Altjahresabend und Neujahrstag - 31. Dezember 2021 - 02. Januar 2022

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Prädikant Matthias Mladek - Lektorin: Stefanie Leosz

Gott, meine Zeit steht in Deinen Händen

Das biblische Votum für den Altjahresabend aus Psalm 31 lädt uns ein, dankbar zurückzublicken auf das alte Jahr, auf Gelungenes, Gescheitertes, Belastendes und Stärkendes...

Immer im dankbaren Bewusstsein: Du Gott, warst bei mir, Du hast meinen Weg gelenkt und begleitet...

Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.

Am Neujahrstag öffnen wir unseren Blick, richten Ihn nach vorn. Was kommt da auf uns zu? Welche Erwartungen? Welche Hoffnungen? Welche Ängste und Sorgen? Aus der guten Erfahrung, begleitet zu sein, entsteht unsere Hoffnung und Zuversicht, die sich in dem Vers aus dem Hebräerbrief ausdrückt: gestern, heute und in Ewigkeit...

Herzlich willkommen zu unserem Gottesdienst für die Tage vom 31. Dezember bis zum 02- Januar. Sein Sie gegrüßt...

 

 

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 8

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen,

der du zeigst deine Hoheit am Himmel!

Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge

hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen.

Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk,

den Mond und die Sterne, die du bereitet hast:

was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst,

und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst?

Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott,

mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.

Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk,

alles hast du unter seine Füße getan:

Schafe und Rinder allzumal,

dazu auch die wilden Tiere,

die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer

und alles, was die Meere durchzieht.

Herr, unser Herrscher,

wie herrlich ist dein Name in allen Landen!

Tagesgebet

Lasst uns beten:

 

Wir sind auf dem Weg

vom alten zum neuen Jahr.

Stehen zwischen Rückblick

und Ausblick.

Gott, der Du die Zeit

in deinen Händen hälst,

stärke und begleite uns

durch Jesus Christus

unsern Herrn und Bruder.

Amen.

Lesung Matthäus 13, 24-30

Jesus sprach: Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte.

Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon.

Als nun die Halme wuchsen und Frucht brachten, da fand sich auch das Unkraut.

Da traten die Knechte des Hausherrn hinzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut?

Er sprach zu ihnen: Das hat ein Feind getan. Da sprachen die Knechte: Willst du also, dass wir hingehen und es ausjäten?

Er sprach: Nein, auf dass ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet.

Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt in meine Scheune.

Amen

Predigt

Gnade sei mit Euch und Friede, von dem der da ist, der da war und der da kommt. Amen.

 

Liebe Gemeinde,

erinnern Sie sich an die Spiele Ihrer Kindheit, je nach Generation dürften die Spiele unterschiedlich ausgefallen sein...

Andere Spiele aber haben sich über Generationen gehalten....

Ich erinnere mich gut daran, dass wir, auf dem Innenhof unserer drei Häuser - alles Werkswohnungen, meist draußen gespielt haben...

Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser? gehörte dabei zu unseren Lieblingsspielen,

sobald die Gruppe der Mitspielenden groß genug wurde...

Und dann erinnere ich mich an eine kleinere Zahl von Brettspielen...

Von einem fiel mir kürzlich nur noch der Begriff „Tag der Abrechnung“ wieder ein...

Aber welches Spiel war das noch?

Es wollte mir absolut nicht mehr einfallen...

und wie man das heute ja so macht:

Frag mal Mr. Google: „Tag der Abrechnung“

 

Das Ergebnis der Suchabfrage? Mehr als überraschend:

1965, ein klassischer Western...

1975, ein Kriminalfilm mit Charles Bronson,

1991, ein Actionfilm mit Schwarzenegger als Terminator...

Scheinbar ein spannendes Thema, so ein Tag der Abrechnung...

Am Ende fiel es mir wieder ein, am Tag der Abrechnung zeigt sich beim Spiel des Lebens:

wer am Ende das meiste Geld gewonnen,

wer die meisten Lebensziele erreicht,

schlicht, wer nach der Logik des Spiels gewonnen hat....

Am Tag der Abrechnung fällt das abschließende Urteil über das Leben der einzelnen Spielfiguren...

 

Liebe Gemeinde,

wir Menschen neigen dazu zurückzuschauen...

insbesondere die Tage um den Jahreswechsel laden in besonderem Maße dazu ein, sich umzudrehen und hinter sich zu blicken...

Das kann ein gesamtgesellschaftlicher Blick sein, politisch, wissenschaftlich oder kulturell geprägt...

das kann unser ganz persönlicher Jahresrückblick sein, geprägt vom persönlichen Empfinden, der eigenen Lebenssituation  – beruflich wie privat...

Und auch wir als Gemeinde fragen uns:

wie ist es uns im Jahr 2021 gelungen, Gemeinde zu sein, Gemeinschaft und Nächstenliebe zu leben...

Ist es uns gelungen, Gottes Liebe gut und glaubwürdig zu bezeugen...

 

Und abhängig davon, aus welchem Blickwinkel wir die letzten zwölf Monate betrachten...

Wir werden sie unterschiedlich beschreiben, unterschiedlich wahrnehmen und mehr noch:

Wir werden sie unterschiedlich empfinden und fühlen...

 

Als Menschen, die noch mitten im Berufsleben stehen, mögen es anstrengende 12 Monate sein, die wir in den Blick nehmen...

Veränderungsprozesse,

Wertschätzung oder deren Fehlen,

Kurzarbeit,

Umsatzzahlen,

Über- oder Unterforderung...

Leistungsdruck,

Arbeitsunfähigkeit,

Zukunftsängste...

um nur einige der Themen anzureißen, die es immer wieder schaffen, Menschen auch noch nachts über die Bettdecke zu laufen, ihnen den Schlaf rauben können...

 

Die älter gewordenen unter uns,

da mag es die Einsamkeit sein,

die uns niederdrückt,

dass gerade jetzt die Nähe zu anderen fehlt,

das Kinder und Enkelkinder noch immer

aus Rücksicht und Vorsicht

selten besuchen...

Dass Treffpunkte immer wieder geschlossen werden,

Aktivitäten nicht wie gewohnt stattfinden...

Da ist es vielleicht auch die Trauer um den einen oder die andere Wegbegleitung,

die in den letzten 12 Monaten verstorben ist...

 

Da ist der Fernseh-Jahresrückblick,

voll von Corona-Berichten...

und Naturkatastrophen...

und Auseinandersetzungen...

von schlimmen Bildern über das Schicksal von Menschen auf der Flucht...

Die Folgen des Hochwassers, dass auch hier in Hagen Menschen und Unternehmen getroffen hat

Von so vielem, was uns lähmen könnte...

Von so vielem, das uns den Mut rauben könnte

Von so vielem, das unser Leben „umsonst“ erscheinen lassen könnte...

berichten diese Jahresrückblicke

 

Liebe Gemeinde,

Ich bin davon überzeugt: Gott will das nicht!

Gott will nicht, dass wir uns lähmen lassen...

Gott will nicht, dass wir unser Herz vor ihm verschließen...

Gott will nicht, dass wir verzweifeln...

Angst, Trauer, Hass und Wut, sind nicht die Gefühle,

die vor Gott Bestand haben sollen...

 

Liebe Gemeinde,

Der Ökumenische Arbeitskreis Bibellesen wählt immer für drei Jahre im Voraus einen Bibeltext aus,

der als Jahreslosung Christinnen und Christen ein Jahr lang in besonderer Weise begleiten soll...

 

Die Jahreslosung für das Jahr 2022 steht im Johannesevangelium, Kapitel 6, Vers 37:

Jesus Christus spricht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“

 

Ein Freund aus Indonesien, Christanto Hermawan,

hat ein Bild zur Jahreslosung gestaltet.

Es hat mich besonders angesprochen.

Es greift eine Idee der Künstlerin Ute Wengenroth auf und zeigt einen rot-weißen Leuchtturm,

mehrere aus Papier gefaltete Schiffchen auf blauem Wasser...

Diese Schiffchen, Symbole für unser Leben...

Das Wasser, es wirkt unterschiedlich stark aufgewühlt...

Fast wirkt es, als könnten die Schiffchen,

nähmen sie nicht Kurs auf den alles überstrahlenden Leuchtturm,

am linken Bildrand in einen Abgrund stürzen...

Der Leuchtturm, er gibt Orientierung,

er lädt ein, zeigt einen sicheren Weg...

Richtung Leuchtturm sichere Weiterfahrt

links ein lauernder Abgrund,

tosende Wellen hinter den kleinen Schiffchen...

 

Wohin geht er, unser ganz persönlicher Blick?

Wie fällt er aus,

Ihr, mein, unser Jahresrückblick?

Lassen wir uns in den Abgrund ziehen, uns gefangen nehmen,

von Ängsten, Sorgen, Nöten, Enttäuschungen, Hass, Wut, oder Ärger?

 

Das bringt uns nicht weiter, wir sehen das helle leuchtende Strahlen nicht mehr,

das von dem Leuchtturm ausgeht, das uns in den sicheren Hafen einlädt...

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“

Unseren Blick zurück zu lenken, auf das was uns dankbar sein lässt...

Unser Hauptaugenmerk auf das Schöne, das Gelungene zu richten...

Zu fragen: „Wofür kann ich, können wir, dankbar sein?“

Für mich bedeutet das, unsere Augen auf den Leuchtturm auszurichten...

Gott als Orientierungspunkt, Jesus als einladenden Halt für uns anzunehmen...

Dann, liebe Gemeinde,

dann leuchtet das Leben trotz aller dunklen Erfahrungen...

Für uns als Gemeinde bedeutet das:

Dankbar sein für das, was wir in den vergangenen zwölf Monaten gemeinsam erleben durften:

Die Konfirmationsgottesdienste beispielsweise,

für die Jahrgänge 2020 und 2021 konnten von April bis Juni stattfinden...

Jeweils in Teilgruppen zwar,  aber immerhin...

Gott sei Dank...

 

Konzerte, die stattfinden konnten:

Zweimal mit Harmonic Brass, im Sommer im Kirchgarten und vor wenigen Wochen dann hier in der Pauluskirche...

Orgelkonzerte mit Frank Förster,

Flötenmusik bei Kerzenschein mit dem Flötenkreis...

Unser Tauffest im Juni...

die Seniorenadventsfeier...

Dass wir mit unseren Online-Gottesdiensten auch die Menschen weiterhin erreichen, die sich noch nicht wieder auf den Weg  in die Paulus- oder Stephanuskirche machen...

Essen aus dem Cafe Paula, auch als Bringdienst nach Hause...

Und schließlich:

Dass wir eine Bewerbung auf die frei werdende Pfarrstelle erhalten haben und im Dezember mit Simon Hillebrecht einen neuen Pfarrer wählen konnten, der im April seinen Dienst antreten wird....

Unendlich viele Gründe, Gott zu loben und dankbar zurückzublicken...

Und Ihr persönlicher Jahresrückblick?

Was lässt Sie dankbar sein? Im Blick auf 2021?

 

Das Papierschiff als Symbol für unser Leben...

Ruhiges Fahrwasser - leichte Brise - Zufriedenheit und Glück

Böiger Wind – Wellen, die immer höher werden – das Leben gerät aus der Bahn

Schwerer Sturm – drohende Wassermassen – Angst, Panik, Schicksalsschläge...

Das Schiffchen, unser leben nimmt schweren Schaden...

Jesus Christus spricht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“

Was immer bleibt, auch wenn der Sturm unseren Leben auch noch so zugesetzt hat:

Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.

 

Alles Gute für 2022, seien Sie behütet.

Gott schütze Sie.

Amen.

 

Und der Friede Gottes,

welcher höher ist,

als all unsere menschliche Vernunft,

bewahre unsere Herzen und Sinne,

in Christus unserem Bruder

Amen

Fürbitten

Guter Gott, unsere Zeit, sie steht in Deinen Händen

In deine Hände legen wir das vergangene Jahr zurück,
alles, was wir von dir empfangen haben,

Gutes und Schweres, Liebe und Einsamkeit, Erfolg und Scheitern.

Aus deinen Händen nehmen wir das neue Jahr.
Lass es ein gesegnetes Jahr werden,
ein Jahr,
in dem du uns leitest
vom Anfang zum Ende.

Für das neue Jahr bitten wir dich um Frieden,
um Frieden zwischen den Völkern und Religionen,
um Frieden, wo jetzt Grausamkeit, Fanatismus und Verfolgung herrschen,
um Frieden und Ruhe in den kriegszerrütteten Ländern dieser Welt.

Wir bitten um Frieden für die christlichen Kirchen überall in der Welt

Wir bitten um Frieden in unserem Land.

Für das neue Jahr bitten wir um Gesundheit,
Gesundheit für uns selbst und für unseren geschundenen Planeten,
um Heilung der Ungerechtigkeit
zwischen Menschen und Völkern,
um Heilung des Elends der Flüchtlinge.
Heile auch uns von Angst und lähmender Sorge
und gib Mut zu neuen Wegen.

Für das neue Jahr bitten wir dich um Geduld,
wenn die Zeit davonläuft oder wenn sie stehen zu bleiben scheint,
und das besonders in Zeiten des Leides und der Trauer.
Gott, sei du bei aller Arbeit, die wir uns vorgenommen haben,
und in aller Ruhe, die wir uns gönnen.
Wir wollen still sein und dir vertrauen
in allem, was vor uns liegt.

Unsere Zeit steht in deinen Händen, Gott.
Und nichts kann uns von deiner Liebe scheiden.

Dafür danken wir dir.

Und alles, was uns sonst noch bewegt,

wir können es mit den Worten vor Dich bringen,

die Du selbst uns geschenkt hast.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn. – Gott sei ewiglich Dank.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und schenke dir Seinen Frieden.

Amen.