26. Juli 2020 - 7. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Jürgen Eigenbrodt - Lektor: Norbert Frontzeck

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen
 
Mit dem Wochenspruch aus dem ersten Epheserbrief begrüße ich Sie aus der Pauluskirche.

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Lied: Geh aus, mein Herz, und suche Freud [EG 503]

Der Psalm dieses Sonntages ist der 107. Psalm:

Psalm 107, 1-9

 

Danket dem Herrn;

denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich.

So sollen sagen, die erlöst sind durch den Herrn,

die er aus der Not erlöst hat,

die er aus den Ländern zusammengebracht hat

von Osten und Westen, von Norden und Süden.

Die irregingen in der Wüste, auf ungebahntem Wege,

und fanden keine Stadt, in der sie wohnen konnten,

die hungrig und durstig waren

und deren Seele verschmachtete,

die dann zum Herrn riefen in ihrer Not

und er errette sie aus ihren Ängsten

und er führte sie den richtigen Weg,

dass sie kamen zur Stadt, in der sie wohnen konnten:

Die sollen dem Herrn danken für seine Güte und für seine Wunder,

der er an den Menschenkindern tut,

das er sättigt die durstige Seele

und die Hungrigen füllt mit Gutem.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn

und dem heiligen Geist,

wie es war im Anfang,

jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen

Lesung Johannes 6, 1-15

1 Danach ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt.

2 Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.

3 Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder.

4 Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe.

5 Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben?

6 Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte.

7 Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll.

8 Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm:

9 Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele?

10 Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer.

11 Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen.

12 Als die Menge satt geworden war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts ver dirbt!

13 Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Brocken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren.

14 Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll.

15 Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.

Predigt

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe
Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit
euch allen. Amen.

Liebe Gemeine, liebe Zuhörer,

vor zwei Jahren hatte ich eine größere Geburtstagsfeier auszurichten. Mit ungefähr 50 Menschen wollte ich meinen
Geburtstag feiern. Nicht bei mir Zuhause, sondern in einem
kleinen Theater.

Dieses Theater organisiert solche Feste. Es hat Erfahrungen und macht Vorschläge, wie eine solche Feier aussehen kann.
Dazu gehören auch Menü-Vorschläge, aus denen man auswählen kann.

Nachdem ich mich für einen Speisevorschlag entschieden hatte, bestellte ich. Kurz vor meiner Feier dachte ich. Hoffentlich reicht das für alle. Ich rief noch einmal an und sagte: Sie wissen ja, es kommen 50 Personen, reicht das was ich bestellt habe?

Die Dame am Telefon lachte und sagte: Sie können sich auf uns verlassen. Wir haben Erfahrungen damit und alle werden satt werden. Und so war es dann auch. Alle wurden satt und ein kleiner Rest blieb sogar noch übrig.

Im Predigttext heute sind nicht 50!, sondern 5000 Menschen satt geworden. Von fünf Gerstenborten und zwei Fischen. Einfach so.

Im Text hören wir auch nicht, dass Panik aufkommt oder Unruhe, weil ein Versorgungsproblem bestehen könnte.
Die Menschen lagern sich auf dem Grad und keiner hat Angst, er könnte zu kurz kommen.

Es kommt sogar noch besser. Es bleibt sogar etwas übrig, dass eingesammelt werden muss.

Aus dem Nichts ist genug da für alle.
Was für eine Geschichte.

Alle Organisatoren von Großveranstaltungen dürften vor Neid erblassen. Und wahrscheinlich würde uns niemand diese Geschichte so abnehmen. Wir würden zu hören bekommen: Wie soll das denn gehen.

Da sollen 5.000 Menschen satt werden. Ist das nicht ein bisschen zu dick aufgetragen das Ganze?

Ja, die Geschichte ist schon ein wenig anstößig und scheint
überhaupt nicht in unsere Welt zu passen, die mit Zahlen, Daten und Fakten arbeitet.

Aber solche biblischen Erzählungen sind Einladungen, die Welt
mit anderen Augen zu sehen. Die Geschichten laden uns ein Übermaß und Großzügigkeit gegen Klein-klein und Nachrechnen zu stellen.

Solche Bibeltexte wie heute laden uns ein, dass außergewöhnliches und unerwartetes möglich ist. Und: Das Menschen auf Gottes überraschende und erneuernde Kraft vertrauen dürfen.

Auch dieser Bibeltext gehört für mich dazu.

Johannes erzählt diese Geschichte so, dass unterschiedliche Menschen und Ansichten zu Wort kommen. Wie kann ich mit so einer Sache umgehen? 5000 Menschen und nichts da, nicht vorbereitet.

So hören wir Philippus. Der sagt. Bitte keine Luftschlösser bauen, mit denen man Schiffbruch erleidet. Und er sagt das nicht nur, sondern rechnet auch vor. Selbst wenn wir für 200 Denare Brot kaufen würden, könnten wir diese Menschenmenge nicht satt machen. Und zum Verständnis:
200 Denare waren für einen Arbeiter damals, der halbe Arbeitslohn.

Philippus hat eine klare Empfehlung, die wir auch oft zu hören bekommen: Lass uns die Sache abblasen, ehe es peinlich wird.

Damit wird eine Idee schon im Keim erstickt. Bloß nicht erst starten. Bloß den Gedanken nicht weiterspinnen, sondern direkt einstampfen.

Dann hören wir Andreas. Er hat eine Idee. Er sieht ein Kind mit fünf Gerstenborten und zwei Fischen. Das ist doch mal ein Anfang.
Mit einem gewissen Optimismus scheint er ausgestattet zu sein. Lasst es uns doch versuchen. Weniger ist mehr.

Auch seine Stimme hören wir an vielen Stellen in der Welt. Wir haben doch eine Verantwortung für unsere Mitmenschen. Lasst uns doch etwas tun und nicht die Hände in den Schoß legen.

Und dann ist da Jesus. Was tut Jesus? Er nahm die Brote, dankte und gab sie denen, heißt es.
Da klingen Abendmahlsworte durch.

Und das ist wohl kein Zufall. Denn Jesus bezeichnet sich als das Brot des Lebens. Bei Jesus gibt es mehr als nur gewöhnliche Speise. Der Evangelist verdeutlicht uns, was es auf sich hat mit der Speise, die Jesus den Menschen gibt.

Es ist eine Einladung sich zu engagieren, weil genug da ist.
Und Gott sei Dank, geschieht das immer wieder.

Auch bei uns werden immer wieder neue Idee von Menschen für Menschen geboren. Denken wir an die unzähligen Lebensmittel, die früher einfach vernichtet und weggeschmissen wurden. Heute werden sie eingesammelt und in Läden an Bedürftige weitergegeben oder als Mittagessen aufbereitet.

Denken wir an die vielen Menschen, die sich in den letzten Wochen für andere Menschen engagiert haben, sei es, dass sie eingekauft haben, Kontakte gepflegt haben und vieles mehr.
Andere haben für andere musiziert und auf Balkonen und an Fenstern wurde geklatscht, als ein Zeichen der Wertschätzung für Berufe, die den Alltag meistern.

All das geschah wie damals bei der Speisung der 5000. So aus dem Nichts. Alles ohne Gewerbeschein, ohne Organisationskonzept und ohne Anmeldung. Es geschah einfach so und es funktionierte.

Auch unsere Gemeinde öffnete sich für neue Wege. Mit Video Aufzeichnungen haben wir Gottesdienste gefeiert. Gute Worte und Andachten sind zu hören gewesen. So konnten wir mit ihnen feiern, wenn auch anders. Und alles wurde so aus dem Nichts ins Leben gerufen. Wir brauchen das jetzt. Menschen haben sich engagiert und mitgemacht. Vielen Dank dafür!

So stelle ich mir das damals vor. Jesus geht mit gutem Beispiel voran. Er lässt kein Konzept erarbeiten und er sagt auch nicht, maximal 500 und dann ist Schluss. Seine Botschaft lautet: Es ist genug für alle da!

Jesus sieht den Lebenshunger der Menschen, selbst wenn der
Magen voll ist.

In unserer Wohlstandsgesellschaft muss niemand Hunger leiden. In der Welt ist das anders.

Den Lebenshunger, den Jesus stillen will, macht anders satt.
Da sollen Menschen nicht nur essen und trinken, sondern
Wertschätzung und Anerkennung erfahren, Hoffnung und Trost für ihr Leben und für ihren Alltag. Sie sollen wissen, dass Gott
keine Leistungen einfordert.

Deshalb meldet er sich zu Wort. Deshalb zieht er die Sache konsequent durch! Ich bin das Brot des Lebens hat Jesus gesagt. Haben die Menschen ihn verstanden? Im Evangelium hören wir, dass die Menschen großes von ihm erwartet haben. Sie wissen, dass er erstaunliche Dinge getan hat. Das Volk möchte vielleicht ein bisschen begeistert werden. Aber dafür steht Jesus nicht zur Verfügung. Er ist keiner, der sagt, morgen ist alles gut. Morgen seid ihr alle Probleme los. Ab morgen wird alles anders. Jesus weiß um die Probleme und wie wichtig, das tägliche Brot als Nahrung ist. Er weiß, was es bedeutet, hungern zu müssen. Er weiß, was es bedeutet, wenn materielle Dinge fehlen. Er sieht unsere Not. Jesus möchte uns mit geistlichem Brot versorgen. Das soll den Lebenshunger nach einem erfüllten Leben stillen. Und davon ist genügend da. In Hülle und Fülle. Ich konnte bei meiner Feier auf Erfahrungen einer Firma vertrauen. Es war genug da. Heute dürfen wir auf Jesus vertrauen, es ist genug geistliche Nahrung da: Für Sie, für dich und für mich. Amen. Und der Friede Gottes, der größer ist als alle menschliche Vernunft, der behüte und bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. Amen.

Lied: Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht [EG 667]

Wir beten:

Wir beten zu dir Gott, unser Vater, der uns in Jesu zeigt, wie wir leben sollen:
 
Für die Völker der Welt, dass sie einander mit Frieden und Toleranz begegnen; dass sie sich miteinander auf den Weg machen ohne Überheblichkeit; dass sie ihre Konflikte ohne Gewalt lösen.

Zu dir rufen wir: Herr erbarme dich.
 
Wir bitten für unsere Gemeinde, dass sie ihren Platz an der Seite des Menschen weiß, die rechtlos und gedemütigt werden; dass sie sich ohne Ansehen der Person für Menschen einsetzt, die ihre Hilfe brauchen.

Zu dir rufen wir: Herr erbarme dich.
 
Wir bitten dich für die vielen überforderten Frauen und Männer, die unterwegs sind, um Menschen zu helfen, die ohne sie hilflos sind. Sei du, Gott, ihr Begleiter, der die aufsammelt, wenn sie unter ihrer Last zusammenbrechen.

Zu dir rufen wir: Herr erbarme dich.
 
Wir bitten für uns, das wir Christen sein und bleiben wollen, dass wir uns Zeit nehmen, wenn Menschen uns brauchen, weil sie trauern oder an das Krankenbett gefesselt sind. Dass wir Wege finden zu denen, die Abseits stehen, weil sie in ihrem Leben keinen Sinn mehr finden.

Zu dir rufen wir: Herr erbarme dich.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.

Amen.

Lied: Geh aus, mein Herz, und suche Freud [EG 503]

1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben,
sich ausgeschmücket haben.

13. Hilf mir und segne meinen Geist
mit Segen, der vom Himmel fleußt,
daß ich dir stetig blühe;
gib, daß der Sommer deiner Gnad
in meiner Seele früh und spat
viel Glaubensfrüchte ziehe,
viel Glaubensfrüchte ziehe.

14. Mach in mir deinem Geiste Raum,
daß ich dir werd ein guter Baum,
und laß mich Wurzel treiben.
Verleihe, daß zu deinem Ruhm
ich deines Gartens schöne Blum
und Pflanze möge bleiben,
und Pflanze möge bleiben.

Text: Paul Gerhardt 1653 Melodie: August Harder 1813

Lied: Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht [EG 667]

1. Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht
und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht
in der Liebe die alles umfängt,
in der Liebe die alles umfängt.

2. Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt
und die Not, die wir lindern, zur Freude wird,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir ...

3. Wenn die Hand, die wir halten, uns selber hält
und das Kleid, das wir schenken, auch uns bedeckt,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir ...

4. Wenn der Trost, den wir geben, uns weiter trägt
und der Schmerz, den wir teilen, zur Hoffnung wird,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir ...

5. Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist
und der Tod, den wir sterben, vom Leben singt,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir ...

Text: Claus-Peter März Melodie: Kurt Grahl