8. Sonntag nach Trinitatis - 25. Juli 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Laienprediger Jürgen Eigenbrodt - Lektor: Helmut Gerisch

Herzlich Willkommen zum Gottesdienst aus der Pauluskirche.

Ich begrüße Sie mit dem Wochenspruch:

Wandelt als die Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 48

Groß ist der Herr und hoch zu rühmen
in der Stadt unsres Gottes, auf seinem heiligen Berge.

Schön ragt empor sein Gipfel, daran sich freut
die ganze Welt.

Wie wir´s gehört haben, so sehen wir´s
an der Stadt des Herrn Zebaoth, an der
Stadt unsres Gottes: Gott erhält sie ewiglich.

Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel.

Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm bis an der Welt Enden. Deine Rechte ist voll Gerechtigkeit.

Es freue sich der Berg Zion, und die Töchter Juda seien fröhlich um deiner Rechte willen.

Ziehet um den Zion herum und umschreitet ihn, zählt seine Türme; habt gut acht auf seine Mauern, durchwandert seine Paläste, dass ihr den Nachkommen davon erzählt:

Dieser ist Gott, unser Gott für immer und ewig.
Er ist´s, der uns führet.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Tagesgebet

Du Gott des Lichts,
als deine Kinder wollen wir leben,
anderen Menschen mit Güte begegnen,
Gerechtigkeit suchen für die Schwachen
und ehrlich bleiben, auch mit uns selbst.

Aber oft scheitern wir mit unseren guten
Vorsätzen, werden schnell ungeduldig mit anderen, sind bedacht auf den eigenen Vorteil und machen uns über uns selbst etwas vor.

Gott, erfüll uns mit der Klarheit deines Geistes
und mit der verändernden Kraft deiner Gnade.
Erbarme dich unser.

Amen

Lesung 1. Korinther 6, 9-14

Wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Lustknaben noch Knabenschänder

noch Diebe noch Habgierige noch Trunkenbolde noch Lästerer noch Räuber werden das Reich Gottes ererben.

Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.

Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich.

Die Speise dem Bauch und der Bauch der Speise; aber Gott wird das eine wie das andere zunichtemachen. Der Leib aber nicht der Hurerei, sondern dem Herrn, und der Herr dem Leibe.

Gott aber hat den Herrn auferweckt und wird auch uns auferwecken durch seine Kraft.

Amen.

Predigt

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht im Markus Evangelium, im 12. Kapitel, ich lese die Verse 41 – 44:

Jesus setzte sich dem Gotteskasten gegenüber und sah zu, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten. Und viele Reiche legten viel ein.
Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein; das ist ein Heller. Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die etwas eingelegt haben. Denn sie haben alle von ihrem Überfluss eingelegt: diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.

Liebe Gemeinde. Schauen Sie sich dieses Bild einmal an. Welcher der beiden orangefarbenen Kreise ist größer?

Die meisten Menschen tippen auf den rechten Kreis. In Wahrheit sind beide Kreise gleich groß.

Es handelt sich bei diesem Bild um eine optische Täuschung.
Und heute möchte ich das auch nicht wissenschaftlich auflösen, warum das so ist und warum wir das so sehen.

Aber optische Täuschungen gibt es eben nicht nur in der
Geometrie, sondern auch in unserem Alltagsleben, wenn wir
Menschen begegnen. Wir betrachten und vergleichen, bewerten und machen erste Einschätzungen.

In unserem Bibeltext geht es für mich auch um eine optische
Täuschung. Da ist zunächst einmal die optische Täuschung der
äußeren Form. Die arme Witwe, die im Tempelbetrieb Geld
spenden möchte. Irgendwie passt sie doch nicht ins Bild. Ihre Kleidung, ihre Frisur, ihre Schuhe, ihr ganzer Auftritt passt nicht. Denn die anderen Spender stechen bestimmt ins Bild und wirken dadurch viel größer. Ihr Auftritt, ihre Kleidung und das viele Geld. Vielleicht wirken sie so, wie dieser orangefarbene Kreis.

Und dann fällt diese Witwe noch durch eine weitere optische Täuschung auf. Was will die denn hier, werden sich manche
gefragt haben. Die braucht doch selbst Hilfe und Unterstützung. Von der werden wir nichts zu erwarten haben.

Für den Bibeltext spielt das jedoch eine entscheidende Rolle,
wie wir Menschen wahrnehmen und einschätzen.

Jesus nutzt eine alltägliche Situation. Er sitzt einfach nur da
und beobachtet das Treiben, das Geschehen. Mal schauen,
was die Menschen so tun.

Im Tempel gab es an einer Stelle dreizehn trompetenförmige
Opferkästen, in die jeder Jude Geld einwerfen konnte. Dabei stand neben den Geldbehältern jeweils ein Priester, dem man
laut den Geldbetrag übergab. Und wenn dieser Betrag besonders groß war, erschallte sogar eine Trompete.

Immer, wenn eine Trompete erschallte, wussten alle, dass jemand einen großen Betrag gespendet hat. Was für ein Genuss für den Spender, die Spenderin. Im Rampenlicht stehen und von vielen beachtet werden.

Jesus beobachtet die Szene. Auf einmal kommt die Witwe. Ob überhaupt jemand nach ihr geschaut hat? Vielleicht hat auch der Priester etwas mürrisch gewirkt, als die Witwe nur so wenig aus der Tasche zog und ihm gab. Was ist das schon, könnte man denken?

Und wie hätten wir dort hingeschaut? Was hätten wir gesehen und gedacht?

Jesus lässt sich nicht blenden, nicht täuschen. Das, was auf den ersten Blick klein oder kleiner, so wie bei den beiden Kreisen erscheint, das, was andere eher als unbedeutend und wertlos ansehen, findet Jesus wertvoll.
Er lässt keine optische Täuschung zu, indem er Vorfestlegungen trifft, die lauten könnten: Von der kommt bestimmt nix.

Nachdem nun diese Witwe diesen ärmlichen Betrag (4€) gespendet hat, wird sie zum Vorbild des Tages unserer biblischen Geschichte erklärt. Das Vorbild ist heute nicht der Spender, der den größten Betrag gespendet hat, sondern die Witwe, die ganz wenig, 4€ gegeben hat. Jesus hebt die Täuschung, denen Menschen unterlegen sind, auf, dass die, die viel geben, auch viel sind. Denn bei Jesus zählt nicht, wie viel einer gibt, sondern wie viel ein Mensch behält. Damit stellt Jesus mal wieder alles auf den Kopf.

Das die Reichen viel geben, das sieht Jesus sehr wohl, aber
er sieht auch, wie viel ihnen trotzdem noch bleibt.

Die Witwe gibt wenig, aber ihr bleibt nichts mehr. Das alles was sie hat, gibt sie. Und darum ist das wenige so viel.

Seht euch diese Frau an, sagt Jesus.
Sie hat alles gegeben, was sie zum Leben hatte. Jesus hat es gesehen. Er hat nicht nach ihrem äußeren Schein geurteilt, sondern nach dem Maß der Herzensgüte.

Bei Jesus kommt es nicht auf den Geldbetrag an, sondern auf das Maß, mit dem es geschieht. Dann ist wenig, ganz viel.

Deshalb ist die Witwe unübertrefflich. Sie gibt alles ab und niemand – außer Jesus – bemerkt es. Sie scheint grenzenloses Vertrauen zu haben, dass Gott für sie sorgt.

Vielleicht kann diese Witwe, diese Frau ein Vorbild für uns werden, dass auch wir neu hinschauen, dass wir uns nicht täuschen lassen, von Menschen, denen wir nichts zutrauen.

Wenn wir die beiden Kreise noch einmal vor Augen haben und sehen, dann könnten diese auch für einen reichen Spender und der armen Witwe stehen. Nur in der Optik wirkt einer wirklich größer. Tatsächlich sind aber beide gleich groß. Jesus ist dankbar für das, was Menschen geben, für alle Spenden, die gegeben werden, aber er möchte nicht, dass nur auf die großen Spender geschaut wird, sondern will uns allen aufzeigen, dass auch das ganz Kleine zählt. Jesus kommt es nicht auf den Geldwert an, sondern auf das, was ein Mensch behält.

Für die Witwe erschallte keine Posaune und eine Spendenquittung würde sie heute dafür auch nicht bekommen (viel zu viel Aufwand). In Wirklichkeit hat sie mit einer anderen Währung bezahlt: Mit der Währung des Glaubens (Liebe und
Vertrauen) Auch ich möchte etwas Gutes tun und Gott wird mich versorgen. Vielleicht hat sie so gedacht. Deshalb macht sie sich auf und geht dorthin, wo sie niemand beachtet.

Jesus sieht und freut sich, wenn wir aus freiem Herzen geben, ohne die Angst, zu kurz zu kommen. Viele Menschen schenken sehr viel und sind glücklich dabei: Menschen, die jemanden pflegen oder treu ihn immer wieder besuchen. Ehrenamtliche in unseren Gemeinden, in der Hilfe für Flüchtlinge und an ganz vielen anderen Stellen. Menschen, die sich in ihrem Beruf mit ganzem Herzen einsetzen. Viele wären noch zu nennen, die für
andere arbeiten, Ärger aushalten, für andere beten. Sie geben etwas, manchmal sehr viel von ihrem Leben.

Sie gab ihr ganzes Leben. Die Tat der Witwe ist groß. Und die Aufforderung, alles zu geben, ist unüberwindbar. Das wissen wir
seit dem Jüngling zu Nain, der nicht alles liegen und stehen lassen konnte und sich nicht von seinem Besitz trennen wollte.

Jesus gibt uns keine eindeutige Antwort mit auf den Weg, wie wir es machen sollen. Nach dieser Geschichte endet das Wirken von Jesus unter den Menschen. Danach wird er sein Leben geben.

Wenn wir von der Witwe einmal auf uns schauen, auf all unser Sorgen und Mühen um unser Leben, schauen auf unsere Sorge um unser Geld und Gut, auf unsere Sorge um unser Ansehen, unsere Arbeitsstelle, auf unseren Ehrgeiz, von anderen beachtet und berücksichtigt zu werden, auf unsere Angst zu kurz zu kommen, auf unsere Sorge gut dazu stehen oder wenigstens besser dazustehen als die Konkurrenz. Wenn wir uns das alles klarmachen, unser eigenes Sorgen und Mühen, dann erst merken wir, in welch großer Freiheit und in welch
großem Gottvertrauen die arme Witwe lebt. So bleibt mir am
Schluss nur eines. Gott zu bitten … dass er mir ein großes Stück von der Sorglosigkeit und vom Gottvertrauen der armen Witwe schenkt. Amen.

Und der Friede Gottes, der größer ist als alle menschliche Vernunft, der behüte und bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Fürbitten

Treuer und ewiger Gott,
das Licht und die Sonne hast du geschaffen,
du umhüllst uns mit deiner Liebe,
du schenkst uns den Sommer.
Wir danken dir für die Früchte und das Gedeihen.
Wir bitten dich um deine Fürsorge für alle,
denen der Sommer eine Last ist,
die unter Dürre und Hitze leiden,
die kein Licht sehen und
den Glauben daran verloren haben,
dass es Hoffnung und Güte gibt.
Du zeigst uns das Licht der Welt,
treuer und ewiger Gott,
zu dir rufen wir:
Erbarme dich.

Das Wasser hast du geschaffen,
dein Eigentum sind wir durch die Taufe,
du rettest uns vor unserer eigenen Schuld.
Wir danken dir für die Freiheit,
für die du uns geschaffen hast.
Wir bitten dich um dein rettendes Eingreifen,
für alle die Gefahren ausgesetzt sind,
für die, die den Tod weniger fürchten,
als die Qualen von Folter und Krieg,
für die, die auf den Meeren umkommen,
und für die, deren Gewissen nicht ruht
und die sich selbst nicht schonen.
Bei dir ist die Quelle des Lebens,
treuer und ewiger Gott,
zu dir rufen wir:
Erbarme dich.

Deinen Atem hast du uns eingehaucht,
du richtest uns auf und heilst uns.
Wir danken dir für den Segen,
den du auf uns legst.
Wir bitten dich um deine belebende Gegenwart
für alle die, auf Reisen sindund für die, die an ihrem Ort bleiben,

für die, die aufbrechen
und für die, die verlassen wurden,
für die Trauernden und
für die, sich nach neuem Leben ausstrecken.
Du bist bei uns,
treuer und ewiger Gott,
zu dir rufen wir:
Erbarme dich.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn. – Gott sei ewiglich Dank.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und schenke dir Seinen Frieden.

Amen.