05. Juli 2020 - 4. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrerin Elke Schwerdtfeger - Lektorin: Stefanie Leosz

Einer trage des Andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Galater 6,2

Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch zum 4. Sonntag nach dem Trinitatisfest.

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Der Psalm dieses Sonntages ist der 42. Psalm:

Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser,

so schreit meine Seele, Gott, zu dir.

Meine Seele dürstet nach Gott,

nach dem lebendigen Gott. 

Wann werde ich dahin kommen, 

dass ich Gottes Angesicht schaue?

Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht,

weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?

Daran will ich denken

und ausschütten mein Herz bei mir selbst:

wie ich einherzog in großer Schar,

mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes

mit Frohlocken und Danken

in der Schar derer, die da feiern.

Was betrübst du dich, meine Seele,

und bist so unruhig in mir? 

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, 

dass er mir hilft mit seinem Angesicht.

Am Tage sendet der HERR seine Güte,

und des Nachts singe ich ihm

und bete zu dem Gott meines Lebens.

Ich sage zu Gott, meinem Fels:

Warum hast du mich vergessen?

Warum muss ich so traurig gehen,

wenn mein Feind mich drängt?

Es ist wie Mord in meinen Gebeinen,

wenn mich meine Feinde schmähen

und täglich zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott?

Was betrübst du dich, meine Seele,

und bist so unruhig in mir? 

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, 

dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Amen.

Lesung Römer 12, 17-21

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem.

Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.  

Ist's möglich, soviel an euch liegt,

so habt mit allen Menschen Frieden.

Rächt euch nicht selbst, meine Lieben,

sondern gebt Raum dem Zorn Gottes;

denn es steht geschrieben:

»Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«

Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert,

so gib ihm zu essen;

dürstet ihn, so gib ihm zu trinken.

Wenn du das tust,

so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln«.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden,

sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Amen.

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Bruder, Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Sagt Paulus

Das Wort Böse ist etwas aus der Mode gekommen.

Was empfinden Sie als böse?

Ich erzähle ein paar Situationen. Die ich als böse empfinde:

 

Ein Mann in militärischem Outfit, bewaffnet bis an die Zähne, stürmt auf die Holztür zur Synagoge zu. Drinnen sitzen Menschen, um Jom Kippur zu feiern. Ausgerechnet: Das Versöhnungsfest der Jüdinnen und Juden. Ihr höchster Feiertag. Der Tag bringe Versöhnung, ist zu lesen. Ein antisemitischer Anschlag an diesem Tag. Ausgerechnet. Zwei Menschen sterben an diesem Tag. Der Jom Kippur am 9. Oktober 2019 in Halle hat keine Versöhnung gebracht, sondern den Tod.

 

Eine junge Kapitänin wird vom italienischen Innenminister als Gefahr für die nationale Sicherheit angeprangert, unter Hausarrest gestellt und muss sich vor Gericht verantworten. Das alles, weil sie nicht zulassen will, dass Menschen in Not auf offener See sterben, nur weil sich niemand für sie zuständig fühlt.

 

25. Mai 2020: George Floyd, ein 46 jähriger Afroamerikaner, stirbt, nachdem ein weißer Polizist ihn bei seiner Festnahme minutenlang zu Boden drückt und er nicht mehr atmen kann.

Seitdem kommt es in den USA aber auch in anderen Ländern zu Protesten gegen Rassismus.

 

„Das ist doch weit weg, nicht bei uns“, denken Sie vielleicht. Ich kann auch andere Beispiele erzählen:

Stuttgart im Juni 2020: Hunderte von Jugendlichen greifen Polizisten an. Sie demolieren Schaufenster plündern, zerstören. Gewalt als Freizeitbeschäftigung?

 

Eine junge Frau setzt sich in Hagen in einem Linienbus neben eine ältere Dame. Die schaut kurz zur Seite, steht auf und setzt sich auf einen anderen Platz. Die junge Frau ist eine Afrikanerin. Sie erlebt Rassismus im Alltag.

 

Ich spüre in mir den Wunsch nach Bestrafung, Vergeltung, vielleicht sogar nach Rache. Und das, obwohl ich in keinem dieser Fälle selber Opfer von Gewalt bin.

Aber Paulus mahnt: Vergeltet nicht Böses mit Bösem.

Gewalt gegen Juden, Gewalt gegen Menschen mit anderer Hautfarbe, als ich sie habe, macht mich wütend. Ebenso Gewalt gegen Polizistinnen, Rettungssanitäter und andere Menschen, die Menschen helfen und uns schützen.

Das darf es nicht geben, finde ich.

Wenn Menschenrechte verletzt werden, hat das nichts mit Meinungsfreiheit zu tun.

Ich bin nicht in der Position, dass ich etwas vergelten könnte, dass ich bestrafen könnte.

Aber ich bin als Christin verpflichtet, Unrecht zu benennen und etwas dagegen zu tun.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden,

sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Wie kann das gehen?

Den Mund aufmachen, wenn dumme Sprüche über Ausländer gemacht werden.

Nicht mitlachen bei Witzen über Frauen.

Wertschätzung üben im Kleinen, im Alltag.

Bedanken wir uns bei Polizisten und Rettungsleuten!

Und das muss nicht eine/einer alleine machen: Unstützen wir uns gegenseitig dabei!

Michelle Obama hat 2016  eine Rede gehalten, die gipfelte in dem Satz: When they go low, we go high!

Das kann man übersetzten mit:

Wenn andere den Respekt vermissen lassen und unter die Gürtellinie zielen, dann halten wir mit Würde, Achtung und Anstand dagegen.

Das ist im Sinne von Paulus.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden,

sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Lassen Sie uns einander gegenseitig dazu ermutigen!

Amen.

Und der Friede Gottes, der größer ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus unserem Bruder. Amen.

Wir beten:

Gott, du hörst unsere Bitten, unsere Klagen;

kein Ruf verhallt bei dir ungehört.

Darum wenden wir uns an dich:

Menschen fallen blindem Hass zum Opfer. Und viel zu oft kommt niemand, um dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten.

Wir rufen: Sende deinen Geist!

Die Schöpfung geht in die Knie: Wälder brennen, verpestete Luft nimmt den Atem, der Klimawandel raubt unseren Kindern die Lebensgrundlage.

Wir rufen: Sende deinen Geist!

Menschen werden zum Ertrinken verurteilt. Wer sie retten will, wird vor Gericht gestellt.

Wir rufen: Sende deinen Geist!

Machthabende missbrauchen ihre Macht. Rufen zur Jagd und befeuern den Unfrieden durch Reden und Handeln.

Wir rufen: Sende deinen Geist!

Gott, wir selbst sind oft nicht mutig genug.

Bitte gib uns die Kraft und den Geist, nicht stumm zuzusehen.

Gib uns Phantasie und Rückgrat, in deinem Sinne zu reden und zu handeln.

Wir rufen: Sende deinen Geist!

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.

Amen.