19. Juli 2020 - 6. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Matthias Mladek - Lektorin: Britta Hermes

Und nun spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel:

Fürchte Dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.

Mit dem Wochenspruch aus Jesaja 43 begrüße ich Sie ganz herzlich zum Gottesdienst am 6. Sonntag nach Trinitatis.

Der heutige Sonntag ist im liturgischen Kalender der Taufsonntag. Wir alle sollen uns unserer eigenen Taufe und der Zusage Gottes immer bei uns zu sein erinnern.

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Der Psalm dieses Sonntages ist der 139. Psalm:

Wir beten mit Worten aus Psalm 139. Ein Psalm, der mir besonders viel bedeutet und der mich ganz besonders anspricht.  


Herr, du erforschest mich

und kennest mich.

     Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;

     du verstehst meine Gedanken von ferne.

Ich gehe oder liege, so bist du um mich

und siehst alle meine Wege.

     Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,

     das du, Herr, nicht schon wüßtest.

Von allen Seiten umgibst du mich

und hältst deine Hand über mir.

     Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch,

     ich kann sie nicht begreifen.

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,

und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

     Führe ich gen Himmel, so bist du da;

     bettete ich mich bei den Toten, siehe,     

      so bist du auch da.

Nähme ich Flügel der Morgenröte

und bliebe am äußersten Meer,

     so würde auch dort deine Hand mich führen

     und deine Rechte mich halten.

Spräche ich: Finsternis möge mich decken

und Nacht statt Licht um mich sein -,

     so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,

     und die Nacht leuchtete wie der Tag.

     Finsternis ist wie das Licht.

Denn du hast meine Nieren bereitet

und hast mich gebildet im Mutterleibe.

     Ich danke dir dafür, daß ich wunderbar gemacht bin;

     wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

Es war dir mein Gebein nicht verborgen,

als ich im Verborgenen gemacht wurde,

als ich gebildet wurde unten in der Erde.

     Deine Augen sahen mich,

     als ich noch nicht bereitet war,

und alle Tage waren in dein Buch geschrieben,

die noch werden sollten und von denen keiner da war.

     Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken!

     Wie ist ihre Summe so groß!

Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand:

Am Ende bin ich noch immer bei dir.

     Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz;

     prüfe mich und erkenne, wie ich's meine.

Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin,

und leite mich auf ewigem Wege.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn

und dem heiligen Geist,

wie es war im Anfang,

jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen

Tagesgebet

Lasst uns beten:

Guter Gott.

Du hast uns mit unserer Taufe

dein Zeichen gegeben,

dass wir zu neuem Leben

im Volk deiner Erlösten berufen sind.

Du hast uns beim Namen gerufen,

hilf uns ganz und gar dein zu sein

Das bitten wir durch Jesus Christus,

deinen Sohn, unseren Bruder

der mit dir und dem Heiligen Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen

Lesung 5. Mose 7, 6-12

6 Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott.

Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind.

7 Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –,

8 sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat.

Darum hat der HERR euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.

9 So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten,

10 und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen.

11 So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust

12 Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat

Amen

Predigt

Liebe Gemeinde, 

geben wir in einer Internetsuchtmaschine das Wort „Vorstellungsgespräch“ ein, erscheinen tausende von Seiten wie diese:

 

Ihr Vorstellungsgespräch - Diese 63 Fragen entscheiden es

Vorstellungsgespräch: Typische Fragen und gute Antworten

Vorstellungsgespräch: 10 Dinge, die Sie NIE sagen sollten

 

Wie geht es Ihnen?

 

Erinnern Sie sich noch an Ihr letztes Vorstellungsgespräch?

Das Gefühl alles richtig machen zu müssen.

Das Bestreben, sich besonders gut zu präsentieren.

Bloß keine Fehler machen?

 

Eines meiner Vorstellungsgespräche werde ich nie vergessen

Ausbildungsberuf: Bankkaufmann

 

Herr Mladek, wie stehen Sie zu Krediten?

Und ganz das Produkt meiner Erziehung schießt es aus mir heraus:

Ich denke, man sollte eigentlich nur das kaufen, was man sich leisten, was man auch bezahlen kann.

 

Vorstellungsgespräch: 10 Dinge, die Sie NIE sagen sollten

Das hätte ich besser mal gelesen, aber zur der Zeit googelten wir ja alle noch nicht.

Das Vorstellungsgespräch jedenfalls fand ein schnelles Ende.

Und es dauerte keine Woche und der Brief lag im Kasten:

 

„müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass wir uns für einen anderen Bewerber entschieden haben“

 

So schnell geht das, wer es nicht schafft, sich als Größter, Schönster, Bester darzustellen, der fällt durch.

Haben Sie mal versucht, nach einer Absage zu erfahren, warum Sie nicht eingestellt worden sind?

Eine ehrliche Antwort bekommen Sie da nicht.

„Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir keine Bewerberberatung machen können."

„Wir haben uns nicht gegen Sie, sondern für jemand anderen entschieden."

„Sicher finden Sie bald einen anderen Arbeitgeber."

 

Mehr Antwort ist nicht zu erwarten.

 

Anders ist das in unserem Predigttext aus dem 5. Buch Mose, den wir ja bereits als Lesung gehört haben:

Da hören wir genau warum sich Gott für sein Volk, das Volk Israel entschieden hat.

Und warum wir, in der Nachfolge zu diesem erwählten Volk gehören.

Es sind gerade nicht die Attribute Größe und Stärke, die hier entscheiden.

6 Denn du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott. Dich hat der Herr, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind.

7 Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –,

 

Liebe Gemeinde,

nicht wegen Eurer Größe, im Gegenteil, obwohl Ihr das kleinste Volk seid, hat Gott Euch erwählt.

Wie gut zu hören,dass es bei Gott anders zu geht. Wir brauchen uns nicht größer zu machen,

als wir sind. Wir brauchen uns nicht besonders darzustellen, besonders hervor zu tun. So wie wir sind,

so sind wir richtig, so sind wir von Gott geliebt.

 

„Ich danke dir, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin“

So haben wir mit Psalm 139 gebetet.

Wunderbar gemacht, Geschenke Gottes sind wir. Geliebt und getragen.

9 So sollst du nun wissen, dass der Herr, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten,

 

Welch ein Versprechen, welch eine kraftvolle Zusage, welch ein Liebesbeweis Gottes ist das. Gott hält fest an seinem Bund, einem Bund, den er mit dem Volk Israel geschlossen hat. Einem Bund, den er mit dem Regenbogen nach der Sintflut über Noahs Arche bekräftigt hat. Solange die Erde steht, hat Gott gesagt.

Und einem Bund, den Gott mit jeder und jedem von uns geschlossen hat in der Taufe. Und ein Bund den er  schließen wird mit jedem Menschen, der getauft wird.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Mit diesen Worten, sind die Getauften fest verbunden mit Gott.

Sind wir mit hinein genommen in den uralten, immerwährenden Bund. 

12 so wird der Herr, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat.

 

Den Bund und die Barmherzigkeit. Zwei Worte die hier fest miteinander verbunden werde. Im Taufversprechen

liegt die Zusage der Barmherzigkeit Gottes. Ein Zusage, die nicht an unser Tun, an unseren Verdienst gekoppelt ist. Nein, eine Barmherzigkeit Gottes, die allein in grenzenloser göttlicher Liebe zu uns seine Wurzeln hat. Eine Barmherzigkeit, die sich nicht an unserem Handeln misst. Wohl aber unser Bemühen in den Blick nimmt.

Gottes Gnade und Barmherzigkeit ist – davon bin ich überzeugt - nicht gedacht als Freifahrtschein.

Im Rahmen unserer Möglichkeiten. Ja, ich denke das trifft es gut. Im Rahmen unserer Möglichkeiten,

sollen wir uns einsetzen, für ein gerechtes, ein friedvolles Miteinander.

Im Rahmen unserer Möglichkeiten, sollen wir versuchen, unsere Mitmenschen in den Blick zu nehmen.

Zu teilen, von unserem vollen Maß, weiterzugeben von Gottes Liebe und von seiner Ermutigung.

Im Rahmen unserer Möglichkeiten Gottes Gesetze halten:

 

Die Würde des Menschen ist unantastbar, sagt das Grundgesetz.

Du sollst nicht töten, ist Gottes Gebot, das wir heute viel weiter fassen:

Du sollst einem anderen Menschen nicht schaden, ihm kein Leid zufügen, körperlich nicht und seelisch eben auch nicht.

Du sollst nicht beleidigen, mobben, niemanden schlecht machen, diskriminieren, schlagen oder töten.

So beschreiben unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden im kirchlichen Unterricht heute das fünfte Gebot.

 

Nach unseren Möglichkeiten, mit der Barmherzigkeit Gottes, und in dem treuen Bund, der uns in der Taufe geschenkt ist, kann und wird unser Leben gelingen.

 

Amen

Wir beten:

Guter Gott,

du hast uns in der Taufe bei unseren Namen gerufen,

du hast uns zugerufen:

Fürchte dich nicht.

So lass uns fröhlich unsere Wege gehen

und andere fröhlich begleiten.

 

Gott,

du hast uns in der Taufe ein Versprechen gegeben:

Auf allen Wegen willst du bei uns sein.

Hilf uns, dass wir das nie vergessen.

Und so bringen wir vor Dich,

die Einsamen ,

die Schutz- und Wehrlosen.

 

Gott,

du hast uns in der Taufe ein Versprechen gegeben:

Auf allen Wegen willst du uns Mut machen.

Hilf uns, dass wir darauf vertrauen.

Und so bringen wir vor Dich,

die Kranken,

die Trauernden,

die Verzweifelten.

 

Gott,

du hast uns in der Taufe ein Versprechen gegeben:

Auf allen Wegen willst du uns Hoffnung geben.

Lass uns die Zuversicht nie verlieren.

Und so bringen wir vor dich,

die im Krieg oder auf der Flucht leben,

die keinen Ausweg mehr sehen,

und die Verzweifelten.

 

Und alles was uns sonst noch bewegt,

bringen wir vor Dich mit den Worten,

die Jesus uns zu beten gelehrt hat:

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.

Amen.