21. Mai 2020 - Himmelfahrt

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrerin Elke Schwerdtfeger - Lektorin: Britta Hermes

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. Joh 12,32

Mit dem Biblischen Votum aus dem Johannesevangelium grüße ich Sie zum Himmelfahrtstag.

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Der Psalm dieses Sonntages ist der 47. Psalm:

Schlagt froh in die Hände, alle Völker,

und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall!

Denn der Herr, der Allerhöchste, ist zu fürchten,

ein großer König über die ganze Erde.

Er zwingt die Völker unter uns

und Völkerschaften unter unsere Füße.

Er erwählt uns unser Erbteil,

die Herrlichkeit Jakobs, den er liebt.

Gott fährt auf unter Jauchzen,

der Herr beim Schall der Posaune.

Lobsinget, lobsinget Gott,

lobsinget, lobsinget unserm Könige!

Denn Gott ist König über die ganze Erde;

lobsinget ihm mit Psalmen!

Gott ist König über die Völker,

Gott sitzt auf seinem heiligen Thron.

Die Fürsten der Völker sind versammelt

als Volk des Gottes Abrahams;

denn Gott gehören die Schilde auf Erden;

er ist hoch erhaben.

Amen.

Lied zum Himmelsfahrtstag: Jesus Christus herrscht als König [EG 123]

Lesung

Der Predigttext steht bei Johannes im 17. Kapitel (Basisbibel):

Jesus hob seine Augen auf zum Himmel und sprach:

Vater, ich bete nicht nur für die Jünger,

die hier anwesend sind.

Ich bete auch für alle,

die durch ihr Wort zum Glauben an mich kommen.

Der Glaube soll sie zusammenhalten –

so wie du, Vater,

in mir gegenwärtig bist,

und ich in dir.

Der Glaube fügt sie zusammen.

Dann kann diese Welt zum Glauben kommen,

dass du mich gesandt hast.

Ich habe ihnen die Herrlichkeit verliehen,

die du mir geschenkt hast.

Die Herrlichkeit soll sie zusammenhalten,

so wie auch wir untrennbar eins sind.

Ich bin in ihnen gegenwärtig

und du in mir.

Sie sollen untrennbar zusammengehören.

Daran soll diese Welt erkennen:

Du hast mich gesandt,

und du liebst sie,

so wie du mich liebst.

Vater, du hast sie mir anvertraut.

Ich will,

dass sie mit mir dort sein können,

wo ich dann bin.

Sie sollen mich in meiner Herrlichkeit sehen,

die du mir geschenkt hast.

Denn du hast mich schon geliebt,

bevor diese Welt geschaffen wurde.

Gerechter Vater,

diese Welt hat dich nicht erkannt.

Aber ich kenne dich,

und diese haben erkannt,

dass du mich gesandt hast.

Ich habe dich ihnen verkündet

und werde es weiter tun.

Die Liebe, die du mir geschenkt hast,

soll auch sie erfüllen.

So werde ich in ihnen gegenwärtig sein.«

Amen.

Ansprache

„Was steht ihr da und seht gen Himmel?“

Liebe Gemeinde, ich muss immer schmunzeln, wenn ich mir die Situation vorstelle, die Lukas mit diesen Worten in der Apostelgeschichte beschreibt:

Jesus und die Jüngerinnen und Jünger treffen sich auf einem Berg. Jesus sagt ihnen noch einmal, dass er den Heiligen Geist Gottes zu ihnen schicken wird. Dann kommt eine Wolke, nimmt ihn auf – und weg ist er.

Und seine Freunde und Freundinnen stehen mit offenen Mündern da und blicken in die Wolken. Vergeblich.

„Was steht ihr da und seht gen Himmel?“


Jesus, Gott ist manchmal zu schnell für uns. Da kommen wir nicht mit. Weil wir es innerlich nicht möchten. Oder weil wir es uns einfach nicht vorstellen können.

„Wie kann das sein, dass wir jetzt so ganz ohne Jesus auskommen sollen?“, denken seine Begleiterinnen und Begleiter vielleicht.


Dabei hatte Jesus es ihnen angekündigt. Der Evangelist Johannes erzählt, dass Jesus in einer langen Abschiedsrede davon gesprochen hat und er hat für seine Anhänger gebetet.


Jesus betet dabei nicht nur für die Männer und Frauen, die mit ihm durch Galiläer und nach Jerusalem gegangen sind. Ganz ausdrücklich bittet er auch für die, die durch deren Worte, durch ihre Predigten und ihr Handeln zum Glauben kommen. Also auch für uns! Für Sie, für mich, für uns als Gemeinde heute.


Das Zentrale in seinem Gebet ist:

Sie sollen untrennbar zusammengehören.

Daran soll diese Welt erkennen:

Du hast mich gesandt,

und du liebst sie,

so wie du mich liebst.


Noch einmal: Sie sollen untrennbar zusammengehören.

„Sie sollen alle eins sein.“ (Luther 1984)


Untrennbar zusammengehören?! Alle Christen und Kirchen?


  • Katholische, orthodoxe, evangelische, freikirchliche Christinnen und Christen

Untrennbar

  • Christen aus Indonesien, Deutschland, und anderen Ländern Untrennbar

  • Gemeindeglieder die sozusagen Eingeborene Wehringhauser sind, solche mit afrikanischen, asiatischen, persischen Wurzeln und solche Gemeindeglieder, die irgendwann mal hierher gezogen sind Untrennbar

  • Erwachsene und Kinder

Untrennbar


Die Liste ließe sich beliebig verlängern.


Wir alle sollen untrennbar zusammengehören. Und daran soll die Welt erkennen: „Gott, Du hast mich gesandt, und du liebst sie, so wie du mich liebst.“ So betet Jesus.


Er mutet uns eine Menge zu. Mir fällt es sehr leicht, zu benennen, was mich von anderen trennt, was mich an anderen stört, was sie, für mein Empfinden, nicht richtig machen.

Das kommt schneller an die Oberfläche meines Bewusstseins, als das Andre:

Was uns verbindet, als Christinnen und Christen mit verschiedenen Wurzeln und als Kirchen verschiedener Traditionen.


Aber Jesus macht es uns nicht einfach:

Wir alle sollen untrennbar zusammengehören. Und daran soll die Welt erkennen: Gott liebt uns so, wie er Jesus liebt.


Also: Was verbindet uns miteinander?


In der weltweiten Ökumene gibt es einen schönen Ausdruck, um die Gemeinschaft von unterschiedlichen Kirchen zu beschreiben:

Wir Kirchen bilden eine Einheit in Vielfalt.


Das bedeutet:

Wir ALLE glauben an Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Aber: Es geht nicht darum, dass alle Kirchen das gleiche machen, auf die gleiche Art und Weise Gottesdienst feiern, das Abendmahl gestalten, Gemeinde bilden. Das alles darf sehr vielfältig sein. Die unterschiedlichen Traditionen von orthodoxen und freikirchlichen, katholischen und evangelischen Gemeinden sind ein Reichtum unseres Glaubens und kein Nachteil.

Einheit in Vielfalt.


Was nicht passieren darf, ist dass wir uns gegenseitig den Glauben absprechen oder uns bekämpfen.


Einheit in Vielfalt.

So ist es wunderbar, dass wir in gut nachbarschaftlicher Verbundenheit mit den Christen von St. Michael leben und uns gegenseitig helfen. Oft auch ganz praktisch bei Festen und Feiern. Und dass wir uns im Laufe des Jahres mehrfach treffen, zusammen den Gottesdienst zum Weltgebetstag feiern und Schulgottesdienste und vieles mehr.

Und wer lieber klassisch singt, geht in den Kirchenchor St. Michael, und wer Gospel mag, singt bei Paulus. Das ist gut so.

Einheit in Vielfalt.


Und es ist ein Schatz, dass wir mit der Simalungunkirche in Indonesien eine „Schwesterkirche“ haben, dass wir so viele Verbindungen haben, dass wir füreinander beten, uns Fotos und Nachrichten schicken und am Leben der anderen teilhaben. Und ich hoffe, dass wir uns auch bald wieder besuchen können.

Einheit in Vielfalt.


Wir alle sollen untrennbar zusammengehören. Und daran soll diese Welt erkennen: Gott liebt uns so, wie er Jesus liebt.


Das breche ich mal runter auf uns, die 3.800 Menschen, die zur Paulusgemeinde gehören.

Woran erkennen Menschen in Hagen, dass wir alle zusammengehören und wir alle von Gott geliebt werden?

Was bedeutet da: Einheit in Vielfalt?


Lassen Sie uns auf das schauen, was uns mit dem anderen im Glauben verbindet, statt auf das, was uns an der anderen stört! Lassen Sie uns auch im Kleinen unsere Unterschiede als Bereicherung wahrnehmen!


Wir beten füreinander – in den Fürbittengebeten im Gottesdienst, aber auch in den persönlichen Gebeten zuhause. Das verbindet uns miteinander.


Wir feiern im Gottesdienst miteinander Abendmahl. Gewöhnlich in einem Kreis oder Halbkreis. Der soll unsere Gemeinschaft anschaulich machen. Heute geht das nicht, aber das Abendmahl verbindet uns dennoch ganz eng miteinander und mit Jesus Christus.


Wir helfen uns gegenseitig und auch anderen: Durch die diakonische Arbeit unserer Gemeinde.

Dazu gehört, dass unsere Kindergärten offen sind für alle Kinder, gleich welcher Kultur oder Religion.

Dazu gehört, dass wir als Kirche und Gemeinde das Bodelschwingh-Haus, unser Alten- und Pflegeheim, unterstützen.

Dazu gehört, dass wir Geflüchteten helfen oder Menschen, die auf der Straße leben, Butterbrote schmieren.

Wir alle gehören untrennbar zusammen!


Zur Gemeinschaft gehört aber auch: Sich in Corona-Zeiten von Balkon zu Balkon zuzuwinken, anderen Mittagessen aus dem Café Paula nach Hause zu bringen oder einen Gottesdienst für das Internet zu schneiden, damit Leute, die nicht in die Kirche kommen können, in ihrer Küche mitfeiern können.


Sie sollen untrennbar zusammengehören.“ sagt Jesus.


Ich hoffe, dass die Welt, die Menschen, die nicht zu unserer Gemeinde gehören, ein wenig von dem spüren,

was Jesus gewünscht hat: Dass wir alle untrennbar zusammengehören. Und dass Gott uns liebt, wie er Jesus liebt.


Also: Starren wir auch heute, an Himmelfahrt, nicht in den Himmel und trauern Jesus nach! Schauen wir lieber auf die Menschen, die mit uns im Glauben verbunden sind!


Amen.

Lasst uns beten:

Gott, du liebst uns, wie du Jesus liebst.

Lass uns das spüren, lass uns das weitergeben.

 

Gott, wir bitten darum, dass wir unsere Mitmenschen verstehen, dass wir hilfsbereit sind.

Gemeinde: Erbarme dich, Gott.

Gott, wir bitten, dass wir anderen so begegnen, dass sie durch uns erfahren, dass Du, Gott, sie liebst.

Gemeinde: Erbarme dich, Gott.

Gott, wir bitten für unsere Kirche und die ganze Christenheit. Lass uns trotz allem, was uns trennt, eins werden im Glauben und im Handeln.

Gemeinde: Erbarme dich, Gott.

Gott, ganz besonders bitten wir dich für unsere katholische Nachbargemeinde St. Michael und für die Simalungunkirche in Indonesien. Lass unsere Beziehungen zueinander tiefer und stärker werden.

Gemeinde: Erbarme dich, Gott.

Gott, wir bitten für die Menschen in unserem Land und in allen Ländern, dass sich Gerechtigkeit durchsetze.

Gemeinde: Erbarme dich, Gott.

Gott, wir bitten um Phantasie und um Kraft, damit wir die Aufgaben, die du uns gibst bewältigen.

Gemeinde: Erbarme dich, Gott.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.

Amen.

Lied zum Himmelsfahrtstag ist EG 123: Jesus Christus herrscht als König

1) Jesus Christus herrscht als König,
alles wird ihm untertänig,
alles legt ihm Gott zu Fuß.
Aller Zunge soll bekennen,
Jesus sei der Herr zu nennen,
dem man Ehre geben muß.

2) Fürstentümer und Gewalten,
Mächte, die die Thronwacht halten,
geben ihm die Herrlichkeit;
alle Herrschaft dort im Himmel,
hier im irdischen Getümmel
ist zu seinem Dienst bereit.

3) Gott ist Herr, der Herr ist Einer,
und demselben gleichet keiner,
nur der Sohn, der ist ihm gleich;
dessen Stuhl ist unumstößlich,
dessen Leben unauflöslich,
dessen Reich ein ewig Reich.

Text: Philipp Friedrich Hiller 1757 Melodie: Johann Löhner 1691