Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres - 07. November 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Prädikant Matthias Mladek - Lektorin: Britta Hermes

Gedenkt an eure Lehrer, die euch das Wort gesagt haben; ihr Ende schaut an und folgt ihrem Glauben nach. (Hebr. 13, 7)

Mit diesem Vers aus dem Hebräerbrief werden wir aufgefordert, uns besonderer Menschen, besonderer Glaubenszeugen zu erinnern.

Auch das Evangelium schließt das Gedächtnis der durch Gott Geheiligten nicht aus, wenn Jesus über Maria Magdalena, die ihn in Bethanien salbt, sagt:

Wo dieses Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat. (Mt. 26, 13)

 

Unsere katholischen Glaubensgeschwister haben in dieser Woche ihren entsprechenden Gedenktag gefeiert:

Allerheiligen.

Am Donnerstag steht ein weiterer Gedenktag für ein Vorbild im Glauben im liturgischen Kalender:

der Martinstag.

Wir sind aktuell am Kuhlerkamp Gast unserer katholischen Glaubensgeschwister, da die Heizung für unsere Stephanuskirche seit dem Hochwasser zerstört ist.

Alles zusammen gute Gründe, den heutigen Gottesdienst mit den vorgesehenen Texten dieser beiden Gedenktage zu feiern.

Herzlich willkommen, seien Sie gegrüßt.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Wir beten mit Worten aus Psalm 150

Halleluja! Lobet Gott in seinem Heiligtum,

lobet ihn in der Feste seiner Macht!

     Lobet ihn für seine Taten,

     lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit!

Lobet ihn mit Posaunen,

lobet ihn mit Psalter und Harfen!

     Lobet ihn mit Pauken und Reigen,

     lobet ihn mit Saiten und Pfeifen!

Lobet ihn mit hellen Zimbeln,

lobet ihn mit klingenden Zimbeln!

     Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!

     Halleluja!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Tagesgebet

Wir beten:

Herr, mach uns stark im Mut, der dich bekennt,

daß unser Licht vor allen Menschen brennt!

Laß uns dich schaun im ewigen Advent!

Herr, mach uns stark im Mut, der dich bekennt,

Mit allen Heilgen beten wir dich an.

Sie gingen auf dem Glaubensweg voran

und ruhn in dir, der unsern Sieg gewann!

Dich loben und preisen wir von nun an bis in Ewigkeit

Amen.

Predigt

Gnade sei mit Euch und Friede, von dem der da ist, der da war und der da kommt. Amen

 

Liebe Gemeinde,

 

Wer war eigentlich Sankt Martin?

Wie ist sie, die Geschichte dieses Heiligen?

Und warum kann es gut sein, sich an Vorbildern, an Glaubenszeugen zu erinnern?

Im Wesentlichen wollen wir uns heute mit diesen drei Fragen beschäftigen. Und darüber hinaus werden wir einen Bibeltext hören, eine kurze Aufforderung aus dem 2. Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth, die nicht ohne Grund als Predigttext für den Gedenktag des Martin von Tours vorgesehen ist...

Martin wurde um das Jahr 316 in Savaria, im heutigen Ungarn, als Sohn eines heidnischen römischen Militärtribuns geboren. Mit dem Christentum kam er in Pavia in Kontakt, der oberitalienischen Heimatstadt seines Vaters.

Im Alter von 10 Jahren wurde Martin in die Gruppe der Katechumenen, der Taufbewerber, aufgenommen. Martins Lebensweg war maßgeblich durch seine Abstammung vorbestimmt.

Woher wir kommen, wie wir erzogen und aufgewachsen sind, prägt uns. Ich selbst, Kind eines fleißigen, bodenständigen Fabrikarbeiters, der über 40 Jahre alle Kraft und allen Einsatz für die Firma und das Familieneinkommen eingesetzt hat.

Sohn einer lieben Mutter, die sich gekümmert hat, die uns begleitet, ermutigt und gefördert hat. Die uns bestärkt hat, unsere Wege zu gehen, nach unseren Möglichkeiten zu suchen, ohne uns zu überfordern.

Vorbilder die uns geprägt haben.

Mein Bruder und ich, beide bodenständig, beide mit einer soliden Berufsausbildung, beide seit Jahrzehnten mit ihren Arbeitgebern fest verbunden.

Martin war als Sohn eines römischen Offiziers dazu verpflichtet, einen Militärdienst zu leisten. Auf Wunsch des Vaters trat er mit 15 Jahren in eine römische Reiterabteilung ein. Mit seiner Abteilung wurde Martin nach Gallien, dem heutigen Frankreich, beordert, wo das römische Heer gegen die Alemannen kämpfte. In dieser Zeit festigte und vertiefte sich sein christlicher Glaube.

Unmittelbar vor einer Schlacht gegen die Germanen verweigerte Martin, der nun römischer Offizier war, den Dienst an der Waffe. Stattdessen bat er um die Entlassung aus dem Militärdienst und begründete dies damit, dass er nicht länger ein Soldat des römischen Kaisers, sondern von nun an ein Soldat Christi sei.

Doch Kaiser Julian lehnte das Entlassungsgesuch ab – Martin wurde erst 356 nach 25 Jahren im Militärdienst im Alter von 40 Jahren entlassen.

Vorbilder zu haben, Ihnen zu folgen bedeutet nicht, blind zu sein und das eigene Denken auszuschalten. Wie gut und wichtig das ist, lässt Martin sehr früh erkennen. Bereits als junger Soldat hört er auf sein Gewissen und folgt seinem Glauben:

Soldat Christi wollte er sein. Nach Jesu Vorbild leben, in Nächstenliebe nicht im Krieg, seinen Mitmenschen helfen, nicht sie bekämpfen.

Von der- oder demjenigen kann sich so manch einer eine Scheibe abschneiden, wird hier in der Region gesagt, wenn Menschen besondere Vorbilder sind.

Martin von Tours,

Elisabeth von Thüringen,

Nikolaus von Myra

um nur die drei auch uns Evangelischen gut bekannten Glaubenszeugen zu nennen. 

Sie alle in ihrer außergewöhnlichen Nächstenliebe. 

Sie können uns als gute Vorbilder dienen, denn sie alle haben für sich die Worte aus dem 2. Korintherbrief verinnerlicht:

 

Wie ihr aber in allen Stücken reich seid, im Glauben und im Wort und in der Erkenntnis und in allem Eifer und in der Liebe, die wir in euch erweckt haben, so gebt auch reichlich bei dieser Wohltat. 

Nicht als Befehl sage ich das; sondern weil andere so eifrig sind, prüfe ich auch eure Liebe, ob sie echt sei. Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet.

 

Für Paulus bilden der Glaube an Gott und das Teilen eine unzertrennliche Einheit.

Auch aus diesem Grund legen wir in jedem Gottesdienst eine Kollekte zusammen, teilen von dem, was wir haben. Unseren Nächsten zum Nutzen und Gott zur Ehre.

Noch während seiner Zeit beim Militär, wahrscheinlich im Alter von 18 Jahren, wurde Martin von Hilarius, dem späteren Bischof von Poitiers, getauft. Nach seiner Entlassung aus dem Soldatendienst lernte er einige Zeit bei Bischof Hilarius und zog sich dann als Eremit auf eine Insel im Golf von Genua zurück.

Im Jahr 360 kehrte Martin nach Gallien zurück und lebte als Einsiedler in Ligugé in der Nähe von Poitiers. Dort gründetet er 361 die Abtei de Ligugé, das erste Kloster des Abendlandes. Dort wurde er auch zum Priester geweiht.

Martin hat sich zunächst zurückgezogen. Eine Auszeit genommen, wie man heute sagen würde. In seinem Leben, seinem Glauben gab es zu vieles vielleicht, was er aufarbeiten wollte und musste. Ganz sicher fühlte er sich auch schuldig. Als Soldat hatte er sicherlich unzählige Befehle befolgen müssen, die seine Seele als Christenmensch quälen mussten. 

Doch – auch das merkte Martin – im Glauben wachsen, eine Heimat finden, das braucht mehr, als das sich mit sich selbst und mit Gott zu beschäftigen. Unser Glaube als Christenmensch braucht die dritte Dimension, braucht den Kontakt und die Gemeinschaft mit unseren Nächsten, braucht den Austausch und die Beschäftigung mit unsern Glaubensgeschwistern.

Martin gründet ein Kloster, das erste in dem, was wir heute die westliche Welt nennen. Hier leben Christen zusammen, kommen über ihren Glauben ins Gespräch und kümmern sich miteinander um andere.

Bei der Bevölkerung war der asketisch lebende Mönch Martin bekannt und als Ratgeber und Nothelfer geschätzt. Als 371 Bischof Lidorius von Tours starb, wünschten sich die Bürgerinnen und Bürger von Tours Martin als dessen Nachfolger. Der hingegen wollte gar nicht Bischof werden und versteckte sich in einem Gänsestall. Der Legende nach verrieten die schnatternden Gänse das Versteck und Martin wurde 372 zum Bischof von Tours ernannt.

Als Bischof Martin von Tours erlangte er später für seine selbstlosen Wohltaten Berühmtheit. Trotz des hohen Amtes lebte Martin weiterhin in Askese, wofür er von der Bevölkerung verehrt und geachtet wurde.

Während seiner Zeit als Bischof unternahm Martin mehrere Missionsreisen. Am 8. November 397 starb Martin von Tours auf einer seiner Reisen in Candes. Sein Leichnam wurde auf der Loire nach Tours transportiert und am 11. November unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt.

 Das ist es, was gute Vorbilder ausmacht. Sie kommen glaubwürdig und wahrhaftig rüber. Sie predigen nicht Wasser während sie den Wein in sich hinein schütten. Das kann nicht funktionieren.

Und so ist Martin kein wohlgenährter Bischof, in Saus und Braus, nein, er bleibt was er ist: der einfache und bescheidene, von Nächstenliebe gelenkte, Mann des Volkes.

Um das Leben des heiligen Martins ranken sich Legenden und Berichte über gute Taten, die hauptsächlich zu seiner Verehrung beigetragen haben.

Neben der Legende um die schnatternden Gänse ist die Überlieferung der Mantelteilung die wohl bekannteste und beliebteste Martinslegende überhaupt. Sie geht auf die Zeit zurück, in der Martin als Soldat im römischen Heer diente.

Im Jahr 334, mit gerade einmal 18 Jahren, war Martin als Gardeoffizier in Amiens stationiert. Was sich in dieser Zeit zutrug, verbinden wir bis heute mit dem Heiligen St. Martin.

An solchen Beispielen könne wir uns orientieren, ihnen können wir nacheifern.

In jedem Fall aber lohnt es sich, sich ihrer zu erinnern.

 

Liebe Gemeinde,

 

damit haben wir unsere 3 Fragestellungen vom Anfang eigentlich beantwortet:

Wir wissen, wer dieser Martin war, kennen seinen Weg vom Soldaten zum Bischof. Wir haben einiges gehört, was wir uns von ihm „abgucken“ können. Und sind damit auch der Antwort auf die Frage nach dem Sinn dieser Gedenktage ganz nahe gekommen.

Ich persönlich mag diese Gedenktage. Ich erfreue mich an den Geschichten über diese Glaubenszeugen. Ja, ich nehme mir auch immer wieder vor von Ihnen zu lernen. Wie gut mir das gelingt, ist sehr unterschiedlich.

Und bevor wir zum Abschluss noch die Legende von der Mantelteilung hören, wünsche ich mir und uns, dass es uns immer wieder gelingen mag, uns unsere Scheibe von diesen Glaubenszeugen abzuschneiden und damit die Welt in der wir leben ein bescheidenes Stück besser zu machen.

Mitten im bitterkalten Winter traf der Soldat Martin auf einen bettelarmen Mann am Stadttor von Amiens. Der Bettler war der Kälte schutzlos ausgeliefert, er hatte weder Schuhe noch warme Kleidung. Immer wieder bat er die vorbeigehenden Menschen um Hilfe, doch keiner hatte Mitleid mit dem armen Mann.

Da wusste Martin, dass er dem Bettler helfen musste. Außer seinem Soldatenmantel und seinem Schwert trug er jedoch nichts bei sich. Kurzerhand nahm er das Schwert und teilte seinen warmen Mantel mitten entzwei.

Die eine Hälfte gab er dem Bettler, der voller Dankbarkeit über den warmen Mantel war. Martin versuchte, sich in die verbliebene Mantelhälfte zu hüllen. Darüber spotteten die umstehenden Soldaten und verhöhnten Martin wegen seines erbarmungswürdigen Aussehens. Doch Martin kümmerten Spott und Hohn nicht – er wusste, dass er das Richtige getan hatte.

In der folgenden Nacht hatte Martin einen Traum. Jesus Christus erschien ihm und er war in Martins halben Mantel gehüllt.

Er dankte Martin für seine Güte, Selbstlosigkeit und Nächstenliebe und sprach zu den Engeln:

Seht, das ist der noch nicht getaufte Katechumen Martin, der hat mir den Mantel geschenkt und die Liebestat vollbracht.

Martin erkannte Gottes Güte in seiner Tat und ließ sich daraufhin taufen, um seinen Glauben zu bekräftigen.

 

Und der Friede Gottes, höher als all unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Bruder.

Amen.

Fürbitten

Lasst uns Gott danken und Fürbitte halten, wir tun das mit Worten aus der Bergpredigt von Jesus:

Glückselig sind die, die wissen,dass sie vor Gott arm sind. Denn ihnen gehört das Himmelreich.

Guter Gott,

zu Dir können wir kommen, so wie wir sind. Mit unseren Fragen, unseren Zweifeln und unseren Hoffnungen. Wir danken Dir, für Vorbilder im Glauben, an denen wir wachsen können. Für die Gemeinschaft mit anderen Christinnen und Christen, hier bei uns, und in der Partnerschaft nach Indonesien.

Glückselig sind die, die trauern.Denn sie werden getröstet werden.

Guter Gott,

Martin hat viel Leid gesehen, hat als Soldat sicher auch selbst Anlass zur Trauer gegeben. Und dennoch: Sein Glaube hat ihn verändert. Sein Glaube kann uns Orientierung geben. Du bist die Quelle unseres Trostes. Sei bei deinen Menschen.

Glückselig sind die, die von Herzen freundlich sind.Denn sie werden die Erde als Erbe erhalten.

Guter Gott,

Elisabeth von Thürigen hat sich gegen die Worte des mächtigen Fürsten gestellt. Sie hat dem Menschen geholfen, hat sie mit Brot und Nahrung versorgt, obwohl ihr das ausdrücklich verboten war. Ihr Beispiel möge uns lehren, für eine gerechte Verteilung deiner Güter einzustehen und mit anderen zu teilen.

Glückselig sind die, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit.Denn sie werden satt werden.

Guter Gott,

soviel Ungerechtigkeit und Leid herrscht in dieser Welt. Manchmal neigen wir dazu, einfach aufzugeben. Was kann ich schon verändern, sagen wir. Gib uns den Mut des Martin von Tours und die Beharrlichkeit des Nikolaus von Myra. Hilf uns, unsere Stimmen zu erheben und erwecke unser Handeln.

Glückselig sind die, die barmherzig sind.Denn sie werden barmherzig behandelt werden.

Guter Gott,

Lass uns von der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe der frühen Glaubenszeugen lernen.

Und alles, was uns sonst noch bewegt, bringen wir vor Dich,

mit den Worten, die Du selbst uns geschenkt hast:

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn. – Gott sei ewiglich Dank.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und schenke dir Seinen Frieden.

Amen.