Christi Himmelfahrt - 13. Mai 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrer Martin Schwerdtfeger - Lektor: Norbert Frontzeck

Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

Johannes 12, 32

Das hatte Jesus seinen Jüngern angekündigt. Heute feiern wir nun Christi Himmelfahrt. Christus kommt zu seinem Vater im Himmel und er kommt uns ganz neu nah. Denn der Himmel berührt die Erde.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 47

Schlagt froh in die Hände, alle Völker,

und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall!

Denn der Herr, der Allerhöchste, ist zu fürchten,

ein großer König über die ganze Erde.

Er zwingt die Völker unter uns

und Völkerschaften unter unsere Füße.

Er erwählt uns unser Erbteil,

die Herrlichkeit Jakobs, den er liebt.

Gott fährt auf unter Jauchzen,

der Herr beim Schall der Posaune.

Lobsinget, lobsinget Gott,

lobsinget, lobsinget unserm Könige!

Denn Gott ist König über die ganze Erde;

lobsinget ihm mit Psalmen!

Gott ist König über die Völker,

Gott sitzt auf seinem heiligen Thron.

Die Fürsten der Völker sind versammelt

als Volk des Gottes Abrahams;

denn Gott gehören die Schilde auf Erden;

er ist hoch erhaben.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung Epheser 1, 15-23

Ein Schüler des Apostels Paulus schreibt im Epheserbrief im ersten Kapitel:

Ich habe von eurem Glauben an den Herrn Jesus und eurer Liebe zu allen Heiligen gehört. Das ist auch der Grund, weshalb ich unablässig für euch danke.

Das tue ich jedes Mal, wenn ich im Gebet an euch denke. Dann bitte ich den Gott unseres Herrn Jesus Christus, den Vater, von dem alle Herrlichkeit ausgeht:

Er gebe euch den Geist, der euch Weisheit schenkt und Offenbarung zuteilwerden lässt. So könnt ihr Gott erkennen.

Er mache euer Herz einsichtig. Denn ihr sollt wissen, welche Hoffnung mit eurer Berufung verbunden ist. Und ihr sollt erkennen, welche Fülle an Herrlichkeit zu seinem Erbe für die Heiligen gehört.

Und ihr sollt begreifen, mit welch überwältigend großer Kraft er in uns Glaubenden wirkt. So entspricht es der Macht und Stärke, mit der er sein Werk vollbringt.

Diese Macht ließ er auch an Christus wirksam werden: Er hat ihn von den Toten auferweckt und an seine rechte Seite im Himmel gesetzt.

Dort thront er hoch über Mächten und Gewalten, Kräften und Herrschaftsbereichen. Er herrscht über alle, deren Namen man im Gebet anruft – nicht nur in dieser, sondern auch in der kommenden Zeit.

Alles hat Gott ihm zu Füßen gelegt und ihn zum Haupt über die ganze Gemeinde gemacht. Sie ist sein Leib. So ist sie die ganze Fülle dessen, der alles in allem erfüllt: Christus.

Predigt

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Gemeinde,

vor 60 Jahren, am 12. April 1961 ist der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin als erster Mensch im Weltall gewesen. Mit seinem Raumschiff Wostok 1 hat er die Erde in 108 Minuten umrundet und ist dann wieder gelandet.

Als er aus dem Raumschiff wieder herausgeklettert kam, soll er gesagt haben: Ich bin in den Weltraum geflogen – Gott habe ich dort nicht gesehen. Andere sagen, dass dieses Zitat vom damaligen 1. Parteisekretär der Sowjetunion stammt, Nikita Chruschtschow. Der habe seinen Vorzeigekosmonauten Gagarin dem Zentralkomitee vorgestellt und gesagt: Unser Genosse hier war im Weltall – aber Gott hat er dort nicht gesehen!

Manche dachten: Das ist ja nun der naturwissenschaftliche Beweis: Gott gibt es nicht. Und deshalb ist es einfach unvernünftig, an ihn zu glauben.

Wir können heute darüber schmunzeln – Der Himmel, den wir sehen können, ist nicht das, was Christen mit Himmel meinen. Für Christen ist mit Himmel die Gegenwart Gottes gemeint. Und der Himmel kann überall sein, wo immer Gott uns nah kommt.

Eine Variante der Geschichte über die Folgen dieser ersten bemannten Raumfahrt lässt mich noch einmal schmunzeln:

Gagarin wird nach seiner Rückkehr von Staats- und Parteichef Chruschtschow eingeladen. Man unterhält sich über dies und das. Zuletzt schickt Chruschtschow die KGB-Agenten raus, vergewissert sich, dass die Vorhänge geschlossen und die Mikrofone abgeschaltet sind, und fragt dann: „Und Brüderchen, hast du da oben Gott gesehen?“ – Gagarin antwortet: „Ja, das habe ich.“ – Darauf Chruschtschow: „Oh, das dachte ich mir. Aber hier hast du 10.000 Dollar, und kein Mensch erfährt davon - verstanden!?“

Kurze Zeit später bekommt Gagarin auch eine Privataudienz beim Papst. Am Ende schickt der Papst die Kardinäle raus und fragt: „Mein Sohn, hast du dort oben Gott gesehen?“ – „Nein, das habe ich nicht.“, antwortet Gagarin. – „Oh, das dachte ich mir“, sagt der Papst. Aber hier hast du 10.000 Dollar, und kein Mensch erfährt davon – nicht wahr?!“

Schließlich wird Gagarin vom amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy eingeladen. Kennedy schickt niemanden raus, sondern fragt zwischendurch: „Hast du da oben Gott gesehen?“ – „Ja, das habe ich.“, sagt Gagarin. – „Ah, interessant. Aber es ist mir letztlich egal“, sagt der Präsident, „ich habe genauso viele Wähler, die an Gott glauben, wie welche, die nicht an Gott glauben.“ Juri Gagarin überlegt kurz und sagt dann noch: „Aber – SIE ist schwarz.“


Liebe Gemeinde, unsere Bilder, die wir uns von Gott machen sind immer begrenzt. Sie können ihn – oder sie – gar nicht vollständig beschreiben. Nicht umsonst gehört zur biblischen Fassung der Zehn Gebote das Bilderverbot. Gott ist immer noch ganz anders, als wir ihn uns vorstellen. Und damit wir überhaupt von Gott reden können, muss er – oder sie – sich uns vorstellen.

Für uns Christen ist Jesus von Nazareth das Bild Gottes. Wenn wir auf ihn schauen, entdecken wir Gottes Freundlichkeit und Liebe, sein befreiendes und heilsames Handeln. Jesus weicht Schmerz und Gewalt nicht aus. Lieber hält er die andere Wange hin als zurückzuschlagen. Er liebt, hofft und vertraut. Auf seinem Weg zum Kreuz ist er den Müden, Traurigen und Sterbenden nah.

So entsteht ein Bild von Gott, der selbst die Liebe ist. Der nicht auf seine Macht pocht, sondern mit seinen Geschöpfen leidet und um die Menschen wirbt. Und der an Ostern doch den Tod, die Angst und die Schuld überwindet. Gott weckt den Gekreuzigten auf zu einem neuen Leben und nimmt ihn mit der Himmelfahrt bei sich auf.


Dabei ist mit dem Himmel kein Ort hoch oben über der Erde gemeint. Jesus beginnt sein Wirken mit dem Satz: „Der Himmel ist nahe herbeigekommen.“ Der Himmel ist da, wo Gottes Wirklichkeit sich mit unserer berührt.

Und die Wolke ist nicht der Fahrstuhl in den Himmel über uns. Vielmehr steht sie dafür, dass auch wenn Gott uns in Christus ganz nah kommt, er – oder sie – doch unfassbar bleibt. Etwas flapsig ausgedrückt: Den „lieben Gott“ haben wir nicht in der Tasche.


Der Gott Jesu ist sanftmütig und wirkt durch seine Liebe und seine Schwachheit. Der Epheserbrief sagt:

Er gebe euch den Geist, der euch Weisheit schenkt und Offenbarung zuteilwerden lässt. So könnt ihr Gott erkennen.

Er mache euer Herz einsichtig. Denn ihr sollt wissen, welche Hoffnung mit eurer Berufung verbunden ist. Und ihr sollt erkennen, welche Fülle an Herrlichkeit zu seinem Erbe für die Heiligen gehört.

Martin Luther übersetzt hier: „Er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens.“ Außer unserer Vernunft brauchen wir auch ein Herz, das fühlt und mitfühlt. Und wenn wir mit den Augen des Herzens schauen, nehmen wir noch einmal ganz anderes wahr. Dann können unsere Augen leuchten und wir begegnen dem Himmel auf Erden, begegnen Gott in unserem Leben. Amen.

Fürbitten

Gott, du bist so unfassbar groß. Staunend blicken wir zu dir und beten dich an. Durch Jesus Christus hast du uns den Auftrag gegeben, in die Welt hinauszugehen, um Frieden zu bringen.

 

Zusammen mit allen Christen auf der Welt sollen wir Botschafter deines Evangeliums sein. Es ist ein so großer Auftrag, Gott. Manchmal haben wir Angst, viel zu schwach und klein zu sein.

Deshalb bitten wir: Gott, erbarme dich!

 

Oft sind wir anderen Menschen dein Wort schuldig geblieben, sind wie Fähnchen im Wind gewesen, wo wir hätten standhaft sein müssen, haben geschwiegen, wo wir mutig hätten reden sollen, sind kleingeistig und eng gewesen, viel zu ängstlich oder bequem.

Deshalb bitten wir: Gott, erbarme dich!

 

Wir denken an alle, die in unwürdigen Verhältnissen leben, deren Rechte missachtet werden, die gequält und gefoltert werden, weil sie für ein Leben in Würde einstehen. Der Einsatz für den Frieden scheint oft so aussichtslos zu sein, Gott. Sorge du dafür, dass es immer wieder Menschen gibt, die mutig dafür einstehen.

Wir bitten: Gott, erbarme dich!

 

Wir denken an alle Menschen, die ganz besonders unser Gebet brauchen: Schenke unseren Politikern Verantwortungsbewusstsein; schenke Liebe und Geduld den Erzieherinnen und Erziehern, den Lehrern und Lehrerinnen, den Pflegenden in Krankenhäusern, Altenheimen und Hospizen.

Wir bitten: Gott, erbarme dich!

 

Wir denken an uns, unsere Gemeinde und unsere katholische Nachbargemeinde: Schenke uns etwas von der Gelassenheit und Freude des Glaubens, die daraus erwächst, dass dir alle Macht im Himmel und auf Erden gehört.

Wir bitten: Gott, erbarme dich!

 

Gott, du bist so unfassbar groß.

Staunend blicken wir zu dir und beten dich an. Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn. – Gott sei ewiglich Dank.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und gebe dir Frieden. Amen.