7. Sonntag nach Trinitatis - 18. Juli 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrerin Elke Schwerdtfeger - Lektor: Norbert Frontzeck

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.

Eph. 2,19


Liebe Gemeinde, willkommen zum Gottesdienst!

Wir als christliche Gemeinde sind eine Ess- und Trinkgemeinschaft. Davon erzählen die Texte und Lieder dieses Sonntages.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Aus Psalm 107A

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich

und seine Güte währet ewiglich.

So sollen sagen, die erlöst sind durch den Herrn,

die er aus der Not erlöst hat,

die er aus den Ländern zusammengebracht hat

von Osten und Westen, von Norden und Süden.

Die irregingen in der Wüste, auf ungebahntem Wege,

und fanden keine Stadt in der sie wohnen konnten,

die hungrig und durstig waren

und deren Seele verschmachtete,

die dann zum Herrn riefen in ihrer Not

und er errettete sie aus ihren Ängsten

und führte sie den richtigen Weg,

dass sie kamen zur Stadt, in der sie wohnen konnten:

Die sollen dem Herrn danken für seine Güte

und für seine Wunder,

die er an den Menschenkindern tut,

dass er sättigt die durstige Seele

und die Hungrigen füllt mit Gutem.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Bruder, Jesus Christus. Amen.

Ist Ihr Kühlschrank auch gut gefüllt, liebe Gemeinde?

Bei uns findet sich Brot und Käse, Salami und Eier, Salat und Obst, Milch und Wein. Die Fülle. Gott sei Dank!

Nicht allen geht es so gut. Elija zum Beispiel.

Elija ist auf der Flucht. Durch seine kritischen Worte zur Politik von Königin Isebel, hat er sie gegen sich aufgebracht. Sie will ihn töten lassen. Er muss fliehen.

Und das, während in Israel eine Hungersnot ist!

Es hat schon lange nicht geregnet. Vieles ist verdorrt.


Hören Sie die Lesung aus dem 17. Kapitel des 1. Buches der Könige:


Elija, ein Tischbiter aus Tischbe in Gilead,

kündigte Ahab an:

»So gewiss der Herr, der Gott Israels, lebt,

in dessen Dienst ich stehe!

Es wird in diesen Jahren weder Tau noch Regen geben

–es sei denn, dass ich es befehle.«

2Danach kam das Wort des Herrn zu Elija:

3»Geh weg von hier in Richtung Osten!

Versteck dich am Bach Kerit,

der in den Jordan fließt!

4Aus dem Bach kannst du trinken.

Den Raben habe ich befohlen, dich dort zu versorgen.«

5Da ging er los und tat, was der Herr befohlen hatte.

Er ging und setzte sich an den Bach Kerit,

der in den Jordan fließt.

6Morgens und abends brachten Raben ihm Brot und Fleisch.

Trinken konnte er aus dem Bach.


Elia hat keinen vollen Kühlschrank.

Elia bekommt aber, was er zum Überleben braucht:

Abstand zu Isebel, Wasser, das er aus einem Bach schöpfen kann und Brot und Fleisch.

Das bringen ihm Raben.

Ausgerechnet Raben!

Sie gelten im alten Israel als unreine Tiere, weil sie auch Aas fressen. Sie sind sozusagen Außenseiter unter den Tieren.

Und gerade sie schmeißen Elia immer wieder einige Brocken hin, dass er nicht verhungert.

Elia lebt buchstäblich von der Hand in den Mund.

Manchmal geht es uns so:

Da leben wir von der Hand in den Mund.

Ich denke dabei nicht an fehlende Kalorien.

Aber es gibt Zeiten, da ist die Kraft fast zu Ende.


„Das halte ich nicht mehr aus, meinen Vater weiter zu pflegen! Ich bin mit meinen Kräften am Ende. Ich hangele mich von Tag zu Tag“, erzählt eine Tochter mir.


Eine andere Frau sagt: „Die Arbeit ist so stressig. Ich kann nicht mehr. Ich gehe mit Bauchschmerzen in die Firma und hoffe, dass ich bis zum Abend durchhalte. Von einem Tag zum anderen schleppe ich mich. Hoffentlich halte ich durch bis zum Urlaub.“


Leben von der Hand in den Mund.

Das ist sehr mühsam.

Für Elia geht die schwere Zeit weiter:


7Aber nach einiger Zeit trocknete der Bach aus,

denn es gab keinen Regen im Land.

8Da kam das Wort des Herrn zu Elija:

9»Auf, geh nach Sarepta, das bei Sidon liegt!

Bleib dort! Denn ich habe einer Witwe befohlen,

dich dort zu versorgen.«

10Da machte sich Elija nach Sarepta auf.

Als er an das Stadttor kam,

war dort eine Witwe, die Holz auflas.

Elija sprach sie an und sagte:

»Hol mir doch bitte einen kleinen Krug mit Wasser.

Ich möchte etwas trinken.«

11Als sie wegging, um es zu holen, rief er ihr nach:

»Bring mir doch bitte auch ein Stück Brot mit.«

12Da antwortete sie:

»So gewiss der Herr, dein Gott, lebt!

Ich habe überhaupt keine Vorräte mehr.

Nur noch eine Handvoll Mehl ist im Krug

und etwas Öl in der Kanne.

Ich wollte gerade ein paar Hölzchen sammeln,

wieder heimgehen und etwas aus den Resten backen.

Mein Sohn und ich wollten noch einmal etwas essen

und danach sterben.«

13Da sprach Elija: »Fürchte dich nicht!

Geh nur und tu, was du gesagt hast.

Aber mach zuerst für mich ein kleines Brot

und bring es zu mir heraus.

Danach kannst du für dich und deinem Sohn etwas backen.

14Denn so spricht der Herr, der Gott Israels:

Der Mehlkrug wird nicht leer werden,

und die Ölkanne wird nicht versiegen.

Das wird so bleiben bis zu dem Tag,

an dem der Herr wieder Regen schenkt

und es auf den Ackerboden regnen wird.«

15Sie ging los und tat, was Elija gesagt hatte.

Und tatsächlich hatten sie alle drei zu essen:

Elija, die Frau und ihr Sohn, Tag für Tag.

16Der Mehlkrug wurde nicht leer

und die Ölkanne versiegte nicht.

So hatte es der Herr durch Elija gesagt.


„Schlimmer geht immer“, sagt der Volksmund.

Elia erlebt das. Selbst der Bach, aus dem er trinken konnte, trocknet aus. Er muss weiter fliehen.


Doch auch in dieser schlimmen Situation fühlt Elia Gott an seiner Seite.

Elia beschwert sich nicht, dass Gott ihn in solch eine Situation gebracht hat. Elia vertraut Gott dennoch.

Manchmal erlebe ich solch eine Haltung im Krankenhaus:

„Wie gut, dass ich meinen Glauben habe, Frau Pastor! Ohne den hätte ich die ganzen Operationen und Therapien nicht durchgehalten“, sagt mir jemand.

So große Kraft kann aus dem Vertrauen zu Gott wachsen!


Gott schickt Elia zu einer Witwe!

Zu einer armen Frau!

Zu einer alleinerziehenden Mutter!

Sie hat keine Hoffnung mehr, dass sie und ihr Kind die Hungersnot überleben werden.

Sie ist am Ende mit ihrem Mehl, ihrem Öl, ihrer Hoffnung.

Jetzt soll sie noch abgeben?!


Liebe Gemeinde, wäre es nicht schlauer, Gott würde Elia zu Menschen mit vollen Vorratsräumen schicken, statt zu dieser armen Frau?


„Fürchte dich nicht!“ ruft Elia ihr nach.

Fürchte dich nicht! Das klingt fast zynisch.


Ich weiß nicht, ob die Frau sich nicht fürchtet oder ob ihr alles egal ist: Jedenfalls teilt sie das Wenige, was sie hat, mit Elia.


Und dann erleben alle drei die wunderbare Kraft Gottes: Das Mehl im Krug wird nicht alle und in der Kanne ist immer etwas Öl.

Alle drei überleben.

Sie haben wenig, aber sie überleben,

bis bessere Zeiten kommen.


Liebe Gemeinde, das wünsche ich Ihnen, wenn Sie mal das Gefühl haben, am Ende zu sein:

Dass da jemand ist, mit dem Sie das Wenige teilen können. Und dass Sie dann erleben, dass es sich vermehrt,

dass Sie überleben

und dass dann irgendwann bessere Zeiten kommen.


Ein Stückchen Brot, einige Tropfen aus dem Kelch.

Mehr teilen wir beim Abendmahl nicht.

Aber es ist das, was uns helfen kann, zu überleben.

Denn Gott ist bei uns.


Und irgendwann ist der „Kühlschrank des Lebens“ hoffentlich wieder gut gefüllt.

Amen.


Und der Friede Gottes,

der höher ist als alle Vernunft,

bewahre unsere Herzen und Sinne

in Christus, unserem Bruder.

Amen.

Fürbitten

Lasst uns beten:

Gott, wir danken dir, dass wir genug zu essen haben, dass wir keine existentielle Not leiden,

dass wir nicht auf der Flucht sind und ein Zuhause haben.


Gott, wir bitten dich für alle Menschen,

die nicht genug zu essen haben.

Für Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten.

Für Menschen, deren Beete und Felder von Dürre oder zu viel Regen zerstört worden sind.

Für alle, die darauf angewiesen sind,

dass andere ihnen zu essen geben.


Gott, wir bitten dich für alle Menschen,

die mit ihren Kräften am Ende sind,

für die das Leben in ihren Familien fast unerträglich geworden ist,

für die, deren Arbeit sie überfordert,

für die, die von der Hand in den Mund leben.


Gott, wir bitten dich für uns:

Zeige uns, wo wir gebraucht werden.

Hilf, dass wir uns auf andere einlassen

Gib, dass wir unsere kleinen Kräfte mit Menschen teilen.

Lass auch bei uns ein Wunder der Vermehrung geschehen!


Gott, wir bitten dich für uns.

Du kennst unseren inneren Hunger.

Gib uns, was wir zum Überleben brauchen.

Und lass für alle, die an Körper oder Seele hungern,

wieder bessere Zeiten kommen!

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn. – Gott sei ewiglich Dank.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und schenke dir Seinen Frieden.

Amen.