02. August 2020 - 8. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrerin Elke Schwerdtfeger - Lektor: Friedrich-Wilhelm Kruse

Wandelt als Kinder des Lichts;

Die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. (Epheser 5,8b.9)

Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch zum 8. Sonntag nach dem Trinitatisfest. An diesem Sonntag geht es um die Frage, was Licht und Hoffnung in unser Leben bringt.

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Der Psalm dieses Sonntages ist der 48. Psalm:

Groß ist der HERR und hoch zu rühmen

in der Stadt unsres Gottes, auf seinem heiligen Berge.

Schön ragt empor sein Gipfel,

daran sich freut die ganze Welt.

Wie wir's gehört haben, so sehen wir's

an der Stadt des HERRN Zebaoth,

an der Stadt unsres Gottes:

Gott erhält sie ewiglich.

Gott, wir gedenken deiner Güte

in deinem Tempel.

Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm

bis an der Welt Enden.

Deine Rechte ist voll Gerechtigkeit.

Es freue sich der Berg Zion,

und die Töchter Juda seien fröhlich

um deiner Rechte willen.

Ziehet um den Zion herum und umschreitet ihn,

zählt seine Türme;

habt gut Acht auf seine Mauern,

durchwandert seine Paläste,

dass ihr den Nachkommen davon erzählt:

Dieser ist Gott, unser Gott für immer und ewig.

Er ist's, der uns führet.

Amen.

Lesung Johannes 9, 1-7

Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war.

Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?

Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.

Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.

Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.

Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.

Amen.

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Bruder, Jesus Christus. Amen.

 

„Was hat sie denn Schlimmes gemacht, dass sie so gestraft ist? Sie ist doch so eine liebe Frau.“ Traurig sitzt ein Mann am Krankenbett seiner Mutter. Die Frau ist unheilbar krank. Es geht ihr schlecht.

„Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?“

 

Liebe Gemeinde,

vielleicht waren Sie auch schon mal in einer Situation, in der Sie sich gefragt haben:  

Warum passiert mir das?

Warum erleide ich diese Krankheit?

Wer ist Schuld?

Seit Jahrtausenden fragen Menschen so nach dem Grund ihres Leidens.

 

Wir hätten gerne, dass es nachvollziehbare Gründe gibt für Leid und Krankheit.

Wir denken, es sollte so sein:

Jemand tut Gutes. Ihm geht es gut.

Jemand anderes macht Böses, er wird bestraft.

 

Aber so einfach ist das Leben nicht.

Das wissen wir seit Hiob.

Niemand von uns hat sich das Gute verdient, das wir erleben: Den Wohlstand, die Sicherheit in unserem Land, die Demokratie, das gute Gesundheitssystem – all das haben wir nicht „verdient“.

Was würden wir sagen, wenn wir in einem anderen Land geboren wären, wo es Menschen schlechter geht?

„Das Schwierige haben wir verdient.“? 

 

Solch ein einfaches System von dem was einer tut und den Folgen bietet aber die Möglichkeit, dass ich selber auf Abstand gehen kann. Das ist bequem.

„Der hat ja viel geraucht. Klar, dass er Lungenkrebs bekommt.“   

„Die hätten ja in ihrer Heimat bleiben können, dann wären sie nicht im Mittelmeer in Seenot geraten.“

 

Wenn die anderen selbst Schuld sind an ihrem Leid, brauche ich mich nicht darum zu kümmern.

Das macht das Leben einfacher.

 

Aber das ist falsch. Das Leben ist komplizierter.

Gott hat uns nie ein Leben ohne Krankheit und Leid und Tod versprochen.

 

Jesus geht darum auf die Frage der Jünger gar nicht ein.

Und Gott entlässt uns nicht aus unserer Verantwortung.

 

Wenn einer krank ist oder leidet, geht es nicht darum zu fragen: Wer ist Schuld?

Wenn einer krank ist oder leidet, geht es darum zu helfen. „Es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm“ , sagt Jesus.

 

Jesus nimmt die körperlichen Leiden von Menschen sehr ernst. Er heilt. Er tröstet. Er gibt Menschen zu essen. Er schafft Gemeinschaft.

Er zeigt Gottes Liebe durch das, was er tut und durch das, was er sagt. 

So ist er das Licht der Welt.

 

Und wir sollen das auch tun.

„Gebt ihr ihnen zu essen!“ sagt er seinen Jüngern.

„Geht und heilt!“

 

Und Jesus macht das bei dem Blinden ganz konkret:

Er bereitet einen Brei aus Spucke und Staub und streicht den auf die Augenlider des Blinden.

Zur Zeit Jesu war Spucke ein erprobtes Heilmittel.

Wir nutzen sie nur noch bei Mückenstichen.

 

Jesus macht also, was andere Ärzte seiner Zeit auch tun würden.

Der Blinde muss beim Heilungsprozess mitarbeiten, muss zu einem bestimmten Teich gehen und sich waschen.

Und das Wunderbare geschieht:

Er kann sehen! Gott sei Dank!

 

„Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat“, sagt Jesus. Und da bezieht er seine Jünger bewusst mit ein.

Und wir werden von ihm auch aufgefordert,

Werke der Liebe, Werke Gottes zu tun.

 

Christ sein, ohne dass sich das im praktischen Tun auswirkt, das geht nicht.

Dass Arme der Gemeinde mit Essen versorgt wurden, erzählt schon die Apostelgeschichte.

In christlicher Tradition hat sich die Medizin gut entwickelt. In Klöstern wurden Pflegeplätze eingerichtet.

 

Als Christinnen und Christen sollen wir nach vorne schauen und die Welt zum Guten verändern.

 

Deshalb lassen Sie uns Licht bringen in das Leben von Menschen, die krank sind!

Rufen Sie bei Leuten an, die allein in ihrer Wohnung sind. Gerade wegen Corona sind so viele allein und das macht einsam.

Machen Sie Besuche in Pflegeheimen, auch wenn das zur Zeit umständlich ist.

Beten Sie für Menschen! Das hilft.

 

Es ist wunderbar, dass Jesus so anders ist als wir:

Jesus legt Menschen nicht auf ihre Vergangenheit fest. Er schaut nach vorne, will Veränderung zum Guten.

Das bedeutet für uns selber: Wir sind von Jesus nicht auf unsere Vergangenheit festgelegt. Wir können ein anderer oder eine andere werden – was für eine Freiheit!

 

Nutzen wir diese Freiheit auch für uns selber!

Gott traut uns zu, dass wir uns verändern können.

Wir bekommen neue Chancen für unser Leben.

Unsere Augen können geöffnet werden.

Und Wunder gibt es auch.

Amen.

 

 

Und der Friede Gottes, der größer ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus unserem Bruder. Amen.

Wir beten:

Jesus Christus, wir danken dir dafür, dass du uns mit liebevollen Augen ansiehst.

Schenke uns einen wachen Blick, dass wir sehen, wo Du in unserem Leben wirkst, wo du uns heilst, wo du uns zu essen gibst, wo du uns durch Menschen begleitest.

Schenke uns einen wachen Blick für andere: Gib uns Ideen, wie wir helfen können, wie wir heilen können, wie wir trösten können. Und gibt, dass wir es tun.

Schenke uns einen wachen Blick für Menschen, die verletzt werden, nur weil sie anders aussehen als andere, einen anderen Namen haben oder weil sie behindert sind.

Schenke uns einen wachen Blick für die Zukunft: Hilf, dass wir den Mund aufmachen, wenn Leute angefeindet werden, weil sie sich für unsere Gesellschaft in Politik und Kultur engagieren. Unsere Demokratie braucht uns alle.

Schenke uns einen wachen Blick für Dich. Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.

Amen.