3. Sonntag n. Epiphanias - 24. Januar 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrerin Elke Schwerdtfeger - Lektor: Tobias Busch

Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tische sitzen werden im Reich Gottes. Lukas 13,29

Liebe Gemeinde, willkommen zum Gottesdienst am 3. Sonntag nach dem Epiphaniasfest!

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Aus Psalm 86

Herr, neige deine Ohren und erhöre mich;

denn ich bin elend und arm.

2Bewahre meine Seele, denn ich bin dir treu.

Hilf du, mein Gott, deinem Knechte,

der sich verlässt auf dich.

5Denn du, Herr, bist gut und gnädig,

von großer Güte allen, die dich anrufen.

6Vernimm, Herr, mein Gebet

und merke auf die Stimme meines Flehens!

Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen

und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen ehren,

10dass du so groß bist und Wunder tust

und du allein Gott bist.

11Weise mir, Herr, deinen Weg,

dass ich wandle in deiner Wahrheit;

erhalte mein Herz bei dem einen,

dass ich deinen Namen fürchte.

Amen. 

Predigt

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

 

Heiß ist es. Sehr heiß.

Unbarmherzig sticht die Sonne vom Himmel.

Elimelech schaut zum Himmel:

Keine einzige Wolke ist zu sehen, nichts, was Hoffnung darauf macht, dass es regnen würde.

Traurig schaut Elimelech auf seine Felder.

Weizen hatte er gesät.

Aber die kleinen Pflänzchen,

die im Frühjahr gewachsen sind,

sind weg. Verdorrt. Einfach so.

Es wird nichts mit der Ernte.

Wieder nichts. Das dritte Jahr in Folge.

 

„Und das ausgerechnet in Bethlehem“,

denkt Elimelech bitter.

„Bethlehem, das bedeutet das „Haus des Brotes.“ Ausgerechnet im Haus des Brotes,

in der Kornkammer Israels,

gibt es kein Brot. In diesem Jahr schon wieder nicht.“

 

Sein Herz krampft sich zusammen,

als er nach Hause kommt.

Er hört seine beiden kleinen Söhne jammern:

„Wir haben Hunger! Mama, gib uns was zu essen!“ –

„Später vielleicht“, versucht die Mama zu trösten.

„Vielleicht bringt Papa etwas zu essen mit.“

Aber Elimelech hat kein Brot.

Nichts für seine Kinder,

nichts für seine Frau, Noomi, nichts für sich.

 

In dieser Nacht reden die beiden lange miteinander.

„Wir können hier nicht bleiben.

Das wäre der sichere Tod für unsere Kinder.

Sie sind jetzt schon so schwach.

Wir müssen in ein anderes Land gehen.“ –

„Aber wohin? Wo ist keine Hungersnot?“ –

„Lass es uns in Moab versuchen.“ –

„Ausgerechnet in Moab?!

Von Kindesbeinen an weiß ich,

dass die Moabiter schlechte Menschen sind.

Sie wollen uns in Israel nur Böses.

Zu denen willst du?“ –

„Ich habe gehört, dass es in Moab geregnet hat.

Dort wächst Getreide.“ –

„Das klingt verlockend.

Aber: Werden uns die bösen Menschen überhaupt reinlassen?

Werden wir eine Wohnung bekommen?

Arbeit? Essen?“ –

„Wir müssen es versuchen.

Auch wenn es mir das Herz zerbricht,

unsere Heimat zu verlassen.“ –

 

„Weißt du, Elimelech:

Dein Name bedeutet „Gott ist König“.

Wir wissen doch,

dass unser Gott uns nicht verlässt.

Egal wo wir sind. Er geht mit.

Auch durch die Not hindurch.

Er ist mit Mose und dem Volk Israel

durch die Wüste gegangen,

der ICH BIN DA.

Vielleicht ist es ja Gottes Wille,

dass wir nach Moab gehen.“

 

Gleich am nächsten Tag

packen sie ein paar Habseligkeiten zusammen

und machen sich mit ihren Kindern auf den Weg.

Sie haben große Angst und ein bisschen Hoffnung.

Tatsächlich erreichen sie nach einiger Zeit Moab.

Sie dürfen da wohnen und arbeiten.

Gott sei Dank!

Es gibt Brot in Moab, bei den Feinden.

 

Eines Morgens wacht Elimelech nicht auf.

Er ist tot. Gestorben von jetzt auf gleich.

Noomi ist jetzt eine Witwe

im fremden Land mit zwei Söhnen.

Jugendliche sind es.

 

Als sie ungefähr zehn Jahre in Moab sind,

freunden sich die beiden mit jungen Frauen aus Moab an und heiraten sie.

Noomi hat wieder Hoffnung auf eine Familie,

freut sich auf Enkelkinder.

 

Wenig später passiert Entsetzliches:

Auch die beiden Söhne sterben.

Nun ist Noomi ganz allein,

hat nur ihre Schwiegertöchter,

Orpa und Rut.

 

„Ihr Lieben“, sagt sie eines Tages zu den beiden,

„ich habe mich entschieden.

Ich gehe nach Bethlehem zurück.

Als Witwe kann ich hier nicht bleiben.

Hier habe ich keine Zukunft.

Mein Los ist zu bitter.

In Bethlehem gibt es wieder Brot.

Vielleicht kann ich dort irgendwie überleben.

 

Ich bitte euch: Geht wieder in eure Elternhäuser!

Gott schenke euch Gutes,

so wie Ihr mir und meinen Söhnen Gutes getan habt!

Und sucht euch dann Männer,

mit denen ihr neue Familien gründen könnt!

Dann habt ihr eine Perspektive für euer Leben.“

 

Beide protestieren.

Sie begleiten Noomi Richtung Heimat.

Irgendwann redet die alt gewordene

noch mal eindringlich mit beiden jungen Frauen.

Sie segnet sie.

Orpa folgt ihrem Rat und kehrt zurück.

 

Rut aber lässt sich nicht umstimmen:

„Wo du hingehst, da will ich auch hingehen;

wo du bleibst, da bleibe ich auch.

Dein Volk ist mein Volk,

und dein Gott ist mein Gott. 

17Wo du stirbst, da sterbe ich auch.“

So gehen die beiden miteinander nach Bethlehem.

 

Was für eine Geschichte, liebe Gemeinde!

 

Was für großartige, mutige Frauen!

Noomi, die die eigene Heimat verlässt,

um ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen!

Noomi, der Gott dann Fürchterliches zumutet.

Leer und traurig kehrt sie zurück in ihre alte Heimat.

 

Und Rut, die auch ihre Heimat verlässt.

Warum?

Sie weiß doch, dass das Leben in der Fremde

meistens einsam und bitter ist.

Hat sie in der Familie von Noomi

so viel „Bethlehem“ kennengelernt,

dass sie voll Vertrauen in die Zukunft schaut?

Sie entscheidet sich für Noomi,

für ihr Volk.

Und sie entscheidet sich für Noomis Gott.

 

„Ich bin der ICH BIN DA“, hat Gott zu Mose gesagt.

Weiß Rut von diesem Gott und hofft sie darauf,

dass er mit ihnen geht?

Dein Volk ist mein Volk,

und dein Gott ist mein Gott. 

 

Welch ein Vertrauen!

 

Liebe Gemeinde,

die Geschichte von Ruth und Noomi geht weiter:

Rut sichert das Überleben der beiden Frauen

Später heiratet sie

einen entfernten Verwandten von Noomi.

Die beiden bekommen einen Sohn.

Und dieser Obed,

das bedeutet „der Dienende“,

wird später Gott dienen.

Er wird ein Vorfahre vom König David sein,

ein Vorfahre von Jesus.

 

Gott denkt weiter als wir Menschen.

Gott denkt nicht in den Grenzen von Völkern:

Israeliten, Palästinenser,

Deutsche, Franzosen,

Rumänen, Iraner,

Indonesier, Afrikaner.

 

Gott denkt das Volk Gottes.

Dazu gehören Menschen aller Völker.

Für sie alle ist Gott da.

 

Es werden kommen von Osten und von Westen,

von Norden und von Süden,

die zu Tische sitzen werden im Reich Gottes.              

Lukas 13,29

 

Und sie alle sollen einander dienen.

Wie das aussieht?

Menschen aus Deutschland sind als Missionare in andere Länder gegangen, um das Evangelium zu verkündigen.

Wir haben jetzt Ärztinnen und Pflegekräfte aus vielen Völkern in unseren Krankenhäusern.

 

Welche Bereicherung wäre es,

wenn bald Pfarrerinnen mit afrikanischen

oder Diakone mit iranischen Wurzeln

in unseren Gemeinden arbeiten würden!

Vielleicht würden wir dann spüren,

was es bedeutet:

Dein Volk ist mein Volk,

und dein Gott ist mein Gott. 

Amen.

Und der Friede Gottes,

der größer ist als alle Vernunft,

bewahre unsere Herzen und Sinne

in Christus unserem Bruder.

Amen.

Wir beten:

Du Gott aller Völker,

zu Dir kommen wir.

Wir danken dir für alle Menschen,

mit denen Du unser Leben bereicherst.

Es sind Menschen aus ganz verschiedenen Völkern:

Wir denken an Menschen in Indonesien,

aus unserer Partnerkirche.

Beschütze sie in der Pandemie.

Sei bei Berti, Novri und Doni,

die zur Zeit in Deutschland eine Ausbildung machen.

 

Wir bitten Dich für unsere Gemeindeglieder,

die ihre Wurzeln im Iran haben.

Lass Deutschland für sie zur zweiten Heimat werden,

weil Du ihnen Heimat bist.

Viele von ihnen machen sich große Sorgen

um ihre Familien im Iran.

Beschütze sie in Zeiten von Krankheit und Armut.

 

Wir bitten dich für unsere Gemeindeglieder

mit Wurzeln in Afrika oder Südamerika.

Oft ist das Leben hier so fremd für sie.

Hilf ihnen in den Spannungen

durch die Erwartungen

aus der alten und der neuen Heimat.

 

Gott aller Völker,

behüte und beschütze Christinnen und Christen

in allen Ländern.

Lass uns alle ein Segen werden

für diese Erde.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich!

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Der Herr hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden. Amen.