28. Juni 2020 - 3. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrer Martin Schwerdtfeger - Lektor: Helmut Gerisch

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Lukas 19,10

Mit dem Wochenspruch aus Lukas 19 begrüße ich Sie aus der Pauluskirche zum Gottesdienst am 3. Sonntag nach Trinitatis.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Gott, du bist die Quelle des Lebens. Jeden Tag haben wir Grund dich zu loben und sind doch oft so still. Wir geben Ängsten und Sorgen großen Raum und übersehen deine Freundlichkeit. Darum bitten wir dich, himmlischer Vater: Verzeih und lass uns deine Nähe spüren. Amen.

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Der Psalm dieses Sonntages ist der 103. Psalm:

Psalm 103, 1-13

Lobe den HERRN, meine Seele,

und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

Lobe den HERRN, meine Seele,

und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

der dir alle deine Sünde vergibt

und heilet alle deine Gebrechen,

der dein Leben vom Verderben erlöst,

der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

der deinen Mund fröhlich macht

und du wieder jung wirst wie ein Adler.

Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht

allen, die Unrecht leiden.

Er hat seine Wege Mose wissen lassen,

die Kinder Israel sein Tun.

Barmherzig und gnädig ist der HERR,

geduldig und von großer Güte.

Er wird nicht für immer hadern

noch ewig zornig bleiben.

Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden

und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.

Denn so hoch der Himmel über der Erde ist,

lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.

So fern der Morgen ist vom Abend,

lässt er unsre Übertretungen von uns sein.

Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt,

so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Lied: Ein neuer Tag bricht an, mein Gott [freiTöne 12]

Lesung Lukas, 15, 1-3.11B-32

Die Lesung steht bei Lukas im 15. Kapitel:

Es nahten sich ihm aber alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.

Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:

Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie.

Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen. Als er aber alles verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er fing an zu darben und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm.

Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich einem deiner Tagelöhner gleich! Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater.

Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.

Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen und rief zu sich einen der Knechte und fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederhat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen.

Da ging sein Vater heraus und bat ihn. Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, das ist dein. Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.

Predigt

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Micha 7,18-20

Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade!

Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.

Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.

Liebe Gemeinde,

„es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“ (Micha 6,8).

Das sagt der Prophet Micha ein Kapitel vor unserem Predigttext. – Gottes Wort halten, Liebe üben und demütig sein vor unserem Gott. – Das ist die Zusammenfassung für das, was von uns gefordert wird.

Es klingt überschaubar und nicht so kompliziert. Und unser Zusammenleben funktioniert ja auch, weil viele Menschen sich so verhalten und achtsam miteinander umgehen, weil sie Hilfestellung geben, sich für Kinder oder Ältere engagieren und lernen, mit Grenzen zu leben. – Wir haben diese Erde nur von unseren Kindern geborgt.

Und doch werden wir auch immer wieder schuldig. Wir verpassen Gelegenheiten, wo wir gebraucht würden. Wir werden einander nicht immer gerecht.

Die junge Frau mit ihren 28 Jahren wohnt in einer kleinen Wohnung in der benachbarten Großstadt. Die Banklehre hat sie erfolgreich abgeschlossen und eine gute Position in der Vermögensberatung bekommen. Doch sie hat Schwierigkeiten, privat Kontakte zu knüpfen und ist häufig recht unzufrieden mit sich und ihrem Leben.

In der Psychotherapie wird ihr deutlich, wie sehr sie unter ihrer strengen Mutter gelitten hat und immer noch leidet. Sie musste immer perfekt sein, Schwächen durfte sie nicht zeigen, emotionale Nähe hat sie nicht erfahren. Die Mutter hat immer das Beste für ihre Tochter gewollt und sie nach Kräften unterstützt, doch heute begreift sie langsam, dass sie auch einiges versäumt hat. Das macht ihr ein schlechtes Gewissen und sie fühlt sich schuldig. Für Mutter und Tochter eine belastende Situation, die sich auch im Nachhinein nicht mehr gutmachen lässt. Aus ihrer bedrängenden Lage kommen sie beide nur heraus, als die Mutter ihre Fehler eingesteht und die Tochter ihr vergeben kann.

Es gehört zu unserem Leben, dass wir in Situationen kommen, in denen wir nicht mehr aus noch ein wissen. Wir haben Gewissensbisse, spüren Schuld und wissen nicht, wie wir es wieder gutmachen können.

Finanzielle Schuld kann ich begleichen, materielle Schäden ersetzen. Habe ich jemanden an Körper oder Seele verletzt, ist das nicht so leicht.

Als Kind bekam ich gesagt: „Strafe muss sein.“ Das leuchtet mir bei kriminellem Verhalten auch ein. Die Strafe kann milder ausfallen, wenn jemand bereut und zur Aufklärung einer Straftat beiträgt. Aber es ist danach nicht einfach alles wieder gut. Die Verletzungen der Opfer sind dadurch nicht wieder geheilt. Bei sexuellem Missbrauch etwa wiegen die Traumata schwer und belasten oft ein Leben lang.

Strafe, Reue, Sühne.

In dem Beispiel von Mutter und Tochter verändert sich das gespannte Verhältnis, als die Mutter zu reden beginnt, als sie ausspricht, was sie versäumt hat.

Was geschehen ist, steht zwischen den beiden. Es beeinträchtigt sei beide, lähmt sie in ihren Möglichkeiten. Die Mutter redet es nicht klein, sucht nicht nach Entschuldigungen, sondern spricht aus, wie es ist. Danach kann die Tochter ihr verzeihen.

In Gesprächen anlässlich einer Goldenen oder Diamantenen Hochzeit erzählen mir Paare manchmal: Wissen Sie, es war zwischen uns natürlich nicht immer nur harmonisch. Wir haben uns auch gestritten. Aber wir haben uns spätestens am Abend ausgesprochen und dann war es wieder gut.

Schön, wenn das so gelingt. Wenn Meinungsverschiedenheiten beizeiten angesprochen und ausgeräumt werden. Fürchterlich wir es doch, wenn Ärger angesammelt und aufgestaut wird, bis eine Beziehung nicht mehr zu retten ist und man sich nur noch gegenseitig weh tut.

Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld?

So erlebt Micha unseren Gott und so schildert ihn Jesus im Gleichnis vom Vater und seinen beiden Söhnen. Gott ist nicht nachtragend. Salopp gesagt: Gott spielt nicht die beleidigte Leberwurst. Er möchte die Beziehung heilen und vergibt. Er freut sich über den Sohn, der nach Hause kommt, und lädt den Bruder ein mitzufeiern.

Micha lebt etwa im Jahr 700 vor Christi Geburt. Die Assyrer haben Israel mit Krieg überzogen. Das Nordreich gibt es nicht mehr. Von Judäa ist Jerusalem übriggeblieben. Propheten wie Jesaja oder Micha erklären das als Folge des eigenen Fehlverhaltens. Die Reichen haben nur auf ihren Vorteil geachtet. Die Schwachen wurden nicht geschützt. Wir haben nicht mehr nach Gottes Willen gefragt.

Aber das soll nicht das letzte Wort sein. Am Ende erinnert Micha an Gottes Barmherzigkeit. Gott vergibt und er hält sich an die Versprechen, die er Abraham und Jakob gegeben hat.

Verzeihen. Vergeben. Beziehung wieder aufnehmen.

Davon leben wir. Selber bekommen wir es oft nicht hin. Es fällt uns schwer, anderen zu verzeihen, weil eine Kränkung vielleicht zu groß war. Oder es macht uns Mühe, uns selbst zu vergeben, wenn wir einen Schaden verursacht haben.

Wo ist solch ein Gott wie unser Gott? – Er will erlösen von Gewissensbissen und Selbstvorwürfen. Er will uns befreien zum Leben. Deshalb können wir neu anfangen.

Amen.

Lied: Wir strecken uns nach dir [EG 664]

Wir beten:

Antworten Sie bitte auf die Fürbitten mit: Erbarme dich, Gott.

Guter Gott, du vergibst die Sünde und erlässt die Schuld, du hältst an deinem Zorn nicht fest, sondern hast Gefallen an Gnade. Dafür danken wir dir und preisen deine Barmherzigkeit.

Zugleich kommen wir zu dir mit allem, was uns belastet: mit unserer Schuld und der Not in aller Welt. Wir bitten um deine Gnade und rufen zu dir:

Erbarme dich, Gott.

Wir denken an alle, die in ihren Beziehungen leiden, die schuldig geworden sind im Umgang mit Freunden und Partnern, Eltern und Kindern. Wir bitten dich, dass sie lernen, einander zu verzeihen und aus der Vergebung frei werden zu lieben. Wir bitten um deine Barmherzigkeit und rufen zu dir:

Erbarme dich, Gott.

Wir denken an Ungerechtigkeit, Hass und Gewalt, worunter viele unschuldige Menschen zu leiden haben. Wir denken auch an die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft.

Wir bitten dich, dass alle frei werden, das Gute zu tun, das deinem Willen entspricht.

Wir bitten um deine Gerechtigkeit und rufen zu dir:

Erbarme dich, Gott.

Wir denken an deine geschundene Schöpfung, die fortschreitende Zerstörung unserer Umwelt. Wir bekennen, wie schwer es uns fällt, unser Verhalten nachhaltig zu ändern.

Wir bitten um deine Hilfe für neue Wege und rufen zu dir:

Erbarme dich, Gott.

Wir denken an unsere Gemeinde und deine Kirche in aller Welt, wie oft auch wir als Christen schuldig werden an unseren Mitmenschen, an unseren Kindern und an der Natur.

Wir bitten um deinen guten Geist, dass er uns erneuert, zueinander und zu dir führt und rufen zu dir:

Erbarme dich, Gott.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.

Amen.

Lied: Ein neuer Tag bricht an, mein Gott [freiTöne 12]

1. Ein neuer Tag bricht an, mein Gott; den will ich gern beginnen mit einem Lied, mit Lob und Dank und mich darauf besinnen: Du hast den Tag und auch die Nacht, du hast den Raum, die Zeit gemacht, du Schöpfer allen Lebens.

2. Ein neuer Tag ist ein Geschenk, das woll’n wir gern entfalten und nutzen diese gute Zeit, sie ganz bewusst gestalten. Oft leben wir so vor uns hin; dass wir so reich Beschenkte sind, das lass uns nicht vergessen.

3. Ein neuer Tag liegt nun vor mir, was wird er mir wohl bringen? Lass mich für andre offen sein und schärfe mir die Sinne, dass ich hinhöre und es seh‘, damit ich nicht vorübergeh‘, wenn andre Hilfe brauchen.

Text: Clemens Bittlinger 2015, Melodie: Nikolaus Decius(1523) 1539

Lied: Wir strecken uns nach dir [EG 664]

1. Wir strecken uns nach dir, in dir wohnt die Lebendigkeit. Wir trauen uns zu dir, in dir wohnt die Barmherzigkeit. Du bist, wie du bist: Schön sind deine Namen. Halleluja. Amen. Halleluja. Amen.

2. Wir öffnen uns vor dir, in dir wohnt die Wahrhaftigkeit. Wir freuen uns an dir, in dir wohnt die Gerechtigkeit. Du bist, wie du bist: Schön sind deine Namen. Halleluja. Amen. Halleluja. Amen.

3. Wir halten uns bei dir, in dir wohnt die Beständigkeit. Wir sehnen uns nach dir, in dir wohnt die Vollkommenheit. Du bist, wie du bist: Schön sind deine Namen. Halleluja. Amen. Halleluja. Amen.

Text: Friedrich Karl Barth 1985      Melodie: Peter Janssens 1985