21. Sonntag nach Trinitatis - 24. Oktober 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrer Martin Schwerdtfeger - Lektor: Helmut Gerisch

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Römer 12,21

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 19

Das Gesetz des Herrn ist vollkommen

und erquickt die Seele.

Das Zeugnis des Herrn ist gewiss

und macht die Unverständigen weise.

Die Befehle des Herrn sind richtig

und erfreuen das Herz.

Die Gebote des Herrn sind lauter

und erleuchten die Augen.

Die Furcht des Herrn ist rein und bleibt ewiglich.

Die Rechte des Herrn sind wahrhaftig, allesamt gerecht.

Sie sind köstlicher als Gold und viel feines Gold,

sie sind süßer als Honig und Honigseim.

Auch lässt dein Knecht sich durch sie warnen;

und wer sie hält, der hat großen Lohn.

Wer kann merken, wie oft er fehlet?

Verzeihe mir die verborgenen Sünden!

Bewahre auch deinen Knecht vor den Stolzen,

dass sie nicht über mich herrschen;

so werde ich ohne Tadel sein

und unschuldig bleiben von großer Missetat.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung Jeremia 29,1.4-7.10-14

Dies sind die Worte des Briefes, den der Prophet Jeremia von Jerusalem sandte an den Rest der Ältesten, die weggeführt waren, an die Priester und Propheten und an das ganze Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem nach Babel weggeführt hatte.

So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, zu allen Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen: Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte; nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen und gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehrt euch dort, dass ihr nicht weniger werdet. Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum Herrn; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl.

Denn so spricht der Herr: Wenn für Babel siebzig Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe.

Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung. Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören. Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der Herr, und will eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln aus allen Völkern und von allen Orten, wohin ich euch verstoßen habe, spricht der Herr, und will euch wieder an diesen Ort bringen, von wo ich euch habe wegführen lassen.

Predigt

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Als unser Sohn noch nicht in die Schule ging, bekam er zu seinem Geburtstag von einem Patenonkel ein Schwert aus Holz geschenkt. Das war eindeutig das schönste Geschenk. Damit lief er durch die Wohnung und durch den Garten und kämpfte gegen Drachen und böse Geister und gegen schlechte Menschen. Natürlich war er auf der Seite der Guten und es machte ihm Spaß.

Dass Konflikte auch auf einem anderen Weg ausgetragen werden können, war für ihn noch nicht vorstellbar. Diese Einsicht brauchte noch einige Jahre.

Das Schwert ist zweischneidig. Es steht für sehr viel Leid in der Geschichte. Es hat aber auch eine positive Bedeutung. So hat Justitia neben der Waage, die Interessen auszugleichen hilft, auch ein Schwert, um Gerechtigkeit durchzusetzen. Die Queen schlägt mit einem Schwert vorbildliche Menschen zu Rittern und Paulus wird mit dem Schwert des Geistes dargestellt, das es möglich macht, Wahrheit und Irrtum zu trennen.

In unserem Predigttext spricht Jesus von einem Schwert. Bei ihm erwarten wir eher Worte wie Frieden und Liebe. Aber er weiß auch um Konflikte, die auftreten können.

Matthäus 10,34-39

Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.

Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert.

Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.

Liebe Gemeinde,

das sind harte Worte. Gute Beziehungen in der Familie sind wichtig und Streit ist da nicht schön, wenn er Vertrauen zerstört und vielleicht sogar sprachlos macht. Und doch gibt es Situationen, in denen es nötig ist, Konflikte auszutragen und sie nicht um des lieben Friedens willen unter den Teppich zu kehren. So ist Gewalt nicht akzeptabel und Missbrauch nicht zu entschuldigen. Und es gibt Grenzen, wie weit Angehörige einem Alkohol- oder Drogenabhängigen helfen können.

Jesus sieht solche Konflikte auch aus Glaubensgründen. Am Ende der tröstlichen und ermutigenden Seligpreisungen sagt er: „Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und allerlei Böses gegen euch reden und dabei lügen. Seid fröhlich und jubelt; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden. Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind“ (Mt 5,10-12).

Unsere Geschwister in Indonesien machen solche Erfahrungen. Sie werden benachteiligt, wenn es um Stellen im öffentlichen Dienst geht. An manchen Orten haben Gemeinden Probleme, eine Baugenehmigung für eine Kirche zu bekommen. Pfarrer, die sich in West-Papua für Menschenrechte einsetzen, landen im Gefängnis oder werden ermordet.

In Deutschland haben es die Christen leichter, auch wenn unsere Kirche in den letzten 50 Jahren zu einer Minderheitenkirche geworden ist.

Inzwischen verbinden bei uns viele Menschen mit dem Begriff Kirche Missbrauchsskandale und teure Gebäude. Die Berechtigung der Kirchensteuer wird immer wieder infrage gestellt. In ethischen Fragen finden kirchliche Stellungnahmen weniger Beachtung. Das zeigen die Diskussionen um einen selbstbestimmten Tod, um vorgeburtliche Diagnostik oder den Schutz von Flüchtlingen.

Dennoch lohnt es sich weiter, christliche Positionen ins Gespräch zu bringen und Zeichen zu setzen. So beteiligt sich die Evangelische Kirche an der Rettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer. Da dürfen wir nicht wegschauen. Ebenso wenig bei der Bedrohung von Jüdinnen und Juden in unserem Land.

Streit ist nicht angenehm, aber in vielen Fällen einfach nötig.

Jesus geht in seiner Rede noch einen Schritt weiter. Wir sollen unser Kreuz auf uns nehmen, denn wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.

Sich in der Nachfolge Jesu auf den Weg zu machen, das ist kein entspannter Spaziergang. Das kann Ärger einbringen und ungemütlich werden.

Heute ist der Todestag des Bildhauers Ernst Barlach. Er starb am 24. Oktober 1938 an den Folgen eines Herzinfarktes. Seine Holz- und Bronzeplastiken sind bis heute eindrückliche Mahnmale für den Frieden – vielleicht, weil er Krieg seit seiner Einberufung 1915 zum Landsturm aus eigenem Erleben kannte.

Er schuf einige Ehrenmale für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs und ihre Hinterbliebenen. Dabei folgte er nicht der zeitgenössischen Erwartung, das furchtbare Sterben als Heldentod zu glorifizieren. Grauen und Trauer waren seinen Figuren ins Gesicht geschrieben. 1937 wurde ein Ausstellungsverbot verhängt, seine Werke der „entarteten Kunst“ zugerechnet und von öffentlichen Orten und aus Sammlungen entfernt.

Sein Werk Der Schwebende im Güstrower Dom wurde eingeschmolzen. Zum Glück wurde das Originalmodell bis zum Ende des Krieges versteckt und ein neuer Guss konnte in den Dom zurückkehren.

Für viele Betrachter wirkt der Schwebende wie ein Engel. Er hat keine weit ausgebreiteten, schützenden Flügel am weiten Gewand, sondern ist in einen eng anliegenden Mantel gekleidet. Er hat keinen offenen, zugewandten Gesichtsausdruck, sondern verschlossene Augen und Lippen. In seiner ganzen Größe steht das Mahnmal auch nicht ehrfurchtgebietend vor einem, sondern schwebt waagerecht mit forsch vorgestrecktem Kinn im Kirchraum auf Kopfhöhe der Betrachtenden. Und trotzdem wirkt seit Jahrzehnten „Der Schwebende“ zugewandt und tröstend, verkündet schweigend die Botschaft vom Frieden in der Gestalt eines Ehrenmals für Gefallene des Krieges.

Er hat seinen Platz wieder gefunden.

„Man soll das Kreuz wie eine Krone tragen“ hat einer der alten Kirchenväter gesagt, Johannes Chrysostomus. Der Einsatz für den Glauben wie für die Menschlichkeit kann beschwerlich werden. Am Ende führt er zum Leben. Amen.

Fürbitten

Himmlischer Vater,

wir bitten dich für Menschen in einer Sinnkrise,

die ihr Lebensziel aus den Augen verloren haben:

Erweise du dich ihnen als treuer Begleiter durch diese Zeit.

 

Stärkender Gott, wir bitten dich für die Menschen,

die vor schweren Entscheidungen stehen:

Stehe du ihnen als Ratgeber zur Seite.

 

Barmherziger Bruder, wir bitten dich für Familien, in denen das Gespräch abgebrochen ist, in denen es schwer fällt, einander zu akzeptieren:

Zeige du ihnen neue Wege zueinander auf.

 

Großer Gott, wir bitten dich für die Menschen, die in Gesellschaft und Politik Verantwortung tragen und so mit ihrem Tun oder Lassen über Krieg und Frieden entscheiden:

Schenke du Weisheit und Besonnenheit.

 

Treuer Gott, wir bitten dich für unsere Brüder und Schwestern, die unter Gefahr für Leib und Leben im Glauben an dich festhalten:

Sei du ihnen Schutz und Schild.

 

Gnädiger Gott, wir bitten dich für uns, dass wir spüren, wo mutigere Worte, deutlichere Taten notwendig sind, um von deinem Reich weiterzusagen und dafür einzustehen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn. – Gott sei ewiglich Dank.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und schenke dir Seinen Frieden.

Amen.