4. Advent - 20. Dezember 2020

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrer Martin Schwerdtfeger - Lektor: Herbert Terweiden

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe! Philipper 4,4.5b

Das ist die Botschaft des Philipperbriefes, die uns heute im Wochenspruch entgegenkommt. Diese Freude hat einen Grund, ein Ziel und einen Namen: Gott kommt uns Menschen nahe. Immanuel – Gott mit uns! Das ist sein Versprechen an uns. Dieser Freude in Gottes Gegenwart möchte ich nachgehen in diesem Gottesdienst.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm Lukas 1, 46-55 - MAGNIFICAT

Meine Seele erhebt den Herrn,

und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes;

denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.

Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.

Denn er hat große Dinge an mir getan,

der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.

Und seine Barmherzigkeit währet für und für

bei denen, die ihn fürchten.

Er übt Gewalt mit seinem Arm

und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.

Er stößt die Gewaltigen vom Thron

und erhebt die Niedrigen.

Die Hungrigen füllt er mit Gütern

und lässt die Reichen leer ausgehen.

Er gedenkt der Barmherzigkeit

und hilft seinem Diener Israel auf,

wie er geredet hat zu unsern Vätern,

Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit. Amen.

Lesung Lukas 1, 26-38

Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria.

Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! Du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.

Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Manne weiß? Der Engel antwortete und sprach zu ihr:

Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, sie, von der man sagt, dass sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.

Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.

Predigt

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

1. Mose 18,1-2.9-15

Gott erschien Abraham im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war. Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seines Zeltes und neigte sich zur Erde.

Da sprachen sie zu ihm: „Wo ist Sara, deine Frau?“ Er antwortete: „Drinnen im Zelt.“ Da sprach der Herr: „Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben.“

Das hörte Sara hinter ihm, hinter der Tür des Zeltes. Und sie waren beide, Abraham und Sara, alt und hochbetagt, sodass es Sara nicht mehr ging nach der Frauen Weise. Darum lachte sie bei sich selbst und sprach: „Nun, da ich alt bin, soll ich noch Liebeslust erfahren, und auch mein Herr ist alt!“

Da sprach der Herr zu Abraham: „Warum lacht Sara und spricht: ‚Sollte ich wirklich noch gebären, nun, da ich alt bin?‘ – Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein? Um diese Zeit will ich wieder zu dir kommen übers Jahr; dann soll Sara einen Sohn haben.“

Da leugnete Sara und sprach: „Ich habe nicht gelacht“ –, denn sie fürchtete sich. Aber er sprach: „Es ist nicht so, du hast gelacht.“

 

Liebe Gemeinde,

 

„versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen.“ Dieser Satz war ein geflügeltes Wort in unserer Familie. Damit wurde ein gegebenes Versprechen bekräftigt und löste Vorfreude aus. Mit diesen Worten wurde auch trotzig erinnert, wenn es zu kippen drohte. Und wäre das Versprechen nicht gehalten worden, dann wäre der Satz bestimmt wütend und unter Tränen wiederholt worden: Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen!

Ein gebrochenes Versprechen löst tiefe Verletzungen aus. Deshalb ist es wichtig, den Mund nicht zu voll zu nehmen, und sich gut zu überlegen, was man auch einhalten kann.

In einer verlässlichen Beziehung, in der ich den anderen als glaubwürdig erlebe, vertraue ich einer Zusage und freue mich schon mal. Ich male mir aus, wie es sein wird, wenn das Versprechen eingelöst wird. Und die Vorfreude beginnt.

Dabei sagt das Versprechen viel aus über den, der es gibt.

Gott hatte zu Abraham gesagt: „Ich will dich zu einem großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.“

Da waren Abraham und seine Frau Sara noch kinderlos, aber schon recht alt. Gott hatte die beiden aufgefordert, in ein neues Land aufzubrechen, und sie taten das in dem Zutrauen: Gott wird für uns da sein.

Sie kamen an in dem Land, das später Israel heißen sollte. Kinder hatten sie noch nicht.

Doch Gott wiederholte sein Versprechen. Eines nachts ließ er Abraham zum Himmel schauen und sagte:

Sieh gen Himmel und zähle die Sterne; kannst du sie zählen? So zahlreich sollen deine Nachkommen sein! – Abram glaubte dem Herrn, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit. 1. Mose 15,5f

Eine Weile später wird die Verheißung eines Sohnes für Abraham und Sara erneut angekündigt. Da lacht Abraham. Jetzt noch, in so hohem Alter?

Und dann kommt Gott in Gestalt der drei Männer zu Besuch. Abraham begrüßt sie mit tiefem Respekt – Gäste erfahren im Orient große Wertschätzung – und er hört: Sara soll im nächsten Jahr einen Sohn haben. Und Sara hört das im Zelt und lacht. – Ein altes Ehepaar nähert sich wohl auch im Humor an.

Hat Gott die Geduld der beiden überstrapaziert? Ist er zu spät dran?

Und dann der entscheidende Satz: Sollte Gott etwas unmöglich sein?

Das ist ganz nah an den Worten des Engels an Maria, die wir vorhin gehört haben: Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.

Da bleibt Sara das Lachen im Halse stecken. Sie erschrickt und wehrt ab: „Ich habe nicht gelacht.“ Und der Besuch stellt klar: „Doch, du hast gelacht.“

 

Sollte Gott etwas unmöglich sein? – Gilt das auch allen anderen Ungeduldigen, Zweifelnden, Verzweifelten? Allen, denen die Zeit davonläuft?

Wir wissen, wie die Geschichte weiterging. Abraham und Sara bekamen den Sohn, den sie sich gewünscht hatten, Isaak. Und weitere Generationen sind gefolgt: Jakob und Esau, Josef und seine Brüder.

Und Maria bekam einen Sohn, Jesus, ein besonderer Mensch, der uns Gott ganz nah gebracht hat.

Die Spannung zwischen Versprechen und ihrer Erfüllung ist geblieben. Wann kommt Gottes Reich? Wann wird sich sein Wille durchsetzen? Wann wird Frieden? Wann lernen wir, menschlich und gerecht miteinander umzugehen?

Im jüdischen Glauben wird immer wieder erinnert an Gottes Geschichte mit seinem Volk, mit Abraham, Isaak und Jakob oder an die Befreiung aus Ägypten, an die Heimkehr aus dem babylonischen Exil. Gott hat für uns gesorgt und er wird das weiter tun.

Wir Christen erinnern im Advent an Jesu Geburt. Gott kommt zu uns Menschen so wie er versprochen hat, für uns da zu sein. Dafür schmücken wir unsere Wohnungen und die Kirchen, zünden Kerzen an und bitten: Ja, komm Herr, komm zu uns. Verwandle unser Leben, unsere Welt. Stärke unsere Hoffnung und mach uns Mut.

Manchmal ist es kaum vorstellbar, dass die Verheißungen von Erlösung und Befreiung und vom Frieden auf Erden sich noch erfüllen. Manchmal mag ich kaum glauben, dass unser zerbrechliches Leben heil werden kann. Darum bitten möchte ich und wir können gemeinsam dafür beten.

Vielleicht geht Gott andere Wege mit uns, als wir sie erwarten. Vielleicht ist uns zwischendurch eher zum Weinen als zum Lachen zumute. Aber versprochen ist versprochen. Gott meint, was er sagt. Amen.

Fürbitten

Wir beten: Du, Gott, bleibst ewig und dein Name für und für. In diesem Vertrauen legen wir unsere Bitten für uns und die Welt vor dich.

 

Wir bitten für die Menschen in unseren Gemeinden, Dörfern und Städten. Für die, die sich fürchten vor dem kommenden Fest, weil sie Einsamkeit, Krankheit und Sterben aushalten müssen.

 

Lass das Licht von Bethlehem auch ihre Traurigkeit erhellen und die Klarheit des Herrn sie umleuchten, damit Furcht und Tränen weichen.

 

Wir beten für die, die das Weihnachtsfest kaum erwarten können.

 

Lass das Licht von Betlehem in ihren Fenstern und Herzen leuchten auch über Weihnachten hinaus, damit sie das Miteinander in unserer Gesellschaft heller machen.

 

Wir beten für die Menschen weltweit, die auf der Flucht sind vor Krieg und Vertreibung, für die, die Sterben und Gewalt erleben.

 

Lass uns den Frieden, den das Licht von Bethlehem verheißt, in die Welt tragen und weitergeben.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich!

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Der Herr hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden. Amen.