12. Juli 2020 - 5. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrer Martin Schwerdtfeger - Lektorin: Stefanie Leosz

Wochenspruch: Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es. Epheser 2,8

Herzlich willkommen zum Gottesdienst in der Pauluskirche am 5. Sonntag nach Trinitatis!

Gott wendet sich uns Menschen zu und zeigt uns Wege, die wir gehen können. Manchmal scheint es ein Wagnis zu sein loszugehen. Aber wir haben das Versprechen, dass wir nicht allein unterwegs sind. Gott geht mit.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Der Psalm dieses Sonntages ist der 73. Psalm:

Gott ist dennoch Israels Trost

für alle, die reinen Herzens sind.

Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen;

mein Tritt wäre beinahe geglitten.

Denn ich ereiferte mich über die Ruhmredigen,

da ich sah, dass es den Frevlern so gut ging.

Sie höhnen und reden böse,

sie reden und lästern hoch her.

Was sie reden, das soll vom Himmel herab geredet sein;

was sie sagen, das soll gelten auf Erden.

Darum läuft ihnen der Pöbel zu

und schlürft ihr Wasser in vollen Zügen.

Dennoch bleibe ich stets an dir;

denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,

du leitest mich nach deinem Rat

und nimmst mich am Ende mit Ehren an.

Wenn ich nur dich habe,

so frage ich nichts nach Himmel und Erde.

Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,

so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Wir beten:

Du, unser Gott, hast uns allen Gaben verliehen. Du brauchst uns und rufst uns in deinen Dienst, auch dann, wenn wir unsere Möglichkeiten gering einschätzen.

Wir bitten dich: Gib, dass wir unsere eigenen Bedenken nicht ernster nehmen als deinen Ruf. Erhöre uns um deiner Liebe willen. Amen.

 

Lied: Er weckt mich alle Morgen [EG 452]

Lesung 1. Mose 12, 1-4a

Der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.

Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.

Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.

Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. –

Halleluja. Der Herr lässt sein Heil verkündigen; vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar. Halleluja.

Predigt

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Lukas 5,1-11

Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth. Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.

Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen. Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken.

Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten.

Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Liebe Gemeinde,

„von nun an wirst du Menschen fangen“, lautet der Auftrag an Simon und er geht mit unserer Taufe über auf jede und jeden von uns. Dabei passt das Wort „fangen“ besser zu Fischen. Wir sollen Menschen gewinnen und das in Freiheit. Eingefangene Menschen werden das Evangelium kaum verstehen können.

Menschen gewinnen. – Ich stelle mir vor, dass Petrus sich an diesen Anfang später immer mal wieder erinnert hat. Er hatte die Arbeit eines Fischers gelernt. Diese Fähigkeiten ließen sich kaum umsetzen in die Arbeit mit Menschen. Er sollte predigen, Kranke heilen, böse Geister vertreiben? Er gab sich Mühe, so zu handeln, wie er es sich bei Jesus abgeschaut hatte. Ob er alles richtig verstanden hatte?

Petrus hatte Pfingsten die Initiative übernommen, hatte – so gut er konnte – von Christus erzählt und von der Auferstehung und es war ihm gelungen zu überzeugen. Eine erste Gemeinde war entstanden. Später war er auch auf Widerstand gestoßen und auf Ablehnung. Und Paulus hatte er nie einbinden können in sein Konzept von Kirche. Er machte weiter, weil er erlebt hatte, wie mit Jesus etwas Neues angefangen hatte, das er sich nicht hatte vorstellen können. Ebenso wenig wie einen erfolgreichen Fischzug mitten am Tag.

Jesus war auf ihn zugekommen und hatte um sein Boot gebeten. Es waren so viele Leute da, die ihm zuhören wollten, und er brauchte etwas Abstand, um zu reden. Und als er fertig war, hatte er Simon aufgefordert, noch einmal hinauszufahren und zu fischen, obwohl sie doch die ganze Nacht nichts gefangen hatten.

Und dann dieser reiche Fang. – Was hatte ihn wohl dazu gebracht, es noch einmal zu versuchen, obwohl doch alle Erfahrung dagegen sprach, dass jetzt am Tag noch ein Fisch ins Netz gehen würde?

Hatte ihn die Rede Jesu so beeindruckt? Oder hatte Jesus ihm einfach zugetraut, dass er seine Arbeit gut machen würde?

Mir kommt dazu ein Satz in Erinnerung, den ich einmal in Dänemark auf eine Hauswand gesprüht gesehen habe: Du har ikke en Chance. Brug den! – Du hast keine Chance. Nutze sie!

Immer wieder wird das in biblischen Geschichten anschaulich. Da ist eigentlich eine unlösbare Aufgabe: der kleine David gegen den großen Goliath; die alte Sara, der ein Kind angekündigt wird; die Jünger, die außerhalb der Ortschaften eine große Menge verpflegen sollen und hören: Gebt ihr ihnen zu essen!

Keine Chance! Und doch erfüllt sich, was Gott Menschen zutraut.

Und das versteht Simon, der später Petrus heißen wird – Felsen: Der, an dem andere Halt finden werden.

Simon versteht, dass er es mit Gott zu tun bekommt. Und deshalb geht er zu Boden. Was ist er vor Gott? Schwach, mit Fehlern behaftet. Simon schämt sich.

Und staunt, als Jesus ihm nun noch viel mehr zutraut: Du wirst Menschen fischen. – Und er lässt alles stehen und liegen und geht mit.

Petrus war noch nah dran. Er war mit Jesus durch Galiläa und Jerusalem gezogen, hatte Ostern und das Pfingstfest selber erlebt. Wir heute, sind unsicherer, wie wir unseren Glauben weitergeben können. Wir sprechen öffentlich kaum darüber. Und das liegt wohl auch daran, dass jede und jeder von uns auch schwierige Erfahrungen mit unserer Kirche gemacht hat und dass sie uns in der Vergangenheit zu oft bevormundet oder geschwiegen hat, dass sie so schrecklich genau zu wissen meinte, wie man zu glauben und zu leben hat.

 

Menschen gewinnen. – Das geschieht immer wieder –  wo Offenheit erlebt wird, wo Christen auf andere zugehen, wo Ernsthaftigkeit zu spüren ist und gelacht werden kann.

Dadurch werden Menschen aufmerksam. Sie beginnen, über ihren eigenen Glauben nachzudenken und sich für die Gemeinde zu interessieren. Sie hören zu, schauen hin, singen mit – im Moment leise hinter dem Mundschutz.

Und sie bringen ihre Ideen ein für den Grünen Hahn oder unsere Partnerschaft mit Indonesien, decken Tische und helfen bei der Gartenarbeit, erzählen Kindern vom christlichen Glauben oder nehmen sich Zeit für Kranke oder Ältere.

Sie kommen ins Gespräch über Gott und die Welt und erzählen von ihrem Leben.

Und manche genießen auch einfach, im Gottesdienst einmal zur Ruhe zu kommen oder mit anderen zusammen Kaffee zu trinken und einmal nicht allein Mittag zu essen.

Sie bekommen etwas für ihren anstrengenden Alltag. Einen Moment lang geht es nicht um das, was sie tun sollen. Eine Stunde lang werden sie nicht gefordert. Sie können Luft holen und spüren: Es ist in Ordnung, dass ich jetzt hier bin. Leib und Seele kommen wieder zusammen. Ein Stück Heilwerden geschieht.

Gottes Segen ist ein Schatz, den wir den Menschen geben können, so wie Achtung und Freundlichkeit, das Angebot zum Gespräch oder Hilfe für den Alltag.

Menschen gewinnen – wofür eigentlich? Einfach, dass sie Gottes Zutrauen erleben können und damit leben. Das wird sich auswirken auf ihren Alltag und die Menschen in ihrer Umgebung. Und so tun sich neue Chancen auf. Die brauchen wir und wir können sie nutzen. Amen.

Lied: Gut, dass wir einander haben [WortLaute 50]

Wir beten:

In Christus hast du, Gott, dich gezeigt als ein Gott der kleinen Leute. Fischer hat er auserwählt, um deine Liebe zu bezeugen. Wir bitten dich darum für die kleinen Leute in aller Welt, dass sie bei allen Problemen erfahren, dass du ihnen Lösungen zutraust.

In Christus hast du, Gott, dich gezeigt als ein Gott ohne feste Bleibe. Menschen voller Sehnsucht hat er eingeladen, bei dir zuhause zu sein. Wir bitten dich darum für alle, die ihre Heimat verlassen mussten und auf der Suche sind nach einem Ort, an dem sie leben können.

In Christus hast du, Gott, dich gezeigt als ein Gott des Friedens. Die Niedrigen werden in deiner Gegenwart erhöht und die Schwachen gewinnen Kraft. Wir bitten dich darum für die Mächtigen, dass sie ihre Verantwortung wahrnehmen.

In Christus hast du, Gott, dich gezeigt als ein Gott des Lebens. Die, die dir vertrauen, schickst du oft auf unvertraute Wege. Wir bitten dich darum für alle, die in Angst und Sorge sind, und bitten dich: Sei mit deiner Hilfe nahe.

In Christus hast du, Gott, dich gezeigt als ein Gott der Treue. Du hältst zu deiner Gemeinde. Wir bitten dich darum für alle Christinnen und Christen: Stärke ihren Mut und ihre Hoffnung. Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.

Amen.

Lied: Er weckt mich alle Morgen [EG 452]

1. Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr. Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor, dass ich mit seinem Worte begrüß das neue Licht. Schon an der Dämmrung Pforte ist er mir nah und spricht.

2. Er spricht wie an dem Tage, da er die Welt erschuf. Da schweigen Angst und Klage; nichts gilt mehr als sein Ruf. Das Wort der ewgen Treue, die Gott uns Menschen schwört, erfahre ich aufs Neue so, wie ein Jünger hört.

5. Er will mich früh umhüllen mit seinem Wort und Licht, verheißen und erfüllen, damit mir nichts gebricht; will vollen Lohn mir zahlen, fragt nicht, ob ich versag. Sein Wort will helle strahlen, wie dunkel auch der Tag.

Text: Jochen Klepper 1938 Melodie: Rudolf Zöbeley 1941

Lied: Gut, dass wir einander haben [WortLaute 50]

Gut, dass wir einander haben, gut, dass wir einander seh’n, Sorgen, Freuden, Kräfte teilen und auf einem Wege geh’n. Gut, dass wir nicht uns nur haben, dass der Kreis sich niemals schließt und dass Gott, von dem wir reden, hier in unsrer Mitte ist.

1. Keiner, der nur immer redet, keiner, der nur immer hört. Jedes Schweigen, jedes Hören, jedes Wort hat seinen Wert. Keiner widerspricht nur immer, keiner passt sich immer an. Und wir lernen, wie man streiten und sich dennoch lieben kann.

Gut, dass wir einander haben, gut, dass wir einander seh’n, Sorgen, Freuden, Kräfte teilen und auf einem Wege geh’n. Gut, dass wir nicht uns nur haben, dass der Kreis sich niemals schließt und dass Gott, von dem wir reden, hier in unsrer Mitte ist.

2. Keiner, der nur immer jubelt; keiner, der nur immer weint. Oft schon hat uns Gott in unsrer Freude, unserm Schmerz vereint. Keiner trägt nur immer andre; keiner ist nur immer Last. Jedem wurde schon geholfen; jeder hat schon angefasst.

Gut, dass wir einander haben…

3. Keiner ist nur immer schwach und keiner hat für alles Kraft. Jeder kann mit Gottes Gaben das tun, was kein andrer schafft. Keiner, der noch alles braucht, und keiner, der schon alles hat. Jeder lebt von allen andern; jeder macht die andern satt.

Gut, dass wir einander haben…

Text und Melodie: Manfred Siebald 1990