09. August 2020 - 9. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrer Martin Schwerdtfeger - Lektor: Friedrich-Wilhelm Kruse

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern. Lukas 12,48b

Starke Schultern können mehr tragen und Talente sollten wir entdecken und fördern. Das gilt für andere und es gilt für uns selbst. Schauen wir hin und lassen wir Fähigkeiten sich entfalten!

Ich begrüße Sie zum Gottesdienst am 9. Sonntag nach Trinitatis.

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Vertrauter und immer wieder auch rätselhafter Gott, wie oft vertraust du uns Aufgaben an, die wir nicht sehen oder verstehen. Wie oft willst du zu uns reden, aber wir hören oder antworten nicht. Vergib, wo wir unsere Verantwortung abgelehnt haben. Sieh nicht auf unser Schweigen und unsere Trägheit. Schau auf deinen Sohn Jesus Christus, der für uns gestorben ist und die Gerechtigkeit erworben hat, die vor dir gilt. Amen.

Der Psalm dieses Sonntages ist der 63. Psalm:

Gott, du bist mein Gott, den ich suche.

Es dürstet meine Seele nach dir,

mein Leib verlangt nach dir

aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.

So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum,

wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.

Denn deine Güte ist besser als Leben;

meine Lippen preisen dich.

So will ich dich loben mein Leben lang

und meine Hände in deinem Namen aufheben.

Das ist meines Herzens Freude und Wonne,

wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;

wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich,

wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.

Denn du bist mein Helfer,

und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.

Meine Seele hängt an dir;

deine rechte Hand hält mich.

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung Matthäus 13,44-46

Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker.

Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

Lied: All Morgen ist ganz frisch und neu [EG 440]

Predigt

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Jeremia 1,4-10

Und des HERRN Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.

Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.

Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Liebe Gemeinde,

Gott sucht sich Menschen aus für Aufgaben, die er ihnen stellt. Und seine Wahl ist oft mit Überraschungen verbunden.

Abraham und Sara – beide hochbetagt und bis dahin kinderlos – sollen Eltern werden mit so vielen Nachkommen, wie es Sterne am Himmel gibt. Da kann Sara nur lachen. Ihre Monatsblutungen liegen lange zurück.

Moses, der kaum flüssig reden kann, soll zum Pharao gehen und ihn überzeugen, das Volk Israel in die Freiheit zu entlassen.

Der Jüngste und Kleinste aus Isais Familie, David, soll König werden…

… und Jeremia Prophet. „Ich bin zu jung“, ist seine Reaktion. „Ich kann das nicht!“

Aber Gott hat einen Plan und so leicht lässt er sich nicht abwimmeln: „Geh und predige und fürchte dich nicht! Ich bin bei dir und will dich retten.“

Gott berührt Jeremias Mund und sagt dazu: „Ich lege meine Worte in deinen Mund.“

Und die werden nicht nur freundlich und nett sein. Harsche Kritik soll der Prophet üben, ausreißen und einreißen, zerstören und verderben.

Erst viel später – nach einem verlorenen Krieg und der Zerstörung Jerusalems und der Verschleppung eines Teils der Bevölkerung – erst danach wird Jeremia Worte der Hoffnung finden und ermutigen können. – Kein angenehmer Job.

Jeremia kann sich ausmalen, was es für ihn selbst bedeuten wird, schonungslos Kritik zu üben. Das wird ihn nicht beliebt machen. Es wird Anfeindungen geben und Drohungen. Er wird entführt werden und im Gefängnis landen, wird an seinem Auftrag zweifeln und verzweifeln, wird sich wünschen, nie geboren zu sein.

Aber Gott wird ihn nicht fallen lassen, wird ihn durch all das hindurchführen. Am Ende wird Jeremia Verzweifelte aufrichten dürfen und Trost spenden:

„Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte. Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl. Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“

So begleitet und deutet Jeremia die große politische Katastrophe der Eroberung Jerusalems und der Deportation vieler Israeliten, die zu einer Glaubenskrise führt. Und anschließend darf er die Menschen im Exil in Babylon aufrichten: „Gott hat euch nicht verlassen. Er gibt euch eine Perspektive, die Chance auf einen Neuanfang.“

Dieses schöne Ziel haben nicht alle erlebt, die aus ihrem Glauben heraus prophetisch die Verhältnisse kritisiert haben.

Martin Luther-King träumte von einer solidarischen Gemeinschaft schwarzer und weißer Menschen. Er wurde ermordet wie Yitzchak Rabin, der Frieden schließen wollte zwischen Israelis und Palästinensern.

Aber immer noch machen Menschen wie sie anderen Mut, sich nicht abzufinden mit Feindschaft und Gewalt, sondern für eine friedlichere Welt einzustehen.

Gott sucht Menschen aus für seine Pläne. Und er überrascht weiter.

Eine zögerliche Reaktion scheint dabei ganz normal zu sein: „Kann ich das? Werde ich das hinbekommen?“ Eine Portion Bescheidenheit wird bestimmt nicht schaden, wenn jemand eine Aufgabe übernehmen soll – in der Politik oder in einer Kirchengemeinde. „Werde ich der Verantwortung gerecht werden können?“

Es hilft, sich vorab klar zu werden: Was bringe ich mit? Was habe ich gelernt? Was sollte ich mir noch aneignen?

Auch im persönlichen Umfeld ist diese Prüfung sinnvoll. „Bin ich geeignet für einen Beruf in der Pflege? Was ist zu bedenken, wenn ich alte Eltern bei mir aufnehmen will oder ein Pflegekind?“

Manchmal stolpern Menschen einfach in Aufgaben hinein. Da ließ sich vorher nichts planen und vorbereiten. Eine Aufgabe kommt plötzlich auf uns zu und es bleibt wenig Zeit für die Entscheidung.

Dann ist es trotzdem gut zu überlegen und sich vielleicht Hilfe zu holen. Und vielleicht helfen dabei auch die biblischen Geschichten wie die von Jeremia, weil sie erzählen, dass wir Talente auch entdecken können, die wir uns gar nicht zugetraut hätten, und dass uns Hilfe zuwachsen kann, mit der wir nicht gerechnet haben. „Ich werde bei dir sein“, sagt Gott zu Jeremia, „und ich lege dir meine Worte in den Mund.“

Ganz unterschiedlich sind die Talente, mit denen wir geboren werden. Manche verkümmern, weil sie nicht geübt werden. Manche werden von Eltern, Erzieherinnen und Lehrenden gefördert. Und manche entdecken wir irgendwann, wenn sie gebraucht werden.

Die eigene Einschätzung – ich bin zu jung oder zu alt, ich kann nicht reden, ich habe nicht genug Geduld – mag stimmen – oder wir lernen und wachsen, weil uns etwas ganz wichtig wird – wie ein Schatz im Acker oder eine kostbare Perle.

Gott traut uns viel zu und vielleicht können wir nur staunen über neue Möglichkeiten, die sich für uns auftun. Darauf liegt Segen. Amen.

Lied: Die Erde ist des Herrn [EG 677]

Wir beten:

Wir bringen unsere Bitten vor Gott. Bitte stimmen Sie ein in die Bitten mit den Worten: Erhöre uns, Gott.

 

Gott, du willst an allen Tagen unseres Lebens bei uns sein.

Wir bitten dich: Bewahre in uns allen das Vertrauen auf dich.

Erhalte den alten Menschen ein fröhliches Herz und ein verträgliches Wesen.

Bewahre die jungen Menschen vor irreführenden Einflüssen, zeige ihnen Weggefährten und Vorbilder.

Sei bei denen, die den Verlust eines Menschen verschmerzen müssen

und stärke in uns allen die Hoffnung über den Tod hinaus. Unsere Hoffnung richten wir auf dich.

Wir bitten: Erhöre uns, Gott.

 

            Gott, du bist bei denen, die sich fremd fühlen und kein Zuhause haben.

Wir bitten dich: Steh ihnen bei, dass sie Halt, Brot und Heimat finden.

Lehre uns, die Ursachen ihrer Not zu durchschauen und deren Folgen zu lindern.

Unsere Hoffnung richten wir auf dich.

Wir bitten dich: Erhöre uns, Gott.

 

Gott, du liebst Wahrheit und Versöhnung.

Wir bitten dich: Wehre aller Versuchung, Böses zu tun.

Öffne denen, die schuldig geworden sind, die Tür zur Umkehr.

Gib Tätern und Opfern die Kraft, einander offen zu begegnen. Unsere Hoffnung richten wir auf dich.

Wir bitten dich: Erhöre uns, Gott.

 

Gott, du willst uns erkennen lassen, wie sehr wir alle dich brauchen und wozu du uns brauchst.

Wir bitten dich: Stärke unsere Hoffnung, wenn Enttäuschung uns niederdrückt.

Überwinde unsere Ängstlichkeit, wenn wir uns entscheiden müssen.

Gib uns Mut einzuspringen, wo wir gefragt sind.

Hilf uns, dass unser Leben zu dir einlädt. Unsere Hoffnung richten wir auf dich.

Wir bitten dich: Erhöre uns, Gott.

 

Liebender Gott, du hast uns berufen, in deinem Namen zu handeln.

Mit deiner Hilfe wollen wir es wagen. Dir sei Lob und Dank in Ewigkeit. Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.

Amen.

Lied: All Morgen ist ganz frisch und neu [EG 440]

1. All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu; sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag.

2. O Gott, du schöner Morgenstern, gib uns, was wir von dir begehrn: Zünd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnad kein Mangel han.

3. Treib aus, o Licht, all Finsternis, behüt uns, Herr, vor Ärgernis, vor Blindheit und vor aller Schand und reich uns Tag und Nacht dein Hand,

4. zu wandeln als am lichten Tag, damit, was immer sich zutrag, wir stehn im Glauben bis ans End und bleiben von dir ungetrennt.

Text: Johannes Zwick vor 1542 Melodie: Johann Walter 1541

Lied: Die Erde ist des Herrn [EG 677]

1. Die Erde ist des Herrn. Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben. Drum sei zum Dienst bereit, gestundet ist die Zeit, die uns gegeben.

2. Gebrauche deine Kraft. Denn wer was Neues schafft, der lässt uns hoffen. Vertraue auf den Geist, der in die Zukunft weist. Gott hält sie offen.

3. Geh auf den andern zu. Zum Ich gehört ein Du, um Wir zu sagen. Leg deine Rüstung ab. Weil Gott uns Frieden gab, kannst du ihn wagen.

4. Verlier nicht die Geduld. Inmitten aller Schuld ist Gott am Werke. Denn der in Jesus Christ ein Mensch geworden ist, bleibt unsre Stärke.

Text: Jochen Rieß 1985 Melodie: Matthias Nagel 1985