20. Sonntag nach Trinitatis - 25. Oktober 2020

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Pfarrer Martin Schwerdtfeger - Lektor: Helmut Gerisch

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Micha 6,8

Herzlich willkommen zum Gottesdienst in der Pauluskirche!

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 119

Wohl denen, die ohne Tadel leben,

die im Gesetz des HERRN wandeln!

Wohl denen, die sich an seine Zeugnisse halten,

die ihn von ganzem Herzen suchen,

die auf seinen Wegen wandeln

und kein Unrecht tun.

Du hast geboten, fleißig zu halten

deine Befehle.

O dass mein Leben deine Gebote

mit ganzem Ernst hielte.

Wenn ich schaue allein auf deine Gebote,

so werde ich nicht zuschanden.

Ich danke dir mit aufrichtigem Herzen,

dass du mich lehrst die Ordnungen deiner Gerechtigkeit.

Deine Gebote will ich halten;

verlass mich nimmermehr!

Tu wohl deinem Knecht, dass ich lebe

und dein Wort halte.

Öffne mir die Augen, dass ich sehe

            die Wunder an deinem Gesetz.

Wir beten:

Gott, du bist uns nah und dann wieder fern. Eigentlich wissen wir, was du von uns forderst, und deine Gebote helfen uns zu leben. Manchmal aber müssen wir Grenzen überschreiten, um den Menschen zu dienen.

Hilf, dass wir nicht starr sind in unseren Gesetzen und Traditionen, sondern sie immer wieder um der Menschlichkeit willen hinterfragen. Durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen.

Lesung 2. Korinther 3, 3-6

Ja, es ist offensichtlich: Ihr seid ein Empfehlungsschreiben, das von Christus kommt.

Zustande gekommen ist es durch unseren Dienst. Es wurde nicht mit Tinte geschrieben, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes. Es steht auch nicht auf Steintafeln, sondern auf Tafeln aus Fleisch und Blut – im menschlichen Herzen.

Diese Überzeugung verdanken wir Christus. Sie gilt auch bei Gott.

Von uns aus sind wir ja gar nicht in der Lage, uns etwas Derartiges zuzuschreiben – so als hätten wir es aus eigener Kraft erreicht.

Sondern es ist Gott, der uns dazu befähigt hat. Er hat uns die Fähigkeit verliehen, Diener des neuen Bundes zu sein. Und die Grundlage dieses Bundes sind nicht Buchstaben, sondern der Heilige Geist.

Denn der Buchstabe führt zum Tod, aber der Geist führt zum Leben.

Halleluja. Zeige mir, HERR, den Weg deiner Gebote, dass ich sie bewahre bis ans Ende. Halleluja.

Predigt

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Markus 2,23-28

An einem Sabbat ging Jesus durch die Felder. Unterwegs rissen seine Jünger Ähren von den Halmen. Da sagten die Pharisäer zu ihm: „Sieh nur, was sie tun. Das ist am Sabbat verboten.“

Er antwortete ihnen: „Habt ihr denn nicht gelesen, was David getan hat, als er und seine Männer in Not waren und Hunger hatten?

Der Oberste Priester war damals Abjatar. David ging in das Haus Gottes und aß von den Broten auf dem Altar. Dabei durften eigentlich nur die Priester davon essen. Aber David gab sogar seinen Männern von den Broten.“

Und Jesus sagte zu den Pharisäern: „Gott hat den Sabbat für den Menschen gemacht, nicht den Menschen für den Sabbat. Also kann der Menschensohn auch bestimmen, was am Sabbat erlaubt ist.“

Liebe Gemeinde,

Pausen sind wichtig. Gerade dann, wenn die Situation angespannt ist und einem die Arbeit über den Kopf wächst. Wenn man versucht ist, Extraschichten einzulegen und Zeit für Familie und Muße aufzuschieben.

Pausen sind wichtig. Wir wissen, dass unermüdliche Arbeit krank macht und zu Fehlern verleitet. Sie raubt Fantasie und Kreativität, versperrt den Blick für Lösungen, die sich abseits der gewohnten Bahnen auftun könnten.

Dorothee Sölle hat das einmal so beschrieben:

Du sollst dich selbst unterbrechen.

Zwischen Arbeiten und Konsumieren

soll Stille sein und Freude,

dem Gruß des Engels zu lauschen:

Fürchte dich nicht!

Zwischen Aufräumen und Vorbereiten

sollst du es in dir singen hören,

das alte Lied der Sehnsucht:

Maranata, komm, Gott, komm!

Zwischen Wegschaffen und Vorplanen

sollst du dich erinnern

an den ersten Schöpfungsmorgen,

deinen und aller Anfang,

als die Sonne aufging ohne Zweck

und du nicht berechnet wurdest

in der Zeit, die niemandem gehört

außer dem Ewigen.

Gott selber hat am siebten Tag der Schöpfung geruht. Er hat sich angesehen, was er gemacht hatte, und gesagt: „So ist es gut.“

Und er hat den Sabbat gesegnet und den Menschen angeraten, ihn auch zu halten. Einen Tag sollen wir freihalten von Arbeit und Stress. Einen Tag sollen wir uns Zeit nehmen für Gottesdienst und Familie. Einen Tag für Erholung und Spiel, für Ruhe und neue Ideen.

Das steckt hinter dem Feiertagsgebot und deshalb ist der Feiertag in unserem Grundgesetz auch geschützt. Damit Ausruhen auch für andere möglich ist, soll die übliche Geschäftigkeit unterbrochen werden. Wir sollen auch einander in Ruhe lassen.

Gegenüber früheren Zeiten ist die Sonntagsruhe inzwischen aufgeweicht. Mehr und mehr Berufsgruppen arbeiten sonntags – Polizei und Feuerwehr, Rundfunk und Fernsehen, Ärzte und Krankenschwestern. Verkaufsoffene Sonntag sollen die Innenstädte beleben. All das macht es schwieriger, gemeinsam freie Zeit zu verbringen. Geht uns da nicht etwas verloren?

Die Pharisäer achten in unserem Predigttext darauf, dass das Sabbatgebot eingehalten wird. Für sie ist das Ausreißen von Ähren schon Ernten, also Arbeit. Das geht doch nicht. Und sie sprechen Jesus darauf an. Müsste er es seinen Jüngern nicht verbieten?

Dazu sagt Jesus nicht einfach ja oder nein. Er hängt nicht am Buchstaben der Gebote, schafft sie aber auch nicht ab. Vielmehr fragt er danach, wofür sie da sind. Deshalb antwortet er mit einer Gegenfrage:

„Habt ihr denn nicht gelesen, was David getan hat, als er und seine Männer in Not waren und Hunger hatten?

Der Oberste Priester war damals Abjatar. David ging in das Haus Gottes und aß von den Broten auf dem Altar. Dabei durften eigentlich nur die Priester davon essen. Aber David gab sogar seinen Männern von den Broten.“

Hunger und Not darf man auch am Sabbat lindern. Der Ruhetag ist für die Menschen da und nicht umgekehrt. Und deshalb haben wir jeweils zu überlegen, was denn den Menschen hilft. Wir können abwägen, welche Folgen es hat, was wir tun, und prüfen, welches Gebot in einer Situation Vorrang hat.

Was ist richtig? Was ist falsch? Manchmal hätten wir gern klare moralische Grundregeln und Verhaltensmaßstäbe, an denen wir uns ausrichten können. Sind uns unsere Freiheiten wichtiger oder der Schutz von Schwächeren? Sollen wir erst einmal Arbeitsplätze sichern oder den Klimawandel bremsen?

Einfache Antworten helfen da kaum weiter. Wir müssen uns Gedanken machen und um gute Lösungen ringen.

Das braucht Geduld und es braucht bei allem nötigen Einsatz Pausen. Unterbrechungen.

Für Christen steht dann vor allen Regeln Gottes Treue, sein Bund mit den Menschen und seine Liebe. Wer nach Gott in seinem täglichen Leben fragt und nach dem, was den Menschen dient, der wird Gebote nicht engstirnig anwenden, sondern im christlichen Geist der Liebe und der Freiheit.

Deshalb möchte ich fragen: Was kann hilfreich sein an Sonn- und Feiertagen, damit ich gestärkt und lebensfroh in den Alltag und die Arbeit zurückkehren kann? Wie müsste ein Sonntag heute sein, damit er den Menschen dient, ihnen hilfreich ist?

Ich wünsche uns einen gesegneten Sonntag. Amen.

Fürbitten

Ewiger Gott, deine Gebote wollen nicht knechten, sondern uns zu einem Leben in Liebe befreien.

Deine Gebote wollen das Leben deiner Menschen in Würde gestalten.

Wenn wir nicht mehr an den Frieden und dein Reich glauben: Hilf unserem Unglauben.

Wenn unsere Hoffnung uns verlässt: Beflügele uns Trübsinnige durch deinen Heiligen Geist.

Wenn wir lieblos werden und nur an unseren Vorteil denken: Erinnere uns an die Nähe, die du jedem Menschen schenkst.

Wenn unsere Angst uns traurig macht: Breite Mut und Zuversicht unter uns aus.

Verleihe der Hoffnung Flügel an jedem Tag, der sein wird in unserem Leben. Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich!

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.

Der Herr hebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden. Amen.