20. Sonntag nach Trinitatis - 17. Oktober 2021

Gottesdienst aus der Pauluskirche mit Prädikant Matthias Mladek - Lektorin: Britta Hermes

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

Mit dem Wochenspruch aus dem Buch des Propheten Micha begrüße ich Sie herzlich zum Gottesdienst am 20. Sonntag nach Trinitatis in der Pauluskirche.

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 119

Wohl denen, die ohne Tadel leben,

die im Gesetz des HERRN wandeln!

Wohl denen, die sich an seine Zeugnisse halten,

die ihn von ganzem Herzen suchen,

die auf seinen Wegen wandeln

und kein Unrecht tun.

Du hast geboten, fleißig zu halten

deine Befehle.

O dass mein Leben deine Gebote

mit ganzem Ernst hielte.

Wenn ich schaue allein auf deine Gebote,

so werde ich nicht zuschanden.

Ich danke dir mit aufrichtigem Herzen,

dass du mich lehrst die Ordnungen deiner Gerechtigkeit.

Deine Gebote will ich halten;

verlass mich nimmermehr!

Tu wohl deinem Knecht,

dass ich lebe und dein Wort halte.

Öffne mir die Augen,

dass ich sehe die Wunder an deinem Gesetz.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Tagesgebet

Herr Gott, himmlischer Vater,

wir kommen zu dir, so wie wir sind,

weil du uns zu deinen Kindern gemacht hast

und zur Gemeinschaft mit dir einlädst.

Wir bitten dich: hilf, dass wir deine Gegenwart erfahren; nimm uns an –

unser Bitten, unsere Lieder, unseren Dank.

Durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in Ewigkeit.

Amen

Deinen Namen loben wir, heute und in Ewigkei.

Amen

Lesung Prediger 12, 1-7

Denk an deinen Gott, der dich geschaffen hat!

Denk an ihn in deiner Jugend,bevor die Tage kommen,

die so beschwerlich sind!

 

Denn wenn du alt geworden bist,

kommen die Jahre,die dir gar nicht gefallen werden.

 

Dann wird sich die Sonne verfinstern,

das Licht von Mond und Sternen schwinden.

 

Dann werden die dunklen Wolken aufziehen,

wie sie nach jedem Regen wiederkehren.

Die Gebrechlichkeit im Alter

 

Wenn der Mensch alt geworden ist,

zittern die Wächter des Hauses

und krümmen sich die starken Männer.

 

Die Müllerinnen stellen die Arbeit ein,

weil nur noch wenige übrig geblieben sind.

 

Die Frauen, die durch die Fenster schauen,

erkennen nur noch dunkle Schatten.

 

Die beiden Türen, die zur Straße führen,werden auch schon geschlossen.

 

Und das Geräusch der Mühle wird leiser,

bis es in Vogelgezwitscher übergeht

und der Gesang bald ganz verstummt.

 

Wenn der Weg ansteigt, fürchtet man sich.

 

Jedes Hindernis unterwegs bereitet Schrecken.

 

Wenn schließlich der Mandelbaum blüht,

die Heuschrecke sich hinschleppt

und die Frucht der Kaper aufplatzt:

 

Dann geht der Mensch in sein ewiges Haus,

und auf der Straße stimmt man die Totenklage an.

 

Das Ende des Menschen ist der Tod

 

Denk an deinen Gott, der dich geschaffen hat,

bevor die silberne Schnur zerreißt

und die goldene Schale zerbricht –

 

bevor der Krug am Brunnen zerschellt

und das Schöpfrad in den Schacht stürzt.

 

Dann kehrt der Staub zur Erde zurück,

aus dem der Mensch gemacht ist.

 

Und der Lebensatem kehrt zu Gott zurück,

der ihn gegeben hat.

 

AMEN

Predigt

Gnade sei mit Euch und Friede von dem der da ist, der da war und der da kommt. Amen

 

 

Liebe Gemeinde,

 

Hamburg, Landungsbrücken,

warten auf eine der gelbe Fähren, die uns Zuschauende zu dem weithin leuchtenden Musicaldome bringen soll...

„Der König der Löwen“ steht in großen Buchstaben auf den kleinen Schiffen...

Ein großer Löwenkopf ziert sie ebenfalls...

Schon hier am Fähranleger spürt man das gespannte Kribbeln, aufgeregt sprechen die Menschen durcheinander...

Strahlende Gesichter, leuchtende Augen...

Echte Vorfreude...

Das Licht in dem riesigen Theatersaal wird gedimmt, gespannte, atemlose Stimmung ist zu spüren...

Trommeln, Töne, Gesang...

Gänsehaut, ein wohliger Schauer...

eine besondere Spannung...

 

Ein Lied erklingt, in einer mir unbekannten, afrikanisch klingenden Sprache zunächst, dann auf deutsch:

 

Von Geburt an beginnt das Erlebnis
Wenn wir uns zur Sonne drehn
Gibt es mehr zu sehn,
Als man je sehen kann
Mehr zu tun, soviel mehr zu verstehn

Das Leben hier ist ein Wunder
Alles neu, alles endlos und weit

Und die Sonne zieht leis
Ihren goldenen Kreis

Führt Groß und Klein in die Ewigkeit

Und im ewigen Kreis
Dreht sich unser Leben
Dem Gesetz der Natur,
Sind wir geweiht

Wir sind alle Teil
Dieses Universums
Und das Leben,
Ein ewiger Kreis

 

Simba, der kleine Löwe, der Sohn des Königs, hat das Licht der Welt erblickt...

Und wir, das Publikum werden zu Augenzeugen...

Wir sehen, hören, erleben nahezu das gesamte Leben des kleinen Löwen...

 

Liebe Gemeinde,

 

den vorgesehenen Predigttext aus Prediger 12 haben wir bereits als Lesungstext gehört.

Ich werde ihn daher in dieser Predigt nur noch in Auszügen wiederholen:

 

Denk an deinen Gott, der dich geschaffen hat!

Denk an ihn in deiner Jugend, bevor die Tage kommen, die so beschwerlich sind!

 

Die unbeschwerte Zeit der Jugend, ohne Sorgen, ohne besondere Mühsahl...

Eine Kindheit ohne Angst, behütet, begleitet...

Eine Idealvorstellung?

Vielleicht sogar ein Traum?

Ein frommer Wunsch?

Wie geht es Ihnen? Wie haben Sie Ihre Kindheit, die Jugendzeit erlebt?

Wenn alles „richtig“ gelaufen ist, waren das gute Jahre...

Körperlich fit, gesund, stark und kräftig...

Aufgewachsen in dem Vertrauen, auf die elterliche Zuwendung.

Groß geworden in dem Gefühl, zuhause geborgen zu sein.

 

Danke Gott, für jeden Menschen, dem dieses Empfinden geschenkt ist.

Denk an deinen Gott, der dich geschaffen hat!

Denk an ihn in deiner Jugend,bevor die Tage kommen, die so beschwerlich sind!

 

Beschwerliche Tage, für zu viele Menschen kommen sie viel zu früh:

Die Generation meiner Eltern beispielsweise,

Kriegskinder, aufgewachsen in Angst, wenn die Sirenen ertönten...

Das Donnern und Krachen der Bomben, die Trümmer, der Staub, der Dreck...

Viele von uns, in unserer Gemeinde, wissen nur zu gut, wovon ich hier rede...

Sind es doch auch die Schatten ihrer Jugend...

 

Denk an deinen Gott, der dich geschaffen hat!

Ich glaube fest daran, dass er es war, der diese Generation durchhalten ließ...

Das Gott in diesen viel zu frühen - beschwerlichen Zeiten Kraft und Trost gespendet hat...

So wie er uns das Leben hindurch immer begleitet...

Und im ewigen Kreis
Dreht sich unser Leben
Dem Gesetz der Natur,
Sind wir geweiht

 

Sie erinnern sich an das Lied aus dem Musical...

Der Predigttext folgt diesem Kreis, hält unserem Leben den Spiegel vor...

In seinen Worten erkennen wir wieder, was unsere Knochen spüren, was unser Gemüt empfindet, was unsere Fähigkeiten uns verdeutlichen...

Im Kreislauf des Lebens verändern wir uns...

Denn wenn du alt geworden bist, kommen die Jahre, die dir gar nicht gefallen werden.

Dann wird sich die Sonne verfinstern, das Licht von Mond und Sternen schwinden.

Wir merken es in der Regel selbst, irgendwann sind – wie man so sagt - die Arme zu kurz...

Das Lesen fällt schwer, Zeit für die erste Lesebrille...

„Früher hat mir das nie etwas ausgemacht, inzwischen fällt es mir schon schwer...“

„Wo habe ich nur dieses oder jenes hingelegt?“

„Wie war noch der Name?“

Dann werden die dunklen Wolken aufziehen, wie sie nach jedem Regen wiederkehren.

Die Gebrechlichkeit im Alter...

 

Wenn der Mensch alt geworden ist, zittern die Wächter des Hauses und krümmen sich die starken Männer.

Viele von uns haben das selbst erlebt oder Vater oder Mutter dabei beobachten müssen, wie diese immer schwächer wurden...

Gezeichnet von einem Leben voller Arbeit, gebeugt von den Mühen der Jahre...

Viele Menschen reagieren auf dieses Wissen mit dem krampfhaften Versuch, die Jugend festzuhalten...

Das Alter zu leugnen...

In der Midlife-Krise plötzlich Motorradfahren lernen zu wollen...

Der Bungee-Sprung, oder was weiß ich...

Sie entwickeln für sich eine Lebensphilosophie nach dem Motto:

Lass es jeden Tag krachen, als wäre es dein letzter Tag...

Voller Ungeduld hechten sie den Erfolgen nach, dem Super-Job, der Beförderung...

Mein Haus, mein Auto, mein Gewinn...

Und sie merken dabei oft nicht, wie sehr sie getrieben werden, von einem falschen Traum, das Leben konservieren zu können...

Tod und Sterben verhindern zu können...

Den ewigen Kreis durchbrechen zu können...

 

Auch unser kleiner Löwe Simba tappt in diese Falle...

Der Jungspund, der es nicht abwarten kann, bis seine Zeit gekommen ist:

 

Als König wär ich superstark

Ein wirkliches hohes Tier

Oh ich will jetzt gleich König sein...

 

In seinem Hochmut gerät Simba in ein Rudel Hyänen...

Und sein Vater?

Der überlebt die Rettungsaktion für Simba nicht, Simba muss aus der Heimat fliehen...

Wenn schließlich der Mandelbaum blüht,

die Heuschrecke sich hinschleppt

und die Frucht der Kaper aufplatzt:

Dann geht der Mensch in sein ewiges Haus,

und auf der Straße stimmt man die Totenklage an.

Das Ende des Menschen ist der Tod

 

Nein liebe Gemeinde,

 

der Text aus dem Buch Prediger ist kein Loblied auf die Jugend, ist kein Appell, das Leben mal so richtig krachen zu lassen...

Der Autor des Buches Prediger lässt über weite Teile einen Prediger zu Wort kommen, gibt dessen Worte wieder...

In älteren Übersetzungen wird der Prediger „Kohelet“ genannt, was mit Lehrer übersetzt werden kann...

Das Buch ist Teil der Weißheitsliteratur des alten Testaments...

Im Gesamtzusammenhang betrachtet, geht der Lehrer einer entscheidenden Frage nach:

Was gibt dem Leben einen Sinn?

Er benutzt für das Leben hier immer wieder das hebräische Wort

HEBEL  [hewel]

Dampf oder Rauch die Bedeutung.

Das Leben, einerseits vergänglich und flüchtig.

Andererseits: rätselhaft und paradox...

 

So erscheint das Leben:

Wie der Rauch wirkt es real, so als könnten wir es greifen...

Es gibt so viele Gutes und Schönes, doch wenn wir es genießen, kann es sein, dass das Schicksal mit aller Härte zuschlägt,

das Glück, es schwindet und wir halten nichts mehr in Händen...

„Wenn es mir schon mal gut geht, war ja klar, dass dann wieder was passieren muss...“

„Plötzlich war das Wasser da und der Schlamm. Wir haben alles verloren!“

Als Rentnerin, da wollte sie noch so viel erleben.

Und jetzt?

Die Frauen, die durch die Fenster schauen, erkennen nur noch dunkle Schatten.

Die beiden Türen, die zur Straße führen, werden auch schon geschlossen.

Wenn der Weg ansteigt, fürchtet man sich.

Jedes Hindernis unterwegs bereitet Schrecken.

Wir Menschen, so der Lehrer, haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, doch wie oft sind es gerade die Lieben, die Guten, die besonderes Leid trifft...

„So eine liebe Frau. Das hat sie nicht verdient“

„Er war immer für alle da. Und jetzt diese Krankheit. Das ist nicht fair!“

 

Wir könnten jetzt sagen:

Dafür brauchen wir keinen Prediger, keinen Lehrer, um das zu erkennen...

Stimmt, denn es entspricht durchaus unserem eigenen Empfinden unseren eigenen Erfahrungen...

Das Leben folgt oft nicht unseren Vorstellungen von Gerechtigkeit und Fairness, von verdient haben...

Doch der Prediger bleibt hier auch nicht stehen.

Er zeigt uns Wege auf, die zu einem sinnhaften Leben führen:

 

Denk an deinen Gott, der dich geschaffen hat,

bevor die silberne Schnur zerreißt

und die goldene Schale zerbricht –

bevor der Krug am Brunnen zerschellt

und das Schöpfrad in den Schacht stürzt.

 

Das weltliche Streben nach Macht und Einfluss, nach Erfolg und Besitz:

Alles HEBEL, alles vergänglich wie Dampf und Rauch...

Der Tod ist der große Ausgleich, der Tod trifft Jede und Jeden...

Den Schlauen wie den Dummen, den Reichen wie den Armen, den Guten wie den Bösen...

Egal wie wir gelebt haben, egal was wir getan haben, wir werden sterben...

Dann kehrt der Staub zur Erde zurück, aus dem der Mensch gemacht ist.

Und der Lebensatem kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben hat.

 

Das ist unser Leben im ewigen Kreis.

Der Prediger, der Lehrer fordert uns eindringlich auf, unser Leben in einem ewigen Kreis mit Gott zu begreifen:

 

Von Gott geschenktes Leben,

von ihm begleitetes und behütetes Leben,

in ihm beendetes Leben

und in seinem Haus:

das ewige Leben.

 

Wie auch immer das aussehen mag, unser ewiges Leben bei Gott...

Ich glaube fest daran, das spätestens dann, alles Leid von uns abfallen wird...

Die Gekrümmte, richtet sich auf.

Der Erlahmte wird wieder hüpfen und springen.

Die Verlachte und Gedemütigte wird in stolzer Freude gerade stehen.

Der Enttäuschte wird aufatmen.

Und auch für Simba, den Löwen, gibt es das Happy End, wie es ich für ein Musical gehört:

 

Die Erinnerung an die Worte des Vaters

sind es schließlich, die ihm die Kraft geben,

sich durchzusetzen, die Prüfungen zu bestehen,

König zu werden.

Und ein letztes Mal erklingt es:

 

Wir sind alle Teil
Dieses Universums
Und das Leben,
Ein ewiger Kreis...

 

Gott sei Dank, steht unser Leben im ewigen Kreis mit Gott.

Amen

 

Und der Friede Gottes, größer als all unsere menschliche Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus, unserem Bruder.

Amen

Fürbitten

Du, Gott, sagst uns, was gut ist.
Dein Wort zeigt uns,
was gut ist und
wie wir leben sollen.

Dein Wort zum Leben wünschen wir uns.
Sprich es zu allen,
die Entscheidungen für andere treffen:
zu den Politikerinnen und Politikern,
zu denen, die Recht sprechen,
zu denen, die unser Zusammenleben schützen.
Sprich dein Wort zum Leben –
damit es gut ist.
Höre uns und erbarme dich.

Du, Gott, sagst uns, was gut ist.
Deine Liebe zeigt uns,
was gut ist und
wie wir leben sollen.

Deine Liebe zum Leben wünschen wir uns.
Umgib mit Liebe alle,
die für andere da sind:
alle, die sich um Kranke und Infizierte kümmern,
die für uns sorgen,
die sich denen in den Weg stellen,
die keine Liebe haben.
Zeig uns deine Liebe zum Leben –

damit es gut ist.
Höre uns und erbarme dich.

Du, Gott, sagst uns, was gut ist.
Deine Demut zeigt uns,
was gut ist und
wie wir leben sollen.

Deine Demut wünschen wir uns.
Lehre deine Demut alle,
die das Leben anderer beeinflussen:
alle, die unterrichten,
die ihre Meinung veröffentlichen,
die ihren Glauben bekennen.
Lehre uns deine Demut,
damit wir und deine Gemeinde so leben,
wie es gut ist.

Dein Wort, deine Liebe, deine Demut
gib uns und deiner Welt.
Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi.

Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Segen

Gehet hin im Frieden des Herrn. – Gott sei ewiglich Dank.

Gott segne dich und behüte dich!

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig.

Gott hebe sein Angesicht auf dich

und schenke dir Seinen Frieden.

Amen.