus noch aussortiert hat. Wir müssen die Dinger wegwerfen, denn so viel Platz haben wir demnächst im Himmel auch nicht mehr. Und da habe ich mir gedacht, ich nehme ein paar zum Anprobieren mit. Hinten auf den Gepäckträger, da habe ich die drauf getan. Es sind so fünfzehn Stück. Du suchst dir einen aus. Du hast ihn dir zwar nicht verdient, aber er wird dir ganz gut stehen.

…“

So wünsche ich es mir und uns: Dass wir aus der Begegnung mit Gott – wo auch immer – mit einem kleinen Heiligenschein herauskommen - ein wenig leuchten.

Verdient haben wir das vielleicht nicht aber - er wird uns ganz gut stehen.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

Fürbittengebet

Dich, unsern Gott, rufen wir an.
Du hast uns deine Nähe verheißen.
Darum bitten wir für alle, die einsam
und verzweifelt sind.
Wir bitten für alle, die haltlos sind und keinen haben,
der sie berät.

Du hast uns deine Hilfe verheißen.
Darum bitten wir für alle, die hilfl os sind,
weil sie alt oder krank sind,
weil sie nicht genug zu essen haben,
weil sie in schrecklichen Verhältnissen leben.

Du hast uns deine Liebe verheißen.
Darum bitten wir für alle,
die besonders liebebedürftig sind:
Kinder und Jugendliche und Menschen, die trauern.

Du hast uns deine Freude verheißen.
Darum bitten wir für alle, die Freude geben und teilen:
Erzieherinnen in Kindertagesstätten,
Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen,
Mütter und Väter.

Du hast uns dein Wort verheißen.
Darum bitten wir für alle, die dein Wort weitertragen
in unsern Gemeinden und in der Schule
und in der Öffentlichkeit durch ein glaubwürdiges
christliches Leben.

Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich!

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Der Herr hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden. Amen.

Musik zum Ausgang

Meditation on a Spiritual - Mark L. Williams

Interpretin: Dr. Birgit Kordt