9. Sonntag nach Trinitatis - 01. August 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrer Martin Schwerdtfeger - Lektorin: Sabine Gördes

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern." Lukas 12,48

Es geht um die Verantwortung, die wir als Christen tragen – für uns selbst, für die Gemeinde und für die Welt. Was machen wir aus unseren Möglichkeiten?

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 63

Gott, du bist mein Gott, den ich suche.

Es dürstet meine Seele nach dir,

mein Leib verlangt nach dir

aus trockenem, dürrem Land,

wo kein Wasser ist.

So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum,

wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.

Denn deine Güte ist besser als Leben;

meine Lippen preisen dich.

So will ich dich loben mein Leben lang

und meine Hände in deinem Namen aufheben.

Das ist meines Herzens Freude und Wonne,

wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;

wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich,

wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.

Denn du bist mein Helfer,

und unter dem Schatten deiner Flügel

frohlocke ich.

Meine Seele hängt an dir;

deine rechte Hand hält mich.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Wir beten:

Barmherziger Gott, jede und jeden von uns hast du geschaffen, dich, den Nächsten und das Leben zu lieben. Allen hast du Fähigkeiten und Talente für das Leben gegeben. Doch oft stehen wir uns und unseren Talenten im Weg.

Befreie uns von der Vorstellung, etwas aus uns und unserem Leben machen zu müssen. Befreie uns von der Sorge, zu kurz zu kommen, von dem ständigen Vergleichen mit anderen, das unsere Gaben blockiert. Lass uns immer wieder deine Güte erfahren, dass wir uns ihr anvertrauen ein Leben lang.

Darum bitten wir dich, der du mit dem Sohn im Heiligen Geist lebst und regierst, jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Lesung Philipper 3, 4B-14

Wenn sich also irgendjemand auf seine äußerlichen Vorzüge berufen will, könnte ich das erst recht.

Ich wurde am achten Tag beschnitten. Ich gehöre zum Volk Israel, zum Stamm Benjamin. Ich bin ein Hebräer und stamme von Hebräern ab.

Nach dem Maßstab des Gesetzes war ich ein Pharisäer. Nach dem Maßstab meines Einsatzes war ich ein Verfolger der Gemeinde. Nach dem Maßstab der Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, war ich untadelig.

Aber alles, was mir damals als Vorteil erschien, sehe ich jetzt – von Christus her – als Nachteil. Ja wirklich: Ich betrachte es ausnahmslos als Nachteil.

Dahinter steht die überwältigende Erkenntnis, dass Jesus Christus mein Herr ist!

Verglichen mit ihm ist alles andere wertlos geworden, ja, in meinen Augen ist es nichts als Dreck!

Mein Gewinn ist Christus. Zu ihm will ich gehören. Denn ich gelte nicht als gerecht, weil ich das Gesetz befolge, sondern weil ich an Christus glaube.

Das ist die Gerechtigkeit, die von Gott kommt und deren Grundlage der Glaube ist.

Ich möchte Christus erkennen und die Kraft seiner Auferstehung erfahren. An seinem Leiden möchte ich teilhaben – bis dahin, dass ich ihm im Tod gleich werde.

Das alles geschieht in der Hoffnung, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen.

Ich möchte nicht behaupten, dass ich das alles schon erreicht habe oder bereits am Ziel bin. Aber ich laufe auf das Ziel zu, um es zu ergreifen. Denn ich bin ja auch von Christus Jesus ergriffen.

Brüder und Schwestern, ich bilde mir wirklich nicht ein, dass ich es schon geschafft habe. Aber ich tue eines: Ich vergesse, was hinter mir liegt. Und ich strecke mich nach dem aus, was vor mir liegt. Ich laufe auf das Ziel zu, um den Siegespreis zu gewinnen: die Teilhabe an der himmlischen Welt, zu der Gott uns durch Christus Jesus berufen hat.

Halleluja

Halleluja. Lass deiner sich freuen und fröhlich sein alle, die nach dir fragen; und die dein Heil lieben, lass allewege sagen: Der Herr sei hochgelobt! Halleluja.

Predigt

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Matthäus 7,24-27

Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.

Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.

Liebe Gemeinde,

ein festes Fundament ist wichtig für die Stabilität eines Gebäudes. Wer auf Sand baut, riskiert, dass sein Haus bei einem Unwetter ins Wanken gerät. Im übertragenen Sinn bedeutet das: Ist mein Lebensentwurf eigentlich tragfähig? Finde ich Halt auch in schwierigen Zeiten, in Krisen, wenn all das, was bisher selbstverständlich schien, mit einem Mal wegbricht? Durch eine Krankheit oder den Verlust meiner Arbeit oder Spannungen, die plötzlich in der Familie auftreten?

Mit dem Gleichnis vom Hausbau schließt die Bergpredigt im Matthäusevangelium. Sie beginnt mit den Seligpreisungen, den ermutigenden und tröstenden Sätzen Jesu an Menschen, die Mühe haben mit ihrem Glauben, an Traurige, an die, die mit sanftem Mut handeln, an Barmherzige und die, die Gerechtigkeit suchen, an Friedensstifter und die, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Dort, wo Leben beschädigt wird, will Gott es heilen und Zuversicht wecken.

Danach beschreibt Jesus, wie ein Leben als Christ oder Christin aussehen könnte – als Salz der Erde und Licht der Welt. Ein Leben ohne Hass und Vergeltung, mit Achtsamkeit in der Ehe, glaubwürdig und wahrhaftig, respektvoll und mit Liebe – selbst zum Feind. Die Bereitschaft zum Teilen gehört dazu und das Beten als Gespräch mit Gott, wie das Vaterunser es anbietet. Ein Leben ohne Frömmelei und ohne sich in Sorgen zu verzetteln. Stattdessen ein Leben im Vertrauen auf Gott.

Wer so lebt, wird auch in schwierigen Situationen Boden unter den Füßen haben und wird Herausforderungen bewältigen können.

Jesus hat mit dieser Haltung gelebt und er lädt uns ein, ihm darin zu folgen.

Das ist nicht leicht. Und es fallen Ihnen bestimmt auch Gelegenheiten ein, wo es nötig ist, klare Grenzen zu setzen, statt geduldig die andere Wange hinzuhalten. Das gilt besonders beim Schutz von Schwächeren. Sexualisierte Gewalt können wir nicht hinnehmen. Doch auch, wenn es um uns selbst geht, kommt öfter die Frage auf: Kann ich das schaffen, was Jesus von uns erwartet?

Vielfach bauen wir unser Leben auf Sand und setzen auf unseren Wohlstand, unsere eigene Stärke und Klugheit. Wir hoffen, dass das Klima uns manche Bequemlichkeit verzeiht, dass Flüchtlinge besser nicht nach Europa kommen, dass unser Kinder uns nicht eines Tages vorwerfen werden, welche Schulden wir ihnen überlassen haben. Wir leben mit Ungerechtigkeiten und hoffen, dass es trotzdem irgendwie gut gehen wird.

Mit der Bergpredigt zu leben, dafür braucht es eine große Portion Gottvertrauen. Und es braucht Mut, Entscheidungen nicht einfach zu verschieben. Dabei hilft das Gebet zur Klärung, was wir denn wollen, und es hilft, alles, was uns bewegt, Gott anzuvertrauen: unsere Sorgen, unsere Bitten, unsere Freude und unseren Dank.

Die Leitlinien der Bergpredigt wollen uns nicht überfordern und erdrücken. Deshalb stehen am Anfang die Seligpreisungen. Gott verändert unsere Welt und unser Erleben. Und wir können darauf antworten.

„Blow up“ heißt ein Kinofilm von Michelangelo Antonioni aus dem Jahre 1966. In der Fotofachsprache bedeutet Blowup so viel wie Entwickeln und Vergrößern. Etwas wird sichtbar, was zunächst nicht zu erkennen war.

Am Ende des Films schaut ein Fotograf durch einen Zaun bei einem Tennisspiel zu – dabei sieht er allerdings keinen Ball. Er ist verblüfft.

Alle Bewegungen sind die von Tennisspielern, man hört sogar die Schläge, allein – der Ball fehlt. Einmal schlägt ein Spieler zu heftig, der Ball fliegt über das Gitter, wie uns die Filmkamera zeigen will. Die Spieler blicken bittend zum Beobachter hinter dem Zaun. Der zögert erst, beugt sich aber dann doch zur Erde und hebt etwas auf, das gar nicht da zu sein scheint, und wirft den Spielern etwas zu, was er nicht sieht. Die bedanken sich fröhlich und spielen weiter.

Glaube ist so etwas wie das Spiel des Lebens ohne den sichtbaren Gott.

Auch wenn Gott nicht zu sehen ist, kann man mit ihm „spielen“, das heißt: Leben, als sei er anwesend. Und wer lebt, als sei der Ball da, wird spüren, wie wirklich der Ball ist, wie Gott uns trägt, uns neue Sichtweisen eröffnet und ein anderes Verhalten möglich macht.

Das Ende der Bergpredigt also sagt Jesu: Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.

Manchmal ist unser Glaube verwirrend. Manchmal können wir nicht sehen, wie Gott an unsere Seite ist. Und doch fängt er uns immer wieder auf und zeigt uns Wege, die wir gehen können. Gott sei Dank! Amen.

Fürbitten

Lebendiger und barmherziger Gott, du lädst uns ein, dir zu vertrauen. Für unsere Ängste und Sorgen bist du da. Wir bitten dich um dein Erbarmen:

Für alle Opfer des Corona-Virus und anderer Krankheiten – hier und weltweit; und für die Angehörigen aller Verstorbenen: Tröste sie in ihrer Trauer. Für alle Erkrankten: Schenke du ihnen Heilung.

Für alle Menschen die sich für andere engagieren und dabei ihr Leben einsetzen. Beschütze sie und gib ihnen Kraft und Geduld, wenn sie müde werden.

Für alle Notleidenden, in der Welt und hier vor Ort. Dass sie auf Menschen mit offenen Herzen und freigiebigen Händen treffen und neuen Mut fassen.

Für uns, die wir dich bekennen: Dass wir glaubhafte Zeugen deiner Liebe und deiner verzeihenden Gnade sind und in unserem Leben sichtbar wird, dass der Glaube an dich Halt, Sinn und Ziel unseres Lebens ist.

Für alle Verstorbenen, deren Mühsal jetzt ein Ende hat. Schenke ihnen Leben, das kein Ende kennt.

Herr, unser Gott, auch heute lässt du dich finden, wirst für uns spürbar und erfahrbar. So viel Güte und Gnade übersteigt manchmal unser Verstehen. Wir danken dir und loben und preisen dich. Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn. – Gott sei ewiglich Dank.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und schenke dir Seinen Frieden.

Amen.